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Heißt Mastbetrieb immer Tierquälerei?

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Deutschlandfunk, Sendung Länderzeit
Thema: Massentierhaltung, am Mittwoch, 17. Juni´15  um 10:10 Uhr mit dem Titel:

Heißt Mastbetrieb immer Tierquälerei?

Schweinezüchter wehren sich gegen Vorwürfe von Tierschützern

Die Radiosendung wird live aus dem südhessischem Otzberg (Odenwald) übertragen. Die Schweinehalter Kathrin und Peter Seeger öffnen für diese Sendung ihren Hof. Weitere Gäste sind Felix zu Löwenstein, Dr. Jörg Altemeier, Martina Feldmayer und Dr. Kirsten Tönnies. Moderator wird Jürgen Wiebicke sein.

Vorstellung der Gäste:

Peter und Kathrin Seeger im Gespräch mit Verbrauchern
Peter und Kathrin Seeger im Gespräch mit Verbrauchern

Peter und Kathrin Seeger betreiben eine eigene Schweinezucht. Nach einem Stalleinbruch von Stallbaugegnern und daraus folgende negative Berichterstattung entschlossen sie sich zur Offensive. Seitdem bieten sie Interessierten die Möglichkeit, ihre Ställe von innen zu sehen. Seither haben viele hundert Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre Ställe von innen live erleben können. Kathrin Seeger ist zudem Initiatorin des Schweinemobils und auch Mitbegründerin der Informationsplatform „Frag den Landwirt„.

Foto von bauerwilli.com
Foto von bauerwilli.com

Dr. Felix zu Löwenstein ist Landwirt und Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Vorstandsmitglied im Forschungsinstitut für biologischen Landbau und auch als Buchautor bekannt. Die Bücher „FOOD CRASH: Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr und „Es ist genug da. Für alle.: Wenn wir den Hunger bekämpfen, nicht die Natur“ stammen aus seiner Feder.

Dr. Jörg Altemeier ist Tierschutzbeauftragter der Firma Tönnies und wird der Sendung aus Bielefeld zugeschaltet.

Martina Feldmayer ist agrarpolitische Sprecherin der Grünen im hessischen Landtag, in dem bekanntlich eine Schwarz-Grüne-Koaltion regiert.

Dr. Kirsten Tönnies ist Tierärztin und Mitglied im Tierärztlichen Forum für verantwortbare Landwirtschaft.

Außerdem rundet Lara Stein von der TiHo Gießen die Runde ab. Sie ist angehende Fachtierärztin Schwein.

Wie immer an den Vormittagen im Deutschlandfunk sind auch zu dieser Sendung die Meinungen und Anregungen der Hörer gefragt. Jeder kann sich über die Hörertelefonnummer 00800 – 4464 4464, per Mail: laenderzeit@deutschlandfunk.de oder bei Facebook in diese Sendung einmischen.

 

Fakten, Fakten, Fakten zum Thema „Genmais“

Der Streit um die EU-Zulassung der gentechnisch veränderten Maissorte „1507“ geht weiter (siehe auch Genmais verhindern?). Die EU-Kommission versucht mit einem Kompromiss die Gemüter in einzelnen Mitgliedsländern zu beruhigen und stellt die Möglichkeit nationaler Alleingänge bei der Zulassung in Aussicht.

Nach 10 Tagen wird die Diskussion immer sachlicher. Hervorheben möchte ich einen Beitrag des Deutschlandfunks vom 19.2.2014 in der Sendung „Umwelt und Verbraucher“ von Angelika Gördes-Giesen, der erfreulicherweise das für und wider der Gentechnik ausgewogen sachlich beschreibt.

Giftig oder nützlich? Umstrittener Genmais in Deutschland sorgt für Diskussionen“ aus UMWELT UND VERBRAUCHER von Deutschlandfunk

Das Thema grüne Gentechnik ist also noch immer in der aktuellen Diskussion und dabei werden immer stärker auch die Fakten berücksichtigt, die nach der anfänglichen öffentlichen Erregung auch auf fruchtbaren Boden fallen können. Dieses Zeitfenster möchte ich nun nutzen, um wissenschaftlich nachgewiesene und untermauerte Fakten zu liefern:

  • Zur Zeit sind 28 verschiedene Insektizid-Präparate bzw. 12 verschiedene Wirkstoffe in Deutschland für den Einsatz im Mais zugelassen.
Übersicht der im Mais zugelassenen Insektizide
Übersicht der im Mais zugelassenen Insektizide

Interessanterweise ist auch das Bacillus thuringiensis (Bt) zugelassen.

Durch Bacillus thuringiensis tenebrionis getötete Kartoffelkäferlarve (1 Tag nach der Anwendung), Foto: JKI entnommen von http://www.oekolandbau.de/
Durch Bacillus thuringiensis tenebrionis getötete Kartoffelkäferlarve (1 Tag nach der Anwendung), Foto: JKI
entnommen von http://www.oekolandbau.de/

Dieser Wirkstoff wird in der Maissorte „1507“ produziert und bekämpft so die Schädlinge Maiswurzelbohrer und Zünsler. Aus diesem Grund wird dieser gentechnisch veränderte Mais auch Bt-Mais genannt. Dieses Bacillus wird vorwiegend im Ökolandbau angewendet– und das seit über 40 Jahren.

Auf den Seiten des Internetportals Oekolandbau.de wird auch auf die Broschüre „Grundlagen und Einsatz im biologischen und integrierten Pflanzenschutz“ von Dr. agr. Renate Kaiser-Alexnat verwiesen. Hier wird deutlich, dass Bt in der Umwelt allgegenwärtig ist und seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet wird. Langzeitfolgenabschätzungen sind dort kein Thema!

  • Bt-Mais wird nicht nur in den Vereinigten Staat angebaut. Innnerhalb der EU wird in Spanien seit 1998 vermehrt Bt-Mais angebaut. Die Wissenschaftler Demont und Tolles der belgischen Universität Leuven begleiteten die Bt-Mais-Einführung in Spanien über 6 Jahre. In der Schlussfolgerung dieser Studie wird der Nutzen für Anbauer auf über 10 Mio. Euro beziffert. Allerdings war der Anbau von Bt-Mais in Spanien zunächst auf 25000 Hektar begrenzt. Heute wird auf ca. 150000 Hektar Bt-Mais angebaut und der ökonomische Vorteil wird heute sicherlich deutlich höher liegen.
  • Bt-Mais hat nicht nur einen finanziellen Vorteil für die Landwirte, auch ökologisch lässt sich ein Nutzen ableiten.
    Meissle und Lang (2005) beschreiben Untersuchungen zu den ökologischen Auswirkungen von Bt-Mais im Vergleich zur Insektizidanwendung zur Bekämpfung des Maiszünslers. Die Feldversuche liefen im Jahr 2001 in Bayern und wurden nicht von Anti-Gentechnik-Aktivisten zerstört. Untersucht wurde das Auftreten von 29 verschiedenen Spinnenarten im Maisfeld und welchen Einfluss die verschiedenen Varianten auf die Spinnenpopulationen haben. Ergebnis: Der konventionelle Insektizid-Einsatz hat einen deutlich höheren (negativen) Einfluss auf das Auftreten von Spinnen als der Bt Mais. Bt Mais schont also nachweislich die Spinnenpopulation in einem Maisbestand und fördert somit die Biodiversität verglichen zum Insektizid-Einsatz. Eine Großzahl an weiteren Versuchen von Studien aus Deutschland und der Welt in denen andere „Nichtzielorganismen“ untersucht wurden, zeigen sehr ähnliche Ergebnisse.
  • Ein weiterer Vorteil von Bt-Mais ist die Minderung von Mykotoxinbelastungen. Mykotoxine sind zum Teil hochgiftige und krebserregende Stoffe, die von Pilzen gebildet werden. Mit Mykotoxinen belastetes Getreide bzw. Mais ist also ein (Gesundheits-)Problem, das übrigens immer mal wieder in Deutschland auftritt und skandalisiert wird. Im Jahr 2010 veröffentlichten Ostry et al. eine Arbeit, in der 23 Studien zur Mykotoxinwirkung von Bt-Mais untersucht wurdenDie generelle Schlussfolgerung ist, dass Bt Mais ein wichtiges Werkzeug ist, um das Problem der Mykotoxinbelastung sowohl in Europa als auch in anderen Ländern zu kontrollieren. Vor allem in den Ländern, in denen Mais ein Grundnahrungsmittel ist, wie zum Beispiel Mittelamerika und Zentralafrika, wird der gesundheitliche Nutzen von Bt-Mais erheblich sein.
  • Eine gute Zusammenfassung vieler Untersuchungen und Studien liefert Shelton et al. aus dem Jahr 2002. In diesem Artikel geht es um ökonomische, ökologische und soziale Auswirkungen und um die Nahrungsmittelsicherheit vor dem Hintergrund der weltweiten Anwendung von Bt Pflanzen. Die Autoren kommen zum Schluss zu folgender Aussage: „Die bisher entwickelten gentechnisch veränderten Pflanzen, die in der Lage sind Bt Proteine zu bilden, sind sicherer und stiften einen höheren Nutzen als die konventionell eingesetzten Insektizide insbesondere auch vor dem Hintergrund des Einflusses auf Nichtzielorganismen„.

