Archiv für den Monat: Oktober 2016

tote Ferkel – live im Netz

Stalleinbrüche, die für illegale Filmaufnahmen begangen werden, sind ja schon Volkssport. Die vielen schlimmen Bilder der letzten Wochen sind wohl noch vielen in Erinnerung geblieben.

Sinn und Zweck dieser -ich nenne es- Kampagne ist die Stigmatisierung der Spitzenvertreter der Agrarbranche und damit auch aller herkömmlich wirtschaftender Tierhalter. Es wurde von verschiedenen Organisationen bei diversen (Bauern)verbandsvertretern und CDU-Abgeordneten eingebrochen. Die Bilder schlugen ein wie eine Bombe.
Interessant an dieser Einbruchserie ist auch, wer bisher NICHT betroffen war. Werner Schwarz (Präsident der Bauernverbandes aus Schleswig-Holstein und Schweinehalter) beispielsweise, hat offenbar keinen Besuch von Tierrechtlern gehabt bzw. jene Filmer haben kein skandlöses Material aus seinen Ställen gewinnen können.

Dabei wäre Werner Schwarz aus der Sicht der Tierrechtler ein ideales Opfer: Er ist in der Hierarchie des Bauernverbandes recht weit oben angesiedelt und betreibt seit Jahren eine Webcam, die ständig neue Livebilder aus seinem Sauenstall sendet und ein Symbol für Offenheit und Transparenz darstellt.

alle 20 Sekunden gibt es ein neues Bild aus dem Stall von Werner Schwarz (c) BV Schleswig-Holstein
alle 20 Sekunden gibt es ein neues Bild aus dem Stall von Werner Schwarz (c) BV Schleswig-Holstein

Diese Webcam ist offensichtlich ausführlich von Gegnern der Nutztierhaltung sehr intensiv beobachtet, vielleicht sogar überwacht worden. Eine mir bisher unbekannte Tierrechtsgruppe* hat jetzt tote Ferkel auf den Bildern entdeckt und schreit hoffnungsvoll SKANDAL!

Sönke Hauschild vom BV im hohen Norden schreibt dazu auf der Facebookseite des BV Schleswig-Holstein:

Webcam bei Werner Schwarz zeigt tote Ferkel

Der Verein „Tierretter“ hat WebCam geguckt statt Tiere zu retten – beim Bauernverbandspräsidenten Werner Schwarz aus Schleswig-Holstein. Und hat einen Skandal erster Güte ausgegraben: Ferkel, die tot geboren wurden. Zwar wurden die Tiere ordnungsgemäß auf dem Gang abgelegt, bevor sie entfernt wurden. Doch das reicht nicht, finden die Retter. Werner Schwarz dazu: „Ist es nicht wichtiger, sich um die Lebenden zu kümmern als die Totgeborenen sofort aus dem Bild zu räumen? Denn das ist die Realität bei uns!“

Wieder zeigt sich: Die Webcam stört Tierrechtler aller Art massiv, denn sie zeigt Bilder der echten Schweinehaltung in Echtzeit: Alle 20 Sekunden ein neues Standbild, seit 2013, Tag und Nacht. Nur schwer können die Tierretter mit der gelebten Transparenz des Präsidenten in Bezug auf moderne Schweinehaltung umgehen und formulieren gewagt: „Die Bilder bewegen sich zwischen tatsächlicher Transparenz und beschönigenden Aussagen“.

Was an der Darstellung der Sauenhaltung beschönigend sein soll, kann man sich in der Tat fragen, siehe http://www.bauernverbandsh.de/die-webcams/webcam.html Die toten Tiere waren es sicher nicht. Die waren nur transparent und damit offenbar ein Ärgernis.

Der Verein gibt zu, dass es tote Ferkel auf jedem Hof gebe, auch bei Bio. Aber als „einkalkulierter Verlust“ sei das ein Skandal. Die Antwort des Präsidenten, dieses sei eben auch „Natur“ muss man dann natürlich für ebenso skandalös halten. Dabei liegt die „Verlustrate“ im Stall bei 11,6%, in der Natur liegt sie dagegen bei 50 %. Ein Skandal? Nein, in der Natur ist alles Natur und damit akzeptabel. Aber die Ferkel im Stall von Werner Schwarz sollten doch gefälligst alle lebend zu Welt kommen.

