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Drei-Nutzungshuhn

Am vergangenen Wochenende sagte mir mein Sohn Elias im Hühnerstall folgenden Satz, den er sofort noch einmal für die Kamera sagen „musste“:Dieses ist das zweite Video, das im YouTube-Kanal meines Sohnes hochgeladen wurde. Elias freut sich über jeden neuen Abonnenten. 😉

In diesem Sinne vielleicht auch interessant: Tiere: Beute, Kuscheltier oder Nahrungslieferant?

Supergeil

Fünf Schüler der Berufsbildenden Schulen in Lingen haben ein Musikvideo im Rahmen eines Videoprojektes erstellt und bei YouTube hochgeladen.

Ich musste schmunzeln und an ein Video kanadischer Jungs aus Sussex denken, die im ähnlichen Stil ein Musikvideo erstellten. Leider ist dieses in Deutschland nicht mehr zu sehen. Hunderttausende Klicks konnte dieser Clip zählen. Soweit sind die Emsländer noch nicht, aber ich drücke die Daumen, dass es schnell ganz so viele werden!

Bisher steht der bei gut 13000 Klicks.

Shitstorm gegen Werder Bremen

Fotomontage von Bild.de mit Gebre Selassie, Werder Bremen
Fotomontage von Bild.de mit Gebre Selassie, Werder Bremen

Die gestrige BILD-Schlagzeile „Hühner-Brust – Geflügel-Hersteller Wiesenhof neuer Werder-Trikotsponsor“ löste eine große Empörungswelle (neudeutsch auch Shitstorm genannt) im Internet aus.

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia definiert einen Shitstorm wie folgt:

Shitstorm [ˈʃɪtstɔːm], (englischshitstorm „Empörungswelle“) bezeichnet in der deutschen Sprache ein Internet-Phänomen, bei dem massenhafte öffentliche Entrüstung sachliche Kritik mit zahlreichen unsachlichen Beiträgen vermischt. Der Duden definiert einen Shitstorm als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“.[1] Ein typischer Shitstorm umfasst unter anderem „Blogbeiträge oder -kommentare, Twitternachrichten oder Facebook-Meldungen“.[2] Dabei richtet sich „eine subjektiv große Anzahl von kritischen Äußerungen […], von denen sich zumindest ein Teil vom ursprünglichen Thema ablöst und [die] stattdessen aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend geführt [werden]“[3], gegen Unternehmen, Institutionen, Einzelpersonen oder in der Öffentlichkeit aktive Personengruppen, etwa Parteien oder Verbände. Der Begriff wurde zum Anglizismus des Jahres 2011 gewählt.[4]

Wiesenhof ist bei vielen Fußballfans offensichtlich sehr umstritten. Negative Berichterstattungen wie die ARD-Reportage „Das System Wiesenhof“ (mein Bericht über die einseitige Reportage gibt es hier: Link) und zahlreiche Artikel in Printmedien führten offensichtlich zu einem schlechten Image der Firma Wiesenhof bei vielen Fans, die sich nun um das bisher so gute Image des Clubs Werder Bremen machen.

Werder_Umfrage
Umfrage im Werder-Forum (c) forum.werder.de

Kurz nach der Veröffentlichung der BILD-Meldung kam es in vielen Foren, z.B. im offiziellen Werder-Forum, im Fanforum Worum.org und auf der Platform von transfermarkt.de zu unzähligen Einträgen, die jegliche Sachlichkeit vermissen lassen. Zur Untermauerung der negativen Thesen wurden u.a. immer wieder Videos der Tierschutzorganisation PETA angeführt. Dort sind Kommentare wie

„ihr wixer ihr schweine. mit tieren schwachen das machen quälen. ihr wixer genau das was ihr mit den tieren macht sollte man mit euch machen eure arme beine brechen euch würgen einsperren. ihr bastarde ihr hurensöhne!!“

oder

„Alles was bei Wiesenhof Verantwortung trägt, gehört ohne Anhörug erschossen. Umgehend !!!“

zu lesen. Anscheinend beteiligen sich gerade die Fanatiker sehr aktiv an diesem Shitstorm. Auch auffällig, dass plötzlich die Mehrheit entweder kein Fleisch ist oder nur beim Biobauern direkt einkauft. Die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln ist ja nicht erst seit gestern bei deutschen Verbrauchern sehr groß- das ist bei Fußballfans nicht anders. Der Marktanteil von Bioprodukten in Deutschland beträgt ca. 5 Prozent.

