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CO2-Reduktion? Mir doch egal! Sprach die Republik und fuhr ihr Klima an die Wand.

Wir haben Dürre. An der Dürre ist der Klimawandel Schuld. Am Klimawandel ist die konventionelle Landwirtschaft Schuld. Und jetzt lassen sich die Bauern ihr fahrlässiges Handeln auch noch bezahlen.

Wer regelmäßig und viel Zeitung liest, Fernsehen schaut, Meme betrachtet, Diskussionen in den Sozialen Medien verfolgt, kann sich des Verdachts nicht erwehren: Medien, Politik und Öffentlichkeit haben wieder mal ihren heißgeliebten Sündenbock am Wickel – die konventionelle Landwirtschaft. Und mit Dr. Felix von Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), zudem ein Landwirt und Kollege. In einem Interview des ZDF-Morgenmagazins forderte er am 1. August, die Vergabe von Nothilfen an ökologische Auflagen zu knüpfen.

Warum es so hoch hergeht, erschließt sich mir nicht in einer Angelegenheit, in der man höchstens von einer Kollektivschuld reden kann. Wir alle haben es vermasselt (vorausgesetzt, es kommt wirklich so schlimm wie prophezeit). CO2-Reduktion? Mir doch egal! Sprach die Republik und fuhr ihr Klima an die Wand. weiterlesen

Die konventionelle Landwirtschaft unter medialem Dauerbeschuss

Screenshot Trinkwasser wird immer teurer
Schreckensmeldung: Trinkwasser wird teurer. Nicht.

Die konventionelle Landwirtschaft kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Jüngster „Skandal“:

„Düngemittel-Belastung: Trinkwasser wird immer teurer.“ (www.tagesschau.de, 11. Mai 2018)

Bloß: Die von Bündnis 90/Die Grünen vorgestellte Analyse stimmte vorne und hinten nicht, wie das Bundesamt für Statistik in einer Pressemitteilung klar stellte. Zahlreiche Medien, einschließlich der dpa sowie der Tagesschau hatten die Meldung erst übernommen und später Richtigstellungen hinterhergeschickt.

Eine Negativmeldung jagt die andere, Skandal folgt auf Skandal. Wer erinnert sich nicht an die Schreckensmeldung des Münchner Umwelt-Instituts,  der zufolge Glyphosat in beliebten deutschen Bieren gefunden worden war? Allerdings war laut Philipp Hummel

„die Methodik ist schwach und der Medienhype deshalb unangemessen“.

(Meinung: Glyphosat im Bier, die Klickmaschine; www.spektrum de, 25. Februar 2016)

 Aber da war das Kind schon im wahrsten Sinne des Wortes in den Brunnen gefallen und das Pflanzenschutzmittel Glyphosat und damit die konventionelle Landwirtschaft hatte einen weiteren Skandal am Hals.

In der bundesdeutschen Berichterstattung rund um ihre Branche laufe vieles schief, klagen Landwirte seit Jahren. Dieser Meinung bin ich auch. Daher veröffentliche weiter unten einen Beitrag, den ich Ende Januar 2017 bei Facebook online gestellt hatte.

Ich finde, er hat nichts an Aktualität verloren.

Landwirtschaft abschaffen!

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Grüne geistige Brandstiftung? Teil 1

Grüne geistige Brandstiftung – oder wenn die moralische Feuerwehr zum Feuerteufel wird. Eine Analyse.

Teil 1 – Einleitung

Läuft die Internet-Kommunikation von Bündnis 90 / Die Grünen zur konventionellen Landwirtschaft auf geistige Brandstiftung hinaus? Seit mehreren Jahren verfolge ich intensiv bei Facebook, was bzw. wie die Partei kommuniziert, seit einiger Zeit auch bei Twitter. Mein Fazit: Es wird diffamiert, was das Zeug hält.

Szenenwechsel: In letzter Zeit wird verstärkt über das Mobbing von Bauernkindern debattiert. Die Nordwest-Zeitung (NWZ) hatte bereits 2015 das Problem thematisiert mit dem Aufmacher „Wenn der Bauer zum Bösewicht wird“ (06.05.2015). Bundesweite Beachtung fand eine Umfrage, die die Vorsitzende des Landfrauenverbandes Württemberg-Hohenzollern Juliane Vees zum Thema „Mobbing an Bauernkindern“ initiiert hatte. BlogAgrar berichtete am 13.02.2018: „Bauernkinder-Mobbing: Schmähbrief an Juliane Vees“.  Am 22.01.2018 wiederum veröffentlichte die Journalistin Claudia Ehrenstein in der Welt einen vielbeachteten Beitrag zum Thema: „Dein Vater ist ein Tierquäler“. Wie man mit dem Mobbing lebt, davon berichtete ein Betroffener hier im Blog: „Mobbingopfer – Wie Negative-Campaigning die Landwirtschaft zerstört“.

Wer trägt die Verantwortung?