Fast schon witzig wirkt die Bemerkung der Tierretter, man scheue sich nicht vor einer Versachlichung. Dann tut es doch, denkt man unwillkürlich. Aber es gebe keine guten Argumente für eine Tiernutzung, fahren die Tierretter fort. Versachlichung auf Basis der eigenen Meinung, naja.

Wer eine Versachlichung möchte, dem seien die Webcam und die erläuternden Filme empfohlen. Keine Schönfärberei, echte Schweinehaltung.

Sauereien finden woanders statt…


*
Offensichtlich ist das Geschäftsmodell der Tierrechtler und Stalleinbrecher sehr erfolgreich. Die Zahl dieser Gruppen und Organisationen steigt stetig. Man kann sagen, dass sie offensichtlich sehr gut von der sogenannten Massentierhaltung leben.

Zeitumstellung

Wie reagieren Kühe auf die Zeitumstellung?

von Anita Lucassen (bekannt von MyKuhTube)

zitat_anita_lucassenHeute Nacht wurden die Uhren (hoffentlich alle) umgestellt. Da Kühe es lieben, ihren gewohnten Tagesrhythmus zu haben, stellen wir sie langsam auf die neue Zeit um. Bereits heute Abend werden wir eine Viertelstunde später anfangen zu melken. Morgen früh können wir dann eine halbe Stunde länger liegen bleiben, nach neuer Zeit stehen wir also eine halbe Stunde früher auf als sonst. Abends fangen wir dann nochmal eine Viertelstunde früher an, sodass wir am Montagmorgen wieder zur gewohnten Uhrzeit beim Melken sind. Somit bleibt der 12-Stunden-Rhythmus zwischen den Melkzeiten in etwa erhalten und die Kühe haben keinen Grund zum Meckern, weil das Euter drücken könnte, wenn sie nicht zur gewohnten Zeit gemolken werden.

Das Tribunal

tribunalAm kommenden Wochenende findet in Den Haag das „Monsanto-Tribunal“ statt. Veranstalter sind diverse Nicht-Regierungs-Organisationen, aber auch Vertreter politischer Parteien werben für diese Veranstaltung.  Der Ort wurde wohl bewusst so gewählt, um eine gedankliche Nähe zum Sitz des Internationalen Gerichtshofes herzustellen.

Hier die Einführung auf der Homepage des Monsanto-Tribunals:

„Für eine wachsende Anzahl von BürgerInnen in der ganzen Welt ist der amerikanische Konzern Monsanto das Symbol für die industrielle Landwirtschaft: eine Produktionsform, welche durch den massiven Einsatz von Chemikalien die Umwelt verpestet, den Verlust der biologischen Vielfalt beschleunigt und massiv zur globalen Erwärmung beiträgt.
Monsanto fördert ein Modell von Industrielandwirtschaft, das weltweit mindestens ein Drittel der anthropogenen Treibhausgasemissionen verursacht. Die industrielle Landwirtschaft ist zu einem grossen Teil verantwortlich für die Abnahme von Bodenfruchtbarkeit und Grundwasserreserven, für Biodiversitätsverlust und Artensterben, sowie weltweit für die Verdrängung von Millionen von Kleinbauern. Mit der Patentierung von Lebewesen und Saatgut bedroht dieses Modell die Ernährungssouveränität von uns allen.“

Wer diese Zeilen aufmerksam liest, erkennt schnell, dass nicht nur Monsanto, sondern generell das Modell der „industriellen Landwirtschaft“ auf der Anklagebank sitzen. Es geht den Veranstaltern also nicht nur um Glyphosat, sondern um die derzeitige Wirtschaftsweise insgesamt.

Renate Künast, ehemalige Landwirtschaftsministerin und Vertreterin der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ bewirbt diese Veranstaltung auf ihrer Facebook-Seite. Auch hier ist an den Begriffen „Monokulturen“, „Gentechnik“ und „Agro-Landwirtschaft“ (Anmerkung: was ist Agro-Landwirtschaft?) klar zu erkennen, dass mit dieser Veranstaltung die Form der Landwirtschaft in Misskredit gebracht werden soll, die von der überwiegenden Zahl der Landwirte heute praktiziert wird. Interessant die Erläuterung, dass es sich beim Monsanto Tribunal um „eine zivilgesellschaftliche Gerichtssimulation“ handelt.

Der Vorwurf an Monsanto lautet „Ökozid“ –  auch in diesem Wort verbirgt sich ein bewusstes Täuschungsmanöver: Die Ähnlichkeit zum Begriff „Genozid“ für Völkermord soll die Geschäftstätigkeit der Agrarkonzerne kriminalisieren.

Hier die Posts von Renate Künast:

29.7.2016: „Das Monsanto-Tribunal braucht unsere Unterstützung. Denn Engagement und Veranstaltungen kosten. #monsanto“snap_kuenast_tribunal
6.10.2016: „Das internationale Monsanto-Tribunal findet ab nächster Woche in Den Haag statt! Monsanto betreibt und fördert ein Modell der industriellen Landwirtschaft, das weltweit zu Umweltverschmutzung, Zerstörung und Hunger führt. Das prangern wir an und erstellen nebenbei noch unsere Vision einer gerechten Zukunft.“
11.10.2016: „Am Wochenende findet das so genannte Monsanto-Tribunal, eine zivilgesellschaftliche Gerichtssimulation in Den Haag statt. Monsanto zerstört mit seiner Agro-Landwirtschaft, Monokulturen und Gen-Technik die Menschenleben und den Planeten.“

Ergänzend sei noch gesagt, dass diese Veranstaltung keine rechtliche Relevanz hat. Es handelt sich um einen reinen Schauprozess, dessen Ausgang, eine „Verurteilung“ von Monsanto, vermutlich schon im Vorfeld feststeht.

Bernhard Barkmann (BlogAgrar)
Susanne Günther (schillipaeppa.net)
Willi Kremer-Schillings bauerwilli.com)
Marcus Holtkötter @BauerHolti (Holtkötter-Agrar.de)

Selbstjustiz

Bauer_Willi_AusschnittBauer Willi hat den folgenden Artikel geschrieben. Dabei wurde er von einem Kommentar, den ich bei Facebook hinterlassen habe, inspiriert.
Vielen Dank für den Gastbeitrag!

von Bauer Willi

„Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten, wenn da gefilmt wird.“

facebookpost_selbstjustizSo oder ähnliche lauten die Kommentare, wenn wieder einmal über nächtliche Besuche von Tierschützern/rechtlern berichtet wird. Dies Stall“einbrüche“ zu nennen ist ja schon kritisch, weil nicht wirklich klar ist, ob dies tatsächlich ein strafbares Delikt ist. Freisprüche hat es in solchen Fällen ja schon gegeben.

Wenn der obige Satz unser Rechtsempfinden darstellt, sind Sie sicher auch mit diesen Maßnahmen einverstanden:

Ich schicke Ihnen einen Trojaner auf den Rechner, der überwacht, ob Sie auch keine Rechtsverletzungen im Netz begehen. Wenn Sie eine weiße Weste haben, dürfte das je kein Problem sein, dann haben Sie nichts zu befürchten. Na ja, und das Sie ab und zu mal Pornofilme anschauen, sagen wir Ihrer Frau auch nicht. Wahrscheinlich. Obwohl, jetzt wo wir es wissen…

Und natürlich schau ich mal unangekündigt und ohne Verdacht bei Ihnen vorbei, ob sich bei Ihnen nicht vielleicht auch Drogen finden lassen. Ich bin nämlich gegen Drogen und die Polizei hat eh keine Zeit. Sie nehmen keine Drogen? Gut, dann haben Sie ja auch nichts zu befürchten. Selbstjustiz weiterlesen

Das Schweinesystem

Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von Foodwatch, hat am 22. September in Berlin sein Buch „Das Schweinesystem“ vorgestellt. Bei dieser Pressekonferenz durfte ich auch dabei sein. Das Video des Livestreams kann man hier nachgucken bzw. -hören.

Der ausführliche Titel lautet „Das Schweinesystem. Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden“. Das hört sich für einem konventionellen Tierhalter wie mich zunächst nach starkem Toback und einer unangenehmen Lektüre an. Und das ist sie auch, die Lektüre- unangenehm: Denn Wolfschmidt widmet sich in seinem Buch den Produktionskrankheiten bei Kühen, Schweinen und Geflügel.

erschienen im S.Fischer-Verlag
erschienen im S.Fischer-Verlag

Das Buch beginnt mit der gutachterlichen Feststellung des wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, dass die Haltungsbedingungen für Nutztiere in Deutschland nicht zukunftsfähig seien. Ein wesentlicher Grund für diesen niederschmetternden Befund sind, so Wolfschmidt, die seit Jahren bekannten, aber weitgehend ignorierten Produktionskrankheiten.

Zu diesen Produktionskrankheiten hat der Autor offensichtlich gut recherchiert und aus allerlei wissenschaftlichen Studien und Veröffentlichungen eine in Kapitel zwei zusammengetragene Übersicht erstellt. So kommt der Foodwatch-Aktivist zum Schluss, dass jedes vierte Tierprodukt von einem kranken Tier stammt. Zur Erklärung möchte ich ergänzen, dass die Tiere, wenn sie geschlachtet werden, nicht akut krank sind, sondern Das Schweinesystem weiterlesen

Stalleinbrüche werden zum Volkssport

Snapshot (c) ev1.tv
Snapshot (c) ev1.tv

Nachdem Panorama/NDR den Tierechtlern von Animal Rights Watch eine nationale Bühne für ihr ungesetzliches Handeln gegeben hat, auch bei Franz-Josef Holzenkamp eingebrochen wurde, setzt die Tierrechtsorganisation PeTA nach und hat bei meinem Bundestagsabgeordneten Albert Stegemann illegale Filmaufnahmen gemacht und ihn beim Veterinäramt angezeigt.

Stegemann wehrt sich und geht an die Öffentlichkeit und wird auch noch von Kommentatoren dafür kritisiert bzw. der Lokalsender ev1.tv wird kritisiert, dass er darüber berichtet.
Unverschämtheit!

 zur Facebookdiskussion bei ev1.tv: https://www.facebook.com/ev1.tv/videos/1344254818918962/

Dialog: „Wir haben es satt“-Kongress

In Berlin angekommen, aber noch unrasiert
In Berlin angekommen, aber noch unrasiert

Bin gerade in Berlin angekommen und bereite mich noch ein wenig auf den morgigen Tag vor. Denn ich bin nicht zu Erholungszwecken in Berlin. Ich habe die Ehre, morgen an einem agrarpolitischen Talk im Rahmen des „Wir haben es satt“-Kongresses teilzunehmen. Ich werde die Bewegung „Wir machen Euch satt“ hoffentlich gut vertreten.

whes_kongress_2016Ab kurz nach zehn werde ich dann mit Dr. Anton Hofreiter (Bündnis90/Die Grünen), Dr. Kirsten Tackmann (Linke), Dr. Karin Thissen (SPD), Kees de Vries (CDU) und Jochen Fritz (Wir haben es satt!) unter der moderatorischen Leitung von Frau Dr. Tanja Busse („Die Wegwerfkuh“) über verschiedene agrarpolitische Themen diskutieren.

whes_kongress_planWenn ihr noch Fragen und Anregungen für mich habt, könnt ihr sie gerne in der Kommentarzeile hinterlassen.

Drückt mir die Daumen! Bis morgen, dann werde ich mich zurückmelden!

Ob es einen Live-Stream gibt, kann ich nicht sagen. Wer zuerst einen Link kennt, der postet ihn bitte für alle hier im Blog- 😉