Jetzt- einen Tag später – tauchen vermehrt auch sachliche und abwiegende Beiträge auf. Zumindest gestern wurden andere Meinungen quasi übergebügelt, eine wirkliche Diskussion war unmöglich.

Gefällt mir - Button

Neben dem Aufschrei in den Foren wurde auch eine Facebook-Gruppe gegen Wiesenhof als Sponsor bei Werder Bremen gegründet. Über 7000 Facebook-Nutzer haben sich dieser Initiative mit dem Untertitel „100% Werder – 0% Tierquäler“ per „Gefällt mir“-Klick in kürzester Zeit angeschlossen.

Auch die kritischen Vereine und Initiativen nutzen den Schwung dieser Empörungswelle und bringen ihre Positionen noch einmal in Stellung und drängen den Bundesligisten, vom Trikotsponsor Wiesenhof Abstand zu nehmen:

PETA:Sollte Werder Bremen den Deal bestätigen, werden die Tierfreunde unter den Fans dem Verein die rote Karte zeigen“, so Dr. Edmund Haferbeck, Agrarwissenschaftler und juristischer Berater bei PETA.

Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung:Netzwerk-Sprecher Michael Hettwer verwies auf die Qualzucht und die schlimmen Verhältnisse in der agrarindustriellen Hähnchenmast, bei der 20 Tiere auf einem Quadratmeter zusammengedrängt würden und bei der Haltung auf dem eigenem Kot schmerzhafte Verletzungen davontrügen. Im Einzugsgebiet von Werder Bremen engagierten sich auch viele Werder-Fans gegen die Belastung durch bedrohliche Keime und Emissionen aus Agrarfabriken – diese würden einen solchen Schritt ihres Vereins absolut nicht gutheißen und sogar Proteste in der laufenden Saison nicht ausschließen.

Bauernhöfe statt Agrarfabriken:Die im niedersächsischen „Landesnetzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ zusammengeschlossenen Bürgerinitiativen haben die Verantwortlichen von Werder Bremen dringlich aufgefordert, von der geplanten Trikot-Werbung für den „Wiesenhof“-Geflügelkonzern Abstand zu nehmen.

Ich finde die Reaktionen völlig überzogen. Hier wird skandalisiert und beschimpft. Es wird deutlich, dass ein Dialog zwischen den extremen Positionen kaum möglich ist. Der König Fußball und die Fanliebe sorgen bei diesem Thema noch zusätzlich für Emotionen, die von den Tierschutzorganisationen und Bürgerinitiativen bewusst geschürt werden.

Jeder Verbraucher hat die Möglichkeit, auf Bio-Produkte auszuweichen bzw. kein oder weniger Fleisch zu verzehren. Gibt es für die Bruzzler und Hähnchen in Deutschland keinen Markt mehr, so wird auch automatisch die Produktion hierzulande deutlich sinken. Umgekehrt aber, wenn kein Hähnchen mehr in Deutschland erzeugt wird, werden die günstigen Fleischprodukte aus dem europäischem Ausland und Übersee importiert- beim  Tierschutz wäre man eher einen Schritt rückwärts gegangen.

mal wieder Dioxin

Pünktlich vor Ostern wird uns Deutschen mal wieder ein Dioxin-„Skandal“ präsentiert. Betroffen sind dieses mal Bio-Eier aus Nordrhein-Westfalen.

Dioxin-Ei
(c) dpa

Was mich an dieser Sache nervt, ist die Vergesslichkeit der Berichterstatter. Die ersten Nachrichten, die ich über diesen Fall im Radio hörte, hatten wieder einmal einen Unterton alá „vergiftete Eier“, „verseuchte Eier“ und was kann man eigentlich noch essen?“. Sachlicher wäre es gewesen, wenn man von Anfang an berichtet hätte, dass die Grenzwerte für Dioxin überschritten wurden und der Verzehr einiger weniger Eier nicht gesundheitsgefährdend ist. Denn die Grenzwerte für Dioxin in Lebensmitteln richten sich nicht nach der Gesundheitsgefährdung, sondern nach technischen Richtlinien. Diese Grenzwerte sind bei ordnungsgemäßer Wirtschaftsweise normalerweise locker einzuhalten. Dieses ist ja nicht der erste erhöhte Dioxinfund, regelmäßig wurde dieser Thema in der Vergangenheit behandelt. Die Satiresendung ExtraDrei blickt auf die Skandale der letzten 15 Jahre in folgendem Beitrag zurück:

Speziell beim Dioxin haben allerdings die ökologischen Betriebe hin und wieder Schwierigkeiten, diese Grenzwerte einzuhalten. Das liegt schlicht und einfach daran, dass Dioxin quasi überall in unserer Umwelt vorkommt. Diese Hintergrundbelastung geht allerdings seit vielen Jahren kontinuierlich zurück! Da aber die Freilandhaltung zum Konzept der ökologischen Landwirtschaft gehört, kommen die Tiere auch mehr mit der Umwelt in Kontakt- je näher der Auslauf z.B. an eine viel befahrene Strasse herankommt, um so größer das Risiko einer Grenzwertüberschreitung.

Aus diesem Grunde würde es mich nicht überraschen, wenn das Futter der Hühner keine Grenzwertüberschreitungen aufweisen würde, sondern der Boden des Auslaufes die Ursache des Problems ist. Jedenfalls gibt es keinen Grund für Angst und Panik. Spiegelfechter Jens Berger hat Anfang 2011 zum letzten großen Dioxinskandal folgenden Artikel verfasst: Kein Grund zur Dioxin-Panik und bläst ins gleiche Horn…

„Interessant“ ist auch die Kommunikation der Behörden und der Politik zum aktuellen Fall:

Das zuständige Verbraucherschutz und Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf, dass vom Grünen Johannes Remmel geleitet wird, gibt sich nun angemessen zurückhaltend und sachlich. Als vor über einem Jahr der Dioxin-Skandal in der herkömmlichen Schweine- und Geflügelhaltung Schlagzeilen machte, forderte der selbe Minister noch Öffentlichkeit wirksam einen Aktionsplan, prangerte die konventionelle Tierhaltung generell an und verkündete, dass die Landwirtschaft grüner und die Lebensmittel dadurch sicherer werden sollten. Und nun mal wieder ein Dioxin-Problem bei Öko-Eiern- vielleicht erklärt das die Ruhe in Düsseldorf?

MdB Franz-Josef Holzenkamp, CDU und Landvolk-Vizepräsident fordert Aufklärung und anschließend Konsequenzen:

„Die Behörden in NRW müssen jetzt schnellstmöglich für Aufklärung 
sorgen. Sie müssen herausfinden, auf welchem Wege die gefährliche 
Substanz in dieser Konzentration in die Eier gelangt ist, um danach 
entsprechende Konsequenzen ziehen zu können. Die Sperrung des 
Bio-Hofes ist ein richtiger Schritt. Nichtsdestoweniger muss man sich
vor Panikmache hüten. Für Verbraucher besteht keine akute Gefahr.”

Sucht man nach öffentlichen Stellungnahmen von NABU, BUND, AbL und Co. so findet man zu den aktuellen Dioxinfunden nichts. Anfang 2011 war das -ähnlich wie beim grünen Minister Remmel- noch ganz anders:

So verkündete der BUND am 5. Januar 2011, dass „der erneute Dioxin-Skandal in der Massentierhaltung zeigt, dass die Agrarindustrie ihre selbstproduzierten Risiken nicht in den Griff bekommt.

AbL, Bioland und NABU nahmen die damalige Krise zum Anlass, die herkömmliche Landwirtschaft generell in Frage zu stellen und schrieben in einer gemeinsamen Pressemitteilung: „der Dioxinskandal wirft eine zentrale Fragestellung auf: „Welche Ausrichtung der Landwirtschaft wollen wir und wie sieht die zukünftige Agrarpolitik in der EU und in Deutschland aus?“

Es wird deutlich, dass die Kategorisierung zwischen guter Landwirtschaft (Öko) und böser Landwirtschaft (Konventionell) so nicht funktioniert. Die Lebensmittelqualität ist mit nichten bei ökologischen Produkten generell besser (In diesem Blog habe ich dieses bereits im Artikel Bio muss nicht immer besser sein vor rund einem Jahr thematisiert).

Ein letzter Absatz noch:

Natürlich möchte ich nicht Dioxine verharmlosen. Die Belastungen sollten weiter so gering wie möglich gehalten werden! Kommt es zu Grenzwertüberschreitungen – egal ob bei Öko-Produkten oder herkömmlichen Lebensmitteln – sollte die Angelegenheit sachlich aufgeklärt werden und daraus Schlüsse gezogen werden, wie man das Risiko senken kann. Skandalisierungen bringen in der Sache nichts, außer dass Märkte kurzfristig einbrechen können, zum finanziellen Nachteil für die Erzeuger.

