Schlagwort-Archive: Glyphosat

Der Künast-Ökozid

von Sönke Hauschild, Bauernverband Schleswig-Holstein

Im Oktober 2016 ging es in Den Haag um Großes: Da stand die künftige Bayer-Tochter Monsanto vor einem „Tribunal“. Nein, nicht vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Sondern auf dessen Vorplatz. Es war ein Schauprozess der maximale Medienabdeckung garantierte. Gestern noch berichtete „arte“ darüber (Link). Angst bildet offenbar…

"Wenn Fakten eine politische Agenda durchkreuzen, werden die Fakten in Frage gestellt, nicht die Agenda" Zitat von Bernhard Url, EFSA-Direktor zur Glyphosat-Diskussion

Ökozid- eine neue Wortschöpfung

Ziel war es, den „Ökozid“ – in geschickter Anlehnung an den „Genozid“, Völkermord – als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuprangern. Ökozid hört sich giftig an und meint die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Botschafterin des Tribunals war übrigens die Grüne und Juristin Renate Künast. Künast verhandelt für die Grünen derzeit das Agrarkapitel in der Berliner Jamaika-Sondierung.

Interessant wird es, wenn es um das Ziel des Schauspiels geht: Das Tribunal sollte

„bezüglich der Gefahren der industriellen und chemischen Landwirtschaft und der Notwendigkeit, das landwirtschaftliche Paradigma zu ändern“

sensibilisieren. Monsanto ist also nur der Platzhalter für ein System, das man angreift – und das uns zugleich ernährt.

Landwirtschaft ist leistungsfähig und effizient

Innerhalb von 20 Jahren hat die weltweite Landwirtschaft es geschafft, zwei Milliarden Menschen mehr satt zu machen. In deutschen Lebensmitteln nähern sich Rückstandswerte von Pflanzenschutzmitteln oder Antibiotika dem Promillebereich. Unsere Landwirtschaft hat ihre Emissionen innerhalb von 25 Jahren um 15 % verringert, im selben Zeitraum aber die Produktivität bei Getreide um 28 % und bei Milch um 16 % gesteigert.

Das alles reicht nicht.
Im Gegenteil: All dies dient vielmehr als Beweismittel des Ökozids. Denn ohne „Pestizide“ wäre das nicht möglich gewesen. Es erschreckt, wenn eine Juristin mit Bundestagsmandat sich für Schauprozesse engagiert. Denn es erinnert fatal an Staaten, denen demokratische Regeln zur Durchsetzung fehlen.

staatliche Institutionen werden diskreditiert

Schlimm ist es, wie man mit dem Präsidenten des von Künast gegründeten Bundesinstitutes für Risikobewertung umspringt. Prof. Dr. Andreas Hensel wird vorgeworfen, er habe ungeprüft Studien von Monsanto übernommen. Doch bleibt er klar auf wissenschaftlicher Linie:

„Die Bewertung sämtlicher Bewertungsbehörden europa- und weltweit ist glasklar: Glyphosat ist nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht als krebserregend einzustufen.“

Auch das JKI, UBA oder das BVL haben Zuarbeiten für den Bericht geliefert.

„Wenn inhaltlich nichts mehr geht und einem die Argumente ausgehen, zerstört man die Reputation der Behörden und Experten,“

bedauert Hensel den versuchten „BfR-zid“.

zweierlei Maß

Dabei ignoriert man den echten Ökozid, die weltweite Ernährungskrise. Offenbar ist es egal, ob nun ein paar hundert Millionen mehr oder weniger hungern. Schuld sind ja doch die anderen. Doch wie schwierig stabile Felderträge ohne Pflanzenschutz sind, zeigt auch der Ökolandbau. Verteidigt die Politik deshalb Kaliumphosphonat als Mittel gegen Pilzerkrankungen im Ökolandbau? Der Irrsinn: Auch Glyphosat ist ein (Glycin-)Phosphonat. Der Unterschied: Politisch.

ohne nachhaltige Intensivierung lässt sich Hunger nicht bekämpfen

Früher diente die klassische Landwirtschaft der Ernährungssicherung. Heute dient sie als Fanal des Weltunterganges. Doch wohin führt uns dieser Weg? In den 1970er Jahren machte die Grüne Revolution mittels Düngung, Pflanzenschutz und neuen Hochertragssorten aus Import- Exportländer für Lebensmittel. Doch die Dividende dieser Revolution ist längst „aufgegessen“. Ohne einen Nachschlag, eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft, droht ein echtes Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Der Genozid, durch Hunger, Frau Künast.

