Vegane rote Grütze

Ein schnelles Foto- große Diskussionen

Einige meiner Leser haben es vielleicht mitbekommen: Ich habe am Sonntag Mittag ein Glas „Rote Grütze“ fotografiert und auf Facebook, Instagram und Twitter geteilt.

Ein Glas mit roter Grütze- vegan

Dazu habe ich folgenden Text geschrieben:

„Mir vergeht ehrlich gesagt etwas der Appetit, wenn ich dieses dämliche -Label sehe. Ist dieses Logo wirklich verkaufsfördernd? Ist das Image von veganen Produkten wirklich gut?“

sehr viele unfreundliche Reaktionen

Also gut, ich erhielt sehr viele Reaktionen. Da habe ich überhaupt nicht mit gerechnet und habe erst abends im Stall überhaupt davon etwas mitbekommen. Eine Landwirtin hat mir mitgeteilt, dass sie ihren Kommentar wieder gelöscht habe, weil sie keine Lust auf Diskussionen und Unfreundlichkeiten von Veganern habe. Das nehme ich ihr nicht übel- im Gegenteil, ich möchte mich entschuldigen, dass ich einige in diese vertrackte Diskussion geschleust habe.

Ich wollte nicht provozieren

Ich wollte mit diesem Posting nicht provozieren, ich wollte nur meinen Unmut über dieses Label ausdrücken.

Und das ist eben das Problem mit diesem sehr kurz geratenem Beitrag- er erklärte nicht, warum ich diese Position einnehme. Mir geht es nicht um die Disqualifizierung von Vegetariern bzw. Veganern. Ich erkenne an, dass dieses Label -aus welchem Grund auch immer- für viele eine Hilfe ist bei ihrer Kaufentscheidung ist. Da möchte ich niemanden reinreden.

Was spricht denn gegen das Vegan-Label?

Ich versuche es hier mal kurz und knackig erläutern:

1. das Vegan-Label unterstützt die Tierrechts-Ideologie

  • Das auffällig-gelbe „Vegan“-Logo wird von der NGO ProVeg vergeben. Die Hersteller von scheinbar veganen Erzeugnissen müssen natürlich die vorgegebenen Standards erfüllen, damit sie gegen ein Salär dieses Label verwenden dürfen.
    In wieweit diese Produkte nun wirklich ohne Tier auskommen, möchte ich gar nicht diskutieren, dazu empfehle ich aber einfach diese Lektüre hier im Blog: Gülle ist Lebenselixier  und Der Veganismus des Bernd Ulrich
  • ProVeg (lange bekannt als VEBU) ist eine Organisation, die sich für einen „pflanzlichen Lebensstil“ einsetzt. Dabei sind sie lange nicht so radikal wie PeTA, aber setzten sich gegen die „Nutztierhaltung“ ein- inclusive Imkerei und sportlicher Betätigung mit Tieren. Somit wären auch alle  Reiter von dieser Tierrechts-Ideologie betroffen. (Link)

2. das vegan-Label suggeriert eine viel zu hohe Akzeptanz von „veganen“ Lebensmitteln

Die von mir sehr geschätzte Brigitta Blume hat es bei Facebook sehr anschaulich beschrieben, wie verlogen dieses Label eigentlich ist:

Es werden ja nicht „vegan gelabelte Produkte mehr gekauft“, sondern an üblichen, gut im Geschäft stehenden Produkten wird das Vegan-Label irreführend angebracht!

Beispiel: Ich kaufe regelmäßig Chips, jemand anderer kauft regelmäßig Wasser, oder eben Rote Grütze. 
Jetzt kommt die Veganerie, und verkauft den Firmen das Vegan-Label. Die Produkte werden weiterhin gekauft, und SCHWUPPS, steigt in der Statistik der Absatz veganer Produkte enorm, und diese vermeintliche Zunahme wird dann von den entsprechenden Lobbyisten medial ausgeschlachtet.

In der Realität hat sich aber gar nichts geändert, weder gibt es deshalb mehr veganen Anbau (denn die eigentliche Produktion auf dem Betrieb, zB mit Gülle, wird ja gar nicht kontrolliert), noch gibt es mehr Veganer als Kunden (denn die Produkte werden ja eben nicht des Labels wegen gekauft).

So macht man Meinung und beeinflusst Medien und Politik mit Beschiss.

Und deshalb kaufe ich, wie viele andere inzwischen auch, solche Produkte wenn immer möglich eben gerade nicht mehr, ich bin nämlich kein Veganer und möchte nicht dazu gezwungen werden, mit Wasser, Chips oder roter Grütze DEREN Marketing, das MIR schadet (Tierhalter)zu unterstützen.

Finanzielle und ideelle Unterstützung von ProVeg

Letztlich ist es also so, dass die Käufer von vegan-gelabelten Produkten einerseits die Tierrechts-Ideologien einer vornehmlich „pro-pflanzlichen“ Nicht-Regierungsorganisation finanziell und auch noch ideell unterstützen.

Und dagegen sollten eigentlich alle Landwirte sein, denn sie wissen, dass eine Landwirtschaft ohne (Nutz-)Tierhaltung kaum nachhaltig sein kann.

Deshalb mein launischer Post am einem Sonntag Mittag.

Vegan-Label im Sinne der Verbraucher?

Landwirte sollten kein Interesse an einem solchen Label haben, aber wie stehts um die Verbraucher?

Wissen die Ottonormalverbraucher was sie mit diesem Label kaufen? Unterstützen Sie tatsächlich die Positionen des ProVEG? Ich glaube nicht.

Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn die oben dargestellte „rote Grütze“ mit dem Hinweis „ohne Gelatine“ oder „eignet sich für die vegetarische bzw. vegane Ernährung“ auf dem Etikett gedruckt wird.
Ja- das gelbe Vegan-Logo ist auffällig und ist für viele eine hilfreiche Entscheidungshilfe. Das erkenne ich durchaus an. Das Label ist aber auch ein (aus Sicht von ProVeg) ein hervorragendes Marketinginstrument für die – in letzter Konsequenz – Tierrechts-Ideologie.

Diese Ideologie teile ich gar nicht und ich glaube, dass auch die allermeisten Verbraucher dafür nicht stimmen würden.

Wie wäre es mit einem neutralem Veggie-Siegel?

Deshalb würde ich vorschlagen, dass ein anderes Label her muss! Vielleicht können ja Öko-Test, Stiftung Warentest oder vielleicht Foodwatch über ein neutrales Veggie-Siegel wachen?

4 Gedanken zu „Vegane rote Grütze

  1. Vegane Rote Grütze. Nicht ganz ungefährlich. Wer sagt es ProVeg? 😉

    Der Hecht

    Ein Hecht, vom heiligen Anton
    bekehrt, beschloß samt Frau und Sohn,
    am vegetarischen Gedanken
    moralisch sich emporzuranken.

    Er aß seit jenem nur noch dies:
    Seegras, Seerose und Seegrieß.
    Doch Grieß, Gras, Rose floß, o Graus,
    entsetzlich wieder hinten aus.

    Der ganze Teich ward angesteckt.
    Fünfhundert Fische sind verreckt.
    Doch Sankt Anton, gerufen eilig,
    sprach nichts als: „Heilig! heilig! heilig!“

    Christian Morgenstern (1871 – 1914)

    1. Selbstgerechtigkeit gibt es nicht nur unter Veganern. Veganer sind durchaus wegen Veganern z.B. aus der (rechten) Eso-Ecke genervt, man beschäftigt sich kritisch mit ihnen, in diversen Foren, oder Vorträgen, z.B. der „inkonsequent vegan lebenden“ Historikerin Mira Landwehr: Tierliebe und Menschenhass,

      30.11.2018, 19 Uhr in Oberhausen.

      Weitere Infos: https://www.google.de/amp/s/aufdemnachttisch.wordpress.com/2018/09/13/vortragsreise-tierliebe-und-menschenhass/amp/ .

      Ich bin dabei. Sie auch? Für das leibliche Wohl ist gesorgt, selbstredend vegan. Wär doch mal interessant. Kenne den „Feind“, lerne einige persönlich kennen.

  2. Es wäre vor allem langsam mal an der Zeit, das Label VOLLVEGAN zu gestalten! Die wenigsten Veganer wissen, dass die Produktion in der Landwirtschaft, zb mit Gülle und Mist (siehe Bio) oder von Tierhaltenden Betrieben gar nicht kontolliert wird.
    So kann es dann ohne weiteres sein, dass ein von den üblichen Verdächtigen als Massentierhalter beschimpfter Landwirt seinen Anklägern auch noch den angeblich veganen Seitan liefert.

    Finde ich unmöglich.

    1. Sind ja nicht alle so schlau wie Sie.

      YEAH! Jetzt habe ich einen Namen für meinen rein veganen Kartoffelschnaps.

      Wolln Se auch einen? Dann sind Se nicht nehr so. 😉 Frau Annelies?

      Hier…

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