Weitere Informationen rund um Dioxin:

Interview mit Lebensmittelchemiker Udo Pollmer
Hintergrundpapier Dioxin-Skandal von Dr. med. Peter Liese
Umweltbundesamt zu Dioxinen
zwei anschauliche YouTube-Videos: Dioxin I Dioxin II von Udo Pollmer

Hähne legen keine Eier

Hähne legen keine Eier

das ist allgemein bekannt, doch was macht man mit den Hähnen der auf Eierproduktion spezialisierten Zuchtlinien für die Legehennenhaltung?

Die wenigsten Hähne werden gemästet, die große Mehrheit wird unmittelbar nach Schlüpfen und Geschlechtsbestimmung (Sexen) getötet und meist zu Tierfutter verarbeitet. Der Grund ist, dass diese Tiere sehr schlecht Fleisch ansetzen und für die Mast schlichtweg unrentabel sind.

Um einen Lösungsansatz zur Vermeidung dieses Problems zu finden hat mein ehemaliger und hoch geschätzter Professor Robby Andersson von der Hochschule Osnabrück-Haste ein Forschungsprojekt initiiert.

Robby Andersson

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So berichtete die Osnabrücker Zeitung am 17. Januar:

Der Agrarwissenschaftler leitete den Versuch, der nicht nur zu einem ethischen Umgang mit männlichen Legehennenküken führen könnte, sondern auch zu einer schmackhaften Spezialität der gehobenen Küche.

In einem mobilen Stall mit Wintergarten tummelten sich etwa 500 männliche Legehybriden, berichtet Andersson. Rund acht Tiere teilten sich einen Quadratmeter; im Öko-Landbau sind es zehn, im konventionellen Betrieb 18 bis 20 Tiere. Jeder Woche sei dieses Hühnermobil versetzt worden, sodass das Federvieh Grünauslauf hatte. „Unsere Jungs hatten nach 70 Tagen Mast dunkles, festes Fleisch“, lacht Andersson. Die üblichen auch Broiler genannten Masthähnchen, die lediglich 32 bis 35 Tage gemästet werden, hätten dagegen kaum Bissfestigkeit und helles Fleisch. „Die Chance auf eine bundesweite Beachtung unserer Forschung ist sehr groß“, schätzt der Agrarwissenschaftler.

Eines räumt er aber ein: „In der Masse lässt sich so etwas nicht produzieren.“ Das zeigt schon allein ein Vergleich des Schlachtgewichts. Während ein Broiler bereits nach 32 Tagen Mast bis zu 1600 Gramm Schlachtgewicht auf die Waage bringt, reicht es beim männlichen Legehybriden gerade einmal zu rund 800 Gramm – und das erst nach 70 Tagen. Der Wunsch nach tiergerechter Haltung sei zwar weit verbreitet, sagt Andersson. Viel Platz im Stall, Grünauslauf und Öko-Futter finden die meisten Verbraucher schließlich gut.

Aber so etwas hat seinen Preis, den viele Kunden gar nicht bezahlen können oder wollen. Die Osnabrücker Forscher haben zum Beispiel festgestellt, dass bei männlichen Legehybriden die Investition pro Mastplatz bis zu zehnmal höher sein kann als bei einem Standard-Broiler. Ähnliches gilt für Futterkosten, die für männliche Legehennenküken mehr als doppelt so hoch sind, vor allem, wenn wie beim Osnabrücker Feldversuch als Öko-Komponenten Weizen, Ackerbohnen, Lupinen und Sojabohnen eingesetzt werden. Andersson: „Pro Kilogramm Schlachtkörper zahlt man für einen männlichen Legehybriden zwischen 12 und 14 Euro.“ Ein Öko-Broiler ginge für 8 bis 10 Euro über die Ladentheke. Wie krass die Kluft ist, zeigt dann der Blick auf den konventionellen Broiler: Der kostet pro Kilogramm Schlachtgewicht schlappe zwei Euro.

Es ist also der Verbraucher gefragt, findet sich zu diesen hohen Preisen ein Markt? Ich würde es begrüßen und werde diese Spezialität einmal selber probieren.

Bildquellenangabe: berwis  / pixelio.de