„Übernehmen Sie Verantwortung“

Offener Brief an Ministerin Dr. Barbara Hendricks

Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt und Bau.

Unter der Federführung von Susanne Günther (schillipaeppa.net) schreiben die Agrarblogger von www.blogagrar.de und www.bauerwilli.com einen offenen Brief an die Bundesumweltministerin Hendricks. Anlass ist ein Treffen des Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Nahrungs- und Futtermittel (PAFF) am 19. Juli zu einer erneuten Diskussion über Glyphosat.

Hier der volle Wortlaut:

„Sehr geehrte Frau Dr. Hendricks,

topagrar.com meldet, dass Ihr Haus weiterhin einer EU-Neuzulassung des Herbizid-Wirkstoffs Glyphosat nicht zustimmen will. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums bestätigte diese Information auf Twitter mit den Worten: „Mehr Negative #Glyphosat-Wirkungen auf Pflanzen, Tiere & Nahrungsnetze auf den Ackerflächen sind gut belegt. Unsere Haltung ist daher unverändert.“

Ich kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. In früheren Twitter-Dialogen mit Maria Krautzberger, der Präsidentin des Umweltbundesamtes, oder mit Jochen Flasbarth, dem Staatssekretär Ihres Hauses, wurde als Beleg stets auf eine Arbeit verwiesen, die im Auftrag des UBA erstellt worden ist. Es handelt sich dabei um die Veröffentlichung Jahn, Hötker et al. 2014: „Protection of biodiversity of free living birds and mammals in respect of the effects of pesticides“. Ich habe mir diese Literaturstudie angesehen und musste feststellen, dass darin keine konkreten Hinweise vorkommen, dass ausgerechnet Glyphosat die Biodiversität in der Agrarlandschaft beeinträchtigt. Es geht in der Arbeit generell um die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln, das Wort „Glyphosat“ bzw. „glyphosate“ kommt auf den mehr als 500 Seiten gerade einmal 17-mal vor. Meine Quellenkritik habe ich in meinem Blog detailliert beschrieben:  “Nachgehakt: Glyphosat und Biodiversität”. „Übernehmen Sie Verantwortung“ weiterlesen

Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben?

Hohe Nitrate im Wasser? Geht ganz ohne Intensivtierhaltung!

Gestern bin ich auf eine sehenswerte Dokumentation des Journalisten Michael Miersch zum Thema Waldsterben gestoßen. Sie wurde vor einigen Jahren für den Bayerischen Rundfunk produziert, aber nie ausgestrahlt. Der Sender hatte die Doku „Und ewig sterben die Wälder“ seinerzeit zurückgehalten.

*Nachtrag zum Film: Ein aufmerksamer Blog-Leser hat mich informiert, dass es Hinweise gibt, dass die Dokumentation am 13. Mai 2011 ausgestrahlt wurde, und zwar von Arte.

Ein Teil bezog sich auf die Berichterstattung und der ihr zugrundeliegenden Recherche deutscher Leitmedien zum Thema.

Verblüffend: Im Kontext der aktuellen Berichterstattung über die Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf die Umwelt generell bzw. mit Blick auf die jüngste Nitratsau, die soeben durch die Republik getrieben wird, habe ich Parallelen festgestellt zur Hysterie der 1980er Jahre.

Wiederholt sich die Geschichte?

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Scheint die Natur in Gefahr zu geraten, wird Alarm geläutet. Schrill, anhaltend, panisch. Eine sachliche Betrachtung des Themas, Nüchternheit, Ausgewogenheit – Fehlanzeige. Die deutsche Volksseele reagiert mit Panik und sieht sofort den Tag des Jüngsten Gerichts vor der Haustüre rumlümmeln. Oft haben Fakten das Nachsehen. Die Geschichte wiederholt sich. Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben? weiterlesen

Respekt

Ein Appell an die Bauern, an meine Community:

für mehr gegenseitigen Respekt

Über die Diskussionskultur im Netz

Liebe Berufskollegen, liebe Community, ich sitze gerade im Zug nach Hause. Mit Marcus und Nadine habe ich gerade für die „Wir machen euch satt„-Initiative eine Pressekonferenz abgehalten. Wie es war, wie wir waren werden wir später erfahren, wenn über unsere Initiative berichtet wird und vor allem: wie berichtet wird.

