tweet des Tages – mit @jangrossarth

twitter_jangrossarthHeute stelle ich einen tweet zur Hähnchenmast bzw. zur Öffentlichkeitsarbeit vor. Abgesetzt wurde dieser tweet von Jan Grossarth, Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und stellt eine Antwort auf ein von mir geteiltes Video über die Hähnchenmast von Stefan Teepker (@stefanteepker) dar:

jangrossarth_twitter_teepker
Mit einem Klick auf dem Twitter-Dialog kann man noch weitere Reaktionen und Antworten nachlesen.

Ich habe dieses Video bei Facebook und twitter geteilt, weil ich es sehr informativ fand und dieses auch professionell produziert wurde. Jan Grossarth´s Reaktion war da schon sehr kritisch. Er bemängelte den “Effizienzrausch”.

Es ist immer wieder ein Dilemma, in dem wir Landwirte und speziell Tierhalter stecken: Wir sollen Tier- Natur- und Umweltschutz unter einem Hut bringen und das möglichst günstig. Dabei würde z.B. ein langsameres Wachstum dem Tier ein längeres Leben ermöglichen und auch nicht Höchstleistungen abverlangen, aber es würde dadurch unweigerlich mehr Futter gebraucht und damit mehr Fläche zur Futtergewinnung benötigt werden.

Dieses Video soll zeigen, wie es in unseren Ställen aussieht, wie in der Hähnchenmast gearbeitet wird. Und das macht es ja auch. Die erste kritische Reaktion von Grossarth überraschte mich. Aber das zeigt vielleicht auch, dass wir Landwirte, die sich in die Öffentlichkeit trauen, stets bereit sein müssen, die Bilder auch zu erklären und den Dialog (auch vor Ort) anzubieten.

Das ist Gott sei Dank in diesem Falle geschehen. Beide haben miteinander geredet und wahrscheinlich wird die Kommunikation in einem persönlichen Gespräch wieder aufgenommen, vielleicht sogar auf dem Hof der Teepkers. Da wäre ich dann gerne mit dabei. 😉

  • weitere Informationen und Videos zur Hähnchenmast:  GEFLÜGEL.TV
  • vomlandindenmunddas aktuelle Sachbuch von Jan Grossarth zum Thema Ernährung und Landwirtschaft: “Vom Land in den Mund” ist bei Nagel & Kimche erschienen. Eine Rezension dazu habe ich mir fest vorgenommen und soll demnächst hier im Blog erscheinen.
10 comments Add yours
  1. Für mich hinterlässt der Betrieb einen wunderschönen und aufgeräumten Eindruck. So spiegelt es sich auch im Inneren. Ein durch und durch auf Effizienz und Qualität ausgerichteter Betrieb. Ein Tier wie das Andere. Keine Kümmerer, und keine kranke Tiere. Wer möchte denn, dass sein Grillhähnchen nicht in einem solchen Betrieb heranwachsen hätte dürfen? Oder gar bei einem Hinterhof-Schludri, wie das vergleichbar bei Schweinen zuletzt im Fall Herrmannsdorf publik wurde?
    Was mich in diesem Punkt mehr bewegt, ist die unglaubliche Fehlinterpretation von Jan Grossarth, und wie man darauf reagieren könnte, dass auch der Landwirtschaft völlig entfernte Menschen wieder lernen, einen landwirtschaftlichen Sachverhalt zu verstehen?

    Vielen Dank an Bernhard und Stefan, dass Ihr Euch dieser Aufgabe so annehmt. Nur wenn Journalisten wieder lernen, mit dem Thema schagerecht umzugehen, haben auch die Verbraucher wieder eine Chance, den Sachverhalt aus dem richtigen Bilckwinkel zu betrachten. Es besteht dann die Chance, böswillige Nichtregierungs-Organisationen von verdienten gemeinnützigen Organisationen zu unterscheiden.

  2. Die Reaktion des Journalisten spiegelt auch “gesellschaftliche Erwartung” wider. Wenn nicht einmal ein Wissenschaftsjournalisten die betriebswirtschaftlichen und gesundheitsbedingten Notwendigkeiten hinter dieser Form der Tierhaltung erkennt, können es Verbraucher wahrscheinlich erst recht nicht. Grossarth wirbt in seinem Buch für eine andere, “grüne” Form der Landwirtschaft. Dabei verkennt er, wie viele andere Kritiker der modernen Landwirtschaft auch, dass nicht nur Verbraucher in einem Billiglohnland wie Deutschland Anspruch auf preiswerte und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel haben. Die Form der Landwirtschaft, die ihm vorschwebt, gibt es – in Nischen. Jeder Landwirt bedient diese Nischen gerne, wenn man ihm die Produkte angemessen entlohnt. Das ist Markt!

