Moinsen!

Bernhard Barkmann hat mich eingeladen, als Redakteurin in seinem BlogAgrar aktiv zu werden. Über dieses Vertrauen habe ich mich sehr gefreut –
vielen Dank, Bernhard!

Rotes Quadrat. Malerischer Realismus einer Bäuerin in zwei Dimensionen, 1915. Kasimir Malewitsch

Zu meiner Person: Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe dort kräftig mitgearbeitet. Viel Spaß hat mir das seinerzeit nicht gemacht, wenn ich ehrlich sein soll. Dementsprechend sieht meine Ausbildung aus: Ich bin Fremdsprachenkorrespondentin für Russisch und Französisch und habe an der FU Berlin was mit Medien und Osteuropa studiert. Eine Zeitlang habe ich im europäischen Ausland gelebt, mehrere Jahre in Franken und ziemlich viele Jahre in Berlin.

Zur Landwirtschaft zurückgefunden habe ich an der Uni über meine Arbeiten zur Privatisierung landwirtschaftlicher Nutzflächen in Rumänien und Russland. Darüber hinaus bin ich seit zehn Jahren als Online Redakteurin in einem der Landwirtschaft vorgelagerten Familienunternehmen tätig. Vom Landei zur Großstadtpflanze zum Landei. Ich wundere mich immer noch, wie das alles so kommen konnte.

Facebook ist schuld! 😉

Warum ich jetzt über landwirtschaftliche Themen blogge, ist leicht erklärt: Vor etwa drei Jahren habe ich bei Facebook angefangen, mich mit anderen, mir wildfremden  Menschen über die Nutztierhaltung bzw. konventionelle Landwirtschaft auszutauschen. Auslöser war, dass ich als Kind vom Hof und aufgrund von Erfahrungen, die ich in meinem Job gesammelt habe, feststellen musste, wie viel Unfug in der bundesdeutschen Berichterstattung über die Landwirtschaft kursiert. In Kombination mit meiner studienbedingten Sensibilisierung für das gedruckte Wort habe ich begonnen, Dinge klarzustellen.

Na ja, sagen wir mal so: Ich versuche es.  Man stellt nämlich schnell fest, dass 80 Mio. Deutsche an der Google-Universität studiert haben. Und die können einfach nicht irren. Natürlich ist das überspitzt formuliert, aber im Kern ein weit verbreitetes Phänomen, auch jenseits landwirtschaftlicher Themen. Mir hat mein Hintergrund geholfen, diese Falle zu weiträumig zu umgehen. Ich brauche nur mal eine halbe Stunde meinem Vater zuhören, wenn er etwas Fachspezifisches zum Besten gibt, und dann weiß ich, dass ich – leider – viel zu wenig über die Landwirtschaft weiß. Es ist eine ungemein komplexe Materie, so wie beispielsweise die Medizin, die Physiotherapie und der Maschinenbau. Allerdings hat sich das noch nicht rumgesprochen. Im Gegenteil. Das Motto der Gesellschaft scheint zu sein: Ich google und esse, also weiß ich.

Kurz nachdem ich begonnen hatte, mich bei Facebook intensiver mit wildfremden Menschen auszutauschen, habe ich aus privater Rücksichtnahme meinen Nachnamen durch meinen zweiten Vornamen ausgetauscht. Der Schritt ist mir seinerzeit schwer gefallen. Wer es allerdings hierzulande wagt, sich pro konventionelle Landwirtschaft bzw. Nutztierhaltung zu äußern, lernt in einem halben Jahr Fatzebook mehr unangenehme Gesellen kennen als in seinem ganzen Leben zuvor….

13 Gedanken zu „Moinsen!

  1. Ich freue mich auf kompetente und formal ansprechende Beiträge von Ihnen.

    Sowohl bei Veganern als auch bei (konventionell wirtschaftenden) Bauern fällt mir oft ein apodiktischer Habitus auf. Blinde Flecken werden nicht erkannt, weil man sich in der Echokammer Gleichgesinnter eingerichtet hat. Ich erlaube mir einfach mal, darauf hinzuweisen, was mir bereits an Ihrem Beitrag aufgefallen ist:

    „Mir hat mein Hintergrund geholfen, diese Falle zu weiträumig zu umgehen.“

    Sie wissen nun, was ich damit meine. Es gibt Menschen, die ihre Fehlerquote gut einschätzen können, und solche, denen das gar nicht gelingt. Daher sind solche Selbstbeschreibungen immer mit Vorsicht zu genießen. Bitte nicht persönlich nehmen. Ich kenne Ihren Stil ja noch gar nicht.

    „Ich brauche nur mal eine halbe Stunde meinem Vater zuhören, wenn er etwas Fachspezifisches zum Besten gibt, und dann weiß ich, dass ich – leider – viel zu wenig über die Landwirtschaft weiß.“

    Ich kenne Ihren Vater natürlich nicht. Menschen neigen dazu, betriebsblind zu werden und sich „nur“ in ihren eingefahrenen Bahnen auf dem Laufenden zu halten. Auch das führt zu blinden Flecken.

    „Wer es allerdings hierzulande wagt, sich pro konventionelle Landwirtschaft bzw. Nutztierhaltung zu äußern, lernt in einem halben Jahr Fatzebook mehr unangenehme Gesellen kennen als in seinem ganzen Leben zuvor….“

    Da kann ich nicht widersprechen. Das gilt allerdings auch für Menschen, die für vegane Ernährung und eine Stärkung von Tierrechten werben. Ich wünsche mir auf allen Seiten eine verbale Abrüstung und eine disziplinierte Konzentration auf das Argument, kein Abschweifen auf die Person, was schnell zu Generalisierungen führt.

    Ich bin gespannt auf Ihre Artikel.

    1. Wie kann man nur für eine vegane Ernährung werben. Diese ist nur praktizierbar, weil die daraus entstehenden Probleme vom Rest der Gesellschaft (noch) kompensiert werden kann. Eine derart egoistische Verhaltensweise kann doch kein Mensch der abendländischen Kultur ernsthaft bewerben.
      Im Übrigen gibt es bei der Arbeit innerhalb von Naturgesetzen nunmal kein „Betriebsblind“, sondern bestenfalls ein „Inkompetent“. Die agrarische Inkompetenz von Menschen außerhalb der Landwirtschaft ist teilweise so stark ausgeprägt, dass diese Menschen zu inkompetent sind, um diese selbst zu erkennen. Die maximale agrarische und ökologische Inkompetenz (die sich wieder für kompetent hält) spiegelt sich im Veganismus – einem Phänomen, das vorwiegend in Städten mit größter Entfremdung von der Landwirtschaft anzutreffen ist. Was aber nicht heißt, dass es auf dem Land nicht auch Menschen mit der maximal denkbaren Inkompetenz (Veganer) geben kann.
      Dass natürlich in Fachfragen nicht auf Veganer zurückgegriffen werden kann, ist selbstredend – denn schon der Halbveganer ist tausendmal kompetenter. Die Landwirtschaft orientiert sich, sofern sie nicht von marketingtechnischen Zwängen (zB Bio) an den neusten Erkenntnissen der Wissenschaft – und praktiziert somit die bestmögliche Produktionsmethode für Mensch, Tier und Umwelt, wie es unter den gegebenen Voraussetzungen am Betrieb möglich ist.
      Gibt es also Menschen, die glauben, bessere Produktionsmethoden zu kennen, sollten sie sich an die Wissenschaft wenden. Auch die Wissenschaft stützt sich auf die praktische Erfahrung draußen auf den Höfen. Ich wüsste bisher nicht, dass hier ein Veganer etwas beitragen konnte.
      Über Tierrechtler hingegen braucht man sich garnicht unterhalten, denn schon allein der Begriff ist so menschenfeindlich wie verfassungswidrig. Würde man sich in der Lebensmittelproduktion an den Vorstellungen von Tierrechtlern halten, würde es nicht 10 Jahre dauern, bis der letzte Mensch auf diesem Planeten ausgestorben ist.

      1. Sie sind ja ganz schön eingenommen vom Produkt Fleisch. Wie viel Fleisch müsste denn jeder in der abendländischen Kultur kaufen, um Ihrer Ansicht nach nicht egoistisch zu sein?

        Sie definieren Tierrechtler als jemanden, würde man sich an dessen Vorstellungen halten, es nicht 10 Jahre dauern würde, bis der letzte Mensch auf diesem Planeten ausgestorben ist. Wer’s braucht. Ich halte es eher mit Papst Franziskus, der anlässlich des Weltjugendtags 2016 sagte, dass jegliche Grausamkeit gegenüber irgendeinem Geschöpf der Würde des Menschen widerspricht. Wäre schon gewesen, wenn noch die Würde des Tieres drin gewesen wäre (aber der Papst ist auch nur ein alter Mann, wenn auch doch sehr weise). Ich kann mir jedenfalls eine Fleischproduktion mit weniger Grausamkeit vorstellen. Und Sie?

        1. Ich erkenne in der Fleischproduktion keine Grausamkeit. Die Tiere werden vor allen Grausamkeiten der Natur geschützt. Sie sind ringsum bestens versorgt, und werden dann geschlachtet, nicht gerissen, wie das in der Natur der Fall wäre. Noch mehr Grausamkeit der Natur herauszunehmen, würde wahrscheinlich weder Gesellschaft, noch Politik dulden. Die setzen eher noch auf „High Noon in Herrmannsdorf“.

          Aber das hat nichts mit dem zu tun, was sie auf meinen Kommentar anspielen möchten. Sie wissen doch sicherlich auch, dass Tierrechtler nicht nur gegen Landwirtschaft sind, sondern auch gegen Jagd und Schädlingbekämpfung. Während man sich darüber streiten kann, ob ohne Landwirtschaft noch ein paar Millionen Menschen überleben würden, steht dagegen fest, dass ohne Jagd und Schädlingsbekämpfung kein Mensch auf diesem Planeten überleben würde. Würde ein Mensch nur noch Nahrungsmittel konsumieren, die streng nach den Grundsätzen der Tierrechtler produziert worden sind, würde dieser Mensch keine drei Wochen überleben.
          Warum versuchen Sie nicht, sich probeweise mal zwei Wochen nach diesen Grundsätzen zu ernähren?

          Um auf Ihre Frage zurückzukommen:
          „Wie viel Fleisch müsste denn jeder in der abendländischen Kultur kaufen, um Ihrer Ansicht nach nicht egoistisch zu sein?“
          Er müsste nichtmal Fleisch zu sich nehmen – wir haben ja die freie Wahl, aber er müsste sich zumindest anteilig an Jagd und Schädlingbekämpfung beteiligen, oder akzeptieren, wenn für ihn – damit er nicht verhungert – jemand Tiere tötet.

          1. Christen für Tierrechte (evtl. aber ohne absolutes Tiertötungs- und Schädlingsbekämpfungsverbot, jedoch mit Jagdverbot) sagt:

            Krass, was das Wort „Tierrechte“ für Sie alles impliziert. Ein so umfassendes Tierrechtsverständnis ist wohl noch nicht mehrheitsfähig. Ach so, wir Tierrechtler wollen Tierrechte ja gewaltsam durchsetzen, ganz vergessen (oh nee, dann muss ich zur Stärkung wieder so viel Salat essen…).

            „Er müsste nichtmal Fleisch zu sich nehmen – wir haben ja die freie Wahl, aber er müsste sich zumindest anteilig an Jagd und Schädlingbekämpfung beteiligen, oder akzeptieren, wenn für ihn – damit er nicht verhungert – jemand Tiere tötet.“

            Klingt interessant, verstehe ich aber nicht. Wenn Sie jetzt sagen, dass das an ernährungsbedingten Mangelerscheinungen liegt, werde ich gähnen und bin Ihnen sogar dankbar dafür. Will nämlich gleich ins Bett, weil ich heute nacht raus muss (nein, kein Stalleinbruch, diesmal nicht).

          2. Was schätzen Sie denn ,wie hoch die Erträge wären, wenn wir nicht mehr regelmäßig Pestizide einsetzen würden,wohl aber ausreichend Dünger zur Verfügung haben?

  2. @Christen für Tierrechte (evtl. aber ohne absolutes Tiertötungs- und Schädlingsbekämpfungsverbot, jedoch mit Jagdverbot)

    Sie müssen das ja auch nicht unbedingt verstehen. Sie haben das Glück, in einer so komfortablen Zeitepoche zu leben, wo jemand für Sie das übernimmt, was Sie selbst ablehnen können.
    Gähnen Sie und legen Sie sich schlafen, während der Jäger die Wildtier-Bestandskontrolle ausübt, die auch für Ihr Überleben so zwingend notwendig ist.
    Nein, ich bin kein Jäger, und nicht in einem Jagdausschuss – aber als Bauer weiß ich zu schätzen, wer die Ernten auch nachts schützt, und das Gleichgewicht der Artenvielfalt so gut es Witterungseinflüsse und Gesetzeslage zulassen, sichert.

    1. Ich bereite mich auf die Jägerpüfung vor, um mir ein genaueres Bild zu machen. Über ökologische Zusammenhänge lernt man dabei aber nicht sonderlich viel. Jäger führen sich ja darin gerne als Experten auf. Mal schauen, ob ich auf ein Wildschwein schießen würde. Wenn man in einer komfortablen Zeitepoche lebt, in der man sich über jeden Blödsinn Gedanken macht, kann man sich auch mal Zeit nehmen, über ethische Fragen und Dilemmata nachzudenken (auch wenn es „nur“ ein Wildschwein ist, dessen Verschonung die Welt nicht retten wird – aber dessen Welt zunächst).

    2. Sie meinen wirklich und wahrhaftig, daß der Jäger das Gleichgewicht der Arten sichert und auch die Ernährungssicherheit garantiert.?

      1. Schon wenn allein die Jagd ein halbes Jahr ausgesetzt würde, würde das zig Millionen Menschen direkt das Leben kosten. Nur halt nicht in Deutschland.

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