Besser Gift im Acker als Gift im Kopf

Eine Filmkritik zur WDR-Dokumentation “Gift im Acker. Glyphosat, die unterschätzte Gefahr?” vom 2. November 2015

von Susanne Günther, Bloggerin bei Schillipaeppa.net

Am Montag Abend sendete der WDR die Dokumentation “Gift im Acker. Glyphosat, die unterschätzte Gefahr?” Dieser Film reiht sich ein in eine Serie von Filmen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die die Debatte um Glyphosat ganz im Sinne von Big Green (Bündnis 90/Die Grünen, Greenpeace, BUND, Umweltinstitut München e.V. etc.) ausleuchten. Ich habe mal auf die Schnelle ein paar Informationen und Anregungen zusammen getragen:

WDR_diestory_glyphosat_2015Gleich zu Anfang ein paar Formfehler: Eingangs übersetzen die Filmemacher im gesprochenen Kommentar „BfR“ mit „Bundesanstalt für Risikoforschung“, die Bundesbehörde heißt aber „Bundesinstitut für Risikobewertung“. Es wird behauptet, dass das BfR bereits im Jahr 2000 eine Risikobewertung für Glyphosat vorgenommen habe. Das kann aber nicht sein, weil das BfR erst am 01.11.2002 gegründet wurde.

Die Darstellung der Arbeit von Prof. Dr. Günter Neumann von der Universität Hohenheim schafft den Eindruck, dass der Wissenschaftler ein erklärter Glyphosat-Gegner sei. Das ist aber nicht der Fall, er plädiert lediglich für begrenzten Einsatz des Wirkstoffs. In der Oktoberausgabe der Agrar-Fachzeitschrift dlz ist ein Interview mit Prof. Neumann abgedruckt. Ein Auszug ist online abrufbar. Dort wird gefragt:

„Sind aus Ihrer Sicht weitere Einschränkungen für den Wirkstoff nötig?“

und Prof. Neumann antwortet:

Nein, weitere Einschränkungen für Glyphosat im Ackerbau über die jetzt schon bestehenden Regeln hinaus würde ich sogar eher als problematisch erachten. Damit wird zunehmend die Flexibilität eingeschränkt, um gezielt auf Problemsituationen bei der Unkrautbekämpfung reagieren zu können.“

Eine solche Aussage in dem Film und der Gesamteindruck für den Zuschauer wäre ein völlig anderer gewesen, oder?

Die Probleme, die Bauer Pedersen bei seinen Schweinen auf Glyphosat zurückführt, können Dutzende anderer Gründe haben: Schimmelpilzgifte im Futter, Genetik, mangelnde Hygiene. Beim Anblick von Tierkadavern in dem Kühlschrank, wo offensichtlich auch die Medikamente gelagert werden, würde jedem Amtsveterinär der Atem stocken. Mein Mann und ich halten Mastputen und wir dürfen die Impfstoffe für die Tiere noch nicht einmal neben unseren Lebensmitteln lagern, sondern haben einen extra Kühlschrank angeschafft, wo die Impfstoffe aufbewahrt werden und sonst gar nichts.

Warum wurde zur Absicherung von Pedersens Thesen nicht ein Tierarzt oder ein anderer Sauenhalter gefragt? Häufig sehe ich in den TV-Dokuformaten die Vorgehensweise, Bildmaterial einem Experten zu zeigen, der dann vor laufender Kamera Stellung bezieht. Ein Tierarzt hätte den Mann mit seiner Hypothese in drei Sätzen zerlegt. Warum wurde hier nicht eine solche Vorgehensweise praktiziert? Faktisch wird in der Sauenhaltung nicht diskutiert, ob Missbildungen auf Glyphosat zurückzuführen sind. Das ist ein Privatthema von Herrn Pedersen und Prof. Dr. Monika Krüger. Weder in der Wissenschaft noch bei den Praktikern wird diese Hypothese überhaupt in Betracht gezogen. Gleiches gilt für die Fruchtbarkeitsprobleme bei Milchvieh. Aber so haben die Protagonisten der Dokumentation quasi ein Alleinstellungsmerkmal, das den regelmäßigen Besuch von Filmteams garantiert.