  3. Hallo Herr Teepker,
    sehr mutig von Ihnen, so an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich betreibe freie alternative Landwirtschaft und ein ökologisches Inselprojekt etwa 30 km von Ihnen entfernt. Selten habe ich einen derartig durchorganisierten und auf konventionelle Effizienz in Bezug auf qualitative und quantitative Erlöse getrimmten Betrieb gesehen. Nun zunächst eine Frage: Auf Facebook wurden Sie am 18 Januar gefragt, was eine Halbierung der Hähnchenproduktion kosten würde. Nach Ihrer Einschätzung ca 30- 35 % mehr Kosten. Wären Sie bereit, Ihren Betrieb (Hähnchenmast) zu halbieren, wenn Sie ca. 70 – 80 Cent pro Hähnchen zusätzlich erlösen? Das bedeutet 50 % weniger Tiere, Emissionen und Dünger bei gleicher Fläche (landw. Nutzfläche und Stallgröße). Ist das so richtig?

    1. Hallo Herr Meyer, das ist so richtig. Bei gleichbleibenden Marktbedingungen, (gleiche Wettbewerbssituation, gleiche Erlöse, gleiche Kosten) und einer Verdoppelung des Platzangebotes für unsere Hähnchen müssten wir um das gleiche wirtschaftliche Ergebnis zu erzielen 70-80 cent Mehrerlös pro Tier erzielen. Wenn das möglich ist mache ich das sehr gerne. Möchte aber ergänzen das es immer um die Situation geht und nicht alleinig um den Mehrerlös. Wirtschaftlich muss es passen. Aber das verstehen Sie ja. Kenne ihr Projekt und finde es sehr spannend ! Wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

      1. Danke für die Antwort,
        ich habe das so verstanden ,daß Ihnen die Mengenproduktion wichtiger ist ,wie eine Reduzierung der Ertragsfaktoren bei gleichbleibenden Gewinn. Sehe ich das richtig?
        Zum Projekt : Es gibt mehrer Projekte auf unserem Hof. Das was Sie wahrscheinlich ansprechen, gehört zu einem unabhängigen gemeinnützigen Verein. Ich verfolge eigene Projekte.

        1. Nein, die Menge ist mir nicht wichtig.
          Letztlich bin ich Unternehmer und möchte Geld verdienen um die getätigten Investitionen zurückzahlen zu können. Außerdem tragen wir neben der Verantwortung für unsere Tiere auch die Verantwortung für unsere Mitarbeiter und deren Familie (Löhne).
          Daneben halte ich es auch für wichtig Geld für Neu- und Weiterentwicklung einzuplanen. (Zum Beispiel Versuchsstall)
          Menge spielt keine Rolle.

          1. Bei 70 – 80 cent mehr ( Übrigens eine ungewöhnlich hohe Rendite ) fahren sie komplett z. B. die Faktoren Düngung und Stallauslastung auf 50 % herunter bei gleicher Fläche und Stallgröße. Das bedeutet zwangsläufig sinkende Erträge auf dem Acker (50 % reduzierte Düngung )
            Eine letzte Frage: Bezeichnen Sie sich noch als bäuerlicher Familienbetrieb ? Wir müssen nicht die Definition klären, nur so zum persönlichen Selbstverständnis.

          2. Herr Teepker, warum sagen Sie nicht konkret, was Sie tun werden ,wenn der Verbraucher Ihnen 80 cent pro Tier mehr zahlt. Bisher habe ich nur Allgemeinplätze gelesen .

  4. Zu diesem Thema kann ich nur die Artikel der letzten Tage in der FAZ von Jan Grossarth empfehlen, die sich generell mit den doch gewaltigen Strukturänderungen in der Landwirtschaft und vor allem in der Änderung der öffentlichen Wahrnehmung der Landwirtschaft befassen.
    Einfache Lösungen habe ich nicht; mein Wunsch ist nur eine sachliche, mit Fakten angereicherte Debatte um die weiteren Strukturentwicklungen einigermaßen verträglich für die Natur, die Landwirte, die Verbraucher usw. gestalten zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert