Archiv für den Monat: März 2011

radioaktiver Verbraucherschutz

Heute ist der 31. März. Erst morgen haben wir den 1. April und dennoch kann ich die folgende Nachricht nicht glauben:Die  EU hat per Eilverordnung die Grenzwerte für aus Japan importierte Lebensmittel deutlich erhöht!Das bedeutet, dass viele Produkte eine viel höhere radioaktive Belastung aufweisen dürfen als bisher und dass die Grenzwerte in der EU nun teils höher sind als die ebenfalls angehobenen Grenzwerte in Japan.Ohne die gesundheitlichen Gefahren einschätzen zu können, halte ich dieses Vorgehen für einen schweren politischen Fehler. Verbraucherschutz braucht Vertrauen und das wird jetzt mit Füßen getreten!Weitere Informationen auf den Nachdenkseiten.

Grün-Rot

rot-gruen-schwaeche.jpgAm letzten Sonntag hat sich in Baden-Würtemberg historisches ereignet: Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands wird eine Grün-Rote Regierung ein Bundesland regieren.

Doch wie konnte das überhaupt passieren? Wirtschaftlich geht es dem Land doch sehr gut. Warum haben bei einer hohen Wahlbeteiligung die Bürger die aktuelle Schwarz-Gelbe Koalition abgewählt?

Die Antwort ist meiner Meinung nach klar: Der Super-Gau in Japan.

Diese unendlich große Katastrophe in Japan hat hier in Deutschland bei der Bevölkerung eine sehr große Besorgnis bis zur blanken Angst erzeugt. Gefördert wurde dieser Angsttrieb der Deutschen durch die einseitige Berichterstattung der Medien und die warnenden Worte der Umweltpolitiker.

Diese Angst führte bereits bei vielen zur Hysterie und Panikkäufen. Vielerorts waren Geigerzähler, Gasmasken, Jodtabletten und Dauerwaren zur Anlage eines Notvorrats ausverkauft!

Dieses eine Thema „Angst vor Atom“ hat in Baden-Würtemberg alle anderen Theman überstrahlt. Die Folgen und der Sinn eines möglichst schnellen und einseitigen Atomausstiegs wurden kaum diskutiert. Wirtschaftliche Vernunft war im Wahlkampf kein Thema.

Aber jetzt müssen Grün-Rot im Südwesten Regierungsverantwortung übernehmen. Und da bin ich wirklich sehr gespannt, wie die Finanzen unter Kontrolle gehalten werden sollen angesichts der angekündigten Energiewende und des möglichen Ausstiegs aus dem Bahnprojekt Stuttgart 21.

Für die CDU ist diese Niederlage ein herber Einschnitt, aber möglicherweise erhöhen sich nun die Chancen, auf Bundesebene weiterregieren zu dürfen. Denn die Grün-Roten Oppositionsphantasien müssen nun in Regierungsformen gegossen werden und dabei wird man viele enthusiastische Wähler enttäuschen müssen bzw. viele Grün-Wähler werden die Kehrseite der Medallie erleben: nämlich steigende Energiepreise (und wahrscheinlich auch höhere Nahrungsmittelpreise) und eine höhrere Staatverschuldung.

Dabei ist der jetzt eingeschlagene Weg von Kanzlerin Merkel genau richtig: Atomausstieg ja, aber bitte mit Augenmaß!

Weiterhin dürfen die Grünen nun demonstrieren, dass sie nicht immer nur plump DAGEGEN sind.

Viele Bauern und Tierhalter haben nun ihrerseits Sorgen, dass ihnen das Leben unter einem grünen Ministerpräsidenten schwer gemacht wird. Aber auch die restlichen Unternehmer machen sich Sorgen, dass Grün-Rot sehr viel Lehrgeld zahlen muss!

Ich hoffe, dass Politik mit Sachverstand gemacht wird – dann wäre es egal, welche Partei mit welchem farbigen Anstrich das Sagen hat. Bis dahin bleiben die Christdemokraten die einzige Alternative.