Der US-amerikanische Biologe Kevin Folta hat Prof. Krügers Untersuchung zu Pedersens Schweinen in seinem Blog folgendermaßen bewertet:

„This is likely one of the worst papers ever to be published.“

Andreas Rummel zitiert Prof. Krüger in einem Beitrag für das Format FAKT:

„In allen untersuchten Organen jeden Tieres haben wir Glyphosat nachgewiesen. Und wir haben in diesen Organen sowie in der Muskulatur und in den Darmwänden dieser Tiere keine signifikanten Unterschiede zwischen den Konzentrationen gefunden. Das heißt also, dass die Tiere über die Plazenta der Muttertiere mit dem Glyphosat in Kontakt gekommen sind.“

Doch was ist das für ein Argument? Zu sagen, „in den Kadavern wurde Glyphosat nachgewiesen, also ist Glyphosat verantwortlich für die Missbildungen“, kommt der Schlussfolgerung gleich „in diesem Tumor ist Wasser nachgewiesen worden, also hat das Wasser den Tumor verursacht“.

Auch Prof. Krügers These, dass Darmbakterien unter Glyphosat leiden, konnte bislang nicht bestätigt werden. So schreibt das BfR in einer Stellungnahme:

“Dem BfR liegen keine Studien vor, die einen adversen Einfluss von Glyphosat auf Bakteriendes Magen-Darm-Traktes belegen. In Langzeitstudien an Nagern, an Hunden oder aber auch in Fütterungsstudien an Kühen oder Ziegen hätten sich nach Kenntnis des BfR Krankheitssymptome wie Gewichtsverlust, Durchfall oder Erbrechen manifestiert. Das war nicht aber der Fall.”

Auch der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (vbio) sah sich genötigt, eine Stellungnahme zu veröffentlichen, und kritisiert darin v.a. die Vorgehensweise von Prof. Krüger, mit einer These an die Öffentlichkeit zu gehen, bevor die zugrunde liegende wissenschaftliche Veröffentlichung überhaupt erschienen ist. Eine wissenschaftliche Diskussion basiert schließlich nicht auf Pressemitteilungen. Wissenschaftler äußern sich erst zur Arbeit eines Kollegen, wenn sie die entsprechende Veröffentlichung gesichtet haben. Die Vorgehensweise hat Kalkül: Die Headlines sind um die Welt, bevor das Dementi aus der Fachwelt kommt. Prof. Gilles-Eric Séralini geht übrigens genauso vor. Beide verbindet zudem, dass sie Ihre „Erkenntnisse“ mit einem Geschäftsmodell verquicken. Prof Krüger liefert das Testimonial für Effektive Mikroorganismen, die die vermeintlich gepeinigte Darmflora von Kühen wieder aufbauen sollen, und Prof. Séralini wirbt für Entgiftungsprodukte von Sevene Pharma.

Die IARC hat die im Film dargestellte Langzeit-Rattenstudie von Séralini genauso abgelehnt wie das BfR. So schreibt die IARC in ihrer ausführlichen Begründung der Glyphosat-Bewertung:

„The Working Group concluded that this study conducted on a glyphosate-based formulation was inadequate for evaluation because the number of animals per group was small, the histopathological description of tumours was poor, and incidences of tumours for individual animals were not provided.“

Das sind im Prinzip dieselben Punkte, die Dr. Solecki im Film anführt, das heißt: BfR und IARC sind in Sachen Séralini derselben Meinung. Ob die Autoren der Dokumentation das nicht wussten oder wollten sie das etwa nicht erwähnen?

Prof. Gilles-Eric Séralini ist in diesem Jahr mit dem „Whistleblower Preis“ der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler ausgezeichnet worden. Die führenden Wissen(schafts)-Ressorts der deutschen Tagespresse haben diese Auszeichnung geschlossen kritisiert. Hier mal eine kurze Aufstellung:

-Süddeutsche Zeitung: Aktivist statt Whistleblower

-Die Zeit: Ausgezeichnete Pfeife

-FAZ: Die falschen Helden

-Scilogs (Blogportal von Spektrum): Von Pfeifen und heißer Luft – Whistleblowerpreis für Gentechnikkritiker

Angelika Hilbecks Äußerungen, das BfR sei um Gesichtswahrung bemüht, finde ich sehr gewagt. So sagt BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Hensel in derBundestagsanhörung:

„Ihre zweite Frage ging so weit zu fragen, wie wir damit umgehen, dass jetzt hier solche wissenschaftliche Divergenzen auftreten. Also Sie sehen mich da eigentlich völlig entspannt, weil die Frage der wissenschaftlichen Divergenz in Risikobewertungsverfahren ist völlig normal. Das haben wir jeden Tag. Das wird geklärt. Dafür gibt es wissenschaftliche Gremien, in denen eben Argumente gewogen werden, so wie sich jetzt auch das JMPR mit der IARC auseinandersetzen wird und versuchen wird, die gleichen Studien heranzuziehen und auch die zukünftigen Bewertungen des JMPR dann eben auch zu verbessern. So werden wir uns, und haben wir uns, auch mit den Argumenten des IARC auseinandergesetzt.“

Hilbecks Organisation positioniert sich ganz klar gegen Gentechnik und damit ist sie – quasi a priori – auch gegen Glyphosat.

