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Darum kaufe ich keine Produkte von Rügenwalder

Vor drei Tagen habe ich bei Twitter einen Tweet abgesetzt, in dem ich berichtete, dass bei uns zu Hause keine Rügenwalder-Produkte auf dem Tisch kommen.

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Dieser kleine Tweet (und ein weiterer Tweet von meiner Kollegin Nadine Henke) sorgte dafür, dass die FAZ von einem Bauernboykott gegen Rügenwalder berichtete:

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Wenn ich öffentlich twittere, dass bei uns zu Hause kein Produkt von Rügenwalder möglichst nicht auf den Tisch kommt, dann ist das zunächst meine Entscheidung bzw. die meiner Familie.
Das bedeutet sicherlich nicht eine Aufforderung an alle anderen Schweinehalter, Tierhalter oder Landwirte, es mir gleich zu tun. Ernährung ist für mich Privatsache. Wenn es Leute gibt, die sich vegetarisch, vegan oder sonst wie ernähren wollen oder gar leben wollen, dann ist es deren private Entscheidung. Diese respektiere und akzeptiere ich solange nicht aus der fleischarmen oder fleischlosen Ernährung ein überlegender moralischer Anspruch tituliert wird. Dann mische ich mich ein und kritisiere dieses gerne gelebte Überlegenheitsgefühl.
Wenn Rügenwalder bzw. dessen Geschäftsführer Raufuss ihren Gefallen an den vegetarischen oder veganen Produkten gefunden hat, dann habe ich auch kein Problem damit. Das ist eine clevere unternehmerische Entscheidung, die hohe Zahlungsbereitschaft einer bestimmten Klientel zu nutzen, um „Würste“ mit einer hohen Marge zu produzieren und an den Kunden zu bringen.
Allerdings bezeichnet Raufuss die Wurst als Zigarette der Zukunft und betreibt mit diesem Spruch eine Negativwerbung für ein qualitativ hochwertiges Produkt für das Rügenwalder bundesweit geachtet und bekannt wurde. Er impliziert damit, dass die aktuellen vegetarischen Würste, die ich als Wunder der Lebensmittelchemie und des Lebensmitteldesigns bezeichnen würde, gesunder wären als die bewährten guten Wurstprodukte aus Metzgershand.
Und weil Rügenwalder/Raufuss Fleischprodukte ohne Not herabwürdigt, halte ich es als Mäster für gegeben, diese Unternehmen, die gegen Fleischprodukte wettern, nicht auch noch mit meiner Kaufentscheidung zu unterstützen.
Ich hoffe, dass diese Erklärung dazu ausreicht, dass Außenstehende verstehen bzw. nachvollziehen können, warum Rügenwalder nicht mehr von uns gekauft wird.

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Sarah Dhem

Jeder von uns hat die Wahl: Es gibt eine Vielzahl verschiedener Anbieter von Wurstwaren. Ich kaufe doch lieber Produkte von einem Unternehmen wie Schulte, deren Geschäftsführerin Sahrah Dhem sich mit Leib und Seele für ihr Unternehmen und ihre Würste einsetzt und für die Branche eine tolle Botschafterin ist.

Genauso hatte ich die Wahl, welches Auto neu angeschafft werden sollte. Ein VW wurde es nicht, weil dieser Konzern sich auf Kosten der Nutztierhalter profilieren wollte und Greenwashing betrieb.

Auch beim Spenden habe ich die Wahl, wem ich etwas Geld zukommen lassen möchte oder nicht. Misereor ist es aktuell nicht mehr, weil Misereor die moderne Landwirtschaft viel zu pauschal kritisiert und letztlich auch mit ihrer Teilnahme an der „Wir haben es satt“-Demo mir und viele meiner Berufskollegen damit vor den Kopf stößt.

Ich stehe zu meinen Entscheidungen, vertrete sie auch in der Öffentlichkeit und begründe das auch. Keinesfalls möchte ich aber anderen vorschreiben, wie sie zu leben haben.

Wer ist wütender?

Logo stallbesuch.deThomas Wengenroth von Stallbesuch.de reagiert mit seinem aktuellsten Blogpost auf einem Artikel des FAZ-Journalisten Jan Grossarth. In diesem kritisierte er die den Umgang mit Kritik und negativer Presse von Landwirten in sozialen Medien und Blogs.

Wer ist wütender?

Die Stadt ist das bessere Land!

