Schlachthofblockade in Kellinghusen

Schlachthofblockade in Kellinghusen

Kaum Empörung gegen bauernfeindliche Aktion durch Tierrechtler

„Wir haben es satt“ an der Seite der Tierrechtler?

Heute haben in Kellinghusen Schleswig-Holstein am einzig verbliebenden Schlachthof (relevanter Größe) in Schleswig-Holstein einige wenige Tierrechtler eine Blockadeaktion durchgeführt.

Und das in Zeiten, in denen die Lage auf den Höfen sehr angespannt ist. Coronabedingt können in vielen Schlachthöfen seit Monaten nicht ausreichend Schweine geschlachtet und zerlegt werden. Das führt dazu, dass in vielen Ställen sich die Schweine stauen. In den Medien ist dieser #Schweinestau vielfach beschrieben worden.

Dieser Schweinestau führt dazu, dass es eng wird auf den Betrieben, in den Ställen. Das ist einerseits ein finanzielles Problem für die Betriebe, aber wenn es eng wird auch ein Problem des Tierschutzes, weil die Schweine einfach nicht genug Platz mehr haben.

In diesen Zeiten – sollte man als rational denkender Mensch denken – müssten doch breite gesellschaftliche Teile ein hohes Interesse daran haben, dass sich dieser Schweinestau nicht auch noch verschärft! Aber Nein. Ich vernehme nur die verzweifelten Bauern aus Schleswig-Holstein und ein Video vom Bauernverband im nördlichsten Bundesland:

Video von Sönke Hauschild, BV Schleswig-Holstein

Wo sind die Freunde der Bäuerinnen und Bauern?

Ich frage mich, warum sich hier niemand von den selbsternannten Freunden der Landwirtschaft empört? Ist das eine heimliche Sympathie für diese Aktion, die den Tieren und den Landwirten schadet? Gibt es eine gewisse Schadenfreude, wenn die Bauern verzweifelt sind?

Wo sind die Grünen?
Wo sind die vielen NGOs, die bei „Wir haben es satt“ seit Jahren -nach eigener Auskunft- glauben, FÜR die deutschen Bäuerinnen und Bauern demonstrieren?
Wo sind die Tierschutzvereine, die sich doch für den Tierschutz einsetzen sollten?
Wo ist Greenpeace, die selber schon spektakuläre Aktionen an Großschlachthöfen durchgeführt haben? Gerade Greenpeace könnte hier meiner Meinung nach mäßigend auf die Demonstranten einwirken, doch leider dazu nur Schweigen aus der Campagning-Abteilung.

Bernhard Barkmann bei Twitter: Das will ich hoffen, dass #Greenpeace hier nicht aktiv ist. Ihr wart ja bei einigen Schlachthofbesetzungen dabei, habt vielleicht noch Zugang zu den Aktivisten. Verurteilt doch einfach diese destruktive Aktion! Zeigt, dass ihr wirklich an der Seite der Bauern steht!
Diskussion mit Greenpeace-Campaignerin Stephanie Toewe

Ich bin verärgert und enttäuscht über die riesige Kluft zwischen Reden und Tun.

Die Organisatoren von „Wir haben es satt“ (WHES) haben lange gemeinsame Sache mit diversen Tierrechtsgruppen auf ihren Demos gemacht. Erst als auch aus Kreisen der Ökobauern, die ja selber auf die Nutztierhaltung angewiesen sind und sich auch verunglimpft sahen, Kritik laut wurde, haben die Organisatoren die Tierrechtler ausgeschlossen.

„Wir haben es satt“ sympathisiert mit Tierrechtlern

Ich habe den Eindruck, dass die Sammelbewegung „Wir haben es satt“ sehr schwer damit tut, sich dauerhaft von den Veganern und Tierrechtlern zu distanzieren. Heute jedenfalls hat WHES die Parolen der Aktivisten retweetet. Welcher Bauer sieht eine solche Organisation noch als sein Bündnispartner an?