Am Mobbing, aber auch daran, dass die kleine Minderheit der Landwirte zunehmend zu Sündenböcke für fast alle Fälle abgestempelt werden? Das frage ich mich seit längerem. Klar ist: Einfache Antworten gibt es nicht. Allerdings entsteht ein gesellschaftliches Klima, in dem Kinder sich anhören müssen, ihre Eltern seien Tierquäler, verantwortlich für Antibiotikaresistenzen und vergiften Trinkwasser (Gülle) sowie Essen (Pestizide) nicht aus dem Nichts. Daran basteln viele mit. Unter anderem Vertreter von Bündnis 90 / Die Grünen – so mein Eindruck.

Nun haben Eindrücke keine Aussagekraft. Also habe ich mich in den letzten Wochen und Monaten mal an die Arbeit gemacht und das Internet gesichtet, quasi. Ein Mammutaufgabe – nicht, weil sich nichts finden ließe. Nein, das Web bordet über vor Material. Einiges davon habe ich zusammengetragen und unter den Zwischenüberschriften Antibiotika, Glyphosat, Insektensterben, Massentierhaltung und Gülle mittels Bildschirmphotographien, so genannter Screenshots, eingeordnet und Aussagen wo immer möglich mit Links belegt.

Kampagnen treffen Menschen

Bevor ich fortfahre, möchte ich an dieser Stelle explizit klarstellen, dass sich grüne Kampagnen, soweit ich es überschaue, NICHT gegen Menschen richten. Ausnahmen wie Landwirtschaftsminister Christian Schmidt bestätigen die Regel. Die Botschaften richten sich gegen die konventionelle Landwirtschaft als solche, die böse „Agrarindustrie“ – treffen aber den Menschen!

Kein Ackerbau ohne Landwirt, keine Tierhaltung ohne Landwirt. Wie ist es bloß möglich, dass eine Partei, die so sehr um Minderheiten bemüht ist, um Menschen, um Respekt, Toleranz, um ein friedvolles Miteinander, bei dem kleinen Berufsstand der Landwirte einen solchen Aussetzer an den Tag legt?

Zurück zur Eingangsfrage: Betätigen sich die Grünen als geistige Brandstifter? Spoiler: Ich meine ja!

Warum?
Weil das grüne Narrativ folgendes Bild von Deutschlands konventionell wirtschaftenden Landwirten transportiert: Sie

  • quälen Tiere,
  • verursachen Antibiotikaresistenzen,
  • „verbrennen“ Reserveantibiotika,
  • bringen Gift auf dem Acker aus,
  • bewirken Krebserkrankungen,
  • verunreinigen Essen mit Gift,
  • fluten die Republik mit Gülle,
  • verunreinigen das Trinkwasser,
  • beeinträchtigen die Gesundheit der Bundesbürger
  • verursachen das Insektensterben.

Geistige Brandstiftung? Jein!

Einer Definition zufolge gilt als geistiger Brandstifter jemand, der andere diffamiert und herabwürdigende Unwahrheiten öffentlich verbreitet ODER andere auf intellektueller und diskursiver Ebene zu Straftaten anstiftet.

Ich würde sagen, der Teil vor dem ODER ist ein Volltreffer. Der zweite Teil – NEIN. Trotzdem es teilweise zwar bösartig zugeht, bin ich felsenfest überzeugt, dass eine Anstiftung zu Straftaten nicht beabsichtigt ist.

Der herabwürdigende, diffamierende Umgang, den Grünenpolitiker mit konventionell wirtschaftenden Landwirten pflegen sowie die Abwesenheit von jeglicher Differenzierung im Diskurs zeitigen Konsequenzen. In Form eines gesellschaftlichen Klimas, in dem Kinder gemobbt werden, in Form von unsäglichen Pöbeleien bei Facebook und den Kommentarspalten bei Spiegel Online, der Zeit u.a., aber auch in der realen Welt. An dieser Stelle erinnere ich an das Video über die aufgebrachte Spaziergängerin, die einen Landwirten wüst beschimpfte.

Feindbild konventionelle Landwirtschaft

Die konventionelle Landwirtschaft und damit der konventionell wirtschaftende Landwirt wurden über die Jahre zu einem Feindbild aufgebaut. Der Beweggrund mag gut gemeint sein – das Land vor der „Agrarindustrie“ und ihren ruinösen Umtrieben, vor Umweltverschmutzung, vor „Gift im Essen“ zu retten. Bloß was ist das Ergebnis?

Die moralische Feuerwehr ist zum Feuerteufel mutiert!

Die Beweisführung ist umfangreich. Daher veröffentliche ich sie in mehren Teilen. So wie ich es zeitlich einrichten kann.

Danksagung

Während meiner Arbeit an dem Blog „Grüne geistige Brandstiftung“ habe ich wiederholt auf Beiträge der Bloggerin Schillipaeppa zurückgegriffen. Schließlich ist der Blogname „Ein Blog in der Brandung“ Programm: Die Landwirtin und studierte Philosophin ist eine der wenigen Menschen im Lande, die zum Thema konventionelle Landwirtschaft gründlich und sauber sowohl in die Tiefe als auch Breite recherchiert. Susanne, ich finde, Du leistest phantastische Arbeit!

