Dialog mit MISEREOR II

Der Saal war voll besetzt
Der Saal war voll besetzt

Ich bin gerade wieder zu Hause von der Dialogveranstaltung mit MISEREOR. Ohne jetzt näher auf den Abend einzugehen, poste ich zunächst mein Eingangsstatement, dass ich so ähnlich heute gehalten habe:
Vom Moderator Johannes Buß wurde ich gefragt, wie ich mich fühle, wenn MISEREOR aktiv mit der „Wir haben es satt“-Demo marschiert:

Ich fühle mich als Landwirt in meiner Ehre zu tiefst verletzt!

Wir Landwirte und speziell die intensiven Tierhalter stehen in Deutschland unter Dauerfeuer.
Wir werden für quasi alles Übel in der Welt verantwortlich gemacht.

Für MRSA, Antibiotikamissbrauch, Tierquälerei, Grundwasserverunreinigung, Wasserverschwendung, ungesunde Nahrungsmittel, Klimawandel, Naturkatastrophen und natürlich auch Regenwaldabholzung und Hunger in der Welt.

Ich finde diese Kritik unberechtigt oder zumindest überzogen!

Ich behaupte, dass wir im Großen und Ganzen ordentliche Arbeit auf unseren Höfen verrichten.
Jeden Tag, auch mal nachts und das auch an Feiertagen und am Wochenende!

Unsere Arbeit ist es, die satt macht!

Dabei ist unsere Arbeit eben sehr verantwortungsvoll. Gerade in den Bereichen Düngung, Pflanzenschutz und Tierhaltung/Tierschutz.

Wir Landwirte stehen also unter Dauerbeschuss und passend zur Grünen Woche bündeln unsere Kritiker noch einmal ihre Kräfte und demonstrieren bei „Wir haben es satt“!

Und weil wir Bauern ja für so manches Übel verantwortlich sein sollen, ist der Demonstrationszug auch entsprechend bunt.

Da laufen
Umweltschützer des BUND und NABU, die beide mit der extremen PeTA kooperieren- eine unheilige Allianz!
Albert-Schweizer-Stiftung und andere Veganerbündnisse (sehr viele)mit

Folgende Parolen sind zu lesen:
Tierfabriken, Gentechnik, TTIP stoppen
„Jeder Mensch, der Fleisch isst, ist ein Mörder. Für ihre Taten gibt es jedoch keine Richter“
„Ökologische Landwirtschaft ist möglich- alles andere ist ein Verbrechen an mensch, Tier und Natur“
Auch unsere Kinder und Enkel werden uns fragen: Was hast DU gewusst? Was hast DU getan?
„Massenkot = Wasser tot“

weiterhin sind auch leider Landwirte bzw. ihre Organisationen dabei:
AbL und auch BDM
ausserdem einige Bio-Verbände
und eben auch kirchliche Verbände wie Misereor oder Brot für die Welt

MISEREOR hielt dabei folgendes Banner in der Hand:
„Wir haben die Agrarindustrie satt: Wenn Menschen heute hungern, hat das mit unserem Fleischkonsum zu tun!“

Und dass MISEREOR dort mitläuft, ärgert mich zu tiefst.
Ich bin selber Katholik und zu Hause wurde immer, wenn die Kirche zum Spenden für ADVENIAT oder eben MISEREOR aufrief auch viel Geld gespendet!
Es war eine Selbstverständlichkeit.
Es wurde bei uns immer nur diskutiert, wie viel wir geben können und nicht ob!
MISEREOR hatte bei uns einen sehr guten Ruf !

Die Machenschaften, die MISEREOR bisher machte, wurden nicht weiter hinterfragt. Doch nun mit der Demo in Berlin, merken wir, dass MISEREOR letztlich auch uns bekämpft
und zusammen mit den vielen anderen Gruppen dort diffamiert.

Dabei sind wir doch nur rechtschaffene Landwirte, die mit Leidenschaft ihren Job machen!

Das ist für mich ehrverletzend.
Es scheint so, als wenn wir kaum noch Rückhalt in der Gesellschaft haben.

Es kämpft eigentlich keine Partei mehr offen für die Belange der stinknormalen Landwirtschaft
und nun rückt auch die Kirche in Form von MISEREOR von den Landwirten ab?

Mittlerweile spüre ich, dass wir nur eine kleine Minderheit sind, auf deren Kosten sich x Organisationen und Parteien profilieren wollen.

Diese Gemengelage führte dazu, dass sich relativ spontan knapp 1000 -weit überwiegend Landwirte- sich in Berlin zu einer „Wir machen Euch satt“ – Demo versammelt haben
und für die Landwirtschaft demonstriert haben.

Wir wollten deutlich machen, dass wir nicht dafür verantwortlich sind, dass 840 Mio Menschen hungern, sondern 6,4 Milliarden SATT werden!

Wir forderten „Diskutieren statt Diffamieren“ und dementsprechend bin ich wirklich froh, dass wir uns jetzt getroffen haben zur Diskussion, zum Dialog!
Danke bis hierher!