Wir haben es satt rettetet einen Tweet der Tierrechtler über die Blockadeaktion in Kellinghusen
Retweet von „Wir haben es satt“

Wer gehört zur Sammlungsbewegung „Wir haben es satt“ ?

Die Liste der Organisationen, die – wie ich meine – gegen die moderne Landwirtschaft demonstrieren, ist sehr lang. Neben den üblichen Verdächtigen wie Greenpeace, NABU, BUND und Tierschutzbund sind dort auch die kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen Miesereor und Brot für die Welt vertreten. Ein Umstand, den ich schon sehr lange kritisiere.
Aber auch die vertretenen Organisationen sowie die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft agieren unter dem Dach von WHES gegen die allermeisten Bäuerinnen und Bauern in unserem Land!

Zu den Trägern der Demonstration gehören unter anderem[41]:  Aktion 3. Welt Saar Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft attac Bioland Brot für die Welt Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUNDjugend Campact Demeter Deutscher Naturschutzring Deutscher Tierschutzbund Forum Umwelt & Entwicklung GeN Gen-ethisches Netzwerk GLS Treuhand Zukunftsstiftung Landwirtschaft INKOTA-netzwerk Misereor NABU – Naturschutzbund Deutschland NaturFreunde Deutschlands Naturland – Verband für ökologischen Landbau Oxfam Deutschland Provieh – Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung Slow Food Deutschland Umweltinstitut München WWOOF
Der Trägerkreis von „Wir haben es satt“ am 2. November 2020

Auch interessant:

Bernhard Barkmann

Landwirt und Blogger aus dem Emsland

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6 Comments

  1. Ich glaube, hier muß ich als Verbraucher auch mal mitdiskutieren … oder den ersten Kommentar schreiben, wie es scheint. So viel zur Aufmerksamkeit für dieses Thema 🙁

    1. Der Bauernverband SH ist nach meinem Eindruck sehr einseitig-populistisch und zeigt oft nur eine Seite der Medaille, will Solidarität gewinnen durch Feindbilder. Ich als quasi unprofessioneller Außenstehender kann regelmäßig deren Argumente auf Facebook in Frage stellen und entkräften. Wenn diese beispielsweise den Fleischkonsum damit rechtfertigen, daß dieser seit 2000 ja immer so hoch pro Kopf gewesen wäre, aber vergessen, wie es mal um 1950 rum aussah. Wie toll wäre Digitalisierung, doof, daß Michael Horsch zur Digitalisierung im Ackerbau schon ganz klar was geäußert hat. CRISPR wäre der heilige Gral, aber von Mosanto-Patentklagen gegen Bäuerinnen und Bauern, On-Target- und Off-Target-Fehler (bis zu 40%), Importkonkurrenz und Wechselwirkung mit Agrochemie nichts gehört? Glyphosat wäre ja nicht so schlimm, doof nur, daß man 40 Jahre lang das erbgutschädigende Tallowamin eingesetzt hat. Usw. Das sind Scharfmacher, die Populismus mit dem Feindbild Öko, NGOs etc. machen.

    2. Sie haben es selbst gesagt: Tönnies. Es geht nicht gegen den Bauernstand, es geht gegen die Art der Industrialisierung der Landwirtschaft, gegen immer höher, schneller, weiter. Kann man googlen: Auch können Sie sich nicht über die beschweren, die jetzt nichts sagen, sondern wenn, dann müssen Sie diejenigen kritisieren, die diese Aktion durchgeführt haben. Die übrigens auch mit Platzverweisen etc. die Härte des Gesetzes zu spüren bekommen haben. Es war illegal, dafür haben wir Gesetze. Fertig!

    Zu Tönnies: „In Sichuan wird der erste Betrieb nach europäischem Standard für Schweinefleischprodukte gebaut. Von der Zucht über die Schlachtung bis zur Verarbeitung werden wir eine vollständige Integration in die Lebensmittelgewinnung erreichen,“ sagt Wang Degen, CEO der Dekon Group, nach der Vertragsunterzeichnung. Heißt: Tönnies sourct schon aus und will einen Schlachthof für 6 Millionen Schweine in China aufbauen. Wer ist da wohl eher der Feind der deutschen Schweinehalter?

    3. Verteidigen Sie nicht diejenigen aus Verarbeitung und Handel, wenn diese die Höfe fressen und auf Rendite trimmen. Sonst verteidigen Sie nachher noch die ALDI Erben für das, was die auf den Flächen von Klaus Kliem treiben. Tönnies ist kein Bauer. Und wer da auf dem Tönnies-Hof arbeitet, ist am ehesten noch das, was man weisungsgebundener Landarbeiter nennen könnte.

    4. Sie können die Frage leider auch umdrehen: Wann haben Sie wie die AbL den Hafen in Brake blockiert, wann sind Sie aufgestanden gegen den Strukturwandel (und ich meine nicht die Treckerdemos, da ging es nur darum, am Verbraucher vorbei Druck auf die Politik zu machen für ein weiter so)? Wie solidarisch sind Bäuerinnen und Bauern eigentlich untereinander? DZ-Bank, 100.000 Höfe Prognose. Müßte der BV nicht jeden Zentimeter verteidigen mit allem, was möglich ist?! CDU und FDP fordern Mercosur, LINKE und GRÜNE Weidetierprämie und Maßnahmen gegen Bodenspekulation. Aber … lieber weiter so in den Abgrund als neue Wege zu beschreiten.

    5. Fehlende Transparenz führt zu solchen Bürgeraktionen. Das liegt auch daran, daß die Kontrollen immer weiter reduziert werden, gern so manches verschleiert wird, NGOs finanziell ausgetrocknet werden durch Aberkennung der Gemeinnützigkeit (im Gegensatz zu Bertelsmann und Waffenlobby, ist klar) usw.

    Usw.

    Treten Sie nicht nach unten auf ein paar Aktionisten, von denen ich zuerst hierüber erfahren habe. Denn mich – so als Einwohner von Hude – beschäftigt beispieslweise der Castor-Transport gerade mehr. Oder Corona. Oder eigene ökonomische Fragen. Oder, oder …

    Ich habe nicht den Eindruck, daß der Bauernverband die Interessen aller Bäuerinnen und Bauern vertritt, sondern die der Agrarindustrie um Bayer-Monsanto, Tönnies, KWS Saat, Cargill und Co. Und bei vielen Agrarbloggern beschleicht mich das Gefühl, es wären Schweinehalter, die im Gegensatz zu Rügenwalder den Trend nicht erkannt haben und sich wundern, warum es ihnen jetzt alles um die Ohren fliegt 🙁 Die Fleischpreise waren vorher faktisch schon im Eimer. Wie sagte auch ein Schafhalter jüngst: Er hat mal ausgerechnet, daß er heute denselben Preis bekommt wie vor 30 Jahren … doof nur, daß die Welt teurer geworden ist und die Arbeit schwerer.

    Kämpfen Sie für eine Exit-Strategie wie in den Niederlanden, machen Sie sich die NGOs und Verbraucher zum Verbündeten, seien sie solidarisch untereinander (wie gesagt siehe Klaus Kliem) und lassen Sie sich nicht von Populisten vor den Karren spannen.

    Wenn jemand behauptet, Landwirte verdienten mehr Respekt, soll dieser es nicht den Landwirten sagen sondern denen, die diese Respekt bisher schuldig geblieben sind, den NGOs und Co. Sonst hat’s was von Fishing for Compliments.

    Historisch:
    Die Bauern heute sind wie die Weber damals. Sie werden schleichend entmachtet von Verarbeitern und Handel. Aber Weberaufstand hin oder her, viele Weber gibt es heute nicht mehr …

    Und nein, moderne Landwirtschaft heißt nicht, daß das, was man modern findet, auch nachhaltig ist. Das doch etwas auflagengebundenere Wirtschaften in Deutschland bedeutet beispielsweise, daß unsere Böden noch nicht ganz so weit degradiert sind wie in den USA, obwohl auch hier die Landwirtschaft quasi auf Anabolika läuft und eine Kohlenstoffstrategie erst sehr langsam ins Bewußtsein sickert als nur ein Beispiel.

    Schauen Sie nicht auf die Symptome, sondern auf die Ursachen! Ich kann Ihnen sagen, die paar Hansel dort auf dem Hof sind nicht für das Systemversagen verantwortlich.

    • Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar!
      Ich versuche einmal darauf zu antworten:
      1.) Bauernverband Schleswig-Holstein
      Na klar, über die Facebookseite werden auch schon einmal polemische und provokante Beiträge verbreitet. In der Regel findet dort sehr viel Diskussion statt. Das ist doch zunächst nichts schlechtes. Der Sönke Hauschild (BV SH) toleriert meiner Meinung nach aber auch ganz andere Meinungen und lässt auch viele Gegenpositionen zu.
      2.) gegen Tönnies oder gegen die Bauern?
      Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass die Tierrechtler sich nicht ganz zufällig einen Schlachthof der Tönnies-Gruppe ausgesucht haben. Mit Gegen den Namen Tönnies lässt sich sehr gut Kampagne machen, weil der Clemens Tönnies bundesweit sehr bekannt ist und ein denkbar schlechtes Image hat. Nun werden vor dem Tönnies-Schlachthof Parolen gerufen und der Laden blockiert. Wer darf diese Aktion ausbaden? Richtig, die Landwirte! Die Schweinebauern sind nicht nur finanziell in Bedrängnis wegen des Schweinestaus geraten, sondern haben auch immer mehr mit übervollen Stallungen zu kämpfen. Sie sehen jeden Tag mehr, dass es für die Schweine im Stall eng wird. Das ist eine akute Notsituation. Und in dieser Situation hinein eine Blockade zu veranstalten ist maximal unsensibel wenn mann wirklich sich an die Seite der Landwirte stellen möchte (was ja immer wieder auch so gesagt bzw. behauptet wird). Aber ich habe das Gefühl, dass ganz genau das Gegenteil richtig ist: Viele der Tierrechtler und deren Sympathisanten möchten auch die bösen Massentierhalter treffen und ergötzen sich über die empörten Reaktionen der Bauern.
      Tönnies sehe ich durchaus kritisch. Insgesdamt aber ambivalent, denn ich bin mir bewusst, dass wir gerade in Deutsachland auch eine effektive Schlachtindustrie gebrauchen! (könnte einen ganzen Blogartikel füllen)
      3.) ALDI
      Ich habe keinen Anlass, ALDI und andere industrielle Investoren in Schutz zu nehmen. Der Run auf landwirtschaftliche Flächen von ausserlandwirtschaftlichen Investoren hat viel mit den nicht mehr vorhandenen Zinsen zu tun. Und da ist ein Prozent schon viel…
      4.) Hafenblockade, AbL, Solidarität
      Ich habe den Sinn der Hafenblockade ehrlich gesagt noch nicht ganz verstanden. Auch sehe ich die vielen nationalen Alleingänge nicht als die Lösung an. In einer globalisierten Welt brauchen wir auch den Handel. Bei diesem Handel muss es um die Standards gehen! Und da dürfen die Interessen der Landwirtschaft nicht einseitig zu Gunsten der Industrie geopfert werden. Sozialistische Alleingänge lassen sich populär verkaufen, nur sind wir dann auch nicht mehr weit von einem nationalen Sozialismus entfernt. Und ehrlich gesagt: Davor graut es mir!
      5.) Transparenz, NGOs, Gemeinnütigkeit, DBV, Lobbyismus
      Ich frage mich, wie Tierrechtsgruppen gemeinnütig sein können? Ich halte sie für spendengetrieben und menschenverachtend. Diesen Gruppen würde ich keine Steuervorteile zukommen lassen, wenn ich es zu sagen hätte. Ich toleriere die Meinungsfreiheit und da gehört auch dazu, dass man die Meinung eines anderen aushält. Der DBV ist die größte Bauernvertretung, die wir haben. Mit riesigem Abstand. In so einer großen Organisation kann man immer viel kritisieren. Der DBV ist eine Lobbyorganisation, die sich für alle Bauern einsetzt. Egal ob groß und klein, Ost oder West, Bio oder Konventionell, Vollerwerb oder Nebenerwerb. Da kann man leider nicht immer so pointiert agieren, wie eine NGO, die sich nur um ein kleines Themenfeld dreht und ansonsten keine Kompromisse machen muss in seiner Kommunikation.

      Die Landwirtschaft in Deutschland ist nicht perfekt. Aber sie ist viel besser als vielfach von NGOs kommuniziert wird. Und sie ist in vielen Bereichen in den letzten 25 Jahren (so viel kann ich aus eigener Erfahrung sagen) besser geworden, ohne dass auch nur eine kritische NGO diese Fortschritte je hätte anerkannt. So baut man einfach kein Vertrauen zu den (meisten) Bäuerinnen und Bauern auf!

  2. Lieber Christian, es ist mir ein großes Bedürfnis, Ihnen zu sagen, dass ich selten in Foren wie diesen einen so beeindruckenden, alles sagenden, argumentativ hervorragenden Kommentar gelesen habe. Sie haben meinen größten Respekt (und das sage/schreibe ich höchstselten). Vielen Dank. Eigentlich wollte ich einen ähnlichen Kommentar verfassen aber es ist das Relevante gesagt.

    Anders als oben in dem Bericht erwähnt, waren die Grünen, die in Kellinghusen im Stadtrat sitzen, natürlich vor Ort und haben mit beiden Seiten diskutiert. Als Anwohnerin war ich erschrocken über die offensichtliche Gewaltbereitschaft der dortigen Bauern, die nicht mal aus der direkten Umgebung kamen sondern mit ihren Fahrzeugen aus Nordfriesland, Rendsburg, Heide und Segeberg die umliegenden Straßen zuparkten, nachdem im Internet zur Teilnahme aufgerufen wurde. In diesem Aufruf wurde bereits unterschwellig zu gewalttätigen Aktionen angespornt. Für mich nicht nachvollziehbar war die Anwesenheit des deutschlandweit im negativen Sinne bekannten Schweinezüchters Dirk Andresen dessen Betrieb kürzlich mit unfassbar grausamen Videos und Bildern, die massive Tierquälereien zeigten, im TV präsent war. Leider ist der nicht der Einzige, wie wir alle aus den Medien wissen. Ich verstehe die Bauern im obigen Bericht nicht. Sie wünschen sich Akzeptanz von der Bevölkerung und präsentieren sich mit so einem? Offensichtlich ist dieser Truppe auch entgangen, dass die übrigens sehr friedlich demonstrierenden jungen Menschen auch für die Bauern eintreten, denn ein Argument von ihnen war, den Tierbestand extrem zu minimieren und mit artgerechter Haltung höhere Preise für die Bauern zu erreichen. Denn über eins sind wir uns doch wohl alle einig. Würde man die Kosten für die Schäden, die die Agrarindustrie weltweit verursacht auf den Preis für Billigfleisch aus dem Supermarkt hinzu rechnen, wäre das Qualfleisch teurer als das von einem wirklich artgerecht gehaltenen Tier.

  3. Lieber Herr Barkmann,

    vielleicht ein paar Ergänzungen von einem Teilnehmer der zeitgleich stattfindenden Mahnwache vor Ort.

    Das Bündnis war vor Ort, um auf mehrere Problemlagen aufmerksam zu machen. U.a.:
    – der fehlende Infektionsschutz in Schlachtbetrieben: In der letzten Woche gab es allein fünf größere Corona-Ausbrüche (Grimmen, Boizenburg, Wietze, Vechta, Ulm).
    – die Ausbeutung und die unzureichende Unterbringung der prekär beschäftigten Werkvertragsarbeiter/innen. Das Arbeitsschutzkontrollgesetz, dass eine Abschaffung von Werkvertrags- und Leiharbeit in Großbetrieben vorsieht wurde auf Druck vergangene Woche auf Eis gelegt.
    – die Auswirkungen von Soja-Import, Flächenverbrauch durch Futtermittelanbau, Emissionen durch Tierhaltung auf das Klima
    – die ununterbrochenen Verstöße von Tierschutzauflagen durch Schlachthofbetreiber und Zulieferbetriebe

    Ehrlich gesagt, hört man hierzu von DBV, LSV oder Graswurzel-Initiativen wie Ihrer nichts zu dieser Debatte. Stattdessen wird eher mit Feindbildern hantiert. Gerade die Ausbeutung der meist osteuropäischen Beschäftigten durch die Subunternehmer wäre doch mal eine Kritik wert.

    Zur Gegendemo der Bauern: Ich war mehr als erschrocken über die Anfeindungen ihrer Kollegen vor Ort, Aktivist/innen wurde offen mit Gewalt gedroht. Die Versammlungsbehörde kam auf Teilnehmer/innen der Mahnwache zu und schlug ein Gespräch zwischen ein paar Delegierten vor (was letztlich auch stattfand). Die Begründung für die Initiativen: Dieses sollte die Landwirte beruhigen, damit die Situation bei der Bauerndemo nicht außer Kontrolle geriet. Erkundigen Sie sich gern bei Ihren Kollegen oder dem Ordnungsamt (Versammlungsbehörde) des Kreises oder der Einsatzleitung der Polizei. Hierüber kein Wort in ihrem Beitrag. Vielleicht hängt die Dominanz der Scharfmacher in den Reihen der Bauernproteste auch damit zusammen, dass viel zu viel mit Feindbildern hantiert wird?

    Zum Schweinestau: Ich finde es eine einfache Polemik, dass die Aktivist/innen für den Schweinestau verantwortlich seien. Die aktuelle Situation (Reduzierte Schlachtkapazitäten in den Schlachtbetriebe und fehlende Absatzmärkte durch das Auftreten der ASP in Deutschland) war doch mindestens seit dem Frühjahr (COVID19) bzw, seit Jahren (ASP) absehbar. Was wurde getan? Weiter auf Hochtouren produziert. Sicher, was anderes geht für Landwirt/innen mit Tierhaltung im gegenwärtigen Agrarsystem auch nicht. Wird darüber diskutiert, wie man aus der Misere herauskommt? Nein. Stattdessen höre ich, Greenpeace ist schuld, Nabu ist Schuld, Wir haben es satt ist Schuld, die Aktivist/innen sind Schuld…

    Und zu Guter Letzt, Herr Hausschild hat über Stunden die Blockade gefilmt, wirklich viele Bauernfeindliche Aussagen der Aktivist/innen konnten offenbar nicht festgehalten werden oder wie würden Sie das mantraartige Wiederholen der Aussage der einen Aktivistin werten?