Bundesminister Christian Schmidt sagte gestern Abend im ZDF bei „Pelzig hält sich“ zur Glyphosatdebatte:

„Ich werde nicht wissenschaftliche Entscheidungen mit politischer Mauschelei machen, nein, wenn die Wissenschaft das so entscheidet, und wenn die das entscheidet so, dass nicht jeder Grüner damit einverstanden ist, dann tut es mir leid für die Grünen, aber nicht leid für die Wissenschaft.“

Recht hat er! ———–> (Weiterlesen bei schillipaeppa.net)

7 Gedanken zu „Besser Gift im Acker als Gift im Kopf

  1. Gleich zu Anfang mal ein Formfehler:
    Man braucht doch gar nicht eine kleine Studie der Grünen oder eine kleine Studie des BfR, sondern man kuckt mal auf pubmed, welche Studien international im englischsprachigen Raum zum Thema Glyphosat durchgeführt wurden. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/?term=glyphosate
    http://jech.bmj.com/content/early/2016/03/03/jech-2015-207005.full.pdf+html Dies ist ein interessanter Beitrag von sehr vielen Wissenschaftlern, die gar nicht verstehen, weshalb der Stand internationaler Forschung so unterschiedlich ist zu dem, was jetzt gerade in Europa passiert. Ich habe die summary mal am Ende aufgeführt.

    Und: Unser Körper ist nur begrenzt in der Lage, mit Giften umzugehen. Deshalb muss man einfach schauen, dass genauso viel Gift aus dem Körper raus kommt, wie in ihn ihn hinein gelangt. Das ist eine relativ einfache Vorgehensweise, denn so kann ich schon mal anfangen, bekannte Gifte auszuschließen. Mein Körper hat nur begrenzte Möglichkeiten, Gifte loszuwerden oder umzuwandeln. Um die muss ich mich kümmern, denn es gab in der Menschheitsgeschichte noch nie so viele Gifte wie momentan.
    Wenn irgendetwas die Schleimhäute meines Mund-Magen-Darmtraktes schädigt, dann muss ich es eventuell besser weglassen, denn sonst gerät es in meinen Blutkreislauf, und dort will ich es nicht. Wenn meine Nieren nicht optimal funktionieren, dann muss ich mich um sie kümmern, und dafür sorgen, dass sie besser arbeiten. Hier ist es wieder gut, viel Wasser zu trinken, in dem sich möglichst wenig Gifte befinden, wieder ein tolles Thema zum Streiten. Aber vielleicht mal eine Aufgabe: Wo bekomme ich unschädliches Wasser her, dass meine Nieren l i e b e n. Und was mache ich eigentlich, dass meine Leber besser wird? Verstehe ich überhaupt, wie ich meine Leber in Ordnung halte. Vielleicht kann man hier auch als Erstes Mal Alkoholkonsum reduzieren. Aber wie kriegt man denn eine Leber, die ihrem Ruf als Hochtechnologielabor alle Ehre macht, und alles, was doch noch reinkommt, entweder entschärft oder umwandelt. Vielleicht kein genmanipuliertes Soja essen. Naja, der Gedanke ist vielleicht klar, aber einfach zweifelhaftes weglassen und mal verstehen, wie das Organ arbeitet und wie ich seine Funktionen stärken kann.
    Und dann das Lymphsystem…. Wie funktioniert es und wie kann ich es stärken. Ich habe eine alte Übung wieder ausgegraben: auf der Stelle springen, das aktiviert das Lymphsystem. Aber wie kann ich eigentlich meine Milz stärken? Viele kennen die Milz doch nur aus dem Klamauk von Otto, aber wie Stärke ich denn mein Lymphsystem.
    Und dann noch was zu Fett, dass nicht verschwindet. Warum legt mein Körper denn überall, insbesondere um den Magen und Darm herum eigenständige Organe aus Fett an, mit eigener Blutversorgung. Vielleicht ja, um dort Gifte zu lagern, damit er es nicht im Gehirn lagern muss. Aber da sind wir ja schon lange, dass der Körper keine andere Wahl mehr hat, als Gifte im den Fettzellen des Gehirns zu lagern, weil einfach auf konstanter Basis mehr Gift in unseren Körper hinein kommt als in wieder verlässt.
    Dem sollte man mal auf den Grund gehen, und vielleicht auf pubmed ein paar abstracts lesen, und mal überlegen, was man als erstes, zweites und drittes Mal weglässt.
    Vielleicht ja Glyphosat..

    Und hier wie versprochen die Summary aus dem JEpidemiol Community Health doi:10.1136/jech-2015-207005
    „The IARC WG concluded that glyphosate is a ‘probable human carcinogen’, putting it into IARC category 2A due to sufficient evidence of carcinogenicity in animals, limited evidence of carcinogenicity in humans and strong evidence for two carcinogenic mechanisms.

    The IARC WG found an association between NHL and glyphosate based on the available human evidence.

    The IARC WG found significant carcinogenic effects in laboratory animals for rare kidney tumours and hemangiosarcoma in two mouse studies and benign tumours in two rat studies.

    The IARC WG concluded that there was strong evidence of genotoxicity and oxidative stress for glyphosate, entirely from publicly available research, including findings of DNA damage in the peripheral blood of exposed humans.

    The RAR concluded5 (Vol. 1, p.160) that ‘classification and labelling for carcinogenesis is not warranted’ and ‘glyphosate is devoid of genotoxic potential’.

    EFSA4 classified the human evidence as ‘very limited’ and then dismissed any association of glyphosate with cancer without clear explanation or justification.

    Ignoring established guidelines cited in their report, EFSA dismissed evidence of renal tumours in three mouse studies, hemangiosarcoma in two mouse studies and malignant lymphoma in two mouse studies. Thus, EFSA incorrectly discarded all findings of glyphosate-induced cancer in animals as chance occurrences.

    EFSA ignored important laboratory and human mechanistic evidence of genotoxicity.

    EFSA confirmed that glyphosate induces oxidative stress but then, having dismissed all other findings of possible carcinogenicity, dismissed this finding on the grounds that oxidative stress alone is not sufficient for carcinogen labelling.

    The most appropriate and scientifically based evaluation of the cancers reported in humans and laboratory animals as well as supportive mechanistic data is that glyphosate is a probable human carcinogen. On the basis of this conclusion and in the absence of evidence to the contrary, it is reasonable to conclude that glyphosate formulations should also be considered likely human carcinogens. The CLP Criteria18 (Table 3.6.1, p.371) allow for a similar classification of Category 1B when there are ‘studies showing limited evidence of carcinogenicity in humans together with limited evidence of carcinogenicity in experimental animals’.

    In the RAR, almost no weight is given to studies from the published literature and there is an over-reliance on non-publicly available industry-provided studies using a limited set of assays that define the minimum data necessary for the marketing of a pesticide. The IARC WG evaluation of probably carcinogenic to humans accurately reflects the results of published scientific literature on glyphosate and, on the face of it, unpublished studies to which EFSA refers.

    Most of the authors of this commentary previously expressed their concerns to EFSA and others regarding their review of glyphosate28 to which EFSA has published a reply.29 This commentary responds to the EFSA reply.

    The views expressed in this editorial are the opinion of the authors and do not imply an endorsement or support for these opinions by any organisations to which they are affiliated.“

    1. Hallo Lars,
      entschuldige meine verspätete Antwort.
      Du hast Dir sehr viel Mühe gegeben, diese lange Antwort zu schreiben. Ich kann auf jeden Fall mit Dir übereinstimmen, dass wir uns insgesamt bewusst ernähren sollten und vielleicht auch bewusster leben sollten. Der Gesundheit wegen.
      Aber ich möchte auch, dass man diese Angst, bei der Ernährung etwas falsch zu machen, etwas genommen wird. Es sollte meiner Meinung nach auch zu einer ausgeglichenen Lebensweise dazu gehören, dass man das leben genießt und eben nicht nur nach irgendwelchen Statistiken und Tabellen lebt.
      Ich meine, wenn wir alles Essen, aber insgesamt nicht zu viel und vor allem nicht zu einseitig, dann machen wir eine ganze Menge richtig! Und dann sind zwei Tortenstücke am Sonntagnachmittag kein Problem. Dazu gehört dann auch mal das zischende Bier, der gute Wein oder der klare Korn.
      Um unser Trinkwasser müssen wir bzw unsere Leber oder Nieren sich keine Sorgen machen- dort werden wohl die strengsten Grenzwerte angesetzt.
      Zum Glyphosat: hier sollte man von Risiken von den Gefahren unterscheiden.

