Kommunale Anwendungsverbote für Glyphosat

Erste Kommunen verbieten Glyphosat auf ihren Flächen

Wie ich bereits kurz nach dem überraschenden Schmidt-Alleingang und dessen JA zu Glyphosat prognostiziert hatte, ist die Diskussion um den umstrittenen Wirkstoff noch lange nicht beendet.
Hier ein Beitrag aus Hessen. Die Stadt Wiesbaden möchte Gutes tun und verbietet die Ausbringung auf stadteigene Flächen.

Erst der Anfang

Es wird noch viel mehr solcher Initiativen geben, auch Firmen aus der Lebensmittelbranche dürften sich mit der Frage auseinandersetzen, ob sie ihren Lieferanten den Glyphosateinsatz nicht besser verbieten sollen. Aus Marketinggründen oder aus vorauseilendem Gehorsam bzw. Angst, Teil einer NGO-Kampagne gegen das eigene Unternehmen zu werden.

Desinformation statt Aufklärung

Und dabei wird weiter falsch bzw. unrichtig informiert. Es hat sich eine breite Parteienfront gebildet, die sich gegen das Glyphosat ausspricht: Linke, SPD, Grüne und AfD bilden hier eine (in meinen Augen) bedenkliche Front gegen die Anerkennung der Wissenschaft im Allgemeinen und gegen Glyphosat im Speziellen, die im deutschen Bundestag bereits heute eine Mehrheit hätte. Dabei spielen bei allen Parteien populistische Motive eine große Rolle. Bei der SPD dürften auch Verhandlungs-taktische Erwägungen eine Rolle spielen, nehmen aber wohl auch gerne den vordergründigen Sympathiegewinn mit. Denn jeder der sich FÜR eine Wiederzulassung von Glyphosat und FÜR eine nüchterne wissenschaftliche Bewertung ausspricht, ist schnell der Buhmann. Deshalb verdienen alle, die sich in dieser Frage wirklich differenziert und nicht populistisch äußern, meinen grössten Respekt!
Die CDU gehört nicht zur oben erwähnten populistischen Anti-Glyphosatfront im Bundestag, doch auch aus dieser Partei höre ich leider wenig klare Kante. Die CDU ist Volkspartei und da gibt es selbstverständlich die unterschiedlichsten Positionen unter den Mitgliedern.

Union mit uneinheitlicher Haltung zu Glyphosat

Enttäuscht bin ich in dieser Frage zum Beispiel von der neuen niedersächsischen  Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast.


Sie stimmt zwar grundsätzlich einer Verlängerung zu, spricht aber gleichzeitig davon, dass es „ein Weiter-So“ nicht geben dürfe und nach Alternativen gesucht werden müsse.
Diese Haltung ist irgendwie nicht Fisch, nicht Fleisch. In meinen Augen sollte ein Zulassungsverfahren nach nüchternen wissenschaftlichen Parametern abgearbeitet werden. Alle Gründe, die gegen das Glyphosat angeführt werden, sind mehr oder weniger an den Haaren herbeigezogen worden. Vernünftig angewendet gibt es keine Gesundheitsgefahren und die Alternative Pflügen bzw. mehr Bodenbearbeitung führt ebenfalls zu einer Minderung der Artenvielfalt auf dem Acker. Wenn es bessere Alternativen gibt, dann werden sie sich auch nach und nach durchsetzen.

Anwendungsbeschränkungen?

Lediglich Anwendungseinschränkungen halte ich für durchaus sinnvoll. Das kann und sollte man auf nationaler Ebene einheitlich regeln. Gelangt das Glyphosat ins Oberflächenwasser, so hat das schädliche Auswirkungen auf die Wasserorganismen.  Von befestigten Flächen kann es leicht abspülen und in Gewässer gelangen. Hier baut sich der Wirkstoff nicht so schnell ab, wie im Ackerboden. Hier wäre ein Einsatzverbot für Privatanwender durchaus sinnvoll, denn viele nehmen es mit den Anwendungsvorschriften nicht so genau oder kennen diese noch nicht einmal.

Snapshot aus der Hessenschau

9 Gedanken zu „Kommunale Anwendungsverbote für Glyphosat

  1. Sollte BlogAgrar nicht vielleicht umbenannt werden in BlogGlyphosat? Die letzten fünf Beiträge hier beschäftigen sich direkt oder indirekt mit dem Totalherbizid! Gut, dass wir in der Landwirtschaft keine anderen Probleme haben!

    1. Das Glyphosat hat hohen Symbolwert. Wenn Faktenreduzierte Kampagnen die öffentliche Meinung vergiften und politische Entscheidungen beeinflussen können, dann geht es exemplarisch um mehr als nur um diesen einen Wirkstoff.
      Den Gegnern des Glyphosats geht es nicht um Gesundheitsgefahren, sondern mehr um die Ablehnung von Gentechnik und großen (amerikanischen) Konzernen mit einer großen Marktmacht. Glyphosat steht für diese Gruppen stellvertretend für moderne Landwirtschaft. Deshalb hat das Thema auch bei mir eine hohe Relevanz.

      1. Was hat denn moderne Landwirtschaft mit Gentechnik und großen amerikanischen Konzernen zu tun? Wir brauchen in Europa weder Gentechnik noch große Saatgut- und Pflanzenschutzkonzerne für eine nachhaltige, zukunftsfähige Landwirtschaft. Was wir brauchen, dass sind gesellschaftliche Akzeptanz und gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Damit sollten wir uns befassen und nicht mit Nebenkriegsschauplätzen!

      2. Der Bürger ist sensibilisiert,die Politik will wohl eine EEG -artige Finanzierungsoffensive für eine nachhaltige von den Verbrauchern und der Wissenschaft akzeptierten Agrarwende starten, aber der Landwirt bockt, blockt und glaubt noch gruppendynamische Spielchen machen zu müssen.

      3. So ist es, Bernhard. Es ist eine Grundsatzdiskussion mit zahlreichen Kriegsschauplätzen: Wollen wir auf der Grundlage von Fakten oder Emotionen bzw. Ideologien das Leben der Gesellschaft gestalten? In der Agrarwirtschaft ist Glyphosat der Platzhalter für die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaft. Da die Menschen essen müssen, ist es ein zentrales Thema.

        Herr Ilchmann, ich befürchte, Sie müssen noch mehrere Glyphosat-Stories über sich ergehen lassen. Denn was relevante Themen und Nebenkriegsschauplätze sind – darüber gehen die Meinungen auseinander.Zum einen.

        Davon ganz abgesehen geht es in der Bloggerei ein Stück weit zu wie im Journalismus: Man fokussiert auf Themen, die einen hohen Nachrichtwert haben.

        Was das Thema Glyphosat (und andere betrifft), hat es die Neue Züricher Zeitung auf den Punkt gebracht: „Als wissenschaftlich gilt damit nicht mehr, was die Fachdisziplin als solches definiert, sondern was einzelnen Kreisen politisch genehm ist. Die Ideologisierung und die Polarisierung haben mittlerweile groteske Ausmasse angenommen.“

        https://www.nzz.ch/meinung/mischt-euch-ein-ld.1342066

        1. Ich halte das Thema Glyphosat für abgehakt, es finden nur noch Rückzugsgefechte statt – ob man das gut findet oder nicht. Ich kann durchaus noch weitere Glyphosatartikel ertragen, Frau Annelies, ich hab sogar grade selber einen geschrieben. Das Problem ist nur, dass dieses Thema in den Diskussionen im Berufsstand viel zu viel Raum einnimmt. Es ist natürlich auch eine gute Ablenkung von den wirklich existenziellen Fragen.

        2. Lustig, der Artikel gefiel mir auch. Ich musste aber an die Fake- und Hate-Kommunikation in der Bauernschaft denken, die keineswegs nur wissenschaftlich fundiert zu sein versucht, sondern auch trübe naturalistisch, biologistisch, (religiös-)traditionalistisch, primitivistisch ist – wenn es denn genehm ist.

          Von Glyphosat ist im dem Artikel übrigens nicht die Rede, so dass ich abermals Fake feststellen muss.

          Die von Ihnen zitierte Passage geht by the way wie folgt weiter:

          „Die Ideologisierung und die Polarisierung haben mittlerweile groteske Ausmasse angenommen. Provokative Wissenschafter werden systematisch angefeindet und an den Pranger gestellt. Wenn beispielsweise der australische Ethiker Peter Singer oder der deutsche Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski öffentlich auftreten, müssen Sicherheitsleute sie vor linken Krakeelern beschützen, die sich auch im Internet auf die unbequemen Wissenschafter eingeschossen haben. Umgekehrt geraten Klimaforscher, Evolutionsbiologen oder die «linken» Geisteswissenschafter ins Kreuzfeuer von rechts. Ein liberaler Wettstreit um die besten Ideen sieht anders aus.“

          1. Lustig, der Artikel gefiel mir auch. Ich musste aber an die Fake- und Hate-Kommunikation der intellektuellen (Möchtegern-)Elite denken, die keineswegs nur wissenschaftlich fundiert zu sein versucht, sondern auch trübe naturalistisch, biologistisch, (religiös-)traditionalistisch, primitivistisch ist – wenn es denn genehm ist.

            Der zitierte Artikel geht by the way weiter und zitiert R. Köppel:
            „Intellektuelle sind nachweislich irrtums­anfälliger als Nichtintellektuelle“. Nicht zitiert wurde in dem Artikel, was Köppel noch dazu äusserte: „Was die Intellektuellen allerdings nicht daran hindert, sich Nichtintellektuellen gegenüber drastisch überlegen zu fühlen.“ Damit trifft er den Nagel auf den Kopf!

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