Das soll aber gar nicht mein Thema jetzt sein. Mir geht es jetzt in diesem Beitrag darum, wie wir im Internet kommunizieren, wie wir miteinander umgehen, oder sollte ich besser schreiben: GEGENEINANDER?

sie geben sich die Hand: Trump und Obama (c) AP, Focus

Gerade wenn die Diskussion um die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaft oder speziell um Glyphosat, MRSA und Nitrat geht, dann reichen in der Diskussion die Argumente und Fakten anscheinend nicht mehr aus. Zu häufig wird zur Verdeutlichung, wie ernst man es mit der eigenen Meinung hat, diese mit mehr oder weniger deutlichen persönlichen Anschuldigungen untermalt.

Das meine ich jetzt im Bezug auf den Umgang unter uns Landwirten, aber auch im Umgang von uns mit Journalisten. Ja, es gibt Berichterstattung, die mich fürchterlich ärgert. Aber auch da müssen wir versuchen, zu argumentieren. Fakten bringen, eigene Meinung deutlich machen. Aber bitte auch genau unterscheiden: Ist der Journalist jetzt Überbringer einer Botschaft oder ist es seine Meinung, die er in einem Kommentar äußert?

Ich bin froh, über jeden Journalisten, aber auch jeden Landwirt, der sich in sozialen Netzwerken der Diskussion stellt bzw. sich einbringt. Aber viel zu oft ist die Diskussion unsachlich, von persönlicher Abneigung geprägt. Einfach keine angenehme Diskussionskultur. In Blogposts, in denen mit dem Ottonormal-Verbraucher Kontakt aufgenommen werden soll, ist ein solches Klima unter den Beiträgen, in den Kommentaren wirklich schädlich.

Keine Frage, es sind nicht nur die Landwirte, die die Schärfe rein bringen. Ganz sicher nicht, aber für neugierige Verbraucher kann es schon abschreckend sein, wenn sich wirklich hitzige, ins persönliche abschweifende Debatten in den Kommentarspalten abspielen.

Deshalb meine Empfehlung. Nehmt euch alle ein wenig zurück. Überlegt zweimal, ob ihr einen Post absenden wollt oder vielleicht doch besser nicht.
In Beiträgen, die den Verbraucher ansprechen sollen, bitte auch den Verbraucher in den Mittelpunkt stellen: jeder Kommentar ist dann für den Verbraucher da und nicht für eigene Nebenkriegsschauplätze.

Ich fordere Selbstkritik ein und frage mich auch, ob ich alles richtig gemacht habe bzw. mache. Das ganz gewiss nicht, aber ich möchte mich bessern und möchte gerne an diese meine Worte erinnert werden, wenn ich im sozialen Netz auf Abwegen geraten bin.

Uns fehlt vielleicht die Kritkfähigkeit und die Kraft, auch andere Einstellungen und Meinungen zu akzeptieren. Lasst uns streiten, aber bitte sachlich und fair. Das wäre dann gelebte Demokratie.

Das Tribunal

tribunalAm kommenden Wochenende findet in Den Haag das „Monsanto-Tribunal“ statt. Veranstalter sind diverse Nicht-Regierungs-Organisationen, aber auch Vertreter politischer Parteien werben für diese Veranstaltung.  Der Ort wurde wohl bewusst so gewählt, um eine gedankliche Nähe zum Sitz des Internationalen Gerichtshofes herzustellen.

Hier die Einführung auf der Homepage des Monsanto-Tribunals:

„Für eine wachsende Anzahl von BürgerInnen in der ganzen Welt ist der amerikanische Konzern Monsanto das Symbol für die industrielle Landwirtschaft: eine Produktionsform, welche durch den massiven Einsatz von Chemikalien die Umwelt verpestet, den Verlust der biologischen Vielfalt beschleunigt und massiv zur globalen Erwärmung beiträgt.
Monsanto fördert ein Modell von Industrielandwirtschaft, das weltweit mindestens ein Drittel der anthropogenen Treibhausgasemissionen verursacht. Die industrielle Landwirtschaft ist zu einem grossen Teil verantwortlich für die Abnahme von Bodenfruchtbarkeit und Grundwasserreserven, für Biodiversitätsverlust und Artensterben, sowie weltweit für die Verdrängung von Millionen von Kleinbauern. Mit der Patentierung von Lebewesen und Saatgut bedroht dieses Modell die Ernährungssouveränität von uns allen.“