Um all die Quellen zu lesen und zu begreifen benötigt man sicherlich mehr als nur eine Stunde. Am Ende dieses Artikel zeigt es sich wieder, dass man mit einer Schlagzeile viele Ängste hervorrufen kann, es aber ein Vielfaches an Zeit und Text braucht, diese Ängste wieder zu nehmen. Ich hoffe, dass ich hier einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte.

Glaubenssätze

Glaubenssätze sind Meinungen und Überzeugungen, die wir uns aus bestimmten Erlebnissen oder Erfahrungen gebildet haben oder die wir von anderen übernommen haben.
Dabei ist Glauben nicht auch Wissen! Es  gibt einen großen Unterschied zwischen Glauben und Wissen. Das was wir Wissen ist mehr oder weniger fest zementiert, wird aber auch immer wieder in Frage gestellt und gegebenenfalls weiter entwickelt. Beim Glauben sollte das ähnlich sein, zumindest gehören Zweifel zum Glauben dazu.

Je fundamentaler und extremistischer ein Glaube in einer Gruppe praktiziert bzw. vertreten wird, desto weniger wird eine Kritik oder ein Zweifel akzeptiert. Dort sind Glaubenssätze das absolute Maß und alles andere wäre Blasphemie.

Ähnliches ist mir passiert, als mir als „Massentierhalter“ vorgeworfen wurde, dass die Massentierhaltung für alles Übel auf der Welt verantwortlich ist, einschließlich für die Grundwasserverschmutzung. Mit dieser These steht dieser Mitmensch wahrlich nicht alleine da. Viele Organisationen wie NABU, BUND aber auch Parteien wie die B90/Grünen sind fest davon überzeugt, dass dieser Glaubenssatz zutrifft. Wider besseren Wissens werden regelmäßig solche Glaubenssätze propagiert und so in breiten Teilen der Bevölkerung verfestigt.

Jetzt ganz aktuell zur Grünen Woche in Berlin wurde der kritische Agrarbericht vorgelegt, der Deutschlandfunk berichtete darüber in der Sendung „Umwelt und Verbraucher“ am 16. Januar diesen Jahres:


In der Anmoderation spricht der Moderator davon, dass „Luft und Gewässer über die Düngung mit Stickstoff vollgepumpt werden und dieses auch schlecht für das Klima sei“ (ab 0:20 Min). Allein die Wortwahl hat mit seriöser Berichterstattung nichts zu tun. Aber der folgende Bericht von Dieter Nürnberger unterstellte eben wieder die oben angeführten Glaubenssätze, dass die industrielle Landwirtschaft Ursprung allen Übels ist. Das gipfelte in der Bemerkung von Thomas Holzmann (Präsident des Bundesumweltamtes), das niemand ernsthaft bezweifeln könne, dass der schlechte Zustand des Grundwassers nicht mit dem Viehbesatz zu tun hätte (ab 4:00 Min).

Aber genau das möchte ich an dieser Stelle einfach mal bezweifeln und auch Fakten liefern, die zeigen, dass die Sachlage leider nicht so glasklar ist.

Folgende Folien stammen vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und beziehen sich auf das Bundesland Niedersachsen.

Altern
Abb.1: Übersicht über die ca. 1000 Messpunkte in Niedersachsen

In der Abbildung 1 werden die Messpunkte analog zur Ampel mit grünen, gelben und roten Punkten gekennzeichnet. Grün steht dabei für niedrige Nitratwerte und Rot für Werte, die über den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l Nitrat liegen.
Man kann erkennen, dass die bunten Punkte quer über die Landesfläche verteilt sind. Die roten Punkte konzentrieren sich in keinem Gebiet. Man kann in Niedersachsen schlechte Messwerte sowohl in Regionen mit intensiver Tierhaltung finden als auch in Ackerbaugebieten. Es ist kein Schema, keine Systematik zu erkennen.
Nun könnten die Kritiker sagen, dass das Grundwassersystem sehr träge ist und über viele Jahre betrachtet werden muss. Aus Abbildung 2 geht hervor, dass sich die Nitratkonzentrationen  sich innerhalb weniger Jahre beträchtlich ändern können.

Abb.2: Übersicht über die Nitratentwicklung
Abb.2: Übersicht über die Nitratentwicklung

Innerhalb von drei Jahren gab es viele Messpunkte, die sich stark verbessert (grün) oder stark verschlechtert (rot) haben. Aber auch hier lassen sich keine räumliche Konzentrationen erkennen. Eine negative Veränderung eines Brunnens kann nicht pauschal mit einer vorhandenen intensiven Tierhaltung begründet werden.

Abb.3: mittlere Nitratwerte seit 1990 bis 2010 in Niedersachsen
Abb.3: mittlere Nitratwerte seit 1990 bis 2010 in Niedersachsen

Niedersachsen ist das Agrarland Nummer 1 in Deutschland. Auch bei der Veredlung konnte die Erzeugung von tierischen Nahrungsmitteln z.T. erheblich gesteigert werden. Somit könnte man auf die Idee kommen, dass mit der Intensivierung und Ausweitung der Tierhaltung auch die Nitratbelastung gestiegen sein könnte, doch wie aus der Abbildung 3 hervor geht, sinkt die Nitratkonzentration kontinuierlich um knapp 1% pro Jahr.

Die Aussage, intensive Tierhaltung ist für hohe Nitratkonzentrationen verantwortlich, ist nicht richtig.
Jetzt möchte ich nicht die Verantwortung für unser Grund- und Trinkwasser abgeben. Das Nitrat ist eine Stickstoffverbindung; wir Landwirte düngen unsere Felder mit Mineraldünger oder organischen Düngemitteln wie Mist oder Gülle, die auch alle den wichtigen Nährstoff Stickstoff enthalten. Vielleicht gibt es weitere Quellen außerhalb der Landwirtschaft, aber letztlich hat die Landwirtschaft eine große Verantwortung für das Grundwasser. Dem stellen wir uns (mit Erfolg, wenn man Abb.3 betrachtet)- eine pauschale Verurteilung ist aber nicht zielführend. Wer das macht verfolgt wohl ganz andere Ziele?

Zwischen Ohnmacht und Gestaltungswillen

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Mein Lieblingsradiosender, der Deutschlandfunk, sendete gestern am seinem 50. Geburtstag ein sehr gutes Essay von Uwe Jean Heuser, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Wochenzeitung „DIE ZEIT“:

 

I. Ohnmachtsgefühle

 

Ein Schreckensjahr lang hat es gedauert, dann hat Europa kurz vor Jahresschluss 2011 doch noch Farbe bekannt. Die Euroländer und einige EU-Partner wollen enger zusammenrücken und das mit Leben füllen, was zuvor nur auf dem Papier stand: eine Stabilitätsunion. Schuldensünder sollen anders als früher tatsächlich bestraft, Schuldenbremsen eingerichtet werden. Dafür stellt Europa schneller mehr Geld bereit als zuvor geplant, teils über Brüssel, teils über den Währungsfonds in Washington.
Nicht alle EU-Länder sind bei diesem Projekt dabei, aber das dürfte wohl vor allem das Problem derjenigen sein, die es vorgezogen haben, draußen zu bleiben. Vor allem Großbritannien wird wenig Freude an seiner selbst gewählten Isolation haben. Es macht seine Banker glücklich, aber nicht seine Bürger. […]

 

Weiterzulesen unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1634442/ oder auch hier nachzuhören.

Auch wenn uns so manche alte Sorgen ins neue Jahr begleiten werden, wünsche ich allen Lesern ein gutes neues Jahr 2012!