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Schweinehaltung – Neue Modelle mit Auslauf oder Auslaufmodell?

An der Diskussionsrunde zum Thema Schweinehaltung habe u.a. auch ich teilnehmen dürfen. Die Videos sind schon vor ein paar Tagen bei Stallbesuch.de erschienen. Ich reblogge hier den Artikel von Moderator und Stallbesuch-Betreiber Thomas Wengenroth:


Thomas Wengenroth, Gabriele Mörixmann, Michael Reber |(c) stallbesuch.de

Am 17. Februar trafen sich Schweinehalter zu einer Diskussionsrunde, um über aktuelle Probleme und zukünftige Entwicklungen zu sprechen. Der Video-Mitschnitt ist hier in fünf Teilen zu sehen, die man nicht unbedingt in der vorgegebenen Reihenfolge anschauen muss (aber die Teile 2, 3 und 4 auf jeden Fall).

Hintergrund-Informationen zu den Teilnehmern stehen ganz am Ende, am Anfang aber eine persönliche Erklärung: Wenn der Kameramann ausnahmsweise vor, statt hinter der Kamera sitzt, kann es passieren, dass ein Diskutant etwas „aus dem Rahmen fällt“. Das ist schon peinlich. Was Michael Reber zu sagen hat, versteht man allerdings sehr gut und wer ihn kennt, weiß: er steht mit beiden Beinen mitten im Leben!

1. Teil: Wo stehen wir heute?
1. Kann man Schweine, mit gutem Gewissen, rein nach dem gesetzlichen Standard halten?
2. Bekommen Landwirte höheren Aufwand in der Haltung auch bezahlt?
3. Was kommt zuerst: die Diskussion über alternative Haltungsformen oder Zahlungsbereitschaft?
4. Mit wem sollen Tierhalter diskutieren und mit wem eher nicht?

2. Teil: Was läuft schief im Stall?
Was sind die Gründe für Fehlentwicklungen in der Schweinehaltung: Genetik, Haltungssysteme oder auch der Mensch? Über Stalleinbrüche und schwarze Schafe, kranke Schweine, und Turbo-Sauen.

3. Teil: Handel, Verbraucher, Kommunikation
Wer zahlt fürs Tierwohl? Verbraucher, Staat oder die Wenigsten?
Immer stehen wir vor der „Citizen-Consumer-Gap“: Bürger fordern viel, Verbraucher zahlen jedoch wenig. Muss das so sein oder liegt es an der Kommunikation? Welche Rolle spielt der LEH? Ein Beispiel aus der Praxis regt zum Nachdenken an.

4. Teil: Neue Ställe braucht das Land!
Mehr Tierwohl in neuen und alten Ställen muss auch behördlich genehmigt werden. Aber es gibt auch Zielkonflikte, z. B. zwischen Emissions- und Seuchenschutz.

5. Teil: Hat Schweinehaltung eine Zukunft?
Label, Sterne, Markenfleisch. Aber: muss es auch die Stufe „Basic“ geben? Und hat Schweinehaltung überhaupt eine Zukunft in Deutschland oder eher in Brasilien?

Teilgenommen haben:

Nadine Henke,
Tierärztin und Ferkelerzeugerin aus Niedersachsen.
„Brokser Sauen“ im Video
auf Twitter @BrokserSauen
auf Facebook

Gabriele Mörixmann,
Schweinemästerin aus NRW
„Aktivstall für Schweine“ im Video
eigene Website

Bernhard Barkmann
,
Schweinemäster aus Niedersachsen
und Blogger
auf Twitter @blogagrar

Michael Reber,
Schweinemäster aus Baden-Württemberg
Twitter @MichlReber
Eigene Website

Weitere Runden zum Schwein und anderen Tierarten sind in Vorbereitung.


Am Ende noch ein Danke schön an Thomas Wengenroth für seine unermüdliche und besonnene Öffentlichkeitsarbeit. So weit es geht, werde ich das Projekt Stallbesuch.de weiter unterstützen.
Außerdem darf ich zu über 1 Millionen Zuschauern auf YouTube gratulieren! Herzlichen Glückwunsch! Wer noch nicht Abonnent ist, der kann das hier schnell nachholen: Kanal von Thomas Wengenroth 

Wer ist wütender?

Logo stallbesuch.deThomas Wengenroth von Stallbesuch.de reagiert mit seinem aktuellsten Blogpost auf einem Artikel des FAZ-Journalisten Jan Grossarth. In diesem kritisierte er die den Umgang mit Kritik und negativer Presse von Landwirten in sozialen Medien und Blogs.

