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Zusammenfassung von „Wir haben es satt“

Glyphosat war Feindbild Nr. 1 bei „Wir haben es satt“

Der Wissenschaftskommunikator und Buchautor Ludger Weß fasste die Glyphosat-Debatte auf der vergangenen „Wir haben es satt“-Demo in einem kurzen Tweet treffend zusammen:

– Versuch einer Zusammenfassung nach : Glyphosat ist ein Düngemittel, das alle Lebewesen tötet und gefährlicher ist als dioxinverseuchtes Asbest aus dem Tschernobyl-Reaktor. Die konventionellen Landwirte wollen damit ihre Kunden umbringen.

Unwissenheit und Vorurteile

Es ist schon beeindruckend mit welchem Unwissen und welchen Vorurteilen viele Demonstranten auf die Straße gingen. Der Videoblogger Dirk Nienhaus vom Bocholter Landschwein befragte einige Teilnehmer der „Wir haben es satt“ in diesem Video: Zusammenfassung von „Wir haben es satt“ weiterlesen

Wir haben es satt! Ach! So ein Zufall. Ich auch. Immer noch. Und wie!

Infos zum Aktionstag
Das Aktionsbündnis „Wir machen Euch satt“ packt lieber an statt auf Töpfe einzudreschen.

Kommenden Samstag ist es wieder soweit: Das „Aktionsbündnis Wir haben es satt (WHES) demonstriert gegen alles Mögliche rund um die moderne Landwirtschaft in Berlin. Vorrangiges Ziel: Man will der Agrarindustrie die Stirn bieten.

Ich habe es es auch satt. Daher  habe ich meine private Anti-WHES-Demo von 2017 aus dem Archiv geholt, abgestaubt, aufgepeppt und online gestellt. Die Version 2.0 ist um einiges länger als mein erster Text damals. Nicht von ungefähr. Wer gedacht hatte, 2016 war ein heftiges Jahr für die konventionelle Landwirtschaft, wurde 2017 eines Besseren belehrt.

Warum ich auch 2018 nicht bei WHES mitlaufen und der Agrarindustrie die Stirn bieten will? Darum! Wir haben es satt! Ach! So ein Zufall. Ich auch. Immer noch. Und wie! weiterlesen

BREAKING NEWS: Der BUND kennt das Wort „Wissenschaft“

Bild Ankündigung Forschungspreisverleihung
Wir gehen mit der Wissenschaft – wirklich?!

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) scheint ein neues Kapitel in ihrer Geschichte schreiben zu wollen: Sie hat tatsächlich das Wort „Wissenschaft“ in ihr Vokabular aufgenommen. Konkret geht es um die Ankündigung, man wolle „mit der Wissenschaft gehen“: Im Juni wird ein BUND-Forschungspreis für Arbeiten zur Nachhaltigen Entwicklung verliehen.

Das Neuartige an der Meldung?

Nach Jahren hemmungslosen Glyphosat-Bashings, in denen die Berliner beinhart jeglichen wissenschaftlichen Erkenntnissen abhold waren, will der BUND eine Liaison eingehen mit Terra Incognita. Ich wusste gar nicht, dass die Umweltaktivisten das Wort überhaupt buchstabieren können.

Der BUND, das sind immerhin die, die, wenn es ihnen nicht in den Kram passt, gegen die Wissenschaft austreten. Die Forscher in den Dreck ziehen. Die, wenn was nicht passt, etwas mit Auslassungen, steilen Behauptungen und alternativen Fakten pass machen. Die weder differenzieren können – und, so scheint‘s, es auch gar nicht wollen.

Faktencheck: Der BUND, Glyphosat und tote Babys

Schon vor vier Jahren hat das Online-Portal SciLogs von Spektrum der Wissenschaft in einem Faktencheck belegt, wie wenig die NGO mit seriöser Wissenschaft am Hut hat. BREAKING NEWS: Der BUND kennt das Wort „Wissenschaft“ weiterlesen

Kommunale Anwendungsverbote für Glyphosat

Erste Kommunen verbieten Glyphosat auf ihren Flächen

Wie ich bereits kurz nach dem überraschenden Schmidt-Alleingang und dessen JA zu Glyphosat prognostiziert hatte, ist die Diskussion um den umstrittenen Wirkstoff noch lange nicht beendet.
Hier ein Beitrag aus Hessen. Die Stadt Wiesbaden möchte Gutes tun und verbietet die Ausbringung auf stadteigene Flächen.