43 Gedanken zu „Dialog mit MISEREOR II

  1. Ich bin von Miserior sehr enttäuscht und werde nich mehr spenden. Zudem bin ich sehr
    ärgerlich darüber, das man sich nicht von Animal Peace abgesetz hat, die ein Loblied auf die Tötung eines Landwirts durch eine Bullen, gesungen hat. Wer mit solchen Vereinen auf die Straße geht, kann ich nur mit Verachtung strafen. Wer die moderne Landwirtschaft bekämft, setzt sich für Hunger und Elend in der Welt ein.

    1. Wer es nicht fertigbringt, sich von den menschenverachtenden Parolen von Animal peace zu distanzieren – der hat jeden Anspruch auf Achtung und Respekt verspielt. Höchst Bedauerlich!

      1. Was bauer Willi angestossen und angefangen ich finde es super.
        zum anderen die ganzen Stellungnahmen sind doch wohl Anzeichen genug für den Deutschen Bauernverband endlich in die
        Offensieve zu gehen.Habe ich bei einer Gelegenheit unserem obersten Bauer Herr Ruckwied gesprochen wohl wissend was es kostet endlich in den Medien und an den Stellen uns real und wirklich dastellen wo unsere Verleuder uns immer wieder falsch darstellen.Die angesprochenen Kosten sind z.B. mit einem kleinen Betrag pro Schlachttier und Liter Milch es sind
        ja Millionen pro Woche.Es geht,doch nichts geschieht oder du
        tust es.Die Viehhaltende Zunft ist bereit wenn es richtig aufgezogen wird die zeit drängt ganz gewaltig. Gr.H Deselaers

        1. Klar muss der DBV in die Offensive. Anstatt die Verleumdungen von allen Seiten entschieden zurückzuweisen, hört man vom Bauernverband immer wieder. „Wir sind schon dran“/“Wir werden uns bessern“/“Es ist doch gaaaar nicht sooo schlimm“
          Sorry BV, aber diese Argumentation ist falsch. Wir haben nicht nur die beste Landwirtschaft aller Zeiten, sondern auch die beste der Welt (wenn man mal den Biobereich ausblendet)!
          Und das ist so, weil man sich nie zurückgelehnt hat, sondern weil man sich permanent weiterentwickelt hat. Ein Zurück-Meyern kann es nie geben, und darf es nie geben!

          1. Nicht nur der DBV muss offensiver werden. Ich finde jeder sollte sich -im Rahmen seiner Möglichkeiten- mehr der Öffentlichkeitsarbeit widmen.
            Einfach selber anfangen, sich vor Ort in einem Gremium organisieren und einfach machen.
            Keine Angst haben und mutig sein.
            Wenn wir es hinbekommen, dass das eine ganz breite Bewegung wird, dann werden wir auch irgendwann die Meinungsführerschaft im Bezug auf landwirtschaftliche Themen wieder von NGOs übernehmen können.
            Doch leider müssen wir die versäumte Arbeit von über 10 Jahren aufholen. Wir haben einfach viel zu lange bei der Öffentlichkeitsarbeit gepennt!

  2. Zunächst einmal danke für die gute Diskussion gestern! Aus meiner Erinnerung wurde mehrfach deutlich gesagt, dass es Misereor nicht darum geht, jemanden persönlich zu diffamieren oder zu bekämpfen, sondern das es um die Hinterfragung eines poltischen und wirtschaftlichen Systems mit seinen Sachzwängen geht. Ich fände es sehr gut, wenn diese mehrfache Beteuerung auch angenommen würde. Wir könenn in der Sache unterschiedlicher Meinung sein, aber sollten uns doch gegenseitig keine bösen Absichten unterstellen.

    1. Wenn Misereor das politische und wirtschaftliche System, zu dem selbstverständlich auch die beste, und ökologischste Landwirtschaft der Welt -und aller Zeiten gehört anprangert? Was soll man davon halten? Noch nie gab es so viele Lebensmittel, in so hoher Qualität und Verfügbarkeit praktisch zum Produktionspreis.
      Seit Anbeginn der Domestizierung von Nutztieren ging es den Tieren in der Landwirtschaft nie besser, als hier und heute. Hunderte Millionen Menschen wären froh, sie hätten ein so sorgloses Leben, wie unsere Nutztiere, in absolut auf die Tiere abgestimmten Ställen, geschützt vor Parasiten und Feinden, beste Versorgung mit Futter, im Bedarfsfall mit hervorragender Gesundheitsversorgung.
      Wie schafft es Misereor das alles zu kritisieren, und sich dann selbst noch im Spiegel betrachten zu können? Misereor müsste doch das andere Extrem auch kennen?
      Die jetzige Landwirtschaft schafft es, alle Menschen, die sich Lebensmittel zum Produktionspreis leisten können, diese auch mit Lebensmitteln zu versorgen. Dass sich nicht alle Menschen dieser Welt die Produktionskosten von Lebensmitteln für den eigenen Bedarf leisten können, ist traurig – denn die Produktionskosten unterscheiden sich weltweit nur gering – ob im Ackerbau, oder in der Tierproduktion – je nach dem, für was das Land besser geeignet ist. Geflügelmast ist in Afrika mindestens so gut möglich, wie bei uns. Futter ist notfalls weltweit zum gleichen Preis verfügbar, die notwendige Technik und Energie auch. Arbeitskraft und nötige Gebäude sind billiger, das Klima besser geeignet, guter Dünger würde gebraucht. Allerdings funktioniert das auch dort nicht mit Rassen. Die haben tatsächlich fast so schlechte Futterverwertungen, wie es von vielen NGOs immer wieder gelogen wird. Wir alle kennen die Zahlen 16:1, oder gar 15000 Liter Wasser für ein Kilo Fleisch. (http://www.misereor.de/fileadmin/redaktion/blaettertool/studie_fleischproduktion_2012/pageflipdaten/assets/downloads/publication.pdf)