Wer diese Zeilen aufmerksam liest, erkennt schnell, dass nicht nur Monsanto, sondern generell das Modell der „industriellen Landwirtschaft“ auf der Anklagebank sitzen. Es geht den Veranstaltern also nicht nur um Glyphosat, sondern um die derzeitige Wirtschaftsweise insgesamt.

Renate Künast, ehemalige Landwirtschaftsministerin und Vertreterin der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ bewirbt diese Veranstaltung auf ihrer Facebook-Seite. Auch hier ist an den Begriffen „Monokulturen“, „Gentechnik“ und „Agro-Landwirtschaft“ (Anmerkung: was ist Agro-Landwirtschaft?) klar zu erkennen, dass mit dieser Veranstaltung die Form der Landwirtschaft in Misskredit gebracht werden soll, die von der überwiegenden Zahl der Landwirte heute praktiziert wird. Interessant die Erläuterung, dass es sich beim Monsanto Tribunal um „eine zivilgesellschaftliche Gerichtssimulation“ handelt.

Der Vorwurf an Monsanto lautet „Ökozid“ –  auch in diesem Wort verbirgt sich ein bewusstes Täuschungsmanöver: Die Ähnlichkeit zum Begriff „Genozid“ für Völkermord soll die Geschäftstätigkeit der Agrarkonzerne kriminalisieren.

Hier die Posts von Renate Künast:

29.7.2016: „Das Monsanto-Tribunal braucht unsere Unterstützung. Denn Engagement und Veranstaltungen kosten. #monsanto“snap_kuenast_tribunal
6.10.2016: „Das internationale Monsanto-Tribunal findet ab nächster Woche in Den Haag statt! Monsanto betreibt und fördert ein Modell der industriellen Landwirtschaft, das weltweit zu Umweltverschmutzung, Zerstörung und Hunger führt. Das prangern wir an und erstellen nebenbei noch unsere Vision einer gerechten Zukunft.“
11.10.2016: „Am Wochenende findet das so genannte Monsanto-Tribunal, eine zivilgesellschaftliche Gerichtssimulation in Den Haag statt. Monsanto zerstört mit seiner Agro-Landwirtschaft, Monokulturen und Gen-Technik die Menschenleben und den Planeten.“

Ergänzend sei noch gesagt, dass diese Veranstaltung keine rechtliche Relevanz hat. Es handelt sich um einen reinen Schauprozess, dessen Ausgang, eine „Verurteilung“ von Monsanto, vermutlich schon im Vorfeld feststeht.

Bernhard Barkmann (BlogAgrar)
Susanne Günther (schillipaeppa.net)
Willi Kremer-Schillings bauerwilli.com)
Marcus Holtkötter @BauerHolti (Holtkötter-Agrar.de)

Dialog: „Wir haben es satt“-Kongress

In Berlin angekommen, aber noch unrasiert
In Berlin angekommen, aber noch unrasiert

Bin gerade in Berlin angekommen und bereite mich noch ein wenig auf den morgigen Tag vor. Denn ich bin nicht zu Erholungszwecken in Berlin. Ich habe die Ehre, morgen an einem agrarpolitischen Talk im Rahmen des „Wir haben es satt“-Kongresses teilzunehmen. Ich werde die Bewegung „Wir machen Euch satt“ hoffentlich gut vertreten.

whes_kongress_2016Ab kurz nach zehn werde ich dann mit Dr. Anton Hofreiter (Bündnis90/Die Grünen), Dr. Kirsten Tackmann (Linke), Dr. Karin Thissen (SPD), Kees de Vries (CDU) und Jochen Fritz (Wir haben es satt!) unter der moderatorischen Leitung von Frau Dr. Tanja Busse („Die Wegwerfkuh“) über verschiedene agrarpolitische Themen diskutieren.

whes_kongress_planWenn ihr noch Fragen und Anregungen für mich habt, könnt ihr sie gerne in der Kommentarzeile hinterlassen.

Drückt mir die Daumen! Bis morgen, dann werde ich mich zurückmelden!

