#fridaysforfuture?

Warum ich vielen Klimaschützern misstraue und mich nicht an „Fridays for Future“ beteilige

Noch bin ich Landwirt. Und das möchte ich auch bleiben und möglichst den Hof, den ich vorzeitig von meinem Vater geerbt habe, auch an meinem Sohn vererben können. Der ist erst 11 Jahre alt und hat noch ein paar Jahre Zeit, bis er sich für oder gegen die Hofnachfolge entscheiden wird. Diese wichtige Entscheidung für sein Leben muss er ganz alleine fällen.
Aktuell könnte ich es voll und ganz verstehen, wenn er ablehnt. Die Schweinepreise sind zwar zur Zeit sehr auskömmlich, aber dennoch halte ich die Aussichten, in Deutschland einen modernen Hof zu bewirtschaften für sehr unsicher. Und das liegt daran, dass ich das Gefühl habe, politische Entscheidungen werden nicht auf Basis von Wissenschaft und Fakten getroffen, sondern auf Basis von Stimmungen, Populismus und Wahlaussichten.
Ergebnis ist unter anderem das berühmt berüchtigte Agrarpaket, das die Bundesregierung verabschiedet hat.

gesellschaftlicher Mainstream: „Alles bio, alles gut!“

Die Ideologie einer Agrarwende und die daraus resultierende Annahme, erst wenn alle bio ist, ist es auch gut, ist weit verbreitet. Diese wird vielen Bauern viele fromme Wünsche, aber keine verlässlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bieten.

Dass Agrarwende-Propheten wie Christian Meyer (ehemaliger Landwirtschaftsminister in Niedersachsen) gelegentlich auch mal Contra kriegen, lässt vielleicht doch noch hoffen.

Doch leider scheint es in der öffentlichen Wahrnehmung so zu sein, dass nur der bio-vegane Landbau das Klima retten kann. Das erlebe ich immer wieder in Gesprächen mit Grünen, die vollkommen überzeugt von dieser bio-veganen-Idee sind. Oder wenn ich auf einige Twitter-Debatten schaue, oder wenn ich auf die „Fridays for Future“-Bewegung schaue.

Bei FridaysForFuture engagieren sich bekanntlich viele junge Leute, die aus Gründen des Klimaschutzes kein Fleisch oder sogar keinerlei tierische Produkte konsumieren (wollen). Sie machen sich Sorgen und wollen die Welt retten und begründen ihren radikalen Schritt mit der Wissenschaft. Wissenschaft? Ja, es gibt einige Forscher, die nicht nur eine Reduzierung des Fleischkonsums empfehlen, sondern sogar global eine vegane Ernährung für möglich bzw. nötig halten.

Einer dieser Wissenschaftler ist Prof. Volker Quaschning, ein Klimaexperte, der auch bei den ScientistsForFuture aktiv ist. Er gibt regelmäßig Interviews und ist anscheinend davon überzeugt, dass nur vegan die Welt noch zu retten sei.

Prof. Volker Quaschning: Vegane Ernährung am besten fürs Klima

Bei Twitter sind folgende Tweets von ihm zum Veganismus zu finden:

Welternährung geht nur mit Nutztieren!

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein bio-veganer Landbau auf kurz über lang zum Raubbau mutiert, weil gerade tierische Exkremente sehr förderlich für die Bodenfruchtbarkeit sein können. Wenn wir wirklich das Ziel haben, alle Meschen satt zu bekommen, dürfen wir dieses zu tiefst ideologische Experiment nicht machen.

Gott sei Dank gibt es andere Wissenschaftler, die sich auf folgende Studien berufen (eine Auswahl):

Die Wiederkäuerlandwirtschaft kann uns helfen, Netto-Null-Emissionen zu erzielen.
Die Wiederkäuerlandwirtschaft kann uns helfen, Netto-Null-Emissionen zu erzielen.
Warum Fleischverzicht nicht nachhaltig ist
Steigende Emissionen Klimakiller Ökolandbau? Bio gilt als Klimaretter. Doch eine aktuelle Analyse legt nahe: Wird die Produktion in einer Region komplett auf ökologische Landwirtschaft umgestellt, werden sogar mehr Treibhausgase frei - durch Importe.

Natürlich ist die Landwirtschaft immer auch mit Eingriffen in die Natur verbunden. Und so ist es auch eine ungeheuer große Aufgabe, den landwirtschaftlichen Sektor auf Null-Emission zu fahren. Regional ist das vielleicht möglich. Wir könnten unsere Landnutzung umgestalten und keine Moore mehr bewirtschaften und weite teile des Landes aufforsten. Doch wo kommen dann die Lebensmittel her? Importe? Na klar, wir könnten uns das als reiche Gesellschaft sicher leisten. Doch wie sähe dann die Bilanz in anderen Regionen der Welt aus?

Nichts ist wichtiger als eine sichere Nahrungsmittelversorgung

Ich finde, die Erzeugung von Lebensmitteln sollte oberste Priorität haben. Und auch die Sicherheit, stabile Ernten einzufahren sollte in den Zukunftsstrategien eine große Bedeutung haben. Leben wir hier in Mitteleuropa unsere ideologischen Träumereien aus, könnte das wirklich böse Folgen für den ärmeren teil der Erdbevölkerung haben. Das möchte ich nicht. Das wäre doch einfach Menschen-verachtend.

Wir sollten nicht alles radikal dem Klimaschutz unterordnen!

Eigentlich bin ich als Landwirt selber auch vom Klimawandel betroffen. Ich erlebe ihn hautnah. Die Vegetation beginnt z.B. viel früher im Jahr als noch Anfang der 90er als ich mit meiner Ausbildung zum Landwirt begonnen habe. Ich möchte meinen von meinen Vorfahren vererbten Hof bewahren, meine Familie versorgen und zugleich auch meinen Beitrag leisten, das Klima zu schützen. Was wir hier auf unserem Bauernhof diesbezüglich geleistet haben, wäre sicherlich auch einen Blogbeitrag wert.

kein FridaysForFuture für mich

Aber an einem Klimastreik der FridaysForFuture-Bewegung werde ich mich nicht beteiligen. Mir werden dort zu viele ideologische Ziele verfolgt, dass ich mich dort mit meiner Bodenständigkeit einfach nicht wiederfinden kann. Es sind ja nicht nur vegane Phantasien, die dort ausgelebt werden. Auch der Sozialismus erhält bemerkenswert viel Sympathie unter den FFF-Aktivisten. Das ist mir einfach „To Much“- ich bin dann einfach besser raus und kümmere mich um andere wichtige Sachen.

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