    • Hallo Herr Schubert,
      verstehe ich Sie richtig, dass es in Kellinghusen zwei verschiedene Protestaktionen gab? Eine Mahnwache und eine Blockade?
      Dann frage ich mich, warum Sie nicht auf die Blockierenden eingewirkt haben, die LKWs durchfahren zu lassen?
      Ich kann es nachvollziehen, dass Sie auf unterschiedliche Probleme aufmerksam machen wollten. Auch wenn ich ich die von Ihnen geschilderten Problemlagen anders bewerten würde. Aber das ist Ihr gutes Recht.
      Allerdings geht die Blockade gerade jetzt, in dieser sehr angespannten Zeit viel zu weit, denn damit haben Sie bzw. ihre radikalen Kollegen vielen Bauern und deren Schweine konkret geschadet.
      Aus ihren Kreisen, von vielen NGOs aus dem „Wir haben es satt“-Dunstkreis, höre ich immer wieder, dass Sie sich selber an der Seite der Bauern sehen und gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern eine bessere Zukunft gestalten wollen.
      Und das sehe ich bei Ihnen leider Null Komma Null! Hier hätten Sie ganz konkret und kurzfristig dafür sorgen können, dass die Not auf den Höfen und in den Ställen sich nicht noch weiter zuspitzt!
      Ich finde dieses Verhalten sehr egoistisch und konfrontativ.
      Ich war nicht vor Ort und kann das Verhalten meiner Kollegen nicht bewerten. Beschimpfungen bringen in meinen Augen aber nichts. Aber bedenken Sie, dass Sie bzw. ihre radikalen Kollegen mit dieser gesetzwidrigen Blockadeaktion angefangen haben. Ihre Gruppen waren an einer gesetzwidrigen Aktion beteiligt und die betroffenen Landwirte mussten hilflos mit ansehen, wie die Ordnungshüter hier nicht durchgegriffen haben. Dass hier mit Beschimpfungen reagiert wurde, kann ich persönlich nachvollziehen.
      Und dann zum Schweinestau:
      Sie schreiben:

      „Ich finde es eine einfache Polemik, dass die Aktivist/innen für den Schweinestau verantwortlich seien.“

      Wo soll ich denn das behauptet haben? Die Aktivisten gießen mit dieser Aktion lediglich Öl ins Feuer und sorgen dafür, dass sich die Lage auf den Höfen und in den Ställen noch zuspitzt. Der Schweinestau an sich hat sich über die letzten Wochen und Monate aufgebaut.
      Aus dieser Misere- wie sie sagen- kommen wir Landwirte nur heraus, wenn die Schlachtzahlen wieder erhöht werden. Und hier müssen praktikable Lösungen her, die einerseits die Infektionsgefahr für die Mitarbeiter in den Schlachthöfen im Blick haben und andererseits aber auch nicht die Situation in den Ställen ausblendet. Das sind schwierige Drahtseilakte, die die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik begehen müssen. Sie laden mit ihren Blockaden und Protesten die Lage nur noch weiter auf und verhindern eine gute Lösung im Sinne der großen Mehrheit der deutschen Gesellschaft.
      Das ist nicht gemeinnützig sondern (das Wort verkneife ich mir)!

      „Nein. Stattdessen höre ich, Greenpeace ist schuld, Nabu ist Schuld, Wir haben es satt ist Schuld, die Aktivist/innen sind Schuld…“

      Ich gebe den von Ihnen genannten NGOs nicht DIE SCHULD! Ich werfe diesen Organisationen vor, hier nicht mäßigend eingegriffen zu haben bzw. diese kontraproduktive Blockadeaktion nicht verurteilt zu haben. Dann hätten diese sich nämlich wirklich an die Seite der betroffenen Landwirte gestellt. Das ist leider ausgeblieben- Chance vertan. Leider.

      „Und zu Guter Letzt, Herr Hausschild hat über Stunden die Blockade gefilmt, wirklich viele Bauernfeindliche Aussagen der Aktivist/innen konnten offenbar nicht festgehalten werden oder wie würden Sie das mantraartige Wiederholen der Aussage der einen Aktivistin werten?“

      Ich finde Herr Hauschild hat in seinen Videos gut die Menschenverachtung hinter der Blockadeaktion herausgearbeitet. Sie und ihre Mitstreiter glauben für die gute Sache zu kämpfen, lassen aber die akute Situation der Bauern und Nutztiere außer Acht!
      Wenn Sie ein anderes Video haben, in dem die Tierrechtler emphatische Solidaritätsbekundungen für die betroffenen Landwirte äußern, dürfen Sie dieses hier gerne verlinken.

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