Tut Tierwohl dem Tier wohl?

Und was das miteinander zu tun hat

Thomas Wengenroth hat einen langen und lesenswerten Blogartikel auf seiner Seite Stallbesuch.de veröffentlicht. Er bezieht sich dabei auf einen Zeitungsartikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der gestrigen Veranstaltung der jungenDLG in Triesdorf.
5 Minuten Lesestoff, die sich lohnen:

Die Stadt ist das bessere Land! Tut Tierwohl dem Tier wohl? Und was das miteinander zu tun hat

allerlei Gerüchte ums Nitrat

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 13. Teil der kleinen Serie:

2.08 Mehr Öko-Hearsay zu Wasser & Nitrat

„Stickstoff wird als Nitrat massiv ins Grundwasser geschwemmt, so dass inzwischen bei fünfzehn Prozent des Trinkwassers der Nitratanteil über dem gesetzlichen Grenzwert liegt.“ ZITAT FAZ

Mainstream“ – aber falsch. Der Anteil des Trinkwassers, bei dem der Nitratanteil über dem gesetzlichen Grenzwert liegt, ist nahe Nullkommanichts!

ZITAT UBA: „Die Messdaten aus den Jahren 2011 bis 2013 zeigen: Das Trinkwasser hielt bis auf eine Ausnahme zu mehr als 99 Prozent alle Parameter ein.1

Wenn Nitrat so schlimm wäre, müsste man den Gemüseverzehr verbieten. Wer trinkt eigentlich noch Wasser aus dem Hahn? Die Nitratmenge aus dem echt getrunkenen „Trinkwasser“ ist im Vergleich zu Gemüse und Obst ein Witz.

Höchstmengenregelungen zu den Nitratgehalten in unterschiedlichen Lebensmitteln. Quelle: http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/nitrat/
Höchstmengenregelungen zu den Nitratgehalten in unterschiedlichen Lebensmitteln. Quelle: http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/nitrat/

Neuere Erkenntnisse sprechen dem Nitrat in den aktuellen Dosen einen Gesundheitsnutzen zu2. Es gibt inzwischen schon Nitrat-Fitnessdrinks3. Dieses Hearsay-Wissen breitet sich mit großer Unterstützung des UBA aus, Zahlen, Faken und Zusammenhänge werden durch „groß“, „bedeutend“, „Einfluss“ etc. ersetzt, wenn die echten Zahlen stören könnten – und man rückt die echten Zahlen zu den Behauptungen auch nicht raus4. Das UBA verstößt damit gegen die Beamtenpflichten5, es hat unparteiisch und seriös zu informieren.

5 Vgl.: http://www.gesetze-im-internet.de/beamtstg/__33.html


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Die Rolle des Umweltbundesamtes (UBA)

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 12. Teil der kleinen Serie:

2.07 Umweltlügenamt oder Wahrheitsbehörde?

Das Umweltbundesamt soll des „Ökosektierertum unverdächtig“ sein?

 „Selbst das jeder Art von Ökosektierertum unverdächtige Umweltbundesamt“ ZITAT FAZ

logumweltbundesamt_logo_ubaDas UBA ist eher die Zentrale des Ökosektierertums!1 Mit ihrer raffiniert irreführenden Informationspolitik verdient sich das UBA eher den Titel „Umweltlügenamt“ oder sarkastischer (aus der ZEIT!) „Wahrheitsamt2. Wenn man die Ernährung der Hälfte der Weltbevölkerung unter „Stickstoffbelastung“ summiert, so müsste man diesen Ungeist eher in Berliner, Moskauer oder Pekinger Planungsbüros vergangener Zeiten als in einem Ökobürohaus in Dessau verorten. Es geht hier um Menschen! Natürliche, lebensnotwenige Kreisläufe, wie bei der Nahrung, darf man nicht mit Wohlstandssackgassen, wie bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, vermengen.

Unsere Flüsse und Seen werden immer sauberer, alte Arten kommen zurück. Aber die, die früher an das unausweichliche Waldsterben glaubten, hatten schon immer eine Schwäche für Weltuntergangs-Sündenpredigten und ihre Heilsverkünder:

„Wenn die Münz im Biokasten klingt, die Ökoseel aus dem Umwelt-Fegefeuer springt“.