Ob es einen Live-Stream gibt, kann ich nicht sagen. Wer zuerst einen Link kennt, der postet ihn bitte für alle hier im Blog- 😉

Alternative zum Glyphosat: Maisanbau

Ich habe am Wochenende bereits über mögliche Alternativen zu Glyphosat berichtet. Kleingärtner werden demnach vermehrt auf thermische Verfahren ausweichen, sollte der Wirkstoff Glyphosat endgültig seine Zulassung verlieren. (–> Abflämmen?)

Auch ich habe mir Gedanken gemacht, wie ich mit meinem kleinen, emsländischen Hof auf ein Verbot reagieren würde:

Dazu möchte ich zunächst beschreiben, wie unser Ackerbau bisher betrieben wird: Unserem landwirtschaftlichem Betrieb stehen ca. 55 Hektar Ackerland zur Verfügung. Auf ca 20 Hektar wird dabei Silomais (für die Bullenfütterung) und ca. 15 Hektar CCM-Mais (für die Schweinefütterung) abgebaut. Also über 50% Maisanteil in der Fruchtfolge. Daneben haben wir Getreide (Weizen, Triticale und Gerste) auf den Feldern stehen, der auch komplett in unserem Betrieb verfüttert wird. Bis vor zwei Jahren bauten wir noch Winterraps an, aber nach dem Verbot der Neonikotinoide war mir der Anbau zu riskant.

Auf den Flächen mit Getreide wird in der Regel eine Zwischenfrucht angebaut, um verbliebene Nährstoffe zu binden und mit der Gründüngung die Fruchtbarkeit der Böden zu erhöhen.

(c) Bayer Agrar Deutschland
(c) Bayer Agrar Deutschland

Da die Quecke ein bedeutendes und sehr lästiges Unkraut ist, das sehr gut nach Getreide im Stoppelacker mit einem glyphosathaltigen Herbizid nachhaltig bekämpft werden kann, wurden bisher Teilflächen mit Glyphosat gespritzt. Das war nicht nur wirksam, sondern auch kostengünstig. Alternative zum Glyphosat: Maisanbau weiterlesen

Alternative zum Glyphosat: Abflämmen

Wenn die Politik etwas verbieten möchte, sollten auch die Folgen berücksichtigt werden. Speziell Kleingärtnern wird die thermische Variante nahe gelegt. Sie sollen also das ungeliebte Unkraut abflämmen. Das kann aber böse Folgen haben, wie Susanne Günther (schillipaeppa.net) recherchiert hat:

schillipaeppa_glyphosat_abflämmen

Susanne Günther listet eine Vielzahl solcher Zeitungsberichte aus ganz Deutschland auf, in denen die Flammen auf Häuser übergetreten sind.
Die Gefahr, dass nicht nur das Unkraut abgeflämmt wird, sondern auch Haus und Hof, ist anscheinend sehr groß. Ob die Landesminister, die die Anwendung bisher verboten bzw. eingeschränkt haben, sich überhaupt mit möglichen Folgen ihrer Erlasse beschäftigt haben, darf angezweifelt werden.

 

Ich habe keine Lust mehr!

von Roland Schulze Lefert

Roland Schulze Lefert
Roland Schulze Lefert

Ich habe keine Lust mehr, …
… mir von der Bundesumweltministerin und vielen ihrer Länderkollegen erklären zu lassen, dass wir Landwirte durch den Maisanbau die Flutkatastrophen der letzten Tage begünstigt hätten, während jeden Tag Hektar um Hektar Grün- und Ackerland durch Häuser und Straßen versiegelt wird.

Ich habe keine Lust mehr, …
… mir von der SPD das Nein zur Zulassung von Glyphosat mit dem Vorsorgeprinzip erklären zu lassen, während es weiterhin ohne große Einschränkungen möglich ist definitiv krebserregenden Alkohol, Kaffee und Tabak zu konsumieren.

Ich habe keine Lust mehr, …
… mir vom Bundeswirtschaftsminister erklären zu lassen, dass die Übernahme von Kaisers-Tengelmann durch Edeka keine Auswirkungen auf den Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel hat, während jeden Tag landwirtschaftliche und handwerkliche Lebensmittelproduzenten an der Übermacht der Handelsriesen scheitern.