      Misereor tut offensichtlich alles in seiner Macht stehende, um die Entstehung einer modernen und leistungsfähigen Landwirtschaft nach westlichem Vorbild zu verhindern.
      DAS BEKUNDEN SIE AUCH MIT DER TEILNAHME AN

      „WIR HABEN ES SATT“

      denn wenn auch bestimmt mehr als die Hälfte der Teilnehmer aus Unwissenheit oder Dummheit teilgenommen haben, bleibt dennoch ein großer Teil, der aus schlechter Absicht dabei war.

      Auch wenn Herr Bornhorst hier die schlechten Absichten bestreitet, fällt es mir schwer, ihm zu glauben. Auch wenn er beide Augen verschließt und taub ist, kann er nicht übersehen, wer da dabei war, und was deren Absichten sind.

      Greenpeace trägt mit seiner Haltung Mitschuld an hunderttausenden erblindeten und toten Kindern. Misereor mit ähnlicher Haltung hat auch teilgenommen – gegen den Willen des Kirchenoberhaupts:
      http://www.welt.de/politik/ausland/article122021827/Der-genveraenderte-Reis-der-Leben-retten-kann.html

      Es wäre zu einfach Herrn Bornhorst die Schuld allein zu geben. Da steckt System dahinter. Für mich als Bauern kann es folglich nur einen Schritt geben:
      Den Austritt aus der Katholischen Kirche. Ich möchte mir, und kann mir auch nie vorstellen, am Tag des Jüngsten Gerichts an einen Ort zu treffen, wo die Seelen solcher Leute baumeln. Das müsste ein unvorstellbar schrecklicher Ort sein.

      1. Wir können deutlich unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem gut miteinander diskutieren. Wir werden Menschen brauchen, die mit Sachverstand und Klugheit ihre Meinung einbringen und dabei andere Meinungen respektieren. Warum sollte ein Austritt aus der Katholischen Kirche, nur weil eine Hilfsorganisation eine andere Meinung vertritt, Sinn machen? Bleiben Sie – und bringen Sie sich weiterhin ein. Wer weiß, wie wir alle gemeinsam die Welt weiter zum Guten hin verändern können und das „Salz der Erde“ sein können. 🙂

        1. Eigentlich können wir nicht DEUTLICH unterschiedlicher Meinung sein. Aber wir sind es. Das ist nicht schön, aber wir sollten uns der Ursache widmen – schließlich geht es ja nicht um weniger, als die Versorgung aller Menschen dieser Welt mit hochwertigen Nahrungsmitteln in ausreichender Menge, und den Erhalt unserer Umwelt.
          Misereor scheint das nicht sonderlich zu interessieren, was auch als Ursache der Meinungsverschiedenheit zu 99,5% der Bauern zu betrachten ist.

          Misereor hat am 4.1.2015 in seinem Facebook-Profil wörtlich propagiert: „Am 17. Januar heißt es wieder: Wir haben es satt! Kommt zur 5. Demo gegen Tierfabriken, Gentechnik und TTIP! Und für die Agrarwende!“
          Vermeintliche Tierfabriken, Gentechnik und eines von vielen wichtigen Handelsabkommen sind es also, und nicht wie oben von mir angemerkt, Mensch, Tier und Umwelt.
          Sie, Johannes Buß schreiben am selben Tag, um 4:40, als ob es der erste Gedanken nach dem Aufstehen war: „Wofür Misereor heutzutage alles steht und die Spendengelder einsetzt. Hoffentlich besuchen Sie die Landwirte und besichtigen Sie die Ställe auch, gegen die demonstriert wird.“
          Scheint etwas früh gewesen zu sein. Misereor setzt also die Spendengelder gegen die Landwirte ein, gegen deren Ställe demonstriert wird. Wenn man jetzt mal davon ausgeht, dass sie damit gegen 99,5% der Bauern und deren Ställe demonstrieren, was im Endeffekt wahrscheinlich mehr als 99,99% der Tierhaltung in Deutschland betrifft, und natürlich auch den selben Anteil der Konsumenten, sollten sie von mehreren hunderttausend Bauern 10 benennen – einschließlich Tierart, Fläschenausstattung, eventuellen Wirtschaftsdüngerverträgen und Managment. Schließlich sagten sie ja, ihre Mitdemonstranten sollten welche davon besuchen, damit sie wissen, wogegen sie demonstrieren. Anhand dieser zehn können wird dann miteinander durchgehen, ob ihre Vorwürfe zutreffen.
          Daraus kann auch Misereor lernen:
          Nur wenn Misereor sich damit befasst, wofür, oder wogegen man ist, hat Misereor auch die einmalige Chance zu lernen, Menschen mit den ihnen anvertrauten Spendengeldern zu helfen, und nicht zu schaden.