Wer ist wütender?

Agrarindustrie: nein danke!?

von Thomas Wengenroth, Stallbesuch.de

Logo stallbesuch.deImmer wieder ist die Forderung nach bäuerlicher Landwirtschaft statt Agrarindustrie zu hören und zu lesen. Nicht in „Megaställen“, sondern beim Kleinbauern sollen Rinder, Schweine, Hühner in Deutschland aufgezogen werden. Die genauen Grenzen, ab wann Landwirtschaft „groß“ ist, werden zwar selten benannt, aber eine Beispielrechnung lässt sich trotzdem recht einfach anstellen:

Nach der letzten Zählung gibt es noch 84.900 Milchviehhalter in deren Ställen insgesamt 4.190.000 Kühe stehen. 70% dieser Betriebe halten mehr als 50 Kühe. Verteilt man nun die Kühe aus diesen Großbetrieben auf lauter kleine, entstehen 58.660 neue Höfe mit je 50 Tieren.

schweine_stallbesuch89% der Mastschweine werden in Betrieben mit mehr als 500 Plätzen gefüttert. Die verteilen wir auch neu und erhalten so 49.306 kleine Bauernhöfe (zusätzlich zu den bestehenden 30.300 Mästern). Agrarindustrie: nein danke!? weiterlesen

Trotz Misstrauen: Öffnet die Höfe!

„Landwirte sollen bzw. müssen ihre Höfe und Ställe für Besucher und Medienvertreter öffnen!“

Das ist auch ganz klar meine Meinung. Aber leider kann ich auch meine Berufskollegen voll verstehen, wenn sie Ängste haben, Filmaufnahmen auf ihrem Hof und in ihren Ställen zu ermöglichen!

Das Misstrauen, nicht richtig dargestellt zu werden, ist riesig und hinzu kommt, dass die Bauernfamilien üblicherweise völlig ungeübt sind im Umgang mit den Medien und speziell mit Fernsehteams.

Und dann ist es überhaupt nicht hilfreich, wenn ein Bauer, wie aktuell bei Tim Mälzers Rindfleischreportage geschehen, offensichtlich unfair von einem Fernsehsender behandelt wird und getäuscht wird.

logo_top_agrar_online_pngBullenmäster Clemens Kleinbielen wird bei top agrar folgendermaßen zitiert:

„Hätten wir die Aufzeichnung vorab einsehen dürfen, wie es mit dem Team der ARD besprochen wurde, hätten wir der Ausstrahlung so nicht zugestimmt. Leider waren wir so naiv und haben den Verantwortlichen vertraut“

tim_mälzer_bullenstall_kl
Snapshot aus der ARD Mediathek

Und was sagt der Fernsehkoch Tim Mälzer denn eigentlich in dem Fernsehbeitrag? Zitat:

„Wenn das ein Vorzeigebetrieb ist, will ich mir gar nicht vorstellen, wie es bei anderen Mästern zugeht“

Eine typische Reaktion seitens der Medienvertreter. Solche oder ähnliche Begebenheiten höre ich nicht zum ersten Mal! Dass Misstrauen ist offensichtlich riesig- und das Gegenseitig.

Mit dieser Begebenheit wird die Situation aber leider nicht besser, denn die Zahl der Landwirte, die den Mut finden, Medienvertreter in ihre Ställe zu lassen wird nicht größer. Fernsehproduzenten werden noch länger brauchen, um eine Drehgenehmigung zu erhalten, was wiederum das Misstrauen steigert. Das ist so ein Teufelskreis, aus dem es schwer ist, herauszubrechen.

Mein Wunsch: Jeder lässt sich in die Ställe gucken! Dann hätten wir lauter Vorzeigebetriebe und auch vielleicht bei den kritischten Medienvertretern etwas Vertrauen gewonnen!

Aber das wird bis auf weiteres ein Traum bleiben, denn vielen geht es eigentlich wohl nur um die knallige Story, die auch Auflage bzw. Quote bringt. Und diese Art von Journalismus sorgt eben auch dafür, dass sich das Misstrauen gegenüber „die Medien“ seitens der Bauernschaft nicht abbaut.

Und eines möchte ich noch klar stellen:
Ich habe es nicht gern, wenn über DIE Bauern oder DIE Tierhalter geredet wird. Ich fordere ein, dass differenziert wird und auch miteinander geredet wird.
Also bitte ich auch alle, nicht von „DIE Medien“ zu reden! Es gibt ganz viele sorgsame und seriöse Journalisten, die fair mit ihrem Gegenüber umgehen. Das müssen wir uns bitte immer wieder bewusst machen!

logo_stallbesuch_180Aber zum Schluss möchte ich aber noch Hoffnung verbreiten: Denn auf Stallbesuch.de sind bereits viele Höfe und Ställe online zu besichtigen, die der vertrauenerweckende Thomas Wengenroth gefilmt hat!
Gut, dass es dieses Projekt gibt!