Ich habe keine Lust mehr, …keine_lust_mehr
… mir vom Bundeslandwirtschaftsminister das neuerliche verteilen von Hilfs-Almosen nach dem Gießkannenprinzip als Erfolg verkaufen zu lassen, während weiterhin keinem Familienbetrieb im Milchsektor die unternehmerischen Mittel und Werkzeuge zur Verfügung stehen sich aktiv auf die nächste Phase mit niedrigen Preisen vorzubereiten.

Ich habe keine Lust mehr, …
… mir von Ärzten und sonstigen Beteiligten des Gesundheitssystems erklären zu lassen, wie gefährlich der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung für die Allgemeinheit ist, während täglich hunderte Menschen durch mangelhafte Hygiene in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen geschädigt werden oder gar sterben.

Ich habe keine Lust mehr, …
… dass sogenannte Tier- und Umweltschutzorganisationen durch Kampagnen gegen die Landwirtschaft nicht die Umwelt sondern ihre Spendenkonten schützen, während wir Landwirte täglich mehr Geld in den Erhalt unserer Umwelt und den Schutz unserer Tiere stecken ohne dafür gerecht entlohnt zu werden.

Ich habe keine Lust mehr…
… mir von Verbrauchern von einem reich gedeckten Tisch aus erklären zu lassen, wie Landwirtschaft zu funktionieren hat und wie gerne sie doch Bio und Regional kaufen würden, während die schweigende Mehrheit billige Importprodukte im Aldi oder Lidl kauft.

Ich habe keine Lust mehr, …
… mir den Umstieg auf biologische Erzeugung von den grünen Bioprinzen anpreisen zu lassen, während meine Biokollegen aus der einträglichen Marktnische in einen ruinösen Preiskampf bei den Lebensmittelhändlern gedrängt werden.

Ich habe keine Lust mehr…
… über die Unterstützung von bäuerlichen Kleinbetrieben auf den Wahlplakaten der Grünen zu lesen, während die Verordnungen und Gesetze der Minister und Fraktionen dieser Partei mehr Kleinbetriebe zur Aufgabe gezwungen hat als der normale Strukturwandel durch technischen Fortschritt.

Ich habe keine Lust mehr…
… Beiträge von Journalisten zu lesen, zu sehen oder zu hören, die offensichtlich mehr Zeit auf die Pflege ihres eigenen Weltbildes im Punkt Landwirtschaft verwenden als für die ausgewogene Fakten-Recherche, während undemokratische Kräfte in diesem Land genau dieses Vorgehen in anderen Themenbereichen als Vorwand für eine Demontage der 4. Gewalt in unserer Demokratie nehmen.

… Und so langsam dämmert mir wie es ist als Bundesjogi mit 80 Millionen Bundestrainer zu leben… Naja sein Schmerzensgeld dürfte höher ausfallen als das der meisten Landwirte, dann wird es wohl doch nicht so schlimm sein…

Trotzdem werde ich den Mut nicht verlieren und weiter machen!

Für jedes noch so kleine Aha-Erlebnis bei meinen Gesprächs- und Diskussionspartnern,
für den noch immer geraden und stolzen Blick in den Spiegel,
für den erhobenen Kopf bei aufrechter Meinung
und natürlich um weiterhin diesem tollen Beruf frönen zu dürfen der so viel mehr kann als nur verdammt gut verdammt viele Menschen zu ernähren!

ALSO SCHLUSS MIT ZWEIFELN! UND RAN AN DIE WISSENS-, AHNUNGS-, MEINUNGS- UND MANCHMAL AUCH GEDANKENLOSEN GANZ NORMALEN BÜRGER!

Der Rest kann mir mal gepflegt den Buckel runter rutschen 😜

tweet des Tages – mit @aufmacher & @Thorsten_Wehner

Die Hängepartie um die Glyphosat-Zulassung geht in die nächste Runde. Bei twitter bin ich auf folgende Konversation gestoßen.
Beteiligt sind der Journalist Jan-Phillipp Hein (@aufmacher) und Thorsten Wehner (@Thorsten_Wehner), agrarpolitischer Sprecher der SPD in Rheinland-Pfalz:

snap_glyphosat_wehner_hein_spd

In diesem Zusammenhang ist auch der dpa der wahre Grund für die Kehrtwende der SPD aufgefallen. Martin May hat es getwittert: