Bauerndemos für eine Agrarwende?

Dass gestern zehntausende Bauern in den letzten Wochen demonstriert haben, hatte gute Gründe! Dass eine so große Zahl auf die Straßen geht und fährt, hat auch etwas mit dem Frust zu tun, der sich jahrelang angestaut hat!

  • Frust über die vielen Kampagnen diverser NGOs,einer grünen Partei und neuerdings auch dem Bundesumweltministerium gegen die Landwirtschaft.
  • Frust über eine gefühlt unausgewogene Berichterstattung in vielen Medien.
  • Frust darüber, eigentlich einen guten Job zu machen und trotzdem ständig als Sündenbock am Prager zu stehen- wegen jedem Übel der Welt!
  • Frust darüber, dass anscheinend die Partei, die mehrheitlich von Bauern gewählt wurde und in der sehr viele Bauern immer noch Mitglied sind, die Bauern mit der Verabschiedung des Agrarpakets Anfang September verraten und verkauft hat. Wofür? Für eine reine Smybolpolitik, die letztlich auf dem Rücken der Bauern ausgetragen wird!
  • Dieses Agrarpaket sorgte für den Wassertropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

40000 Bauern demonstrieren und ausgerechnet die AbL gibt Interviews

Georg Janßen von der AbL fordert verbindliche Vereinbarungen, damit Bauern wirtschaftlich mitgenommen werden bei einer Agrarwende (dpa/Christian Charisius)
Screenshot von deutschlandfunk.de

Als ich gestern morgen ein Interview mit Georg Janßen von der AbL im Deutschlandfunk auf dem prominentesten Sendeplatz in der Morgensendung hörte, habe ich mich wirklich geärgert! Da bekommt ein Vertreter einer Organisation eine Bühne, die jahrelang gemeinsam mit vielen NGOs die „Wir haben es satt„-Demo (WHES) veranstaltet. Eine Demonstration, die von den allermeisten Bauern als Diffamierung ihrer Arbeit und ihres Berufsstandes empfunden wurde und wird. Die deutliche Mehrzahl der Bauern, die in letzter Zeit demonstriert haben, fühlen sich von der WHES diffamiert. Sie fühlen sich von den vielen pauschalen Verurteilungen auf dieser Demo abgestoßen!

Diese Diskussion bei twitter habe ich gestern bereits begonnen. Hier kann jeder mitlesen, dafür braucht es keinen Twitteraccount.

Und ausgerechnet ein AbL-Vertreter darf sich also zu den Bauerndemos Stellung beziehen, Verständnis für die Bauern äußern und -jetzt kommt´s- für die Agrarwende werben! Und wird auch noch als „Landwirtschaftsvertreter“ angekündigt. Welch ein Hohn!

AbL fordert Agrarwende und begründet dieses mit den Bauernprotesten

Die AbL nutzt die Wut und den Frust der Bauern um die eindrucksvollen Demos letztlich für ihre eigenen ideologischen Zwecke zu missbrauchen. Das ist wirklich sehr unverschämt und auch dreist!

Aber damit ist die AbL ja nicht alleine:

Diese Liste ist sicher bei weitem nicht vollständig! Kommentare sendungsbewusster Journalisten habe ganz außen vor gelassen.

Bitte respektiert die demonstrierenden Bauern!

Respekt vor den demonstrierenden Bauern bedeutet auch, dass man deren Protest nicht für seine eigenen ideologischen Ziele missbraucht!

3 Gedanken zu „Bauerndemos für eine Agrarwende?

  1. Der WDR lies in seiner regionalen Aktuellen Stunde einen Moderator mit durchweg bauernfeindlicher Grundhaltung die Proteste der konventionellen Bauern zusammen mit dem Grünen Gräfe zu Barringdorf aufs hässlichste moderieren. Wir haben noch viel druckvolle (Überzeugungs) Arbeit vor uns.

  2. Respekt vor Bauerndemos haben, bedeutet auch, daß man nicht ständig von Radikalität, Militanz und Kriminalität schwadroniert. Und das Wort „Dialog“ kann so langsam keiner mehr hören. Ja, wir müssen unsere Probleme und unseren Ärger zum Ausdruck bringen. Aber: am Ende sollten verwertbare Beschlüsse herauskommen. Und das passiert doch recht selten. Die „Dialoge“ zielen oft auf den Verbraucher ab. Er ist das letzte Glied in der Kette und redet nach, was Politik, Medien und NGOs vorgeben. Deshalb ist Verbraucher-Dialog nicht wirklich zielführend.

  3. Georg Janssen von der AbL wird gefragt, weil die Medien gerne mit kompetenten Partnern sprechen. Dass er dann auch auf die Konzepte seines Verbandes verweist, ist doch nur logisch und ehrlich. Soll er sich zum Sprachrohr von LsV machen? Das wäre doch reine Anbiederung. Und trotz der eindrucksvollen Demonstrationen wird es doch weiterhin Diskussionen um den richtigen Weg für die Landwirtschaft geben, bei denen sich auch kritische Landwirtschaftsverbände zu Wort melden und selbstverständlich auch NGOs aus dem Umweltbereich.

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