Und wo ich schon die Bullenmast und Stallbesuch.de thematisiert habe- es gibt da einen ganz tollen Film über eine Bullenmast, in dem der Mäster selber seine Bullenhaltung erklärt:

blanke Spekulationen, wilde Assoziationen und Falschinformationen

  • logo_plusminusBlanke Spekulationen
  • wilde Assoziationen und
  • Falschinformationen –
    das sind die Bausteine eines Sendebeitrages des „Wirtschaft“smagazins „PlusMinus“ mit dem Titel „Pestizid-Cocktails – Fast kein Obst und Gemüse ohne Chemie„.

Das behauptet jedenfalls Andreas von Tiedemann, Professor für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz an der Universität Göttingen.

Auf Stallbesuch.de ist der Beschwerdebrief des Professors an die Redaktion nach zu lesen:

Logo stallbesuch.deMeine Hoffnung, am Bildschirm jemals eine objektive und wahrheitsgemäße Berichterstattung über das Thema Landwirtschaft oder Pflanzenschutzmittel zu erleben, habe ich schon lange aufgegeben. Dass es in dieser Hinsicht keinen Qualitätsunterschied zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern gibt, hat das Beispiel der gestrigen PlusMinus-Sendung wieder einmal unter Beweis gestellt. Wenn Greenpeace von der Angst der Menschen vor vergiftetem Essen lebt, weil das ihre Existenz und Spendenwürdigkeit begründet, ist das nachvollziehbar, aber welches Interesse kann die ARD an einer derartigen Desinformation haben? – Fühlen Sie sich denn überhaupt nicht mehr zur verantwortungsvollen Aufklärung verpflichtet und sollten Sie sich deshalb nicht um Objektivität und wirkliches Fachwissen bemühen? blanke Spekulationen, wilde Assoziationen und Falschinformationen weiterlesen

Die Kapitulation der Wissenschaft vor dem grünen Mainstream?

bmel_gutachten_2015Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik (WBA) hat dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) ein Gutachten zur Nutztierhaltung überreicht. Der Titel des Papiers lautet „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ und der Inhalt ist brisant, denn die deutsche Nutztierhaltung sei in wesentlichen Teilen nicht zukunftsfähig.

Sabine Leopold, Redakteurin des Fachmagazins agrarmanager kommentierte bereits gestern dazu:

logo_agrarmanager_claim_80Um die bessere Verbraucherakzeptanz geht es darin vor allem. Und – so hoffte man im Vorfeld – um eine Versachlichung der Diskussion.
 
Letzteres ist, vorsichtig formuliert, nur sehr bedingt gelungen. In seinem Bericht bestätigt der Beirat zwar einerseits, dass die landwirtschaftliche Nutztierhaltung ein wichtiger und hoch effizienter Sektor der deutschen Wirtschaft sei, der zudem inzwischen äußerst ressourcenschonend arbeite. Zugleich aber sieht die Expertenkommission erhebliche Mängel in Tier- und Umweltschutzfragen. Für diese empfehlen die Unterzeichner unter anderem zeitnah folgende Maßnahmen:
  • Zugang aller Nutztiere zu verschiedenen Klimazonen (vorzugsweise Außenklima),
  • Angebot von Einrichtungen, Stoffen und Reizen zur artgemäßen Beschäftigung, Nahrungsaufnahme und Körperpflege,
  • Angebot von ausreichend Platz,
  • Verzicht auf Amputationen,
  • deutlich reduzierter Arzneimitteleinsatz,
  • verbesserter Bildungs-, Kenntnis- und Motivationsstand der im Tierbereich arbeitenden Personen und
  • eine stärkere Berücksichtigung funktionaler Merkmale in der Zucht.
 

Stimmen zum Gutachten

Unschwer zu erraten, dass dieses Gutachten eine Welle von Reaktionen losgetreten hat.
Am schnellsten waren die Grünen. Bereits am Vormittag erklärt Fraktionschef Anton Hofreiter in einer Pressemitteilung genüsslich, die „Politik der Massentierhaltung und Tierfabriken“ sei nun „amtlich“ gescheitert.
Später ergänzt Agrarsprecher Friedrich Ostendorff (Zitat: „Da kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen“), die Auflistung entspräche nahezu exakt den grünen Forderungen an eine Agrarwende. Und vergisst dabei zu erwähnen, dass das Schriftstück nach erster Sichtung der 78-seitigen Kurzfassung auch in Hinsicht auf den Mangel an praktikablen Lösungen deutliche Parallelen zum grünen Parteiprogramm aufweist. Zwar stellt der Beirat die Vorschläge unter einen gewissen Finanzierungsvorbehalt und fordert zum Beispiel eine deutliche Umschichtung der Prämierung tierwohlfördernder Maßnahmen in die 2. Säule, erklärt aber gleichzeitig ziemlich nonchalant, man müsse nur die Bereitschaft der Verbraucher, für mehr Tierschutz auch mehr zu zahlen, richtig kanalisieren. Zwar gebe es bislang wenig belastbare Fakten zum Verbraucherverhalten bei Tierschutz-Preisaufschlägen, dennoch ließen „die vorliegenden Verbraucherstudien auf eine beachtliche Zielgruppe für Produkte aus tierfreundlicherer Haltung schließen.“ Klingt ein wenig nach Kaffeesatzleserei, deren Fehlinterpretation im Zweifel der Produzent bezahlt.
 
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert in Person ihres Bundesvorsitzenden Martin Schulz – wiedermal – ein sofortiges Verbot großer Tierhaltungsbetriebe und übersieht dabei geflissentlich, dass das Gutachten sich gar nicht auf Bestandsgrößen bezieht und keine Tierzahloberzahlen empfiehlt. Zwar werden ausreichende personelle Kapazitäten zur Tierbetreuung gefordert, zugleich merkt der Bericht jedoch an, dass die Kosten für eine verbesserte Tiergerechtheit alle Betriebsgrößen vor eine schwierige Aufgabe stellen und gerade kleine Familienbetriebe im strukturschwachen ländlichen Raum hier schnell an ihre Grenzen stoßen könnten. Thema, verfehlt, liebe AbL, aber auch das ist nichts Neues.
 
Der Deutsche Bauernverband schließlich kritisiert mit deutlichen Worten die Kurzsichtigkeit mancher Forderungen im Gutachten im Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Landwirtschaft. DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken: „Die Empfehlungen der Wissenschaftler sind in Anbetracht der Konsequenzen für die Nutztierhaltung, die Bauernfamilien und für den ländlichen Raum unverantwortlich leichtfertig.“ Besonders kritisch sieht Krüsken dabei die viel zu optimistische Einschätzung der Nachfrage bei steigenden Preisen durch höhere Standards und die generelle Unterschätzung der entstehenden Kosten: „Diese Rechnung unterschlägt unter anderem die volkswirtschaftlichen Kosten durch die Entwertung von Investitionen und die Abwanderung der Wertschöpfung aus der Tierhaltung.“
 

Wunschliste mit wenig Praxisrelevanz

Alles in allem wirkt das Gutachten ein bisschen wie eine Wunschliste, die vor allem das Gespür für die richtige Reihenfolge vermissen lässt. Einfach mal davon auszugehen, dass die veranschlagten Mehrkosten vor allem durch moderat steigende (und vom Verbraucher problemlos akzeptierte) Endproduktpreise schon wieder reinzuholen seien, verschiebt das Risiko nahezu ausschließlich in Richtung der Landwirte.
 
Zudem übergeht der Expertenbeirat mehrfach, dass die von ihm unterbreiteten Vorschläge bereits umgesetzt werden, nur eben in verträglichem Tempo. Das Antibiotika-Monitoring zeigt erste Wirkung (www.qs-blog.de/2015/02/antibiotikamonitoring-betriebsvergleiche-geben-orientierung/). Bodengestaltung, Klimaverbesserung, Platzangebot, Beschäftigungsmaterial – in all diese Bereiche haben deutsche Tierhalter in den letzten Jahren investiert, nicht selten an der Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten. Und das Postulat einer verstärkten Konzentration auf funktionelle Merkmale in der Nutztierzucht rennt bei den meisten Züchtern auch längst offene Türen ein.
 
Einen besonders unangenehmen Beigeschmack allerdings hinterlässt die Forderung nach besserer Bildung, Qualifikation und Motivation der Tierbetreuer. Zum weit überwiegenden Teil trifft diese Feststellung Menschen, die sich mit Leidenschaft um ihre Tiere bemühen, sich regelmäßig weiterbilden (nicht selten in Kursen, die wenig mit dem Tierwohl, dafür aber viel mit Bürokratie zu tun haben) und in vielen Fällen 24 Stunden am Tag für ihre Herden bereitstehen. Eine derartig pauschale Forderung dürfte also viele engagierte Tierhalter bitter treffen.
Auch hier scheinen die Empfehlungen noch erheblichen Nachbesserungsbedarf zu haben, wenn sie die Diskussion um Strukturen, Tierwohl und Verantwortung nicht noch weiter anheizen sollen.