Bio muss nicht immer besser sein

warentest.jpgDie Stiftung Warentest hat in ihrer aktuellen Ausgabe einen Test zu Spiralnudeln veröffentlicht. Das Interessante daran: die letzten Plätze belegen nicht Nudeln von den billigen Discountern, sondern sogenannte Bio-Nudeln. Dort wurden Schimmelpilze in einer Konzentration über den gesetzlichen Grenzwert festgestelltund somit als „mangelhaft“ bewertet. Die detaillierten Ergebnisse sind hier einsehbar.Das kann passieren und ist sicher auch kein Drama. Die Hersteller werden das Problem beheben und dann sind diese Nudel mit Sicherheit auch wieder empfehlenswert.Ich frage mich nur, was passiert wäre, wenn ein Produkt das nicht so politisch korrekt ist im Test ganz unten gelandet wäre? Dann hieße es sicher wieder „kein Wunder, ist ja Agrarindustriell hergestellt“ oder aber „da wurden Eier von Hühnern aus tierquälerische Massentierhaltung verwendet“. Und zu guter Letzt käme die pauschale Empfehlung an den verunsichterten Verbraucher, er solle sich die Produkte ganz genau ansehen und auf Bio-Produkte zurückgreifen.Nun ist es hier anders gekommen und auch nicht weiter ein Skandal draus gemacht und das ist auch gut so, denn alles andere wäre unsachlich.Unsachlich wurde in den Medien im Januar der Dioxinskandal behandelt. Da war es die „industrielle Massentierhaltung“, die unweigerlich zu einer „Verseuchung der Lebensmittel“ führt. In der Tat war das Verhalten der Fettpanscherfirma aus dem hohen Norden eine große Sauerei, die meiner Meinung nach mit Gefängnis bestraft werden sollte. Aber nichtsdestotrotz waren die Fleischwaren nicht gesundheitsgefährdend und schon gar nicht verseucht.Wenn man etwas tiefer sich in die Materie eingearbeitet hätte, wäre einem auch schnell aufgefallen, dass es in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit Dioxin in Lebensmitteln gekommen ist. Und dabei waren es sogar ausschließlich Bioprodukte! Vergesslich ist die Welt…In Wirklichkeit haben gerade Bioprodukte mit erhöhten, aber nicht gesundheitschädlichen Dioxingrenzwerten zu kämpfen, weil Dioxin ein Umweltgift ist und überall im Freien vorkommt.Ich werbe für eine sachliche Betrachtung dieser Probleme und möchte auf folgende Berichte verweisen:Kein Grund zur Dioxin – Panik Dioxin ist überallYou Tube: Dioxin I  Dioxin II von Udo Pollmer (Lebensmittelchemiker)—————————————————————————

Bioenergiepark in Freren – Bardel

Gestern Abend hat der Landwirtschaftliche Kreisverein Lingen die Mitglieder aus den Samtgemeinden Spelle und Freren zu einer Informationsveranstaltung zur Errichtung eines Bioenergieparks  in den Saal Lüns, Freren eingeladen. Gäste waren Jan Wulkotte, LWK (Meppen), Christoph Gers-Grapperhaus, LWK (Oldenburg) und Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz aus Freren.
SG-Bürgermeister Ritz nahm sich trotz eigenen Urlaubs Zeit und berichtete, dass seitens der Verwaltung mit den Betreibern ein sogenannter städtebaulicher Vertrag geschlossen werden solle, der ausschließt, dass die geplante Biogasanlage mit über 4 MW(el) mit nachwachsenden Rohstoffen gefüttert wird und keine Gärreste oder sonstiger Output auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wird. Dieser Vertrag wird mit Beratung durch Dr. Schulte, einem sehr rennomierten Ex-Richter am OVG NRW, möglichst rechtsicher gestaltet.
Bisher ist es vorgesehen, dass am 12. Mai 2011 der Samtgemeinderat die nächsten Schritte zur Realisierung der Großanlage beschließen soll.