          1. @Bauer Hubert,

            bin etwas verwirrt- gegen wen hat Johannes Buß zur Demo aufgerufen?
            Ich sehe Hernn Buß als Mittler zwischen Landwirtschaft und Kirche/Bistum/Misereor. Und so wie ich es sehe, wird diese Funktion an Bedeutung zunehmen!

          2. Hallo Bernhard,

            auf deinen Kommentar kann man leider nicht mehr antworten, dehalb hier:

            Johannes Buß wörtlich: „Wofür Misereor heutzutage alles steht und die Spendengelder einsetzt. Hoffentlich besuchen Sie die Landwirte und besichtigen Sie die Ställe auch, gegen die demonstriert wird.“
            Kann auch sein, dass ich das falsch aufgefasst habe, aber für mich hat es sich so „angehört“, als ob er damit die sinnvolle Verwendung der Spendengelder untermauern wollte, indem Menschen, die ohne landwirtschaftliches Hintergrundwissen in Ställe schicken wolle.
            Für Laien sieht eben Schweinemast und Schweinezucht auf Spaltenboden und Ferkelschutzkorb befremdlich aus. Heizböden für Ferkel und viele andere Rafinessen sehen sie nicht, und Hygiene hinterlässt für sie eine Krankenhausathmophäre.
            Ich war mal auf einem „Tag der offenen Tür“ bei einem Kollegen – absoluter Komfortstall für Kühe. Vor die Menschen reingelassen wurde, wurde das Futter abgeladen – alle Kühe waren im Fressgitter, aber natürlich nicht verriegelt. Ein absolut tolles Bild! Das Ergebnis war, dass Kinder weinten, und sich Eltern entsetzten, dass die „armen Kühe“ den ganzen Tag in diesem Gitter festgeklemmt seien. Unerklärbar, für was die sauber eingestreuten Liegeboxen eigentlich sind, und dass jede Kuh nach Lust und Laune fressen, saufen, liegen und sich bürsten lassen kann. Sie sind rausgerannt, bevor man ihnen den Stall erklären konnte. Ihr Bild von der Landwirtschaft wird wohl für alle Zeit gefestigt sein – und genau das sind jene Leute, von denen Misereor, BUND, Grüne und Co. leben. Man lebt von Verleumdung und Denunzierung der Bauern.
            Herrn Bornhorst scheint das völlig egal zu sein, man lebt nach dem Motto: „Geld stinkt nicht“ egal was damit angerichtet wird.
            Falls ich Herrn Buß missverstanden habe, möchte ich mich in aller Form bei Ihm entschuldigen.

    2. Tut mir leid – pauschale Verunglimpfungen kommentarlos im Raum stehen zu lassen ist genau so wenig akzeptabel wie eine persönliche Diffamierung!

  3. Sehr geehrter Herr Bornhorst,
    ich bin auch sehr dankbar, dass es zu dieser Podiumsdiskussion gekommen ist.
    Ich hoffe, dass wir auch weiterhin im Gespräch bleiben können.
    Eines hat die gestrige Versammlung deutlich gemacht: Sie wollen das „System“ treffen und nicht den einzelnen Landwirt. Sehr viele Landwirte aber empfinden auch nach der Veranstaltung gestern, dass MISEREOR sich gegen die hiesigen Landwirte stellt.

    Dass dann noch Herr Dr. zu Löwenstein eine Parole der Demo („Auch unsere Kinder und Enkel werden uns fragen: Was hast DU gewusst? Was hast DU getan?“) als voll kommen richtig hingestellt hat, macht mich wirklich sehr traurig.
    Viel zu oft bin ich in Online-Foren in Diskussionen verstrickt, in denen mir und meinen Kollegen „KZ-Haltung“ vorgeworfen wird und andere Holocaustvergleiche gezogen werden.

    Der NDR ist gerade wieder von Hof gefahren, ich habe noch etwas Arbeit zu erledigen und werde mich insgesamt sammeln müssen, bis ich die gestrige Veranstaltung in meinem Blog ausführlich zusammenfassen kann und bewerten kann. Natürlich aus meiner Sicht.

    Aber ich glaube, eines kann ich sagen: Sie bzw. Misereor hat die Mehrheit der Bauern nicht verstanden! Und: wir müssen weiter im Gespräch bleiben!

    1. Genau so wie Bernhard es gerade geschrieben hat, würde ich die gestrige Veranstaltung re­sü­mie­ren.
      Ich freue mich, dass der Arbeitskreis „Kirche und ländlicher Raum“ des Bistums Osnabrück dieses Thema in seiner nächsten Sitzung aufgreift und ich dabei bin!

    2. Sie wollen das System treffen -und nicht die Landwirte – was ist denn das für eine Aussage – dadurch treffen sie genau unsere Landwirtschaft!!!

