Agrarblogger Bernhard Barkmann vor der Tür des Bullenstalles, die mit einem großen Regenbogen verziert ist

Jetzt ist das deutsche Bier dran

Kurz vor dem Termin der Neuzulassung des Pflanzenschutzwirkstoffs Glyphosat in der EU ist eine weitere Angriffswelle der vielen Glyphosatgegner auf das von ihnen verteufelte Glyphosat gestartet. Zielscheibe dieses mal ist nach den Funden im Urin, den gefakten Funden in der Muttermilch nun das, dem deutschen Manne heilige, Bier!

Das Medienecho wird wieder enorm sein. Ich hoffe nur, dass einige Journalisten sich an dem Dreisatz in ihrem Schulunterricht erinnern und selber rechnen und sich nicht von der geplanten Angstmacherei anstecken lassen.

Daniel Bohl
Daniel Bohl

Daniel Bohl* hat schon einmal ganz grob überschlagen und beim Urheber der Studie, dem Umweltinstitut in München, kommentiert und dafür viele „gefällt mir“-Klicks erhalten:

Ausschlaggebend für die Bewertung der Gesundheitsgefährdung ist die in der EU zulässige Tagesaufnahme, kurz ADI (acceptable daily intake). Diese liegt für Glyphosat bei 0,3 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Das würde für einen 80 kg schweren Jever-Trinker (23,04 µg Glyphosat / l Bier) bedeuten, dass er 1.042 Liter Jever täglich (!) trinken müsste.

Der Ehrlichkeit müsste man aber unbedingt hinzufügen, dass dieser Trinker mit einem von der Weltgesundheitsorganisation als mit Sicherheit krebserregend eingestuftem Stoff Probleme bekommen würde. Dieser Stoff kommt im Jever in 2.000.000 fach (!) höherer Konzentration vor als Glyphosat, nämlich Alkohol! Na dann Prost!

Woher kommt denn das Glyphosat? Wenn denn die Zahlen stimmen und die Untersuchung nach wissenschaftlichen Kriterien erfolgte, bleibt die Frage: Woher kommt denn das Glyphosat?
Die Vermutung meinerseits ist, dass das Getreide kurz vor der Ernte zur Sikkation mit einem glyphosathaltigem Mittel gespritzt wurde. In Deutschland ist diese Praxis nur noch in absoluten Ausnahmefällen erlaubt und ansonsten verboten. Also liegt die Vermutung nahe, dass die Glyphosatspuren aus dem Ausland, wo weniger strenge Regelungen vorherrschen, importiert wurde. Aber das ist nur eine Mutmaßung meinerseits…

Das BfR und der Deutsche Bauernverband (DBV) haben mittlerweile auch Stellungnahmen herausgegeben. Der DBV fordert eine sachliche debatte ein und schreibt in seiner Stellungnahme:

Debatte zu Glyphosatrückständen im Bier sachlich führen
Deutscher Bauernverband: Vorerntebehandlung bei Braugerste in Deutschland nicht zugelassen

(DBV) Im Zusammenhang mit den heutigen Medienberichten über Rückstände von Glyphosat im Bier weist der Deutsche Bauernverband (DBV) darauf hin, dass die Anwendung von Glyphosat zur Vorerntebehandlung bei Braugerste in Deutschland nicht zugelassen ist.

Auch bei Hopfen, der ebenfalls zur Bierherstellung benötigt wird, findet in Deutschland keine Anwendung mit Glyphosat statt. Zudem stammt etwa die Hälfte der in Deutschland verarbeiteten Braugerste aus Importländern, in denen weniger strenge Anwendungsbestimmungen für diesen Wirkstoff gelten.

Autor Deutscher Bauernverband
Rückfragen an DBV-Pressestelle
Telefon 030-31904-240
Anschrift Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin
Copyright DBV
e-mail presse@bauernverband.net


 

* Daniel Bohl, 43 Jahre, ist Stellv. Vorsitzender und zuständig für den Acker- und Pflanzenbau in der Wariner Pflanzenbau eG in Trams, Mecklenburg-Vorpommern. Er ist Mitglied des Landesvorstandes der FDP Mecklenburg-Vorpommern, agrarpolitischer Sprecher und Kandidat auf Platz 6 der FDP Landesliste für die Landtagswahl 2016.

 

Bernhard Barkmann

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7 Comments

  1. Zum Thema Glyphosat für Regenwürmer
    Hallo Herr Schewe,
    Die Futtergrundlage des Regenwurmes soll durch Sikkation mittels Glyphosat für den Regenwurm aufbereitet werden ,um pluglosen Ackerbau betreiben zu können. Ich meine, der Wurm würde naturbelassene Ware eher schätzen.

    • Hallo Herr Meyer,

      der Wurm schätzt vor allem erstmal Erdboden, in dem er leben und arbeiten kann – und wenn die Direktsaat bzw. der pfluglose Ackerbau – dazu beitragen kann, halte ich das für eine gute Sache.

      Ich habe in meinem Artikel die Erfahrungen eines Landwirts wiedergegeben, die sich mit verschiedenen Artikeln decken. Ich müsste da nochmal tiefer in die wissenschaftliche Literatur hinabsteigen bzgl. der Auswirkungen auf den Regenwurm, aber so dramatisch scheint das auf den ersten Blick nicht zu sein.

      • Der Regenwurm lebt von abgestorbener organischer Substanz ,die er in die Röhre zieht. Außerdem ist er oberirdisch nachtaktiv und badet dann in der behandelten Fläche im Gift. „glyphosat-fuer-den-regenwurm“ unter diesem Titel leider sehr kontraproduktiv , meiner Meinung nach. Im übrigen kenne ich auch keinen Glyphosatanwender ,der sich für Regenwürmer interessiert.

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