Jan Wulkotte ging in seinem Referat auf den Strukturwandel der Landwirtschaft in Niedersachsen, im Emsland aber auch explizit in der Samtgemeinde Freren ein. So hatten wir in Niedersachsen in 2008 614 Biogasanlagen und im letzten Jahr bereits 1333 Anlagen am Netz. Im Emsland stieg die Zahl der Anlagen von 7 (2004) auf 140- wahrscheinlich werden wir Ende diesen Jahres über 200 Biogasanlagen im Emsland zählen können.
In der Samtgemeinde Freren stehen bisher 5 Biogasanlagen und weiter zwei Anlagen werden noch in 2011 ans Netz gehen.

Weiterhin stellt Wulkotte fest, dass die Nutztierhaltung im Emsland aber auch in Freren stark gewachsen ist, wobei in der Samtgemeinde deutlich weniger Geflügel, dafür aber mehr Schweine gehalten werden.

Bei den Ackerkulturen haben wir im Emsland einen Maisanteil von etwa 46% im letzten Jahr erreicht. Die Tendenz und Prognose ist aber deutlich steigend, weil die Kartoffel bisher mit 16,2% stark angebaut wird und diese Frucht aus marktordnungspolitischen Gründen künftig eine deutlich schlechtere Wirtschaftlichkeit aufweisen wird. In Freren liegt der Maisanteil traditionell schon deutlich höher als im restlichen Emsland.
Aus diesem Grunde und weil der Kartoffelbau mit ca. 3% ein niedriges Niveau aufweist wird eine
weitere deutliche Ausweitung nicht wahrscheinlich sein.

Abschließend betrachtete Wulkotte den Flächenbedarf für die Düngung im Emsland und in Freren. Hier wurde deutlich, dass bereits heute in beiden Untersuchungsgebieten mehr Wirtschaftdünger und Mist anfällt als Flächen zur Verfügung stehen. Die Samtgemeinde Freren hat aber den Nachteil, dass hier nicht so viel Geflügelmist anfällt, der leicht und kostengünstig exportiert werden könnte. Ein zusätzlicher Anfall von Gülle oder Gärsubstraten würde die Flächenknappheit weiter verschärfen.

Hochinteressant wurde der dritte Vortrag von Gers-Grapperhaus:
Er beschrieb die Technik, die Komplexität der Vergärung verschiedener Inputstoffe und die möglichen Wege des sogenannten Outputs, also der Gärsubstrate bzw. deren Verarbeitungsprodukte.
So stellte er zum Beispiel fest, dass eine vorgesehene tägliche Inputmenge von 49,5 Tonnen niemals ausreichen dürfte, um die geplante 3 MW(el) Leistung in der ersten Ausbaustufe zu erreichen.
Ferner berichtete er, dass die Preise für sogenannte Abfallstoffe starken Schwankungen unterliegen. Waren vor ein paar Jahren noch Vergütungen für die Abnahme von Abfallstoffen möglich, so müssen heute diese Stoffe teuer bezahlt werden.
Völlig unklar ist dem Referenten wie die Betreiber die vorgesehene Aufbereitung der Gärreste realisieren wollen.
Die Betreiber planen die Gärreste soweit aufzubereiten, dass das Restwasser in die Kläranlage Beesten eingeleitet werden kann.
Bisher wären Gers-Grapperhaus keine Anlagen bekannt, die über einen Pilotbetrieb hinaus Gülle bzw. Gärreste soweit behandeln können, dass hinten sauberes Wasser herauskommt.
Die Abgepressten Feststoffe sollen nach Betreiberangaben zusätzlich zu den riesigen Klärschlammmengen, die bereits heute auf natürliche Weise
auf dem ehemaligen Bundeswehrdepotgelände in Freren- Bardel getrocknet werden, mit der Abwärme aus der Biogasanlage soweit getrocknet werden, dass diese verbrannt werden können.
Auch das hält der Referent für unschlüssig. Ihm seien NaWaRo-Biogasanlagen bekannt, die kein besonderes Wärmekonzept besitzen, außer dass sie ihre eigenen Gärreste wieder trocknen sollen. Dabei würde die eigene Abwärme dieser Anlagen nur für 50% der Gärreste zum trocknen ausreichen.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es anscheinend keine weitere Biogasanlage gibt, die nach vorgesehem Konzept betrieben wird.
Es wurde auch von Ritz bestätigt, dass 20 bis 30 landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz bedroht sind, wenn für den Input nachwachsende Rohstoffe verwendet werden oder der Output über die landwirtschaftlichen Flächen entsorgt werden müsste.