  4. Sehr geehrter Herr Bornhorst,

    ich danke Ihnen bzw. Misereor ebenfalls für die Dialogbereitschaft. Schade finde ich es jedoch, dass es aus meiner Sicht nicht zu einem Dialog gekommen ist. Zu gute halten muss ich der Veranstaltung, dass es in dem Rahmen vermutlich auch nicht zu einem wirklichen Dialog hätte kommen können. Ich kann Bernhard nur beipflichten, dass das Gespräch jetzt auf keinen Fall abgebrochen werden darf. Denn wo jetzt angesetzt werden muss, nachdem gestern Ihrerseits nur Demoparolen bzw. Punkte aus dem Positionspapier gegriffen wurden (und ganz ehrlich, ich bin auch gegen den Hunger auf der Welt und ich bin auch für eine artgerechte Tierhaltung OHNE Antibiotikamissbrauch, usw.), wäre für mich eine wirkliche fachliche Diskussion – wie wollen wir 10 Mrd. Menschen weltweit satt bekommen? Welche Möglichkeiten gibt es, gibt es Grenzen und wenn ja, wo sind die Grenzen,…? Bis dahin würde ich mich freuen, wenn Sie sich unparteiisch hielten und Ihrerseits von der „wir haben es satt“ Bewegung zunächst Abstand nehmen würden, um den Landwirten zu zeigen, dass bei Ihnen gestern auch ein wenig angekommen ist…

  5. An Misereor
    Sie würden schon viel Dampf aus dem Kessel nehmen
    Wenn Sie sich ^öffentlich und auf Dauer ^ von denen distanzieren
    , die Nachts in unsere Ställe einbrechen !!!

  6. Misereor versteht es meiner Meinung nach nicht. Mit Peta für Reformen in der Agrarpolitik zu demonstrieren ist wie mit der NPD oder Pegida für eine bessere Flüchtlingspolitik zu marschieren.

    Wir haben in meiner Pfarrei schon lange die Konsequenzen gezogen. Anstelle der alljährlichen Misereorsammlung organisieren wir bei einem Fastenessen – mit Fleisch 😉 Spenden für zwei konkrete Projekte in Afrika. Dabei kommen in unser Pfarrei mit nur 400 Gläubigen jedes Jahr über 3000€ zusammen. Ich empfehle diese Alternative.

  7. Ich kann zur Diskussion dort leider nichts sagen, da ich nicht dabei sein konnte. Für Südniedersachsen kann ich sagen, dass auch hier die Irritation wegen des Aufrufs zur Demo in Berlin durch Misereor und Brot für die Welt bei den Landwirten erkennbar waren. Diese insgesamt Bauernfeindliche Demo mit den oben beschriebenen pauschalen Beleidigungen und der Stimmungsmache gegen Tierhaltung und Fleischkonsum insgesamt ist nicht hinnehmbar.
    Schade für beide Hilfsorganisationen…..

    1. Wir haben es satt
      Guter Zweck
      17.855 gefällt das
      Den Personen gefällt ebenfalls Menschenrechte.eu
      Eva Koch, Achim Hübner und 2 weiteren Freunden gefällt das

  8. Sehr geehrter Herr Bornhorst,

    am gestrigen Abend kam vielleicht der erste Punkt des Abends, das wie fühlt ihr euch damit, zu kurz. Wir Landwirte im südwestlichen Niedersachsen sind seit unserer frühesten Jugend mit der Kirche und dem Glauben verbunden. Der Glaube gehört dabei noch mehr zu unserem Sein als die Landwirtschaft. Im Misereoropferkäastchen z.B. zu sammeln gehörte immer mit dazu. Klar gab man Spenden für die gute Sache. Klar war auch dass der Glaube und die Kriche uns Rückhalt waren, wenn etwas mal nicht so lief. Dies waren Dinge, die uns hielten. Jetzt stehen wir seit einiger Zeit im medialen Dauerfeuer für das was wir machen. Die belastet viele von uns sehr, da wir uns kritisiert fühlen, obwohl wir nichts Falsches gemacht haben. In dieser Situation dann mitzubekommen, dass eine kirchliche Organisation sich auf die Seite derer stellt, die unsere Art Landwirtschaft zu betreiben komplett ablehnen, erschüttert für viele von uns den Glauben in die Institution Misereor, ja nach den gestrigen Worten von Theo Paul, sogar der Kirche. Ja es macht uns sogar fassungslos. Leider hat die gestrige Diskussion zu keiner Zeit etwas Emphatie für unsere Situation durchblicken lassen. Es wurden lediglich Argumente dargelegt, warum das System, nach dessen Regeln wir arbeiten das Falsche ist, warum die Landwirtschaft wie wir sie betreiben, die Falsche ist. Das ist mir für eine kirchliche Organisation zu wenig. Sie bringen zu Recht viel Mitgefühl und Einsatz für die 3. Welt uns aber lassen sie mit ihrem Verhalten, sowohl gestern als auch bei Whes, im Regen stehen.
    Ich hoffe, wie auch die anderen Schreiber, dass wir weiter diskutieren und dass wir die Möglichkeit bekommen uns wieder näher zu kommen. Gestern Abend ist das leider nicht passiert.

  9. Schade das es am gestrigen Abend nicht zu einem gemeinsamen Dialog gekommen ist.
    Von Generalvikar Teo Paul hätte ich mir mehr Solidarität mit den Landwirten gewünscht.
    Es gibt noch viel Gesprächsbedarf, nutzen wir es trotzdem.
    Einen Dank der Landjugend Neulangen.