Erst der Anfang

Es wird noch viel mehr solcher Initiativen geben, auch Firmen aus der Lebensmittelbranche dürften sich mit der Frage auseinandersetzen, ob sie ihren Lieferanten den Glyphosateinsatz nicht besser verbieten sollen. Aus Marketinggründen oder aus vorauseilendem Gehorsam bzw. Angst, Teil einer NGO-Kampagne gegen das eigene Unternehmen zu werden.

Desinformation statt Aufklärung

Und dabei wird weiter falsch bzw. unrichtig informiert. Es hat sich eine breite Parteienfront gebildet, die sich gegen das Glyphosat ausspricht: Linke, SPD, Grüne und AfD bilden hier eine (in meinen Augen) bedenkliche Front gegen die Anerkennung der Wissenschaft im Allgemeinen und gegen Glyphosat im Speziellen, die im deutschen Bundestag bereits heute eine Mehrheit hätte. Dabei spielen bei allen Parteien populistische Motive eine große Rolle. Bei der SPD dürften auch Verhandlungs-taktische Erwägungen eine Rolle spielen, nehmen aber wohl auch gerne den vordergründigen Sympathiegewinn mit. Denn jeder der sich FÜR eine Wiederzulassung von Glyphosat und FÜR eine nüchterne wissenschaftliche Bewertung ausspricht, ist schnell der Buhmann. Deshalb verdienen alle, die sich in dieser Frage wirklich differenziert und nicht populistisch äußern, meinen grössten Respekt!
Die CDU gehört nicht zur oben erwähnten populistischen Anti-Glyphosatfront im Bundestag, doch auch aus dieser Partei höre ich leider wenig klare Kante. Die CDU ist Volkspartei und da gibt es selbstverständlich die unterschiedlichsten Positionen unter den Mitgliedern.

Union mit uneinheitlicher Haltung zu Glyphosat

Enttäuscht bin ich in dieser Frage zum Beispiel von der neuen niedersächsischen  Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast.


Sie stimmt zwar grundsätzlich einer Verlängerung zu, spricht aber gleichzeitig davon, dass es „ein Weiter-So“ nicht geben dürfe und nach Alternativen gesucht werden müsse.
Diese Haltung ist irgendwie nicht Fisch, nicht Fleisch. In meinen Augen sollte ein Zulassungsverfahren nach nüchternen wissenschaftlichen Parametern abgearbeitet werden. Alle Gründe, die gegen das Glyphosat angeführt werden, sind mehr oder weniger an den Haaren herbeigezogen worden. Vernünftig angewendet gibt es keine Gesundheitsgefahren und die Alternative Pflügen bzw. mehr Bodenbearbeitung führt ebenfalls zu einer Minderung der Artenvielfalt auf dem Acker. Wenn es bessere Alternativen gibt, dann werden sie sich auch nach und nach durchsetzen.

Anwendungsbeschränkungen?

Lediglich Anwendungseinschränkungen halte ich für durchaus sinnvoll. Das kann und sollte man auf nationaler Ebene einheitlich regeln. Gelangt das Glyphosat ins Oberflächenwasser, so hat das schädliche Auswirkungen auf die Wasserorganismen.  Von befestigten Flächen kann es leicht abspülen und in Gewässer gelangen. Hier baut sich der Wirkstoff nicht so schnell ab, wie im Ackerboden. Hier wäre ein Einsatzverbot für Privatanwender durchaus sinnvoll, denn viele nehmen es mit den Anwendungsvorschriften nicht so genau oder kennen diese noch nicht einmal.

Snapshot aus der Hessenschau

Nuhr Glyphosat

Glyphosat-Hysterie

Der Comedian Dieter Nuhr hat in seiner jüngsten Sendung in der ARD die Zusammenhänge bei der Bewertung des Totalherbizids Glyphosat gut verständlich und vor allem richtig dargestellt. Da fragt man sich doch, warum das nicht den meisten Journalisten gelingen möchte?

Die ganze Sendung ist in der Mediathek und bei Youtube aufrufbar. Im Anschluss an die Glyphosatszene, nimmt Dieter Nuhr auch noch Veganer, PeTA und Essreligionen auf die Schippe (ab Minute 34:00). Es lohnt also dort mal reinzugucken. Nuhr Glyphosat weiterlesen

Eine harte, aber faire Glyphosat-Debatte? Und die Erde ist eine Scheibe.