      1. Hallo Herr Muff,
        ich gebe Ihnen recht das wir darauf achten sollten möglichst wenig Gift zu uns zu nehmen.
        Nur teile ich ihre Meinung, das wir noch nie soviel Gifte aufgenommen haben wie heute, überhaupt nicht.
        Es ist genau anders herum, noch nie haben wir so wenig Gift mit der Nahrung aufgenommen wie heute. Angefangen bei Pilzgiften die schon auf dem Acker das Getreide besiedelt haben, Mutterkorn, Giftiegen Beikräutern, bis hin zu Giften die wegen nicht optimaler Lagerung entstanden. All das gibt es heute unter anderem wegen des modernen Pflanzenschutzes fast nicht mehr.
        Gruß Marcus Holtkötter

          1. Hallo Herr Meyer,
            bei der Unterhaltung ging es um ein Aplikationsverfahren bei der mit wesentlich weniger Wasser gearbeitet wird. Die ausgebrachte Menge Pflanzenschutz ist aber die gleiche. Die Spritzbrühe ist also Konzentrierter. Die in dem Video eingesetzte Pflanzenschutzspritze von Horsch ist das derzeitige NonPlusUltra was man kaufen kann (eventuell kann man alles an der Spritze noch nicht einmal kaufen). Für den Landwirt bedeutet das Verfahren er ist wesentlich schlagfertiger und kann so noch besser den Idealen Zeitpunkt für die PSM Masnahme treffen. Es stellt aber auch sehr hohe Anforderungen an die Technik. Das fängt bei den Düsen und dem Gestänge an und hört bei der Steuerungselektronik auf. Zusätzlich haben wir dann hier auf den kleinstrukturierten Flächen noch das Problem das wir durch die Abstandsauflagen (die nötiegen Düsen dafür sind derzeit nicht in der höchsten Abdriftminderungsklasse verfügbar) nicht bis am Rand behandeln dürfen wenn dort ein Gewässer ist.
            Es ist aber ein sehr interessantes Verfahren was sich weiterentwickeln wird.

            Gruß Marcus Holtkötter

    2. Herr Muff, das Paper, auf das Sie sich beziehen ist eine Wiederveröffentlichung eines Offenes Brief, den Christopher Portier an die EFSA geschickt hat (hier der Original-Brief: http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/offener-brief-glyphosat-100.pdf). Portier verteidigt in dem Brief die Einschätzung der IARC, Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ zu bewerten. Er war als „Invited Specialist“ Mitglied der entsprechenden IARC-Arbeitsgruppe, übrigens der einzige Teilnehmer der Arbeitsgruppe (http://monographs.iarc.fr/ENG/Meetings/vol112-participants.pdf), für den ein Interessenskonflikt ausgewiesen wurde: „Christopher J Portier receives a part-time salary from the Environmental Defense Fund, a United States–
      based nonprofit environmental advocacy group.“ Der Environmental Defense Fund (https://www.edf.org/) ist eine NGO, die sich den Kampf gegen alle möglichen Alltagschemikalien auf die Fahne geschrieben hat. Übrigens: Zehn von 18 regulären Mitgliedern der IARC-Arbeitsgruppe haben den Offenen Brief nicht unterschrieben. Anscheinend sind auch einige Unterzeichner des Offenen Briefs zur Veröffentlichung hin abgesprungen. Bei einem ersten Überfliegen habe ich fünf Namen gezählt, die in dem Paper nicht mehr erscheinen: Per Gustavsson, Ron Melnick, Michael M. Müller, Miguel Porta und Irene Witte.
      Die EFSA hat auf den Brief umfangreich geantwortet, die Antwort finden Sie hier: http://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/EFSA_response_Prof_Portier.pdf
      Grundsätzlich ist zu sagen, dass IARC und EFSA unterschiedliche Erkenntnisinteressen vertreten. IARC untersucht, ob ein Akteur – unter welchen Umständen auch immer – das Potenzial hat, Krebs zu erzeugen. Die EFSA hingegen macht eine Risikoabschätzung und muss feststellen, ob bei den gegebenen Einsatzbedingungen einer Substanz, ein Risiko für Mensch, Tier und Umwelt besteht. Deswegen kann es sein, dass bestimmte Studien für die eine Organisation von Relevanz sind und für die andere nicht. Die Einschätzungen der IARC geben eher eine grobe Richtung vor. Zum Beispiel wird die Arbeit als Friseur („Hairdresser or barber (occupational exposure as a)“, siehe http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol99/mono99-17.pdf) auch als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Diese Einstufung an sich ist wenig aussagekräftig, um einzuschätzen, welchem Risiko ein Friseur bei seiner täglichen Arbeit ausgesetzt ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*