Glaubenssätze

Glaubenssätze sind Meinungen und Überzeugungen, die wir uns aus bestimmten Erlebnissen oder Erfahrungen gebildet haben oder die wir von anderen übernommen haben.
Dabei ist Glauben nicht auch Wissen! Es  gibt einen großen Unterschied zwischen Glauben und Wissen. Das was wir Wissen ist mehr oder weniger fest zementiert, wird aber auch immer wieder in Frage gestellt und gegebenenfalls weiter entwickelt. Beim Glauben sollte das ähnlich sein, zumindest gehören Zweifel zum Glauben dazu.

Je fundamentaler und extremistischer ein Glaube in einer Gruppe praktiziert bzw. vertreten wird, desto weniger wird eine Kritik oder ein Zweifel akzeptiert. Dort sind Glaubenssätze das absolute Maß und alles andere wäre Blasphemie.

Ähnliches ist mir passiert, als mir als „Massentierhalter“ vorgeworfen wurde, dass die Massentierhaltung für alles Übel auf der Welt verantwortlich ist, einschließlich für die Grundwasserverschmutzung. Mit dieser These steht dieser Mitmensch wahrlich nicht alleine da. Viele Organisationen wie NABU, BUND aber auch Parteien wie die B90/Grünen sind fest davon überzeugt, dass dieser Glaubenssatz zutrifft. Wider besseren Wissens werden regelmäßig solche Glaubenssätze propagiert und so in breiten Teilen der Bevölkerung verfestigt.

Jetzt ganz aktuell zur Grünen Woche in Berlin wurde der kritische Agrarbericht vorgelegt, der Deutschlandfunk berichtete darüber in der Sendung „Umwelt und Verbraucher“ am 16. Januar diesen Jahres:


In der Anmoderation spricht der Moderator davon, dass „Luft und Gewässer über die Düngung mit Stickstoff vollgepumpt werden und dieses auch schlecht für das Klima sei“ (ab 0:20 Min). Allein die Wortwahl hat mit seriöser Berichterstattung nichts zu tun. Aber der folgende Bericht von Dieter Nürnberger unterstellte eben wieder die oben angeführten Glaubenssätze, dass die industrielle Landwirtschaft Ursprung allen Übels ist. Das gipfelte in der Bemerkung von Thomas Holzmann (Präsident des Bundesumweltamtes), das niemand ernsthaft bezweifeln könne, dass der schlechte Zustand des Grundwassers nicht mit dem Viehbesatz zu tun hätte (ab 4:00 Min).

Aber genau das möchte ich an dieser Stelle einfach mal bezweifeln und auch Fakten liefern, die zeigen, dass die Sachlage leider nicht so glasklar ist.

Folgende Folien stammen vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und beziehen sich auf das Bundesland Niedersachsen.

Altern
Abb.1: Übersicht über die ca. 1000 Messpunkte in Niedersachsen

In der Abbildung 1 werden die Messpunkte analog zur Ampel mit grünen, gelben und roten Punkten gekennzeichnet. Grün steht dabei für niedrige Nitratwerte und Rot für Werte, die über den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l Nitrat liegen.
Man kann erkennen, dass die bunten Punkte quer über die Landesfläche verteilt sind. Die roten Punkte konzentrieren sich in keinem Gebiet. Man kann in Niedersachsen schlechte Messwerte sowohl in Regionen mit intensiver Tierhaltung finden als auch in Ackerbaugebieten. Es ist kein Schema, keine Systematik zu erkennen.
Nun könnten die Kritiker sagen, dass das Grundwassersystem sehr träge ist und über viele Jahre betrachtet werden muss. Aus Abbildung 2 geht hervor, dass sich die Nitratkonzentrationen  sich innerhalb weniger Jahre beträchtlich ändern können.

Abb.2: Übersicht über die Nitratentwicklung
Abb.2: Übersicht über die Nitratentwicklung

Innerhalb von drei Jahren gab es viele Messpunkte, die sich stark verbessert (grün) oder stark verschlechtert (rot) haben. Aber auch hier lassen sich keine räumliche Konzentrationen erkennen. Eine negative Veränderung eines Brunnens kann nicht pauschal mit einer vorhandenen intensiven Tierhaltung begründet werden.

