Krawall in Brüssel

Ich war am vergangenen Montag in Brüssel, um gemeinsam mit meinen europäischen Kollegen auf die miserable Situation auf den Märkten aufmerksam zu machen.

ich mit Heike Müller aus Mecklenburg-Vorpommern
ich mit Heike Müller aus Mecklenburg-Vorpommern

Erst als ich mittendrin in der Demo-Traube war, habe ich bemerkt (bzw. ich wurde aufgeklärt), dass eigentlich zwei Demonstrationen angemeldet wurden. COPA (der europäische Bauernverband) und EMB (EuropeanMilkBoard, dem auch der Bund Deutscher Milchviehhalter angehört) wollten demonstrieren. Ursprünglicher Plan war wohl, dass beides nebeneinander und räumlich getrennt ablaufen sollte.
Aber letztlich waren die Bauern des EMB und BDM wohl zahlreicher vertreten als vom Bauernverband (DBV) bzw. der COPA. Ganz sicher war diese Fraktion viel lauter und aggressiver.
Und diese weit verbreitete Aggressivität auch gegen Teilnehmer aus den Reihen des Bauernverbandes stimmt mich nachdenklich.
In den Nachrichten und den Printmedien wird Gott sei Dank noch recht wohlwollend von der Bauerndemo berichtet. Allerdings wurde seitens der Journalisten kaum bemerkt, dass da viele Verbände mit ganz unterschiedlichen Positionen unterwegs waren (Bericht der DW).

Quelle: http://brf.be/national/922917/ Vier Polizisten bei Bauerndemo verletzt
Quelle: http://brf.be/ Vier Polizisten bei Bauerndemo verletzt

Kontraproduktiv!

Wie wirken die Bilder der Gewalt gegen Polizisten auf die Bürger?
Wenn einem die Argumente ausgehen, dann greift man zur Gewalt und bekommt dann auch noch 500 Millionen als Belohnung?
Ich möchte, dass Landwirte in der Mitte der Gesellschaft bleiben! Wenn wir Gewalt akzeptieren, um unsere Ziele durchzusetzen, bewegen wir uns selber an den Rand der Gesellschaft.
Die Gewalt wird sich kontraproduktiv auswirken. Tierrechtler, die wir vom Berufsstand meiner Meinung nach völlig zu Recht als militant bezeichnen, schmieren den Gewaltexzess in Brüssel und wieder aufs Brot.

hilal_sezgin_zur_gewalt_in_brüsselIch möchte keine militanten Tierechtler und auch keine militanten Bauern.

Die spanische Zeitung El País hat folgende Fotosammlung auf ihrer Internetseite veröffentlicht:

YouTube ist voll von diesen „gewaltigen“ Szenen in Brüssel:



Komme ich nochmal zurück zu den Maßnahmen, die von der EU-Kommision scheinbar beschlossen wurden:

Die Beschlüsse sehe ich z.T. sehr kritisch, wenn es z.B. um das Eingreifen der Politik in die Märkte geht. Das geht spätestens mittel- bis langfristig nicht gut und verschiebt die Probleme eher. Maßnahmen zur Liquiditätssicherung, wie zügigere Auszahlung der Ausgleichszahlungen begrüße ich hingegen, wobei damit natürlich auch keine große Lösung gefunden ist.
Ich finde, die Politik sollte für Rahmenbedingungen sorgen, die uns aktiven Landwirten keine Knüppel zwischen die Beine wirft. Wir Bauern sind es, die die Russland-Sanktionen ausbaden müssen. Deshalb sollte sich die Politik auch als Türöffner für neue Exportmärkte betätigen- eine solche Maßnahme kostet auch keine Millionen.
Übrigens sind sich BDM und DBV auch einig! Wenn es um die Höhe der Hilfen geht. Die kolportierten 500 Mio. liegen deutlich unter den 900 Mio Euro, die die europäischen Landwirte als Strafe zahlen mussten für zu viel gelieferte Milch (Superabgabe). Das kann man schon als Affront, als schlechten Witz ansehen. Da macht es sich die Kommission wirklich zu einfach!
Während eine subventionierte Lagerhaltung bei Schweinefleisch nur den Betreibern von Kühlhäusern hilft, kann man für den Milchmarkt durchaus über die Einlagerung von Milchpulver reden. Dieses Produkt lässt sich wohl einfacher in künftig steigenden Märkten auslagern, als Schweinefleisch, das die Preise in diesem Sommer den Schweinehaltern verhagelt hat.

3 Gedanken zu „Krawall in Brüssel

  1. An dem Abend vor und am späten Nachmittag nach der Demonstration habe ich mit den Polizisten Caramell- Bonbons gegessen und gesprochen, über die bevorstehende bzw gewesene Aktion.
    Sie meinten das sollte ich sportlich sehen – Sonntags bekommen Sie doppeltes Gehalt , Montag ist Bambule und Dienstags haben Sie frei .
    Bei 6000 Demonstranten und nur 200 randalierenden Personen wär es nicht weiter schlimm !
    Nach Ihren Aussagen waren keine Kollegen im Krankenhaus , wohl behandelt – aber nicht stationär .
    Sie meinten auch das solche Kundgebungen von Unbeteiligten ausgenutzt werden um sich auszutoben.
    Ich hab mit 2 Landwirten gesprochen die als Sie durch die Straßen liefen mit Knallkörpern beworfen wurden
    und Montags wurde um kurz nach 5 in der Früh Stroh angezündet- das klingt ja auch danach
    .
    Außerdem war es schwer zu verstehen das es nicht irgendwelche Verbände waren die Krawalle gemacht haben sondern Nationalitäten, da waren sicherlich EMB zugehörige Belgier mit dabei und auch Franzosen – durch die gleichfarbigen Kappen bzw T- shirts waren auch die Teilnehmer der COPA sehr gut im Gewühl zu lokalisieren .
    Das war für mich eine interessante Erfahrung !!!!!
    Bleibt noch zum Abschluß die Bemerkung das ich so nicht demonstrieren möchte bzw werde und dennoch bin ich Aufgrund der überwiegend positiven Erlebnisse sicherlich beim nächstenmal wieder auf der Straße um mein demokratisches Recht auf freie Meinungsäußerung auch weiterhin zu nutzen.
    Es grüßt ein sehr beeindruckter
    Peddar

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