Auch der geplante Einsatz von Nebenprodukten aus der Nahrungsmittelherstellung wie z.B. Rapspresskuchen, Glycerin, Treber und Fette sorgt für Nachteile für die hiesige Landwirtschaft, denn das sind zum Teil auch Produkte, die aus sehr gutem Grund in der Tierernährung ihren Platz haben.

Ich bin der selben Meinung wie die über 120 anwesenden Landwirte aus den Samtgemeinden Spelle und Freren: So eine Anlage darf erst gar nicht gebaut werden! Die Räte der Stadt und Samtgemeinde sollten die großen Bedenken der Bauern ernst nehmen und den Mut haben, gegen irgendwelche Änderungen des Flächennutzungsplanes zu stimmen.

Weitere Infomationen:

die Betreiber in Spe:
Biene-Service GmbH
VEZ Freren GmbH

Artikel der Lingener Tagespost vom 3.9.2010

Adel verzichtet

Dissertation GuttenbergNachdem die Plagiatsaffäre von zu Guttenberg nun die Medien über viele Tage in den Bann gezogen hat, möchte ich den Abgang unseres populärsten Politikers auch kurz kommentieren, obwohl dieses Thema mit Landwirtschaft nur entfernt (der Grundbesitz der Guttenbergs wird auf mehren zig-Millionen Euro geschätzt) mit Landwirtschaft zu tun hat.

Ich finde, dass er als Verteidigungsminister die Bundeswehrreform angestoßen hat und den Einsatz unserer Streitkräfte in Afghanistan deutlich als Krieg bezeichnet hat, sind herausragende Leistungen, die Anerkennung verdienen.

Umso bitterer ist sein heutiger Rücktritt von der politischen Bühne zu sehen. Er ist jung, dynamisch und eigentlich politisch hochtalentiert und hat mit seiner Rumeierei in der Plagiatsaffäre seine komplette Glaubwürdigkeit verspielt. Leider sieht er sich noch immer in der Opferrolle und beschwert sich über die Macht der Medien. Dabei ist er selber als Kopierer in der Täterrolle und hat in seiner Zeit als Minister selber die Medien gekonnt instrumentalisiert, wie z.B. das umstrittene Kerner-Interview im Kriegsgebiet und die medienwirksame Reisebegleitung seiner hübschen Ehefrau vor Weihnachten belegen.

Nun ist er also weg von der Bildfläche und das ist letztlich auch gut so, denn man darf von seinen gewählten Vertretern durchaus Aufrichtigkeit und eine Grundehrlichkeit erwarten.

Vor zehn Jahren hätte zu Guttenberg wohl nicht zurücktreten müssen, denn offensichtlich haben die fleißigen Internetnutzer einen erheblichen Anteil an diesem Rücktritt (Link ).

Aber das Internet stürzt nicht nur deutsche Minister, sondern auch totalitäre Regime in Nordafrika, wie wir jetzt erleben dürfen – das hat zwar auch etwas mit Landwirtschaft zumindest entfernt zu tun (Preisentwicklung der Agrarrohstoffe an den Terminmärkten), soll aber jetzt nicht auch noch mein Thema sein – vielleicht später…