Soweit die Einschätzung und Einordnung von Sabine Leopold.

Ich bin der Meinung, dass wir die beste Tierhaltung aller Zeiten haben. Sie ist von ihren Standards her auch weltweit führend. Mit ihr produzieren wir Landwirte so sichere und gesunde Lebensmittel wie nie zuvor! Auch der Tierwohlfrage stellen wir uns! Daher kann ich es nicht nachvollziehen, dass der WBA sich nun anscheinend dem grünen Mainstream unterwirft.
Die Folge wäre ein Einbruch der Tierhaltung in Deutschland. Die Tierhalter dürften sich nun alle größte Sorgen um ihre Zukunft machen.

Ich frage mich: Sind wir nur noch Spielball der Agrarpolitik, die sich nicht mehr an wissenschaftlicher Logik orientieren muss?

Die deutsche Tierhaltung hat es geschafft, mit hohen Standards bei Haltungsbedingungen und beim Umweltschutz international wettbewerbsfähig zu sein. Diese Leistung wird nicht (mehr) anerkannt und das ist für mich wie ein Schlag ins Gesicht!

Die Abhängigkeit von staatlichen Subventionen wird künftig riesig sein- das mag vielleicht ein paar Jahre gut gehen. Nur wie lange? Bis der deutschen Gesellschaft die Landwirtschaftlichen Subventionen zu hoch erscheinen angesichts dann eingebrochener Produktionsmengen und steigender Abhängigkeit aus dem Ausland? Dann wird es wohl wieder Bestrebungen geben, die Landwirtschaft vor Ort wettbewerbsfähig zu machen?

In dem immer ideologischer werdenden Streit um die Ausrichtung der Agrarpolitik hätte ich mir die Wissenschaft als Begleiter der Landwirtschaft gewünscht. Kritisch und fachlich fundiert! Aber leider: Die Wissenschaft in Form der WBA streicht nun auch die Segel (nachdem schon kaum eine Partei mehr offen zur modernen Landwirtschaft stehen will). Ich finde, das ist ein Armutszeugnis für die Agrarwissenschaft, für die Wissenschaft allgemein und auch für Deutschland! Denn von freiem Unternehmertum, flankiert von auf wissenschaftlicher Basis stehenden politischen Maßnahmen, kann spätestens jetzt nicht mehr die Rede sein!
Ich hätte mir gewünscht, dass die Wissenschaft ihren Teil dazu beiträgt, der Bevölkerung zu erklären, wie groß die Einwirkungen auf das Grundwasser, auf Keimbelastungen usw. wirklich sind und wie sicher und gesund unsere Lebensmittel im Gegensatz zu früher sind. Aber das fand in der Vergangenheit kaum statt und kann wohl auch nicht mehr von den im WBA organisierten Professoren erwartet werden.  An die Öffentlichkeit traute sich bisher kaum ein Wissenschaftler, der nicht von diversen NGOs später „gesteinigt“ werden wollte. Und nun die völlige Kapitulation? Ich bin ehrlich gesagt fassungslos!

Ich denke in Generationen und möchte meinem Sohn einen soliden Betrieb übergeben können. Die Herren Professoren sind anscheinend gut besoldet und müssen sich nicht um ihre eigene Zukunft Sorgen machen. Aber möglicherweise sind für bzw. deren Institute künftig sogar mehr staatliche Forschungsaufträge zu erwarten?

Weitere Informationen:

FAZ: Gutachter fordern radikale Wende in der Tierhaltung
FAZ: Wie glücklich muss ein Schwein sein?
Bayrischer Bauernverband: Pauschale Diffamierung statt realistischer Weiterentwicklungsimpulse
Bauernverband Schleswig-Holstein: Was sich die Elite der Agrarwissenschaft von uns Bauern wünscht
Deutscher Bauernverband: Export der Nutztierhaltung ist keine Lösung für Landwirtschaft und Tierschutz
Stallbesuch.de: Vergleich der Empfehlungen des WBA von 2005 und 2015
das Gutachten im .pdf-Format zum Download: Kurzfassung, Zusammenfassung, komplett

Machbarkeitsstudie zum Schwanzbeissen bei Schweinen

In folgendem Video bzw. Telefonat mit Thomas Wengenroth von stallbesuch.de berichtet Prof. Dr. Blaha (Tierärztlichen Hochschule Hannover) von einer Studie zum Schwanzbeissen bei Schweinen.
Die Versuche bei verschiedenen Betrieben waren nicht erfolgreich, aus diesem Grund bezieht Professor Blaha deutlich Position und empfiehlt dem niedersächsischem Landwirtschaftminister, auf ein generelles Verbot für das Schwanzkupieren zu verzichten. Das von Minister Meyer angedachte Geld für die sogenannte Ringelschwanzprämie solle besser für die Forschung und das „Training“ auf den jeweiligen Betrieben eingesetzt werden.



Endlich bezieht ein Wissenschaftler einmal deutlich Stellung! Als Landwirt und Tierhalter fühlt man sich in seiner Argumentation manchmal ganz schön alleine gelassen gegen die vielen Akteure, die gerne gemäß ihren ideologischen Wunschvorstellungen entscheiden wollten.

Jetzt ist die ZEIT

Landwirt, Tierarzt + Verbraucher im Diolog: Mit der Gegendarstellung in der ZEIT wird auch eine Homepage freigeschaltet. (Bild anklicken) (c) dafür-stehen-wir.de
Landwirt, Tierarzt + Verbraucher im Diolog: Mit der Gegendarstellung in der ZEIT wird auch eine Homepage freigeschaltet. (Bild anklicken) (c) dafür-stehen-wir.de

Es ist tatsächlich geschafft: Die Gegendarstellung ist nun in der Wochenzeitung die ZEIT erschienen. Gut 30000 € wurden von 1837 Landwirten, Tierärzten und den dazugehörigen Branchen gespendet. Eine ganz bewusst breit angelegte Solidaritätsaktion gegen die unsachliche Berichterstattung der ZEIT, die auch hier im Blog mehrfach thematisiert wurde.

Thomas Wengenroth (stallbesuch.de) hält die gedruckte ZEIT in den Händen
Thomas Wengenroth (stallbesuch.de) hält die gedruckte ZEIT in den Händen

Mit der heutigen wurde auch eine Homepage freigeschaltet: dafür-stehen-wir.de und die dazugehörige Facebookgruppe.

Man kann es erahnen: Diese Anzeige wird kein einmaliges Projekt bleiben. Bleibt zu hoffen, dass viele ZEIT-Leser sich längerfristig mit landwirtschaftlichen Themen unvoreingenommen beschäftigen. Ein Schritt ist gemacht und ich wette, dass hier noch weitere Schritte hinzukommen.

Zu guter Letzt hoffe ich, dass diese Anzeige nicht nur bei den Lesern der ZEIT „angekommen“ ist, sondern auch bei den Journalisten. Es wäre wirklich schön, wenn die Einsicht wächst, dass die Serie um „Die Rache aus dem Stall“ viele Schwächen hatte und es künftig gute Gründe gibt, die Meinung der Praktiker (Landwirte und Tierärzte) etwas ernster zu nehmen. Das wäre nämlich guter Journalismus, wie er traditionell bei der ZEIT vermutet wird. Marion Gräfin Dönhoff, ehemalige Chefredakteurin und Herausgeberin der ZEIT, hat ihren persönlichen Anspruch als Journalistin folgendermaßen formuliert:

etnommen von dafür-stehen-wir.de, (c) Lebendiges Museum online
entommen von dafür-stehen-wir.de, (c) Lebendiges Museum online

 

die ZEIT: Reaktionen auf „die Rache aus dem Stall“

Viele Landwirte und auch Tierärzte empfanden die Titelstory der ZEIT vom letzten Donnerstag als sehr ungerecht und einseitig. An sehr vielen Stellen wurde zum Teil hitzig diskutiert.

Bei Facebook habe ich längst den Überblick verloren- so viele Diskussionsstränge wurden aufgemacht. Beeindruckend und letztlich auch ermutigend empfinde ich es, wenn dort in den Diskussionen viele selbstbewusste Landwirte auftreten und ihre Sicht der Dinge beschreiben. Alle ZEIT-Leser, die sich auch für die Kommentarspalten interessieren ahnen nun, dass hier vielleicht nicht ganz so objektiv gearbeitet wurde wie man das ansonsten möglicherweise gewohnt ist.

Stellvertretend habe ich diese Diskussion ausgewählt. Sabine Leopold, Landwirtschaftsjounalistin, entrüstet sich dort:

„Ich habe in meiner ganzen journalistischen Laufbahn keine so einseitige Berichterstattung, die sich jedes Gegenarguments mit Fleiß verschließt, erlebt. Nicht einmal Boulevard-Blätter arbeiten so tendenziös, zumindest aber können die sich nicht hinter einem Deckmantel der scheinbaren Seriösität verbergen. Wenn dort gehetzt wird, weiß man in der Regel, warum.“

Allerdings geht zwischenzeitlich die unausgewogene Berichterstattung im Hause ZEIT weiter: Bei ZEITonline wird ein konkreter Fall einer Patientin beschrieben und schon die Überschrift macht klar, dass die Sachlichkeit nicht im Vordergrund steht:
Zeit_online_margotgPatienten und Ärzte kämpfen also verzweifelt ums Leben, während die Tierhalter mittels Antibiotikamissbrauch multiresistente Keime züchten. Und dann wiegelt die böse Agrarlobby auch noch ab. – Einseitiger kann man doch ein so ernstes Thema gar nicht behandeln.
In diesem Feature bemerkt der aufmerksame Leser, dass die Krankenhaushygiene ein sehr wichtiger Faktor ist, wenn es darum geht, die resistenten Keime zu bekämpfen. Aber es soll wohl keine ganzheitliche Betrachtung geben, denn man lässt Gerd-Ludwig Meyer, Gründer der Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung, Monsterschlachthöfe und MRSA, folgendermaßen zitieren:

In Großenkneten, knapp hundert Kilometer von seiner Heimat Nienburg entfernt, hat der Gemeinderat mit einem Grundsatzbeschluss den Weg für den Bau vieler neuer Stallanlagen für die Massentierhaltung geebnet. Es gab vier Gegenstimmen, doch die Kritiker hatten keine Chance gegen 28 Stimmen von CDU, SPD und FDP. Meyer ist fassungslos. „Entweder ich erstatte beim Staatsanwalt Anzeige wegen Körperverletzung…„, er überlegt, ob er es aussprechen soll, aber dann sagt er es doch: „…oder ich werde Terrorist„.

Problemlösung durch Selbstjustiz? Unglaublich. Es brannten bereits viele Ställe, so wird es keinen Dialog geben. Die vormals seriöse ZEIT hat offensichtlich kein Interesse an irgendeinem Dialog- immer mit dem Knüppel auf die Landwirtschaft…. ich bin traurig, verletzt und  bin schlichtweg entsetzt… und finde wieder nicht die richtigen Worte.
Am Ende des Features wird -nach Meinung der ZEIT- der CDU-Abgeordnete Franz-Josef Holzenkamp durch seine jahrelangen Verfehlungen als Lobbyist für die Massentierhaltung jetzt vom MRSA-Keim eingeholt. Sein Wahlkreis wird wie folgt beschrieben:

Südoldenburg in Niedersachsen, einem der Epizentren der deutschen Landwirtschaft. Nirgendwo in Deutschland sind die Auswüchse der industriellen Tierhaltung besser zu beobachten als in Holzenkamps Wahlkreis, wo über jeder Tür ein Kruzifix hängt und die Luft nach Schweinen und Gülle riecht.

Ist das Satire oder eine vorweggenommene negative Meinungsäußerung? Ich leite aus diesem Satz eine tiefe Geringschätzung bzw. Verachtung des Journalisten Autors gegenüber Holzenkamp speziell und Landwirten im Allgemeinen ab. Da konnte der MdB wohl sagen was er wollte, das Urteil war schon vorher gesprochen worden. Ein anderer Blickwinkel auf dieses tiefgründige Thema, Erkenntnisse von Holzenkamp werden hier abgebügelt und als „die böse Agrarlobby wiegelt ab“ abgetan.

twitter_logoAuch bei Twitter ging es zu diesem Thema hoch her. Sehr viele Tweets lassen sich unter dem Hashtag #dieRacheausdemStall nachlesen. So entwickelte sich am Sonntag eine Schlagabtausch zwischen Landwirten und Politikern bzw. ihren Mitarbeitern (u.a. Remmel und Künast). Diese höchst interessante Diskussion hat Rainer Winter dankenswerter Weise bei Storify zusammengetragen, so dass auch Surfer ohne Twitter-Account diese Diskussion nachlesen können.

Natürlich wurden auch diverse Stellungnahmen zum ZEIT-Titel verfasst:

http://www.massentierhaltung-aufgedeckt.de
http://www.landblogger.de
Faktencheck der ISN
http://www.topagrar.com
http://agrarmanager.agrarheute.com
sehr wissenschaftliche Hintergrundinfos und weiterführende Links bei AHO

Logo stallbesuch.de

Eine ganze Serie hat Thomas Wengenroth in Folge der ZEITberichte und ZEITzensur geschrieben- und zwar auf stallbesuch.de:
offener Brief | Vorhang zu, Fragen offen? | Nicht nur der Himmel ist derZEIT grau | Kurzgeschichte zur ZEIT | Chronologie zu ZEIT
und ganz wichtig –> Was sind multi-resistente Keime und wo kommen sie her?

Aber es gibt auch Lichtblicke: Es scheint so, als würde die tendenziöse Berichterstattung kippen und auch mal eine andere Perspektive eingenommen:
so sieht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach „ein riesiges Problem bei der Hygiene“ in einem Interview mit der WAZ.
Und etwas überraschend für mich, kritisiert ausgerechnet die kritische taz die schlechte Recherche der Journalisten(?) von Correctiv, die für die ZEIT ermittelt haben.

Habe ich wichtige Kommentare und Stellungnahmen vergessen? Kein Problem- schreibt sie einfach in die Kommentarspalte!

später hinzugefügte Stellungnahmen:

  • offener Brief von Werner Schwarz, Bauernverband Schleswig-Holstein, an Di Lorenzo, Chefredakteur der ZEIT.

Unser täglich Tier (37Grad, ZDF)

Gestern gab die Sendung „Unser täglich Tier“ der Sendereihe 37Grad im ZDF Einblicke in die Haltung von Legehennen, Masthähnchen, Mastputen und Mastschweinen. Es wurden alternative Haltungsformen vorgestellt und dem deutschen Tierschutzbund bzw. PeTA und einem grünen Landwirtschaftsminister eine große Plattform geboten, um ihre werbewirksamen Botschaften widerspruchslos zu verbreiten.


Bemerkenswert fand ich die Tatsache, dass dem bekennenden Tierschützer, Tierrechtler und Autor dieses Beitrags Manfred Karremann sowohl in Brütereien, Schlachthäusern als auch in Ställen offen eine Drehgenehmigung erteilt wurde, deren Besitzer aber kaum zu Wort kamen.

Logo_TagesspiegelDie Kritik des Tagesspiegels fiel dementsprechend negativ aus:Fernsehkritik TagesspiegelMit Schaubildern, die nur zur Desinformation bzw. Verdummung geeignet sind, werden richtige Fakten falsch bzw. missverständlich dargestellt. So wird auf das Platzangebot eines Mastschweines eingegangen. 0,75m² stehen einem Schwein mindestens zur Verfügung. 37g_schwein1
Sehr wenig, wenn man die Schaubilder betrachtet. Allerdings haben die Schweine sehr wohl mehr Bewegungsfreiheit als auf den Bildern suggeriert wird, weil sie in Gruppen gehalten werden. Aber davon natürlich kein Wort.

37g_schwein2

Der Verbraucher kann sich anhand solch einseitiger Berichte kein objektives Bild von der modernen Landwirtschaft machen. Wer auch andere Sichtweisen und Perspektiven zur Meinungsbildung nutzen möchte, dem möchte ich an dieser Stelle ein paar Empfehlungen mitgeben:

  • Stallbesuch.de:
    SLogo stallbesuch.detallbesuch.de zeigt Nutztierhaltung in Videos: Rinder-, Schweine-, Hühner- und Ziegen-Ställe. Bio und konventionell, groß und klein.
    Motto ist hier: Tag des offenen Hofes- 365x im Jahr.
    Hier werden die verschiedensten Haltungssysteme gezeigt, erklärt und auch verglichen. Eine toll gemachte Seite, bei der auch aktive Landwirte immer noch dazulernen können. An dieser Stelle möchte ich den Leser auf das Video „Hähnchenmast nach dem Provathof-Konzept“ hinweisen. Im Gegensatz zur beschriebenen 37°-Sendung ist dieses Video absolut sehenswert und lehrreich:
    Stallbesuch ist übrigens auch auf Facebook vertreten.
  • Bauernwiki- Frag´doch mal den Landwirt:
    Logo_BauernwikiÜber Facebook, aber auch direkt im Netz beantworten viele „echte“ Bauern die Fragen von Verbrauchern und geben Einblicke in den Alltag eines Landwirts.
    Ein großartiges Projekt, das nach nur wenigen Wochen bereits knapp 5000 Likes auf Facebook sammeln konnte.
  • Massentierhaltung aufgedeckt:
    Logo_Massentierhaltung_aufgedecktDie Facebook-Seite hat bereits mehr als 7400 „Gefällt mir“-Angaben.
    Initiiert wurde dieses Projekt, das mittlerweile auch ein Verein geworden ist, von Studierenden der Landwirtschaft aus Osnabrück.