Abb.3: mittlere Nitratwerte seit 1990 bis 2010 in Niedersachsen
Abb.3: mittlere Nitratwerte seit 1990 bis 2010 in Niedersachsen

Niedersachsen ist das Agrarland Nummer 1 in Deutschland. Auch bei der Veredlung konnte die Erzeugung von tierischen Nahrungsmitteln z.T. erheblich gesteigert werden. Somit könnte man auf die Idee kommen, dass mit der Intensivierung und Ausweitung der Tierhaltung auch die Nitratbelastung gestiegen sein könnte, doch wie aus der Abbildung 3 hervor geht, sinkt die Nitratkonzentration kontinuierlich um knapp 1% pro Jahr.

Die Aussage, intensive Tierhaltung ist für hohe Nitratkonzentrationen verantwortlich, ist nicht richtig.
Jetzt möchte ich nicht die Verantwortung für unser Grund- und Trinkwasser abgeben. Das Nitrat ist eine Stickstoffverbindung; wir Landwirte düngen unsere Felder mit Mineraldünger oder organischen Düngemitteln wie Mist oder Gülle, die auch alle den wichtigen Nährstoff Stickstoff enthalten. Vielleicht gibt es weitere Quellen außerhalb der Landwirtschaft, aber letztlich hat die Landwirtschaft eine große Verantwortung für das Grundwasser. Dem stellen wir uns (mit Erfolg, wenn man Abb.3 betrachtet)- eine pauschale Verurteilung ist aber nicht zielführend. Wer das macht verfolgt wohl ganz andere Ziele?

6 Gedanken zu „Glaubenssätze

  1. WWF sind der Ansicht, dass die Nitratwerte im Boden aufgrund der industriell hergestellten Dünger zu hoch sind und fordern deswegen eine starke Politische Förderung der biologischen Düngemitteln. Ich glaube aber auch nicht, dass das die Ideallösung seien wird.
    Erstens ist es doch so, dass der Boden eine gewisse Anzahl von Nährstoffen braucht, damit die Pflanzen wachsen können und diese durch Düngemittel bekommt. Aber wenn diese gewisse Anzahl an Nährstoffen, die benötigt wird, so hoch ist, dass dadurch die Nitratgrenzwerten überschritten werden, ist es doch sinnlos mehr biologische Düngemittel verwendet werden, da doch auch so viel Düngemittel, ob biologisch oder nicht, verwendet werden muss, dass der Boden wieder eine gewisse Anzahl vor Nährstoffen besitzt und dadurch die Nitratwerte doch trotzdem gleich bleiben.
    Zweitens ist synthetische Düngung doch in mancher Hinsicht auch vorteilhaft, da zum Beispiel Ammoniumsulfatlösung ein Nebenprodukt einiger industrieller Prozesse ist, was man beispielsweise auch auf http://www.gfr-mbh.com/landwirtschaft/ammoniumsulfatloesung/ nachlesen kann, und somit die industriellen Nebenprodukte gut genutzt werden können.

  2. Sie schreiben Glaubensansätze – ich gehe einen Schritt weiter, und sag dazu „Lügen“.

    Aber genau dieses Konstruieren von falschen Zusammenhängen ist der Punkt, warum schließlich Misereor auf deren Zug aufgesprungen ist, und mit so offensichtlich fundamentalen Extremisten wie dem BUND und der AbL nicht nur gegen 99,5% der Bauern auf die Straße gehen, sondern auch gegen die Umwelt und die Ärmsten dieser Welt.
    Ich bin überzeugt, dass nicht jeder Misereoraner den ganzen Tag mit schlechter Absicht im eigenen Überfluss torkelt, aber die wenigen mit guter Absicht haben keine Chance gegen die Übermacht der Lügen.
    Bei Bornhorst bin ich mir nicht mal sicher, ob er nicht zuletzt selbst noch glaubt, was er von sich gibt. Sein Kommentar ( https://blogagrar.de/2015/02/09/dialog-mit-misereor-ii/#comment-6875 ) lässt kaum einen anderen Schluss zu.
    Schuld ist meiner Meinung nach, dass sich in Deutschland jede Organisation als gemeinnützig erklären lassen kann, ohne diese Gemeinnützigkeit jemals tatsächlich unter Beweis stellen zu müssen. So wird man weiterhin ungestört falsche Berichte erstellen können, um an die Politik ideologisch genehme Forderungen stellen zu können.

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