Wer lebt weiter auf 100qm Wohnfläche mit Garten auf bester Ackerbodenqualität, kassiert ein Wohlstandsgehalt, fährt Auto, fliegt erleichtert in den Urlaub – aber will anderen eine Umweltmoral mit Verzicht predigen? Verhaltensökonomen nennen das heute „Moral Licensing“3. Wer 1980 nicht an das unausweichliche Waldsterben glaubte, wurde moralisch auf die Stufe der Holocaustleugner gestellt. Wir müssen gut sein, zumindest diesen Anschein in der Twitter-Welt des Anscheins und der Selbstdarstellung erwecken, und wenn wir den eigenen Verstand dafür anpassen müssen.

ZITAT aus der ZEIT:„Wie in einem perfekt passenden Schuh, den wir kaum spüren, sitzen wir auf diese Weise in den Weltbildern unserer Zeit fest, deren Borniertheit erst spätere Generationen ganz ermessen werden.“ ZITAT ENDE4

Nun stelle sich mal einer hin und sage, Bio führt in eine Gängelungs-Diktatur von weltfremden Theoretikern statt zur Weltrettung! Wenn der Jungbauer in der Disco sagt, er wäre Biobauer, mit Pferd, hat er mehr Chancen auf eine vergnügliche Nacht. Danach richtet sich das schon, wenn überzeugt wurde.

4 ZEIT 36/15 Seite 39 Artikel von Iris Radisch – auch wenn Frau Radisch sicher ganz andere mit „Borniertheit“ meinte als ich.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Demeter und die Esoterik

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist sechste Teil der kleinen Serie:

Zum Artikel „So viel Oberweite braucht keine Pute“ von Jakob Strobel y Serra

2.01 DEMETER: Glaube gegen Wissenschaft, auch wenn die Kreislauftheorie stimmig ist

logo_demeter_rgbDie „Oberweite“-Sprache des strammen Heidjers verschlug wohl dem Feuilleton den Blick auf das „Oben- und Untenrum“ eines DEMETER-Betriebes? Gibt es im Feuilleton eine Schwäche für Obskures und Okkultes? DEMETER ist ein Enkelkind der Reformbewegung, speziell der Glaubensrichtung „Rudolf Steiner“, also der bio-dynamische Urkirche, im Unterschied zu den bio-organischen Abspaltungen später. Das sind alles von außen in die Landwirtschaft herangetragene Ideen, keine Gewächse knorriger Heidjer – und schon gar nicht in der Landwirtschaft verwurzelt. Es mag manchen Leichtgläubigen so vorkommen, als ob der anthroposophische DEMETER-Hokuspokus für die heutigen DEMETER-Betriebe nur noch eine Last ist, die man in der Praxis abgeschüttelt hat. Doch bei der Einweihung der Bauck-Fleischerei gab es viel Prominenz und auch den Segen des „Rayotronikers und ökologischer Bauberaters“ Martin Evers (*). Bäuerlich ist anders! Fest in der sandigen Heide verwachsen und rayotronisch eingependelt?

Doch er ist weder ein Bullenflüsterer noch ein Latzhosenidealist und schon gar kein Ökoesoteriker, sondern ein knorriger Bauer mit Quadratschädel, Prellbockkinn und Schraubstockhändedruck, der mit beiden Beinen fest in der sandigen Erde der Lüneburger Heide verwurzelt und dennoch auf seine Weise ein Weltverbesserer ist.“ ZITAT FAZ

Warum müssen bei DEMETER die Kühe die Hörner tragen?
Weil das die Antennen für den Strahlenaustausch mit dem Kosmos sind und das ist wiederum gut für Milch, Mist und Boden:
„Als wichtige lebendige Organe haben die Hörner Einfluß auf den Kräftehaushalt der Tiere und vor allem auf die Verdauungsleistung. So liefern sie ausgewogenen Dünger, der den Boden belebt und fruchtbar hält.Demeter und die Esoterik weiterlesen

Keine willkürliche Macht den Kontrolleuren!

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich heute ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist nach einer kürzen Pause der vierte Teil der kleinen Serie:

1.04 Alle Macht der Theorie-Partei!

„……die Länder zur Erstellung eines Nährstoffabgleichs zu ermächtigen. Erst damit können sie Daten über Anfall und Ausbringung von Dünger zu einem Nährstoffabgleich für die einzelnen Betriebe verknüpfen, durch den Verstöße sichtbar werden. ZITAT FAZ

nährstoffbilanz_gbr_2014
der bürokratische Aufwand ist bereits jetzt hoch

Hier wird ein Theoriepapier zum Fetisch! Das ist unnötig, nur Verwaltungs- und Landwirtschaftstheoretiker können sich daran hochziehen. Man kennt für jeden Betrieb die Tierbestände, Biogaskapazitäten, die Flächen und die Erträge recht gut, was anfällt, was an Flächen da ist, was die Erträge entziehen und hat die Entsorgung bei den Baugenehmigen („Entsorgungsnachweise“ – „Güllenachweisflächen“) vorgeschrieben. Über die Tierbestände und die vorgeschriebenen Aufzeichnungen für den überbetrieblichen Gülle-/Misttransport kann man Nährstoffbilanzen regional aufstellen und hat einen groben Überblick, ob die Flächen zu den anfallenden Mengen passen. Es kann doch weiterhin niemand kontrollieren, ob ein Landwirt lieber öfter auf ein hofnahes Feld fährt, damit das Grundwasser gefährdet, oder nicht. Es geht hier nur um weitere Theoriepapiere ohne jeden praktischen Nutzen für das Grundwasser, denn es gibt ja weiter keine Möglichkeit, felderbezogene Dungwerte zu kontrollieren! logo_biolandWie absurd diese theoretischen Annahmen werden, zeigt ein Protest von Bioland gegen zu geringe Düngermengen, die ihre Gewächshausbetriebe nach den neuen Regeln ausbringen dürften:

 „Eine Begrenzung der Gesamtstickstoffdüngung auf 170 kg/ha/Jahr ist für spezialisierte Unterglas-Bio-Betriebe (ohne relevante Freilandflächen) unmöglich zu erfüllen. Der Regelungsvorschlag würde dazu führen, dass der Stickstoffentzug von den Hauptkulturen Bio-Tomaten, Paprika und Gurken deutlich höher wäre als durch die Düngung zugeführt werden könnte. Während konventionelle Betriebe den Mehrbedarf an Stickstoff im Gewächshaus mit mineralischen Düngern ausgleichen können, sind BioBetriebe vollständig auf organische Dünger angewiesen.“ ZITAT Bioland

Für Freilandflächen mit hohen Ernten stellt Bioland keine Forderung, weil die Biobetriebe meist mit einem Düngermangel zu kämpfen haben, auf Ertragszuwächse oder ertragreichere Früchte deshalb verzichten müssen. Die hohen Erträge der Konvibauern auszubremsen, ist sicher auch ein unausgesprochenes Ziel von Bio, würde deren Einkünfte schmälern, evtl. mehr zur Umstellung auf Bio animieren.

Wenn man die Landwirte auf seiner Seite hat, statt sie über unfähige Theoretiker zu drangsalieren, stellt sich ein Erfolg ein. Das läuft mehr über Vertrauen und mit den bisherigen Kontrollen als über Prozesse. Hier sollen grünen Obergutsinspektoren an praxisfernen Ökoschreibtischen vermehrt werden und ihnen eine willkürliche Macht zugeschanzt werden, die ihnen nicht zusteht. Die bilden sich ein, mit ihren Theorien können sie die Nährstoffflüsse auf einem Feld regeln. Das geht heute nicht und das ginge auch mit den neuen Regeln nicht. Sie waren nicht in der Lage zu sehen, was Biogas oder die Biotreibstoffquoten für Nebenwirkungen haben – sind ohne jede Einsicht und weiter rhetorisch ganz Obenauf, was nur für Fachfremde kompetent klingen mag. Es prallt hier weiter eine abgehobene Theoriewelt auf eine ganz andere Praxis.

Die bisherigen, groben Kontrollen reichen, sie haben bis vor 10 Jahren zu rückläufigen Nitratmengen geführt, weil die Ernten (Nitratentzug) stiegen, die Verschlechterung der Werte entstand durch die fehlenden Begrenzungen bei Biogas. Die Verantwortlichen für diese Misere müssten bestraft und degradiert werden, also der grüne Theoretikerkomplex, nicht die Bauern. Die Heuchler tun so, als ob die bisherigen Regeln zu schwach waren. Das waren sie nicht, es waren ihre fehlenden Regeln für Biogas, die den Rückschritt brachten. Die neuen Regeln würden nur ihre Stellen und ihre Macht vermehren.

Nun gilt die neue Begrenzung für die Biogas-Gülle. Klug wäre es, die Wirkung erst mal abzuwarten. So dringlich ist die Sache nicht, die „Schadwirkung“ von Nitrat wird aus anderen Gründen maßlos übertrieben.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Düngeverordnung: Unterschied zwischen Theorie und Praxis

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich heute ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist bereits der dritte Teil der kleinen Serie:

1.03 Nicht die Überdüngung wird bestraft, sondern Ergebnisse einer theoretisch-dogmatischen Berechnung

 „In Paragraph 14 der Düngeverordnung soll demnach in den Absätzen 13 und 15 jeweils eine Formulierung wieder gestrichen werden, nach der das Ausbringen von zu viel Dünger als Ordnungswidrigkeit geahndet werden sollte.“ ZITAT FAZ

Das sind die Absätze 13 und 15 (*), Entwurf Stand: 18.12.2014:

„Ordnungswidrig im Sinne des § 14 Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe a des Düngegesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig:
Absatz 13) entgegen § 9 Absatz 1 einen Nährstoffvergleich nicht oder nicht rechtzeitig vorlegt oder nach § 9 Absatz 2 oder Absatz 3 den Kontrollwert überschreitet,
Absatz 15) entgegen § 9 Absatz 5 eine Düngebedarfsermittlung oder einen Nährstoffvergleich nicht oder nicht rechtzeitig vorlegt und entgegen § 9 Absatz 5 Satz 2 den Kontrollwert überschreitet“

Es geht hier nicht um das Ausbringen von zu viel Dünger, sondern erst mal um Strafen auf Ergebnisse höchst theoretische Berechnungen, was denn an Stickstoff und anderen Nährstoffen in dem ganzen organischem Mist/Gülle/Kompost auf einem Betrieb letztendlich enthalten sein könnte und ob das gut für die Böden ist.

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Foto: Vogelsang

Das sind alles Annahmen, denn jeder Mist, jede Gülle, der Kompost, jeder Boden ist anders, hat andere Werte, Verluste, etc. Die Ökoscharlatane tun aber nun so, als ob Mist und Böden genormte Waren mit bekannten, garantierten Inhaltsmengen und Eigenschaften seien.

Niemand könnte den Beweis führen, dass bei betrieblichen Düngern z.B. zuviel Stickstoff gedüngt worden wäre – also echt auf das Feld gekommen ist – und darum ginge es ja vor einem Richter.

Man könnte nur argumentieren: „nach unseren Durchschnittssätzen hätten diese Mistmengen diese Werte, diese Wirkung“ – ohne je den Mist gesehen zu haben, ob der mehr oder weniger Stroh enthält oder mehr oder weniger Kot. Wer gut einstreut, bekommt einen nährstoffarmen, strohigen Mist, bei dem nun auch die Umsetzungsverluste an der Luft extrem sind.

Wenn mal ein Wasserrohr im Stall geplatzt ist oder ein Sauberkeitsfimmel ausgebrochen ist, die abzugebende Gülle dünn wird, es würden bei der Theorie-Berechnung nur die Mengen und die dazu passenden Normwerte zählen, die tatsächlichen Inhaltsstoffe würden keine Rolle spielen. Diese Dogmatik engt unnötig ein.

 (*) Vgl.: http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Service/Rechtsgrundlagen/Entwuerfe/EntwurfDuengeverordnung.pdf?__blob=publicationFile

Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Die Grünen haben erhöhte Nitratwerte zu verantworten

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Dieses ist Teil 2 der Anmerkungen von Georg Keckl zur Berichterstattung in der FAZ.

1.02 Entscheidungen der Grünen kippten regional den Trend zu Wasserverbesserungen

„So erkennen fast alle Beteiligten mittlerweile an, dass der auf Subventionen beruhende Boom von Biogasanlagen nicht nur zur beklagten „Vermaisung“ der Landschaft geführt hat, sondern auch das Nitratproblem beträchtlich verschärft hat.“ ZITAT FAZ

Das hat sehr lange gedauert. Den alten Kritikern dieses Booms ist die neue Gesellschaft nicht immer angenehm. Es sind opportunistische Wendehälse dabei. Nachdem zuerst die „Marktwirtschaftler“, einige Unis und Naturschutzverbände, Kritik geübt hatten, haben viele Grüne zuerst widersprochen, dann den Finger in den Wind gesteckt, sich dann in die Büsche geschlagen, um als Kritiker wieder zu erscheinen. Schnell haben die Biogasler ihre Freunde verloren, viele davon wollen an diese Freundschaften nicht mehr erinnert werden. Nun werden die „Neue-Vorschriften-Daumenschrauben“ angezogen, der Zweig abgewürgt. Sie bleiben zu 100% vom Staat abhängig.

Biogasanlage (Foto: VEL)
Biogasanlage (Foto: VEL)

„Beträchtlich verschärft“ ist die falsche Beschreibung, „hat lokal die fast überall sinkenden Nitratwerte wieder umgekehrt“, wäre zutreffender.

Die Nitratwerte sanken übrigens überwiegend nicht wegen sinkender Stickstoff-Düngung, sondern wegen höherer Erträge, die Nährstoffe werden immer effektiver genutzt.
Bei Zuckerrüben wurde sogar die Stickstoffdüngung gesenkt und trotzdem die Erträge stark erhöht.

Nun muss aber trotzdem die Moral ins Spiel und einigen um die Ohren gehauen werden, weil sie sich sonst ihrer zu gern bedienen:

Die Schuld an ausbleibenden weiteren Erfolgen zur Verbesserung der Nitratgehalte tragen die Grünen! Die Grünen haben erhöhte Nitratwerte zu verantworten weiterlesen

So ein Mist – Folge 1.01 – das Netz ist dünn

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich heute und in den nächsten Tagen ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln.

Teil 1

Zum Artikel „So ein Mist“ von Reinhard Bingener auf Seite 5

1.01 Falscher Mainstream in Eingangsstatement

„…die EU-Kommission, die wegen der verschlechterten Wasserqualität ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet hat.“ (Zitat FAZ, erster Absatz:)

Wenn der Leser zu Beginn liest, dass sogar die EU Deutschland wegen „verschlechterter Wasserqualität“ anklagt, wird er das auf alle Wasserarten beziehen und das Ganze für eine große, einmalige Sache halten.
Der eigentliche Skandal ist nun die generelle Falschberichterstattung, der Mainstream, zu dem Thema, denn die Wasserqualitäten haben sich nicht verschlechtert, die Datenlage ist dünn und die EU klagt inflationär.

  1. Die Flüsse und Seen werden die letzten Jahren dramatisch sauberer, verlorene Arten kehren zurück, die Fischer beklagen drastisch verringerte Fangmengen weil die Gewässer so sauber, so klar wurden. Flüsse speisen sich aus Grundwasser u.a..
  2. Die EU-Kommission hat nicht wegen einer „verschlechterten Wasserqualität“ ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, sondern wegen einer nicht verbesserten Wasserqualität in einem sehr speziellen Netz.
  3. Das Nitrat-Datenmessnetz, auf das sich die EU bezüglich Deutschland stützt, ist absurd dünn, wurde vom grünen Geist nach Propagandagesichtspunkten angelegt und gegen jede Objektivierung verteidigt, unterscheidet sich fundamental von dem der damit verglichenen Nachbarstaaten. Nach den EU-Verpflichtungen wäre nötig gewesen, die Werte in diesem trickreich angelegtem „EU-Netz“ zu verbessern, was in Deutschland seit ca. 10 Jahren nicht mehr gelingt, darum die Drohung („Einleitung“) mit einem Vertragsverletzungsverfahren. Fertige Klagen laufen deswegen nach meinem Kenntnisstand gegen Frankreich, Polen und Griechenland(*) . 2004 liefen gegen 13 der damals 15 EU-Saaten Vertragsverletzungsverfahren deswegen. Den heutigen Stand kenne ich nicht, wäre aber auch nett zu wissen.
Entwicklung der mittleren Nitratgehalte im EU-Nitratmessnetz (im für Deutschland nicht repräsentativen „Belastungsmessnetz“, das nur 160 Messstellen hat). Die Schwankungen der Werte sprechen für einen sehr schwach abgesicherten „Trend“ und machen die Werte/ Wertermittlungen von 07 - 09 erklärungsbedürftig!
Entwicklung der mittleren Nitratgehalte im EU-Nitratmessnetz (im für Deutschland nicht repräsentativen „Belastungsmessnetz“, das nur 160 Messstellen hat). Die Schwankungen der Werte sprechen für einen sehr schwach abgesicherten „Trend“ und machen die Werte/ Wertermittlungen
von 07 – 09 erklärungsbedürftig!

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