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Glypho-Fiktion, Teil 5

Ludger Weß (Facebook-Profilbild)
Ludger Weß (Facebook-Profilbild)

Gestern wurde bekanntermaßen eine weitere unseriöse Angriffswelle gegen das Glyphosat gestartet und verschiedene Biersorten in Deutschland untersucht und scheinbar gefunden.
Aus diesem Grund erweitere ich meine kleine Glypho-Fiktion-Serie um das Kapitel #Biergate. Die Vorgehensweise ist hier sehr ähnlich zu der mittlerweile entkräfteten Muttermilch-Kampagne.

Ludger Weß ordnet die Gefahren des Glyphosats hier wissenschaftlich und zugleich anschaulich ein. Lesenswert!

Grüne fordern gesünderen Alkohol!

Jetzt ist das deutsche Bier dran

Kurz vor dem Termin der Neuzulassung des Pflanzenschutzwirkstoffs Glyphosat in der EU ist eine weitere Angriffswelle der vielen Glyphosatgegner auf das von ihnen verteufelte Glyphosat gestartet. Zielscheibe dieses mal ist nach den Funden im Urin, den gefakten Funden in der Muttermilch nun das, dem deutschen Manne heilige, Bier!

Das Medienecho wird wieder enorm sein. Ich hoffe nur, dass einige Journalisten sich an dem Dreisatz in ihrem Schulunterricht erinnern und selber rechnen und sich nicht von der geplanten Angstmacherei anstecken lassen.

Daniel Bohl
Daniel Bohl

Daniel Bohl* hat schon einmal ganz grob überschlagen und beim Urheber der Studie, dem Umweltinstitut in München, kommentiert und dafür viele „gefällt mir“-Klicks erhalten:

Ausschlaggebend für die Bewertung der Gesundheitsgefährdung ist die in der EU zulässige Tagesaufnahme, kurz ADI (acceptable daily intake). Diese liegt für Glyphosat bei 0,3 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Das würde für einen 80 kg schweren Jever-Trinker (23,04 µg Glyphosat / l Bier) bedeuten, dass er 1.042 Liter Jever täglich (!) trinken müsste.

Der Ehrlichkeit müsste man aber unbedingt hinzufügen, dass dieser Trinker mit einem von der Weltgesundheitsorganisation als mit Sicherheit krebserregend eingestuftem Stoff Probleme bekommen würde. Dieser Stoff kommt im Jever in 2.000.000 fach (!) höherer Konzentration vor als Glyphosat, nämlich Alkohol! Na dann Prost!

Woher kommt denn das Glyphosat? Wenn denn die Zahlen stimmen und die Untersuchung nach wissenschaftlichen Kriterien erfolgte, bleibt die Frage: Woher kommt denn das Glyphosat?
Die Vermutung meinerseits ist, dass das Getreide kurz vor der Ernte zur Sikkation mit einem glyphosathaltigem Mittel gespritzt wurde. In Deutschland ist diese Praxis nur noch in absoluten Ausnahmefällen erlaubt und ansonsten verboten. Also liegt die Vermutung nahe, dass die Glyphosatspuren aus dem Ausland, wo weniger strenge Regelungen vorherrschen, importiert wurde. Aber das ist nur eine Mutmaßung meinerseits…

Das BfR und der Deutsche Bauernverband (DBV) haben mittlerweile auch Stellungnahmen herausgegeben. Der DBV fordert eine sachliche debatte ein und schreibt in seiner Stellungnahme:

Debatte zu Glyphosatrückständen im Bier sachlich führen
Deutscher Bauernverband: Vorerntebehandlung bei Braugerste in Deutschland nicht zugelassen

(DBV) Im Zusammenhang mit den heutigen Medienberichten über Rückstände von Glyphosat im Bier weist der Deutsche Bauernverband (DBV) darauf hin, dass die Anwendung von Glyphosat zur Vorerntebehandlung bei Braugerste in Deutschland nicht zugelassen ist.

Auch bei Hopfen, der ebenfalls zur Bierherstellung benötigt wird, findet in Deutschland keine Anwendung mit Glyphosat statt. Zudem stammt etwa die Hälfte der in Deutschland verarbeiteten Braugerste aus Importländern, in denen weniger strenge Anwendungsbestimmungen für diesen Wirkstoff gelten.

Autor Deutscher Bauernverband
Rückfragen an DBV-Pressestelle
Telefon 030-31904-240
Anschrift Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin
Copyright DBV
e-mail presse@bauernverband.net


 

* Daniel Bohl, 43 Jahre, ist Stellv. Vorsitzender und zuständig für den Acker- und Pflanzenbau in der Wariner Pflanzenbau eG in Trams, Mecklenburg-Vorpommern. Er ist Mitglied des Landesvorstandes der FDP Mecklenburg-Vorpommern, agrarpolitischer Sprecher und Kandidat auf Platz 6 der FDP Landesliste für die Landtagswahl 2016.

 

Besser Gift im Acker als Gift im Kopf

Eine Filmkritik zur WDR-Dokumentation “Gift im Acker. Glyphosat, die unterschätzte Gefahr?” vom 2. November 2015

von Susanne Günther, Bloggerin bei Schillipaeppa.net

Am Montag Abend sendete der WDR die Dokumentation “Gift im Acker. Glyphosat, die unterschätzte Gefahr?” Dieser Film reiht sich ein in eine Serie von Filmen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die die Debatte um Glyphosat ganz im Sinne von Big Green (Bündnis 90/Die Grünen, Greenpeace, BUND, Umweltinstitut München e.V. etc.) ausleuchten. Ich habe mal auf die Schnelle ein paar Informationen und Anregungen zusammen getragen:

WDR_diestory_glyphosat_2015Gleich zu Anfang ein paar Formfehler: Eingangs übersetzen die Filmemacher im gesprochenen Kommentar „BfR“ mit „Bundesanstalt für Risikoforschung“, die Bundesbehörde heißt aber „Bundesinstitut für Risikobewertung“. Es wird behauptet, dass das BfR bereits im Jahr 2000 eine Risikobewertung für Glyphosat vorgenommen habe. Das kann aber nicht sein, weil das BfR erst am 01.11.2002 gegründet wurde.

Die Darstellung der Arbeit von Prof. Dr. Günter Neumann von der Universität Hohenheim schafft den Eindruck, dass der Wissenschaftler ein erklärter Glyphosat-Gegner sei. Das ist aber nicht der Fall, er plädiert lediglich für begrenzten Einsatz des Wirkstoffs. In der Oktoberausgabe der Agrar-Fachzeitschrift dlz ist ein Interview mit Prof. Neumann abgedruckt. Ein Auszug ist online abrufbar. Dort wird gefragt:

„Sind aus Ihrer Sicht weitere Einschränkungen für den Wirkstoff nötig?“

und Prof. Neumann antwortet:

Nein, weitere Einschränkungen für Glyphosat im Ackerbau über die jetzt schon bestehenden Regeln hinaus würde ich sogar eher als problematisch erachten. Damit wird zunehmend die Flexibilität eingeschränkt, um gezielt auf Problemsituationen bei der Unkrautbekämpfung reagieren zu können.“

Eine solche Aussage in dem Film und der Gesamteindruck für den Zuschauer wäre ein völlig anderer gewesen, oder? Besser Gift im Acker als Gift im Kopf weiterlesen