Petition der Emsländischen Landwirte

Hermann Wester Landvolkfoto
Hermann Wester
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Wir Landwirte im Emsland wollen mit der heutigen Kundgebung beim Landkreis Emsland deutlich machen, dass wir vor Ort mit der Bevölkerung und der Politik im Gespräch bleiben oder auch neu ins Gespräch kommen möchten. Außerdem unterstützen wir gleichzeitig die Aktion „Wir machen euch satt!“, die in Berlin im Rahmen der Grünen Woche stattfindet.
Ziel ist es, dass nicht über uns, sondern mit uns geredet wird! Wir suchen den Dialog statt die Konfrontation. Wir fordern einen fairen und sachlichen Umgang mit landwirtschaftlichen Themen. Einer solchen Diskussion stellen wir uns gern.
Es gibt seit Jahren Demonstrationen anlässlich der Grünen Woche in Berlin von unterschiedlichsten Gruppen. Sie formieren sich unter dem Motto „Wir haben es satt.“ Sie richten sich gegen uns Landwirte und insbesondere gegen die Tierhaltung.
Daher suchen wir heute hier vor Ort, aber auch in Berlin, einen neuen Ansatz: Es gibt seit gut einem Jahr eine weitere Aktionsgruppe von Landwirten in Deutschland, die unter dem Motto „Wir machen euch satt!“ auftreten. Unter anderem wird dazu morgen eine Demonstration in Berlin stattfinden. Auch aus dem Emsland werden einige Landwirte heute noch nach Berlin fahren, um sich morgen früh dort anzuschließen. Mit dieser Aktion soll deutlich werden, wofür wir stehen:
Wir stehen für familiengeführte landwirtschaftliche Betriebe, die in der Regel seit Generationen existieren.
Wir stehen für Landwirte, die jeden Tag dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger mit gesunden und wertvollen Lebensmitteln versorgt werden.
Wir stehen nicht für irgendeinen Job, sondern für einen Beruf aus Leidenschaft. Die tägliche Arbeit mit unseren Nutztieren wird mit großer Verantwortung für das Wohlergehen der Tiere geleistet. Und das an 365 Tagen im Jahr.
Wir stehen für eine Landwirtschaft, die wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft ist und eine hohe Bedeutung für den Wohlstand unserer Region hat. Mit einem Jahresumsatz von mehr als 12 Milliarden €uro ist die Landwirtschaft mit ihren traditionellen Tätigkeiten im Ackerbau und der Tierhaltung der zweitstärkste Wirtschaftsfaktor in Niedersachsen. Hier im Landkreis Emsland beträgt die Wertschöpfung in der Urproduktion der Landwirtschaft jährlich ca. 1,5 Milliarden Euro.

Wir möchten die Politik und die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis dazu auffordern, uns direkt zu fragen, was gerade genau auf den Feldern und im Stall passiert. Wir bieten an, dass wir unsere Tore öffnen, damit man sich ein realistisches Bild von der Landwirtschaft hier vor Ort machen kann. Dies können Sie in diesem Jahr unter anderem auch wieder am Tag des offenen Hofes am 12. Juni. Mindestens drei Betriebe im Emsland werden in Zusammenarbeit mit dem Landvolk und dem NDR 1 an der Aktion teilnehmen! Aber auch an anderen Tagen sind wir bereit, unsere Tore auf Nachfrage zu öffnen.
Darüber hinaus versuchen wir immer wieder, Lehrer zu animieren, das vielfältige Thema Landwirtschaft im Schulunterricht einzubauen. Auch laden wir Schulklassen auf die Höfe ein. Warum machen wir das? Wir müssen feststellen, dass landwirtschaftliche Themen oft falsch dargestellt werden. Viele Kinder und auch Lehrer wissen leider gar nicht mehr, wie und wo unsere Lebensmittel produziert werden.
Mit der heutigen Versammlung hier vor dem Kreishaus möchten wir unsere Verbundenheit zur Region ausdrücken und legen Wert darauf, dass wir Teil dieser Gesellschaft sind. Daher freuen wir uns, Herr Landrat Winter, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um unser Anliegen anzuhören!
Wir landwirtschaftliche Familienbetriebe hier im Emsland sind stolz und froh, dass wir uns in den vergangenen Jahrzehnten entwickeln konnten, um unsere Betriebe für die Zukunft und die nächste Generation gut aufzustellen. Dies wird auch weiterhin von Bedeutung sein!
Nicht allen Betrieben wird dies zukünftig gelingen. Dessen sind wir uns bewusst. Der Strukturwandel macht auch in der Landwirtschaft nicht halt. Aber nach wie vor wird die Landwirtschaft hier im Landkreis Emsland ihre hohe Bedeutung behalten. Dies ist auch durch die vielen Unternehmen, die im vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft arbeiten, zu sehen.
Und trotz der derzeit nicht guten Marktsituation im Schweinebereich sowie in der Milchviehhaltung sind wir uns unserer politischen und gesellschaftlichen Verantwortung für die Region bewusst.
Daher möchten wir den heutigen Termin auch als Anlass nehmen, um als Landwirte hier im Emsland die Tafeln in der Region zu unterstützen. Wir sagen hier und heute zu, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten, je nach Bedarf, 1.000 l Milch, 10.000 Eier und 5 Tonnen Speisekartoffeln spenden!
Daher möchte ich Ihnen heute diesen Korb gefüllt mit Milch, Eiern und Kartoffeln symbolisch überreichen!

Hermann Wester, Präsident der Vereinigung des Emsländischen Landvolks

5 Gedanken zu „Petition der Emsländischen Landwirte

  1. Sehr geehrter Herr Wester
    Ich möchte gerne in Erfahrung bringen ,wie hoch das Bruttofamilieneinkommen eines Hofes sein sollte. Also die Menge Geld ,die eine Familie zum Leben benötigt, vergleichbar mit dem Bruttogehalt eines Arbeitnehmers (Konsumenten ).

  2. Steht das emsländische Landvolk für Kostenführerschaft, Markenführerschaft oder die Existenzsicherung eines kleinbäuerlich strukturierten Emslandes?

      1. Auf Veranstaltungen höre ich immer wieder ,daß die deutschen Bauern die Kostenführerschaft auf internationalen Märkten anstreben. Ist das auch der Standpunkt des emsländischen Landvolkes.

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