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LANDWIRTE ENTTÄUSCHT VON MISEREOR

Niederlangen (VEL). Bisher bildete die Katholische Kirche stets einen festen Anker für die Landwirtschaft. Jetzt besteht die Gefahr, dass beide zukünftig getrennte Wege gehen. Grund ist die Teilnahme von Misereor an einer Protestbewegung gegen die moderne Landwirtschaft anlässlich der Grünen Woche in Berlin. Einen Versuch, die Wogen zu glätten, unternahm daher die Landjugend Neulangen. Sie lud Vertreter aus Landwirtschaft und Kirche zu einem Dialog ein.

Der Saal in Niederlangen war voll besetzt mit Landwirten. Allen gemeinsam ist das Unverständnis über das Verhalten von Misereor (c) Knoll, VEL
Der Saal in Niederlangen war voll besetzt mit Landwirten. Allen gemeinsam ist das Unverständnis über das Verhalten von Misereor (c) Knoll, VEL

Die Fronten sind verhärtet. Bernhard Barkmann, Landwirt aus Messingen, ist von der Haltung Misereors gegenüber der modernen Landwirtschaft zutiefst enttäuscht. Landwirte würden heutzutage für alles Übel in der Welt verantwortlich gemacht. Einen Rückhalt in der Gesellschaft sieht er kaum noch. Dass sich nun auch eine kirchliche Organisation offensichtlich gegen die Landwirte stellt, verletzt ihn und seine Berufskollegen. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ organisierten Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbände eine groß angelegte Protestdemo in Berlin – aktiv beteiligt auch das katholische Hilfswerk Misereor. Tausende Menschen gingen im Januar auf die Straßen. Sie hielten Plakate mit scharfen Parolen in die Luft. „Was wollt Ihr Euren Kindern sagen“ oder „Tiermörder“, waren nur einige der Sprüche, die die Landwirte wie ein Dorn mitten ins Herz trafen.

Bernhard Barkmann (rechts) sprach den vielen anwesenden Landwirten bei dem Podiumsgespräch aus der Seele (c) Knoll, VEL
Bernhard Barkmann (rechts) sprach den vielen anwesenden Landwirten bei dem Podiumsgespräch aus der Seele (c) Knoll, VEL

Felix zu Löwenstein, Mitglied des Misereor-Beirates, sah die Demonstration hingegen nicht als Aktion gegen einzelne Landwirte. Er stellte vielmehr die Systemfrage: „Es geht nicht darum, ob Biobauern gut und konventionelle Landwirte böse sind. Wenn so viele Höfe sterben, frage ich, ob das System als ganzes so noch funktioniert“, so Löwenstein, der selber biologischer Landwirt ist. Aus dem Publikum meldete sich daraufhin Arnold Krämer, Leiter der Landwirtschaftskammer Bezirksstelle Emsland, zu Wort: „Wie soll die Systemalternative denn aussehen? Wäre es ethisch vertretbar, in unserer Gunstregion nur noch Ökolandbau zu betreiben, der ein Vielfaches an Fläche benötigt? Das wäre, als würden wir mit angezogener Handbremse wirtschaften.“

Auch viele Vorurteile gegen die moderne Landwirtschaft wurden an diesem Abend ausgeräumt. Dass Landwirte für den Hunger in der Welt verantwortlich seien, ist laut Landwirt Barkmann zu kurz gedacht. So stehe gerade das in der Schweinehaltung eingesetzte Sojafutter in der Kritik, Kleinbauern in Südamerika in die Armut zu drängen. „Sojabohnen werden wegen ihres Öles angebaut. Das Schrot ist nur ein Restprodukt. Die meisten Futtermittel wie Getreide für unsere Tiere bauen wir auf unseren heimischen Höfen an“, stellte der Schweinehalter klar.

„Ihr habt Euch die falschen Sündenböcke ausgesucht“, ärgerte sich ein Landwirt aus Osnabrück. Er rief die Misereor-Vertreter dazu auf, mutig zu sein und den Verbraucher in die Pflicht zu nehmen. Denn heutzutage würden so viele Lebensmittel wie nie zuvor achtlos auf dem Müll landen. Mit den ständigen Beschimpfungen der Landwirte würde genau das Falsche erreicht: Die Landwirte, die mit Herz und Leidenschaft arbeiten, hören auf. Denn welcher junge Landwirt wolle noch einen Hof übernehmen, wenn er nur beleidigt wird?

Dialog mit MISEREOR

dialog_misereorIch habe in diesem Blog bereits meinen Unmut über die Beteiligung von MISEREOR an der „Wir haben es satt“ – Demonstration (WHES) geäußert. (und zwar hier und hier)
Mit diesem Unmut stehe ich nicht alleine. Vielen Landwirten und Landjugendlichen aus dem ganzen Bundesgebiet geht es ganz ähnlich. Sie haben allerdings in den vergangenen Jahren meist nur in kleinem Rahmen dagegen protestiert und eine Spende verweigert. In diesem Jahr, so scheint es mir, sind die Bauern etwas besser vernetzt. Die WHES-Demo hat ca. 1000 überwiegend aktive Landwirte dazu veranlasst, auf der relativ spontan geplanten „Wir machen Euch satt“ – Demo für die Leistungen der heimischen Landwirtschaft zu werben. Ein Motto dort war auch: „Miteinander reden, anstatt übereinander!
So bin ich froh, dass MISEREOR sich einem Dialog mit Landwirten und Landjugendlichen auf folgender Veranstaltung stellt:

Landwirtschaft und Misereor im Dialog

am 9. Februar 2015 um 18.30 Uhr im emsländischen Niederlangen. Dialog mit MISEREOR weiterlesen