Ankündigung Sendung hart, aber fair.
Hart. Aber Fair? Um Gottes willen!

Glyphosat – und kein Ende.  Auch bei „hart aber fair“ wird man sich am Montag, 4. Dezember 2017 um 21.00 Uhr des Themas annehmen: „Der stille Tod der Bienen – wer vergiftet unsere Natur?“ Seinen Beitrag teasert das Format bei Facebook folgendermaßen an:

„Der Streit um Glyphosat zeigt: In der modernen Landwirtschaft geht ohne Chemie nichts mehr. Wie gefährlich ist das? Sterben bei uns wirklich die Insekten durch Agrar-Gifte und Monokulturen? Und welchen Preis zahlen wir und die Bienen für unser billiges Essen?“

Die hart aber fair-Macher baten zudem die Leser, ihnen ihre Meinung zum Thema zu schreiben. Die Gelegenheit habe ich genutzt. Hier mein Post (modifiziert):

Hart aber fair ist es in der Glyphosat-Diskussion nur selten zugegangen. Stattdessen erleben wir eine Hexenjagd sondergleichen. Mit der Verlängerung der Glyphosat-Zulassung bekommen wir fast täglich neue Eskalationstufen serviert, sowohl massenmedial als auch in den Sozialen Medien (lesenswerte Ausnahmen bestätigen glücklicherweise die Regel). Spitze des Eisberges sind die Morddrohungen, die bei Minister Schmidt und seiner Familie eintrafen.

Wissenschaftsjournalist Ludger Weß hat es bei den Salonkolumnisten in seinem Beitrag „Glyphoshima – Das Ende der Umweltschutzbewegung  auf den Punkt gebracht:
„Der Fall #Glyphosat hat den Begriff „Umweltschützer“ so nachhaltig diskreditiert dass man an PEGIDA oder „Heimatschutz“ denken muss. Wir erleben Populismus, Hetze und Menschenjagd. Die Volksfront reicht von links- bis rechtsaußen.“
 
Meine ganz persönliche Meinung: Wir haben es mit geistiger Brandstiftung zu tun. Die Bloggerin Schillipaeppa hat  es schon vor einem Jahr auf den Punkt gebracht: „Es brennt!“

Hexenjagd als Fortsetzung von Agrarpolitik mit anderen Mitteln 

Virtuosen der Brandstiftung sind die Grünen. Einen ihrer Großmeister haben Sie in Ihrer Sendung zu Gast. Fragen Sie Herrn Ebner bitte mal, was er von wissenschaftlichen Erkenntnissen hält. Warum er seit zwei Jahren non-stop versucht, das BfR und seine Mitarbeiter zu diskreditieren statt anzuerkennen, dass eine Fachorganisation nach der anderen weltweit Glyphosat für unbedenklich erklärt hat. Warum er die wissenschaftlich völlig unterernährte Muttermilchstudie seiner Partei mit Zähnen und Klauen verteidgt.

Ihr Kolleginnen vom Stern haben sich besagte „Studie“ kurz nach Veröffentlichung angesehen und kurzen Prozess gemacht: Die Mär von der verseuchten Muttermilch.

Um was es bei dieser Hexenjagd im Grunde genommen geht? Um die Fortsetzung von Agrarpolitik mit anderen Mitteln! Mittel zum Zweck. Ideologie. Oder, wie BfR-Chef Prof. Hensel es treffend ausgedrückt hat: Wissenschaft wird als Kampfmittel missbraucht.

PflanzenSCHUTZmittel

Übrigens fällt regelmäßig unter den Tisch, dass auch Biobetriebe mit Pflanzenschutzmittel arbeiten. Mit PSM, die zum Teil toxischer sind als Glyphosat. Ein Beispiel ist Kupfersulfat. Bitte zeigen Sie Herrn Ebner diese Tabelle und bitten ihn um eine Stellungnahme.Giftigkeitsstufen von StoffenAspirin ist giftiger als Glyphosat. Das im Biolandbau benutzte Fungizid Kupfersulfat gleichfalls. Sic transit gloria Bio? Niemals! Eher friert die Hölle zu! 😉

Paracelsus 1538: „Allein die Dosis macht, dass ein Stoff kein Gift ist.“

Übrigens, eine zentrale Frage, die sich in unserer durchurbanisierten Gesellschaft kaum einer stellt:  Warum arbeiten Landwirte, ob im konventionellen oder Biolandbau, eigentlich mit PSM? Es gibt nämlich gute Gründe! Und, nebenbei gesagt, sehr gute Gründe, das verunglimpfende Wort Agrar-Gift aus dem Wortschatz zu streichen!