  10. Ich hätte mir gewünscht, Gitta Connemann wäre am gestrigen Abend dabei gewesen. Ihren Kommentar zur aktuellen Situation fand ich auf der Seite top agrar online. Hier ein Auszug…
    Gitta Connemann
    „Bei allen Meinungsunterschieden darf die Diskussion über artgerechte Tierhaltung in der Landwirtschaft nicht in eine pauschale Schmähung von Landwirten oder gar in der Herabwürdigung von Toten abgleiten.” Das stellte die Stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Gitta Connemann, jetzt klar und forderte alle Tierschutzverbände und –vereine auf, die Debatten sachlich zu führen.

    Die Demokratie lebt ihrer Ansicht nach von der Auseinandersetzung mit Argumenten und nicht von der Verächtlichmachung eines ganzen Berufsstandes oder einzelner Personen. Wer die Würde von Menschen nicht achtet, stelle sich außerhalb des demokratischen Konsenses.

    „Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion beobachtet seit einiger Zeit mit Sorge, dass der Ton in der Auseinandersetzung über artgerechte Tierhaltung in der Landwirtschaft von Seiten einiger Tierschutzvereine immer aggressiver geworden ist. Trauriger Höhepunkt war zuletzt die Stellungnahme des Tierschutzvereins Animal Peace zum tragischen Tod eines Bauern in der Nähe von Köln im Januar“, so Connemann.

    Animal Peace habe darin die ethischen oder rechtlichen Grenzen klar überschritten, in denen Diskussionen in einer Demokratie geführt werden dürfen. „Wir sind dankbar, dass sich andere Tierschutzorganisationen, wie zum Beispiel der Deutsche Tierschutzbund, von Animal Peace distanziert haben. Die Schmähung aller Bauern ist nicht hinnehmbar und erst recht nicht die von Verstorbenen. Das Vorgehen von Animal Peace hat mit verantwortungsvollem Tierschutz nichts zu tun. Deswegen muss es im Interesse aller seriösen Tierschutzorganisationen sein, alle Bündnisse mit Animal Peace aufzulösen. Wir fordern die Organisationen auf, diesen Schritt unverzüglich zu gehen“, sagte die Politikerin.

    Neben der Untersuchung der Strafbarkeit der Verantwortlichen von Animal Peace müsse nun auch die Gemeinnützigkeit des Vereins auf den Prüfstand. Es sei zu fragen, ob ein Verein, der Menschen noch im Tode schmäht, weiterhin steuerbegünstigt Spenden sammeln darf, so Connemann.

  11. Auf der Veranstaltung kam zum Ausdruck, dass unsere Landwirte tief gekränkt sind, weil sie seit Jahren unter Dauerbeschuß stehen. Viele Menschen wünschen sich auf der einen Seite eine ökologische Landwirtschaft, sind auf der anderen Seite aber, nicht bereit mehr Geld ihres Einkommens dafür auszugeben. Und wir Landwirte mitten zwischen!!! Für uns Landwirte wurde auch gerade im Dialog mit Miseror klar, dass es ganz einfach ist, Schilder zu tragen auf denen man seinen Unmut äußert, oder auch einfach ein „Nein“ rauzuschreien fällt nicht schwer. Wir Landwirte sind es aber letztendlich, die sich jedem Tag wieder der Aufgabe widmen Ökologie, Ökonomie und Tierwohl bestmöglich unter einen Hut zu bringen. Und da haben wir in den letzten Jahren bewiesen, dass wir immer besser werden. Auf diesem Weg wäre ein bisschen Rückenstärkung toll!!!

  12. Die Pressemitteilung von Misereor spricht da schon Bände: http://www.misereor.de/presse/pressemeldungen/pressemeldungen-details/article/misereor-und-landwirte-im-dialog.html und es gehört schon viel Fantasie dazu, daraus eine Dialogbereitschaft im Sinne der Bauern abzuleiten. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten wollen, die ist nicht gegeben und war auch nicht da. Wie muss sich ein Christ fühlen, der praktisch diese Organisation immer unterstützt hat, gar damit aufgewachsen ist, die ein Teil seiner Persönlichkeit geworden ist, wenn er nun am Abend des 9.2.2014 erkennen muss, dass er nun als Erzfeind einer ideologisch, politisch geprägten well-Profit Organisation gesehen wird.

  13. Bezeichnend ist auch die schulmeisterliche Art von Theo Paul gegenüber uns Landwirten, die sich bei „Hallo Niedersachsen“ mal wieder zeigte. Fazit bisher ist wohl: Es bleibt eine große Enttäuschung über Misereor und die Redebereitschaft war eher eine versuchte Missionierung bzw. wollte man uns erklären wie wir unseren Beruf in Zukunft zu gestalten haben. Sehr schade!
    Da ein Spendenwille zweifelsohne noch vorhanden ist, wird man sich wohl andere Organisationen suchen müssen, sofern Misereor nicht in einen ehrlichen, kontruktiven Dialog tritt.

  14. Ich glaube auch wir sollten mit provokanteren kurzen Schlagwörtern uns zu Wort melden….
    Mal nicht ganz ernst gemeint

    Müssen wir den alle ernähren ist das wirklich Aufgabe unsere Landwirtschaft
    Müssen wir Nahrungsmittel liefern ,wenn Hungersnöte sind
    Könnte man ewig fortsetzen, glaube unsere Schultern sind nicht so gross das wir darauf alles tragen können

    Zum Schluss kann auch stehen Wir machen die satt die es sich leisten können die Produkte zu kaufen.Einen anderen Schluss lassen die Demonstrationen und anderen Kundgebungen doch fast nicht zu…..bei uns Landwirten

    1. Könnte man in der Tat mal so formulieren. Allerdings bin ich viel lieber ein ganz winziges Rad, das dafür sorgt, dass möglichst viele Menschen auf der Welt ausgewogen satt werden. Und da meine ich, dass wir Landwirte auf einem Weg sind, der nicht komplett in die falsche Richtung geht.

