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Gülledialog

Gestern machte ein Smartphone-Video über WhattsApp-Gruppen die Runde. Zunächst ausschließlich in landwirtschaftlichen Gruppen geteilt, verließ dieses Video spätestens seit dem Bericht in der NOZ die landwirtschaftliche Blase. Es wurde viral.
Gegen Abend nahm auch die WELT den in diesem Video gefilmten Streit auf und schmückte die Story noch etwas auf- allerdings ohne mit dem Landwirt und Filmer der Szene auch nur ein Wort zu sprechen.

Zeitungsberichte zum Handyvideo sind Beispiele  für guten und schlechten Journalismus

Während der Artikel von Dirk Fisser (NOZ) gelungen ist, ist die WELT-Version von Antje Hildebrandt ein Beispiel für nicht so gut gelungenen Journalismus. Hier stand die Sensation und die Klicks wohl im Vordergrund.

Zurück zum Video: Ich frage mich, wer dieser Spaziergängerin diese wilde Aneinanderreihung von Falschinformationen ins Ohr gesetzt hat? Waren es Tierrechtsorganisationen? Naturschutzverbände? Grüne Politiker? Die Kakophonie aller Vorgenannten? Gülledialog weiterlesen

Wir brauchen die Andienpflicht

Was ist los beim Bundeskartellamt?

Die UNESCO hat die „Idee und Praxis der Genossenschaft“ auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen, da droht diesem Geschäftsmodell ein “Unwetter“ in Form des Sachstandberichts zu genossenschaftlichen Milchlieferbedingungen durch das Bundeskartellamt.
Amos Venema, (c) Ceres Award

Dieses Amt hat offenbar die Bedeutung und den Inhalt einer Genossenschaft gar nicht verstanden. Durch seine Thesen zum Milchmarkt verunsichert das Kartellamt den Markt und schwächt die Position der Landwirte gegenüber dem Einzelhandel.

Die Stellungnahmen zum Milchmarkt und deren Genossenschaftsmolkereien stellen bewährte Grundprinzipien in Frage, die es in der Vergangenheit für viele, insbesondere kleine, landwirtschaftliche Betriebe erst möglich gemacht haben, am Markt teilzuhaben. Ihre Produkte gemeinsam in Genossenschaften zu vermarkten und so zu einem funktionierenden Wettbewerb beizutragen oder diesen erst möglich gemacht haben, waren und sind der Hauptantrieb der Landwirte für den Zusammenschluss in einer Genossenschaft. Gut 70 % der Milch in Deutschland wird deshalb auch von Genossenschaften erfasst und vermarktet.

Jedes Mitglied ist Milchlieferant und Unternehmer in seiner Genossenschaft. Andienpflicht und Abnahmeverpflichtung bei genossenschaftlichen Molkereien sind beide im Interesse der Eigentümer der Genossenschaft, nämlich den Landwirten.
Man stelle sich einmal vor: Weihnachten, Ostern, Neujahr ……. wird die Milch nicht abgeholt, weil in den Läden kein Absatz vorhanden ist. Im Frühjahr zur Weidezeit ist besonders viel Milch am Markt und die Molkerei holt nur die Hälfte ab, weil gerade keine genügenden Kontrakte für Käse und Joghurt vereinbart werden. Oder die Molkerei hat einen Werksausfall auf Grund von technischen Problemen und holt die Milch nicht ab.

Alle diese Szenarien sind einigen unserer Milchbauern nicht gänzlich unbekannt. Mitglieder der BDM Liefergemeinschaften waren vor ein paar Jahren sehr froh, wieder Mitglieder in einer Genossenschaft zu werden und von der Andienpflicht bzw. Abnahmepflicht zu profitieren.

Wenn die Grundprinzipien dieser genossenschaftlichen Kultur in Frage gestellt werden, müssen einige Fragen erlaubt sein:

  • Was ist mit all den Tankstellenpächtern, die von ihren Verpächtern genau vorgegeben bekommen von wem, wieviel und zu welchem Preis sie ihre Waren im Shop und an der Tankstelle verkaufen müssen?
  • Was ist mit all den Fastfood – Ketten, die sehr genaue und strikte Vorgaben machen?
  • Was ist mit den Wohnungsbaugesellschaften und ihren Vorgaben?
  • Was ist mit sämtlichen Einzelhandelsläden, die von ihren Lieferanten und Warengenossenschaften klare Vorgaben bis hin zur Plakatierung bekommen?
  • Was ist mit all den Autohäusern, die von ihren Marken klare Bestimmungen einhalten müssen bei der Vermarktung ihrer Autos?

Der Verdacht, dass es sich bei der Veröffentlichung des Sachstandberichtes zum Milchmarkt am Beispiel der DMK nur um eine politisch motivierte Meinungsbeeinflussung und nicht um eine sachliche Diskussion handelt, wird immer deutlicher und klarer. Es soll offenbar gezielt politischer Einfluss geltend gemacht werden. Ich hoffe sehr, dass die Politik sich ihrer Verantwortung bewusst ist und nicht die genossenschaftlichen Strukturen zerschlägt und genau damit die Existenzgrundlage der Milchbauern gefährdet!

Ich bin froh, dass wir Mitglied einer Molkereigenossenschaft sind und uns darauf verlassen können, dass unsere Milch immer abgeholt wird und wir dementsprechend unser Milchgeld bekommen. Für die Milchpreisfindung ist die Genossenschaft mit seinen gelebten Beziehungen zu seinen Mitgliedern ein Garant für ein ordentliches Milchgeld an die Bauern. Private Unternehmen mit zum Teil „losen“ Lieferbeziehungen zahlen im Gegensatz nur so viel, wie sie müssen, um keine Milch an die Genossenschaften zu verlieren. Sie wollen und sollen in erster Linie Gewinne für ihre Anteilseigner erzielen und nicht ein hohes Milchgeld für die Landwirte!

Bevor das Kartellamt in blinden Aktionismus verfällt, sollte dieser Gedanke erst zu Ende gedacht werden!

Ich bin ein „Genosse“ –
und das ist auch gut so!

Hey, Tierrechtler

Überall in den sozialen Medien posten Milchliebhaber im Moment Fotos mit ihrem Lieblingsgetränk. Motto: „Wir lassen uns die Milch nicht vermiesen!“ (#TrinkMilchUndStehDazu) Wie nicht anders zu erwarten, gibt’s dafür von den Tierrechtlern wüste Beschimpfungen. Für Milch stürben schließlich Kälber, heißt es. Wir hätten dazu eine Anmerkung (darf sehr gerne geteilt werden): (c) agrarmanager

 

Paukenschlag durch Umweltbundesamt

Das UBA hat zugeschlagen und beginnt das Jahr mit einem Paukenschlag

Das UBA prangert scheinbar klimaschädliche Subventionen an und fordert u.a. eine Mehrwertsteuererhöhung für Milch und Fleischprodukte (Link)

Dazu folgende Anmerkungen:
Anders als im Bericht suggeriert, gibt es keine prinzipielle Entlastung bei der Stromsteuer für Land- und forstwirtschaftliche Betriebe, das geht erst ab 50 MWh.- also bei den allerwenigsten. Was gemeint war, ist vermutlich die Entlastung bei Agrardiesel. Diese ist aber vom Gesetzgeber ausdrücklich als Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU vorgesehen und stellt somit keine Subvention dar, die zu hinterfragen wäre. Die Mineralölsteuer war ursprünglich als zweckgebundene Steuer für den Bau und Unterhalt der Straßen gedacht. Landwirtschaftliche Traktoren und Arbeitsmaschinen fahren aber zu 90% auf dem Feld. Trotzdem werden weniger als 50% der Steuer erlassen.
Wieso man in diesem Zusammenhang die vollständige Steuerbefreiung für Flugbenzin nicht erwähnt, bleibt ein Rätsel.

Am Schluss der UBA-Presseinformation wird eine Mehrwertsteuererhöhung für Fleisch und Milch gefordert und die 5,2 Mrd. Euro Unterschied zwischen 7% und 19% werden als „umweltschädliche Subvention“ bezeichnet. Das ist eine hanebüchene Sichtweise.

Dem UBA müsste gesagt werden:

  1. Die Produktion tierischer Produkte ist nicht automatisch umweltschädlich. Im Gegenteil. Sie kann sogar umweltfreundlich sein (Nutzung von Grünland, Erhaltung der Kulturlandschaft, Verwertung von für den Menschen nicht nutzbaren Nebenprodukten, Verwertung von witterungsbedingt nicht mehr als Lebensmittel tauglichen Getreide- und Gemüsepartien, Verfütterung von Lebensmittelresten, Gewinnung von wertvollem Dünger).
  2. Der ermäßigte Steuersatz für Lebensmittel ist KEINE Subvention. Dazu zitiere ich aus dem Lexikon:

„Eine Subvention (von lat. subvenire = „zu Hilfe kommen“) ist eine Leistung aus öffentlichen Mitteln an Betriebe oder Unternehmen. Subventionen sind wirtschaftspolitische Eingriffe in das Marktgeschehen, mit denen ein bestimmtes Verhalten der Marktteilnehmer gefördert werden soll.“

Diese Definition trifft auf einen ermäßigten Steuersatz für Lebensmittel zugunsten der Verbraucher mit Sicherheit nicht zu. Selbst der Begriff „Steuersubvention“ passt nicht. Denn diese ist SO definiert:

„Steuersubventionen oder Steuervergünstigungen sind Ausnahmen im Umfang einer Steuer oder in der Steuerpflicht, deren Grund nicht in der Steuersystematik liegt.“

Der ermäßigte Steuersatz für Lebensmittel IST Teil unserer Steuersystematik!

Weiter:

„Eine Steuersubvention ist eine staatliche Vergünstigung
Empfänger sind ein oder mehrere Steuerpflichtige
Der gewährte Vorteil besteht in einer Verschonung von einer eigentlich zu tragenden Abgabenlast. Die Verschonung stellt also eine Ausnahme von einer Regel dar. Die Regel ergibt sich aus der gleichen Behandlung der im Sinne eines Vergleichsmaßstabes gleichen Sachverhalte oder Objekte.“

Tierische und pflanzliche Lebensmittel SIND im Vergleichsmaßstab gleiche Sachverhalte und Objekte. Der Charakter einer Subvention würde also erst erreicht, wenn nur noch pflanzliche Lebensmittel den ermäßigten Steuersatz hätten. Und zwar wären dann DIESE subventioniert.

Kommen wir zum eigentlichen Bemerkenswerten an dieser Verlautbarung des UBA: Diese Beamten prangern insgesamt 57 Milliarden Euro umweltschädlicher Subventionen an. Davon macht der fälschlicherweise als Subvention bezeichnete ermäßigte Steuersatz für Fleisch/Milch/Eier lediglich lächerliche 9,1% aus. Trotzdem ist NUR er den Medien in der Berichterstattung über die Presseinformation eine Erwähnung wert. Alle überschlagen sich im Anprangern tierischer Produkte.Und auf den von ihnen angebotenen Diskussionsplattformen haben sich Menschen eingefunden, die in gehässigster Art und Weise die Landwirte und Fleischwirtschaft verunglimpfen.

Was die Medien zu ihrer selektiven Berichterstattung veranlasst, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

Ein Fähre Milch

Auf Facebook und WhatsApp ist mir jetzt zum wiederholten Mal folgendes Bild über den Weg gelaufen:

Dieses Bild veralbert die Idee der "fairen Milch"
Dieses Bild veralbert die Idee der „fairen Milch“ Quelle: –> Netzfund

Bisher hat das Modell der „fairen Milch“ nicht großflächig funktioniert.

Was glaubt ihr? Hat sogenannte „faire Milch„, die dem Erzeuger einen Mindestpreis garantieren soll, eine Chance, die Nische zu verlassen?

Würdet ihr eine „faire Milch“ kaufen oder vermutet ihr da einen Marketing-Gag dahinter?

Milchpreis-Petition: Bitte unterzeichnen!

Wir schnacken nicht, wir packen’s an – und haben eine Petition erstellt gegen die Milchpreiskrise.

Wir rufen alle Landwirte und Verbraucher auf, diese Petition zu unterzeichnen. Damit machen wir alle deutlich, dass der Preiskampf auf dem Rücken der Landwirte nicht „in unseren Namen“ passiert. Bitte alle die Petition unterschreiben und teilen:
(bitte auf dem Bild klicken)

milchpreispetition

 

Wer am lautesten schreit…

… hat nicht automatisch Recht.

von Anita Lucassen

Anita_Lucassen
Anita Lucassen

Derzeit fallen einzelne landwirtschaftliche Gruppierungen außerhalb des Bauernverbandes durch besonders lautstarkes Verhalten auf. Dadurch werden ihre Forderungen und Meinungen auch gerne und oft in den Medien berücksichtigt – wer auffällt, kommt auf’s Bild.

Dass jedoch ein Großteil der Landwirte nicht mit den Gruppierungen sympathisiert, sondern sogar ihr Verhalten und ihre Meinungen ablehnt, interessiert diese Gruppierungen nicht. Sie halten ihre militanten Aktionen selbst dann für richtig, wenn der Applaus dafür kaum vorhanden ist.

Vielmehr müssen die Landwirte, die sich offen gegen diese Gruppierungen aussprechen, davor fürchten, dass sich das aggressive Verhalten auch gegen sie und ihre Familie wendet. Wer am lautesten schreit… weiterlesen

Landwirte sind Unternehmer?

Unternehmer sind Inhaber von Firmen, die im Rahmen der ihnen vorgegeben Möglichkeiten ihr Eigenkapital vermehren und eine hohe Rendite erzielen wollen.

Amos venema (c) http://www.ceresaward.de/amos-venema
Amos venema
(c) http://www.ceresaward.de/amos-venema

Beim Ausbleiben der Entlohnung der Arbeit und des Kapitals verkauft oder schließt der Unternehmer seine Firma, weil dies sein Gewinnstreben erfordert. Die Bindung zur Firma wird über seinen Vermögenszuwachs formuliert. Ein Unternehmer wechselt oftmals die Geschäftsfelder und passt sich schnell den Gegebenheiten des Marktes an.
Diese Beschreibung oder Definition könnte in jedem besseren Lehrbuch für VWL oder BWL stehen.

Dieses Unternehmerbild wird auch gerne von den NGO´s wie PéTA, Germanwatch, Nabu oder BUND benutzt, um die Landwirte in ein schlechtes Licht zu rücken und zu diffamieren. In diesem Zusammenhang fallen immer wieder die Schlagworte wie:

  • Massentierhaltung
  • Umweltverschmutzung
  • Naturschänder
  • Tierquäler
  • Ausbeuter der Tiere
  • Überdüngung
  • Profitgier
  • Antibiotikamissbrauch etc…….

NEIN – DAS SIND WIR NICHT!

Landwirte sind Unternehmer? weiterlesen

Fundstück aus Nordamerika

Über das amerikanische Blog AgWired bin ich auf ein witziges und gut gemachtes YouTube-Video gestoßen.

Selbstironischer Titel: „From Sussex and i know it!“ von ein paar jungen Milchbauern aus Sussex (Kanada), einem Städtchen das im Volksmund Cow Town bzw. Diary Town genannt wird (s. Wikipedia).

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