Am Beispiel der Pyrrolizidinalkaloide lässt sich das gut erklären. Dieser Stoff kommt unter anderem im Jakobskreuzkraut vor, einer Pflanze, die sich hierzulande auf extensiv bewirtschafteten Flächen immer weiter ausbreitet. Funde in Lebensmitteln wie Kräutertees, Rucola oder Honig sind besorgniserregend, weil die Stoffe irreversible Leberschäden verursachen können. Eine ganz heikle Geschichte. Ein anderes Alkaloid, das den Menschen gefährlich werden kann, ist das Mutterkorn. Es befällt Nahrungs- und Futtergetreide. In früheren Zeiten hat es vielen Menschen das Leben gekostet.

Was also ist Glyphosat oder Kupfersulfat, Gift oder Schutz? Was ist das wahre Gift?

Klar, man könnte Glyphosat in die Ecke stellen und den Pflug benutzen – allerdings mit negativen Auswirkungen auf die Biodiversität.  Weitere Vorteile eines Pflugverzichts: Die Bodenstruktur bliebe erhalten und die Wasseraufnahmefähigkeit würde erhöht. Beides schützt sowohl vor Wind- als auch vor Wasser- Erosionen. Landwirt und Blogbetreiber Bernhard Barkmann hat sich zu dem Thema in seinem Blogpost „Übernehmen Sie Verantwortung geäußert.

Will sagen: PSM werden nicht ohne Grund verwendet. Unser Essen wächst nicht im Supermarkt. Dass wir dort aus der Fülle schöpen können, hat unter anderem auch mit dem Einsatz von PSM zu tun.

Was es bedeuten würde, das Rad zurückzudrehen? Vermutlich würden wir Kartoffelkäfer per Hand absammeln und das Jakobskreuzkraut händisch herausrupfen. Oder wir müssten,  wie im Falle des Heerwurmes, der aktuell im südlichen Afrika Ernteeinbußen in Milliardenhöhe verursacht, Erntemindererträge bis hin zu Totalausfällen in Kauf nehmen. Das wäre die Kehrseite der Medaille. Wollen wir das?

Will Herr Ebner das?

Chemie ist nicht per se schlecht und Natur pur nicht per se gut. Selbiges gilt für die Methoden der konventionellen und biologischen Landwirtschaft. Mit schwarz-weiß kommt man nicht weit. Es gilt, sich situativ der unzählichen shades of grey zu bedienen, die das Leben in petto hat.

Mach ich’s, mach ich’s nicht, mach ich’s….

Ich mach’s nicht. Ich werde mir die Sendung nicht anschauen. Die Ereignisse der letzten Tage stimmen mich negativ. Wenn ich eine Hexenjagd statt Differenzierung haben möchte, lese ich lieber einen historischen Roman.

Glyphosat: Desinformationskampagne ist gefährliche geistige Brandstiftung

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt erhält Morddrohungen- Höhepunkt und das Resultat einer jahrelangen Desinformationskampagne vieler NGOs und Politiker. Ich finde auch die Medienlandschaft sollte sich mal Gedanken machen, in wie weit sie auch zu dieser Eskalation beigetragen haben!

Empört Euch!

Es wird Zeit, sich darüber zu empören wie es beispielhaft Nadine Henke auf ihrer Facebookseite „Brokser Sauen“ gemacht hat!
Morddrohungen gegen Schmidt! Seid ihr stolz darauf, Grennpeace, Grüne und Campact?
Auch Wissenschaftler waren in der Vergangenheit Bedrohungen ausgesetzt, Forschungseinrichtungen wurden in Brand gesetzt. Wann wachen wir endlich auf?

geistige Brandstiftung durch Angstkampagnen und Öko-Populismus

Das ist geistige Brandstiftung, die da stattgefunden hat.
Lesenswert folgender Blogpost aus dem letzten Jahr:

Glyphosat- nach der Entscheidung geht der Streit erst richtig los

Ausschnitt eines Etiketts eines Glyphosathaltigen PflanzenschutzmittelsIn einem politischen Alleingang hat der Bundeslandwirtschaftmister Schmid gestern bei der EU-Abstimmung PRO Glyphosat gestimmt, obwohl der Dissens in der Frage der Zulassung zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsmisterium weiter bestanden hat.

Für 5 Jahre

Die Zulassung wird nicht wie üblich 10 oder 15 Jahre, sondern nur für 5 Jahre verlängert. Ein kleines Zugeständnis an die zahlreichen Kritiker des Totalherbizids. Diese Kritiker haben jedoch gehofft, dass mit der weiteren Enthaltung Deutschlands (und das ist wohl üblich, wenn sich Ministerien nicht auf ein Urteil einigen können) auf der EU-Ebene keine ausreichend große Mehrheit für die Verlängerung zu Stande käme und so die Zulassung des Glyphosats ausläuft.

Vertrauen in Europa wurde nicht gestärkt

Doch nun hat das deutsche Votum die Pattsituation in Europa aufgelöst und eine Entscheidung für die Chemielobby & Marktinteressen und gegen Gesundheit & Naturschutz getroffen. Das sagen zumindest die Glyphosatgegner, die mit ihren jahrelangen Desinformationskampagnen den Wirkstoff „Glyphosat“ verteufelt und die Glaubwürdigkeit der wissenschaftlichen und politischen Institutionen in Europa diskreditiert haben. Ja, sogar das Vertrauen in eine transparente, vernünftige Entscheidungsfindung in der großen Blackbox EU dürfte mit den jahrelangen politischen Spielereien und der gestrigen Abstimmung gelitten haben. Dieser Entscheidungsprozess ist ein negatives Beispiel für die Zusammenarbeit in Europa.

Wiederzulassung ist eigentlich vernünftig

Dabei ist die Verlängerung der Zulassung des umstrittenen Glyphosats eigentlich eine sehr vernünftige und logische Entscheidung! Es gibt keine wissenschaftliche Institution, die von einem relevanten Risiko durch das Glyphosat bei ordnungsgemäßer Anwendung sprach. Lediglich das IARC, einer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstellten Institution hat eine mögliche Gefahr des Wirkstoffes attestiert. Eine Gefahr bei hochdosierter und hochkonzentrierter Verabreichung möchte ich anmerken!

Versagen der Medien und der Politik

Doch bei diesem Streit ist es der Politik, den Wissenschaftlern und auch den Journalisten nicht gelungen, mit einer sachlichen Betrachtung für eine aufgeklärte Meinung in der Bevölkerung zu sorgen. Desinformation und Panikmache standen im Mittelpunkt der Berichterstattung. Sachliche Auseinandersetzungen und Postionen hatten in der emotional geführten Debatte keine Chance. Das ist wirklich schade. Spricht man sich in Diskussionen für Glyphosat aus, kommt ganz schnell das Argument, man sei bestimmt gekauft. Da kann man schon fast drauf wetten, wie schnell das geht.

5 Jahre Ruhe?

Nun ist es zu einer Verlängerung gekommen, die in der Sache auch völlig richtig ist. Doch haben wir jetzt ein Ende der leidlichen Glyphosatdiskussion erreicht? Bestimmt nicht!

Das Theater geht weiter

Ich befürchte, dass das Theater um Glyphosat noch zunehmen wird. Wir haben jetzt durch den Dissens zwischen Umwelt (SPD)- und Landwirtschaftsministerium (CSU-geführt) auch eine Krise der geschäftsführenden Bundesregierung bekommen. Die Parteien der großen Koalition (GroKo) stehen nach der Bundestagswahl im September und den gescheiterten Jamaika-Sondierungen vor Verhandlungen über eine Neuauflage der GroKo. Damit ist das Thema Glyphosat in der großen Politik angekommen, denn mit dem Alleingang Schmidts ist der Ärger der SPD natürlich groß und dürfte die Verhandlungen zumindest in der Anfangsphase belasten. Und jetzt interessieren die eigentlich guten Argumente pro Glyphosat noch weniger. Jetzt steht das Vertrauen in einer Zusammenarbeit, in einem Koalitionsvertrag im Vordergrund.

