Kommentar zu Özdemir-Interview

Kommentar zu Özdemir-Interview

Mein Kommentar zum Interview von Cem Özdemir mit top agrar

Fast zwei Wochen ist der Krieg in der Ukraine mittlerweile alt und nun hat Cem Özdemir endlich in der Öffentlichkeit Position bezogen zu den Auswirkungen auf die Landwirtschaftspolitik.

Mein Kommentar zum Özdemir-Interview:

Ich finde die Position von Cem Özdemir nicht überzeugend. Versorgungssicherheit möchte er mit weniger Futter in den Trog erreichen und denkt dabei an eine Reduzierungder Tierhaltung. Wie wäre es denn, effizienter und Resourcen-schonender zu erzeugen?

Dazu müsste er von den Bio-Ausbau auf 30% stoppen und beispielsweise Bruderhähne nicht mehr mästen. Stattdessen ist Bio weiter die Leitkultur bzw. Leit-Landwirtschaft. Sinnvoller und auch wissenschaftlicher wäre es in meinen Augen, wenn Özdemir auf eine nachhaltige Intensivierung setzte.

Ich interpretiere dieses Interview als Drohgebärde. Wer die Öko-Ausbauziele in Frage stellt, der provoziert den Ausstieg aus die Tierhaltung.
Keine Frage, der Umfang der Nutztierhaltung darf nicht ausgeklammert werden. Wenn aber der Fleischkonsum nicht signifikant sinkt und die Importe steigen müssen, dann haben wir nur Verlierer produziert!

Das kann es auch nicht sein.

Dazu kommt, dass die Öko-Tierhaltung durch selbst gegebene Beschränkungen einerseits ineffektiv ist und andererseits auch auf den internationalen Handel angewiesen ist. Viele Biohöfe haben aktuell Probleme noch Bio-Kraftfutter (ja, auch Ökos brauchen Kraftfutter!) zu beschaffen, weil viele Importe aus der Ukraine nun Wegbrechen und nicht kompensiert werden können.

Auch die Position zu den roten Gebieten zur Reduzierung des Nitrats im Grundwasser finde ich fragwürdig. Wie soll das denn mit dem Verursacherprinzip funktionieren? Ich bin zu 100% im roten Gebiet. Bin ich also Verursacher? (Ich habe in meiner Gegend bereits 1998 ein Schleppschlauch-Güllefass angeschafft und sehe mich keinesfalls als Verursacher erhöhter Nitratwerte)
Wenn die geforderte 20%-Unterdüngung wenigstens funktionieren würde und die Nitratwerte senken würde, dann hätte ich ja noch Verständnis für diese Maßnahme. Sie wird aber nichts bringen, wie das Beispiel Dänemark zeigt. Das einzige was sinken wird, ist die Weizenqualität, nicht aber das Nitrat im Grundwasser! Und die Erträge könnten zusätzlich weniger stabil werden und fallen.

Das passt nicht in die heutige Zeit!

Das ist eine Politik, die für die drohende große Krise nicht angebracht und nicht wirkungsvoll ist. Ich bin enttäuscht!


Diesen Kommentar habe ich auch getwittert: https://twitter.com/BlogAgrar/status/1500834193789657093
(hier lässt sich sicher auch noch eine kontroverse Debatte verfolgen)

Interview mit Özdemir in der top agrar

Ich habe Verständnis dafür, dass die Grünen sich schwer tun, ihre heiß ersehnte Agrarwende zu Grabe zu tragen: (Video von gestern, 6. März´22)

Bernhard Barkmann

Landwirt und Blogger aus dem Emsland

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