      1. Da kann ich dir nur zustimmen, und darauf darf man, dürfen wir und sollten wir stolz sein. Aber genau dieses Recht wird uns abgesprochen!

        Ich möchte Misereor gerne fragen, wie sie zu deutschem Waffentechnikeinsatz in Krisengebieten stehen, bzw Ob deutsche Export-Militärgüter eine grössere globale Bedürfnisbefriedigung darstellen als deutsche Ernährungsgüter?

        1. Es wird ja alles global verkauft, und natürlich auch gekauft. Ob Auto, Smartphone, Öl, Maschinen, Gemüse, Früchte, Getreide, Kleidung, usw…. Es wird nichts angeprangert. Ein Systemfehler sieht Misereor nur darin, wenn Nahrungsmittel aus Europa nachgefragt werden, das ist natürlich bitterböse. Dabei ist es doch garnicht so schlimm: Auch wenn deutsche Bauern ein paar Millionen Menschen außerhalb Europas ernähren, bleiben für die Geschäftsgrundlage von Misereor doch noch genug Hungernde übrig.
          Sie müssen sich also nicht die vom BUND und der Böll-Stiftung geschaffene Täuschungs-Lektüre zu Nutze machen, um auf das deutsche System (worauf jedes andere Land stolz wäre) einzudreschen.
          Würden kirchliche Hilfsorganisationen ihre Arbeit in Entwicklungsländern einstellen, bestünden auch dort größere Chancen, eine moderne, ökologische und qualitätsorientierte Landwirtschaft nach westlichem Vorbild zu etablieren.
          Eine funktionierende und leistungsfähige Landwirtschaft ist die Basis eines jeden Wohlstandes – und das nicht nur bei uns. Misereor stört sich an diesem System. Man will bäuerlich-ökologisch, ohne zu definieren, was damit gemeint ist. Effizienz wird als unökologisch betrachtet (Nicht beim Auto, sondern bei der Landwirtschaft/Landwirtschaft muss verschwenderisch sein, um als ökologisch zu gelten)
          Was sich Misereor als bäuerlich-ökologisch in Entwicklungsländern vorstellen mag, kann sich jeder selbst denken – auf jeden Fall ganz sicher nichts, wo sich eine Familie selbst ernähren könnte – geschweige denn noch andere. Wieviel Elend mit jedem Euro an Misereor geschaffen wird, will man sich garnicht vorzustellen versuchen

  15. Ich finde es gut und richtig, dass ein Dialog gesucht wird zwischen konventionell wirtschaftenden Landwirten und kritischen Stimmen aus dem Teilnehmerkreis der „Wir haben es satt“-Bewegung. Allerdings wünschte ich mir einen solchen Dialog auch auf einer anderen Ebene. Eine große Kritik an der Demo ist schließlich die Pauschalisierung und die Vielzahl unterschiedlicher Strömungen. Genau aus diesem Grund hat sich im vergangenen Oktober der Kongress „Wir haben es satt“ zusammengefunden. Dieser sollte Plattform für Austausch und vertieften Dialog sein. Am Ende waren die Gegenbewegungen fast unter sich und es war wieder ein Schmoren im eigenen Saft. Ich denke, mit einem sachlichen Austausch kann wirklich viel erreicht werden.

    Die Demo richtet sich ja auch gar nicht (zumindest bei den meisten Teilnehmern) gegen den tatsächlich wirtschaftenden Landwirten, sondern gegen einSystem, in dem man Zwängen unterliegt und ein mehr an Tierwohl und artgerechter Haltung immer nur schwer realisierbar sind.
    Das Problem liegt auch an Lobbyvertretern, wie dem Bundesverband der Ernährungsindustrie. Wenn ich immer nur den Konsumenten als Argument vorschiebe, verdränge ich doch nur die Diskussion. Man hört und liest es doch oft: „Der Verbraucher will es doch so“. Das zählt für mich nicht als Argument. Natürlich kann man versuchen, einen großen Teil der Verbraucher zu sensibilisieren für einen bewussten Konsum von Nahrungsmitteln. Das ändert doch aber nichts daran, dass die breite Masse weiterhin versucht, Ausgaben gering zu halten und immer zum Billigsten greift. Jetzt ist die Frage, wie wir das Billige besser machen können, wie wir gerechte Löhne in der Landwirtschaft, gute Tierbedingungen und eine nachhaltige Feldbewirtschaftung gewährleisten können. Das sind Fragen, die sich nicht durch den Markt regeln. Es geht hier nicht um ein Rührgerät, dass vielleicht labil gebaut und nach 2 Jahren kaputt ist, man es aber billig gekauft hat. Hier stehen am anderen Ende Lebewesen und da kommen wir in die Frage, was uns diese Wert sind und wir sind direkt bei ethischen Fragen.
    Nun ist also nicht die Frage, wie wir den Preis weiter drücken können, sondern wie wir in einen eigentlich freien Markt regulierend eingreifen können. Ob die Salami nun 1,19 Euro oder 1,29 Euro kostet, ist doch nicht kaufentscheidend. Kommen die 10 ct mehr aber beim Landwirten an, kann er eine ganze Ecke mehr damit leisten. Zweckgebundene Abgaben wären vielleicht was. Ich kenne mich da nicht wirklich aus, aber denke nicht, dass Landwirtschaft bei der Preisgestaltung gleichzustellen mit Automobilbau oder ähnlichem ist. Da muss eigentlich reguliert werden.
    Ich sehe natürlich auch, dass die Bedingungen für Tierhaltung heute besser denn je sind, aber das heißt doch nicht, dass man es nicht besser machen kann. Eines hat sich schließlich auch nicht geändert und das ist die – nicht falsch verstehen – obligatorische Betriebsblindheit. Natürlich habe ich einen anderen Blick auf Tierhaltung, wenn ich von Kindesbeinen an damit groß geworden bin und die schleichenden Verbesserungen mitbekomme. Allerdings muss man auch mal ganz objektiv die Brille eines Außenstehenden aufsetzen und kann dann vielleicht auch nachvollziehen, dass ein Spaltenboden, umrandet von Metallgittern und die typischen Buchten, in denen sich z.B. Schweine kaum drehen, geschweige denn rennen, wühlen oder suhlen können nicht zwangsläufig das Optimum für das Tierwohl sind. Man stelle sich nur mal vor, man selbst hätte sein Leben in einer Gummizelle zu verbringen. Auch wenn man dort die nötigen Nährstoffe und Medikamente erhält und mangels besseren Wissens vielleicht auch nix vermisst, wäre es ethisch sehr fraglich.
    Das sind einfach Dinge, die mehrere 10.000 Leute bei den Demos anprangern – und da sind durchaus auch Landwirte dabei.

    Ich wünsche mir wirklich einen breiteren Dialog. Ein Aufeinanderzugehen und ein Miteinander. Zwischen Verbandsbio und Konventionell gibt es soviele Zwischenebenen. Und da kostet ein Huhn im Laden am Ende vielleicht nicht 2 oder 3, sondern 5 oder 6 Euro. Es muss ja nicht immer das 20-Euro-BioHuhn sein. Es reicht ja schon, wenn es nicht mehr mangels zügigem Knochenwachstum nach vorn überfällt und dadurch die Schlachtreife anzeigt (sinnbildlich…).

      1. WHES lebt von der Sinnbildverzerrung – jeder einzelne tragende oder unterstützende Verband. Auch wenn in diesem Sammelsurium an Randgruppen die ein oder andere gemäßigte Person dabei sein könnte, darf man die Augen nicht davor verschließen, in welche apokalyptische humanitäre Katastrophe es führen würde, wenn ihre Forderungen von allen Industrienationen umgesetzt würden. Es sind alle zur Berechnung notwendigen Faktoren, wie auch das Einkaufsverhalten der Konsumenten bekannt. Auch die Reaktion der Verbraucher auf ein geändertes Sortiment bzw. Preise sind kalkulierbar. Eine Landwirtschaft nach den Vorstellungen dieser Randgruppen würde nicht nur (wie heute schon) qualitativ schlechtere Produkte erzeugen, sondern auch quantitaiv wesentlich weniger. Das Einkaufs- und Ernährungsverhalten der Konsumenten in Industrieländern würde sich nur abgeschwächt und verzögert den neuen Rahmenbedingungen anpassen. Die volle Wucht der globalen Katastrophe würde sich also auf die Entwicklungs- und Schwellenländer durchschlagen. Die Weltbevölkerung würde sich innerhalb kürzester Zeit halbieren. Daran gibt es keinen Zweifel. Jeder seriöse Agrarwissenschaftler wird das bestätigen.

        Wissenschaft und Ideologie verträgt sich nicht. Früher wurden „Hexen“ verbrannt, heute sind es die Bauern. Heute hat die Kirche erkannt, dass Hexenvebrennungen falsch waren, und eines Tages wird sie hoffentlich erkennen, dass das geistige Verbrennen der Bauern auch nicht richtig war.
        Landwirtschaft geht mit der Natur, und diese richtet sich nach Tatsachen, nicht nach ideologischen Wunschvorstellungen. Die heutige Landwirtschaft ist das Ergebnis eines jahrtausende andauernden Lernprozesses. Wir Bauern setzen jede Innovation, im Rahmen kommender Investitionen zügig um. Mensch, Tier und Umwelt profitieren davon. Aber niemand auf dieser Welt kann von der Masse der Bauern verlangen, ihre Arbeit schlechter zu machen, als sie es können, um kein Geld in der Welt. Landwirtschaft denkt in Generationen. Jene Bauern, die ihre Seele dem Mainstream Opfern, werden nie mehr als einen Marktanteil von 5% erreichen. Die immer wieder in den Raum gestellten 20% werden nie, oder zumindest nicht unter menschenwürdigen Umständen zu erreichen sein.
        Weniger als 0,5% der Bauern können sich mit den Thesen der WHES anfreunden. Das ist nichtmal jeder zehnte Biobauer. Wenigstens das sollte der Kirche zu denken geben.

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