Welche Entwicklungen sind absehbar beim ewigen Streit ums Glyphosat?

Ich vermute, dass in den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD in irgendeiner Weise auch wieder das Glyphosat auftauchen wird. Möglicherweise wird auf Bundesebene eine Einschränkung oder sogar ein Verbot des Totalherbizids in Betracht gezogen. Ich erwarte hier noch einige populistische Schachzüge, mit denen man seine regierungsmüde Parteibasis ruhig stellen will. Argumente werden es schwer haben, denn das politische Foulspiel von CSU-Mann Schmidt, der es wohl nicht mehr in die Regierung schaffen wird, steht im Vordergrund. In dieser Konstellation werden es die üblichen Desinformationskampagnen diverser NGOs und grüner Politiker noch schwieriger machen, mit Zahlen und Fakten zu punkten.

Glyphosat mit riesiger Symbolkraft

Das Glyphosat dürfte in seiner Symbolik noch einmal gestärkt sein, hier gibt es eine riesige Stellvertreterdiskussion um Gentechnik, Konzerne, Marktmacht, Lobbyismus und moderne Landwirtschaft.

Auf lokaler Ebene erwarte ich ebenfalls eine fortlaufende Diskussion um Glyphosat im Speziellen, aber auch Pestiziden im Allgemeinen. Lokalpolitiker (vorwiegend Grüne und AfD, aber auch andere Parteien sind denkbar) werden mit diesem Thema große Politik im kleinen Umfeld spielen wollen und ein Verbot auf lokaler Ebene diskutieren. Ob das jetzt realistisch durchzusetzen ist oder nicht, spielt keine große Rolle. Die Lokalpresse dürfte dieses Thema auch gerne aufnehmen. Auch Lokaljournalisten schreiben gerne über große und kontroverse Themen.

Und außerdem haben wir ja auch noch den Druck auf die Wirtschaft, der durch Umwelt-NGOs und/oder Verbraucherverbände ausgeübt wird. Erste Molkereien haben bereits ihren Lieferanten den Glyphosateinsatz auf ihren Wiesen verboten. Da ist in Zukunft noch sehr viel mehr zu erwarten. Da kann jeder seiner Phantasie freien Lauf lassen, das wird ein riesiges (lukratives) Betätigungsfeld für einen Kampagner, einer Kampagnerin. Einige Firmen dürften mit diesem Thema ein Profilierungsversuch gegenüber Mitbewerbern versuchen. Der Gedanke daran lässt mich ehrlich gesagt erschaudern.

Wäre es besser, wenn Glyphosat verboten wäre?

Wenn ich jetzt am  Ende des Artikels die Zukunftsszenarien betrachte, könnte ich zum Schluss kommen, dass es vielleicht besser gewesen wäre, das Glyphosat liefe mit seiner Zulassung aus und das Thema wäre dann für die EU bzw. Deutschland erledigt. Dann hätten wir sicher endlich Ruhe. Wir Bauern müssen zwar etwas mehr ackern, mit mehr Erosion kämpfen und künftig ein paar resistente Unkräuter mehr auf unseren Flächen dulden, aber endlich keinen Streit mehr ums Glyphosat.

Zu kurz gedacht!

Doch das ist zu kurz gedacht. Denn dann hätte die Wissenschaft und Vernunft verloren. Das Glyphosatverbot würde zum Vorbild für andere Stoffe und zu einem neuen Vergleichsmaßstab werden. Es würden weitere Wirkstoffe gesucht werden, die man verbieten könnte und diese würden wahrscheinlich giftiger sein als das Jahrzehnte lang genutzte und bestens untersuchte Glyphosat. Dann würde es in den Kampagnen heißen:

„… ist sogar giftiger als Glyphosat“

Dann stünde in der nicht aufgeklärten Bevölkerung alle Zeichen auf „Alarm“ und wir dürfen weiter diskutieren, ob Glyphosat nun gefährlich ist oder nicht. Wir wären dann nicht einen Schritt weiter. Im Gegenteil, die Glyphosatgegner hätten das Argument, Glyphosat sei verboten, hinzugewonnen.

Mit Argumenten punkten

So schwierig es auch sein mag, aber wir haben als moderne Landwirtschaft nur dann eine Chance, wenn wir weiter mit Argumenten die Meinung in der Bevölkerung beeinflussen. Dazu benötigen wir Journalisten, die nicht dem gesellschaftlichen Mainstream hinterherlaufen und Politiker, die dieses Thema nicht populistisch besetzen und ihren eigenen Vorteil daraus ziehen wollen.

Das ist ein fast unmögliches Unterfangen. Aber wer aufgibt, kann nicht mehr gewinnen. Ich glaube an die Vernunft. Bis zum Schluß!


Weiterführende Informationen, Links:

Ich habe vor einigen Tagen mit meiner geschätzten Kollegin Susanne Günther ein kleines Erklärvideo zur Glyphosatverstrickung erstellt.

Weiterhin empfehle ich Susanne Günthers neusten Artikel zur Causa Glyphosat:
 Danke, Herr Schmidt!
Dort bedankt sie sich bei der konsequenten Haltung unseres Landwirtschaftsministers, bereitet aber auch die vielen Widersprüche und Richtungsänderungen von Umweltministerin Hendricks auf. Da kann dem Leser schon der Gedanke kommen, dass im BMUB nicht ganz ehrlich gearbeitet bzw. argumentiert wurde.

Ein wenig Medienlob habe ich dann auch noch übrig: Für die Süddeutsche Zeitung kommentiert Kathrin Zinkant, dass die Neuzulassung des Glyphosats richtig sei.
Ein wohltuend sachlicher Artikel, der sich deutlich Silvia Liebrichs Artikeln in der selben Zeitung zum Thema Glyphosat unterscheidet, die regelmäßig an der Schwelle zu FakeNews wandeln und das Vertrauen an Wissenschaft und EU untergraben haben. Aber da war sie leider nicht alleine unterwegs.

Und jetzt noch ein Lob an die Tagesschau:
Deutsches Ja zu Glyphosat – Überraschend, vernünftig, überfällig
Ein guter Kommentar aus Sicht eines Brüsseler Korrespondenten.

Also es gibt sie, die sachbezogene Berichterstattung und Einordnung durch unsere Medien. Das gibt Hoffnung für die Zukunft! Die Vernunft könnte tatsächlich gewinnen! 🙂

BfR- standhaft und unabhängig

Durch den scheinbar endlosen Kampf ums Glyphosat ist das international renomierte Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zwischen die Fronten geraten. Viele Grüne und NGOs zweifeln immer mehr an die Unabhängigkeit des Institutes.

Für die Kritiker steht zweifelsfrei fest, dass der Wirkstoff Glyphosat der Ursprung vielen Übels ist. Die Bedrohung der Volksgesundheit durch Krebs und das Insektensterben lasten sie immer wieder gerne dem Glyphosat an, das in den 70ern einst von Monsanto, dem führenden Konzern bei der grünen Gentechnik, erfunden wurde.

Die Unabhängigkeit der Risikobewertung war renate Künast sehr wichtig, als sie das BfR vor 15 Jahren gründete... und das ist auch heute noch so, denn das BfR lässt sich nicht einmal von den Grünen reinreden

Und weil ihr Urteil bereits feststeht, muss ja logischerweise mit der BfR- standhaft und unabhängig weiterlesen

Glyphosat: Europa, quo vadis?

Warum die Entscheidungsfindung ums Glyphosat ein Trauerspiel für die Glaubwürdigkeit der europäischen Institutionen ist

Die EU, das europäische Parlament, die EU-Kommission ringt um eine weitere Zulassung des umstrittenen und symbolpolitischen Wirkstoffes Glyphosat. Susanne Günther hat auf ihrem Blog einen Kommentar veröffentlicht, der ziemlich genau auch meine Gedanken zusammenfasst.

ein Kommentar von Susanne Günther

Das Europäische Parlament hat diese Woche eine Resolution verabschiedet: Das Gremium fordert darin ein endgültiges Verbot des Herbizid-Wirkstoffs Glyphosat bis zum Jahr 2022. Auf Twitter wird diese Meldung illustriert mit einem Flugzeug, das anscheinend Pflanzenschutzmittel ausbringt, – ein Verfahren, das in der EU für landwirtschaftliche Zwecke bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Steilhänge im Weinbau) verboten ist:

Es ist nicht die erste Entscheidung des Parlamentes zum Thema: Glyphosat: Europa, quo vadis? weiterlesen