Mein Dank geht an dieser Stelle auch ins Schwäbische – gracias por el control de calidad de ayer, hoy y esperamos que también en el futuro!

Das Huhn legt sein Ei auf dem Balkon, die Kartoffel wächst im Stadtpark: Lebensräume wieder lebenswert gestalten!

Alexandrowka Potsdam
Deutschland’s Lebensräume zurückerobern – packen wir es an! ALLE!

Beim Fernsehmagazin Frontal21 und damit dem Mutterschiff  #ZDF des Formats macht man sich augenscheinlich Sorgen. Große Sorgen. Es geht um nichts Geringeres als die sich dramatisch verschlimmernde Lage für Vögel, Insekten, Pflanzen und – ja, ganze Lebensräume! Um ein breites Publikum aufzurütteln, sendet #Frontal21 daher am 10. Oktober um 21 Uhr einen Beitrag zum Thema.

Bei der Ursachenforschung landete die Redaktion beim BUND für Umwelt und Naturschutz. Nun basiert die Daseinsberechtigung dieser Nichtregierungsorganisation (NGO) auf einer kaputten Natur. Je schlimmer die Lage von Flora und Fauna, desto flotter rollt der Spendenrubel. Da verwundert es wenig, wenn die üblichen Sündenböcke wieder hervorgekramt werden: Die Agrochemie und die Industrielle Tierhaltung seien ein wesentlicher Grund, so die erdverbundenen Umweltexperten aus Berlin-Mitte.

Leider sind Redaktion und NGO die Tatsache entgangen, dass das Leben kein Schwarz-Weiß trägt. Es ist komplex. Ich habe mir daher bei Facebook erlaubt, die Redaktion in einem Post darauf darauf hinzuweisen. Dabei habe ich mich um einen konstruktiven Ansatz bemüht:

Lebensräume können zurückholt werden, werte Redaktion. Ganz einfach: Die Landwirte stellen alle auf Bio um, im Ackerbau und in der Nutztierhaltung. Das wäre zwar mit beträchtlichen Mindererträgen verbunden (im Ackerbau rechnet man mit einem Minus von 30 bis 50 %), aber, hej, ist ja nur Essen, das wächst allemal im Supermarkt. Oder im Ausland. Null Problemo.

Beton zu Naturlandschaft!

Dann renaturieren wir richtig viel. Ihr wisst schon. Ein Teil des Ackerlandes (merke: Essen wächst im Supermarkt) wird in hübsch anzuschauende Natur umgewandelt, auch Massentierhaltungsställe werden vom Erdboden getilgt. Von Natur wird man zwar nicht satt, aber das spielt keine Rolle, denn: Essen wächst im Supermarkt!

Dann hören wir ab sofort auf, täglich 60 Hektar und mehr für EUCH alle da draußen umzuwandeln. Ich glaube, ich erwähne es besser kurz, da viele Menschen dermaßen weit von der Landwirtschaft entfernt sind, dass sie gar nicht wissen, WO sie leben, Auto fahren und ihre Ikea-Möbel auf der grünen Wiese shoppen. Oder WO viele ihre Penunsen verdienen: auf ehemaligem Ackerland. Ja, so ist es. Jeden Tag werden etwa 84 fußballfeldgroße Flächen der Lebensmittelerzeugung entzogen – zum Wohle der Allgemeinheit. Weil: Essen wächst ja im Supermarkt. Oder im Ausland. Oder?

Lebensraumzerstörer an die Arbeit – ALLE!

So, jetzt haben wir die bösen, lebensraumzerstörenden, konventionellen Landwirte abgearbeitet und wenden uns Euch zu, die Ihr in urbanen Milieus wohnt. Ihr seid nämlich gewaltige Lebensraumzerstörer. Daher leistet auch Ihr aus Gründen der Fairness Euren Teil:

Zuerst wird ein beträchtlicher Teil des von Euch genutzten ehemaligen Ackerlandes seiner ursprünglichen Bestimmung zurück übergeben. Ihr zieht in die Städte. Könnte etwas eng werden, aber wir ALLE sind gefordert.

Ihr glaubt zwar, Euer Essen wächst im Supermarkt. Aber ich verrate Euch ein Geheimnis: Dem ist nicht so! Und wenn Ihr Bio wollt, keine Pestizide und keine Massentierhaltung, und das KONSEQUENT nicht wollt, dann kommt Euer Essen auch NICHT aus dem Ausland.

Urban Gardening will NOT be just for fun!

WIE Euer Essen wächst, das werdet Ihr neu erlernen (müssen), denn Ihr baut zukünftig einen Teil selber an. Das geht nicht anders. Wo? In den Parks und auf sonstigen Grünflächen in Euren Städten. Auch Nutztiere lassen sich in der Stadt halten. Ein Blick zurück in die gute alte Zeit belegt dies. Für Schweine und Kühe findet sich immer ein Plätzchen im Hinterhof, Hühner fühlen sich auch auf dem Balkon wohl (aber nicht im Käfig, das versteht sich ja von selbst).

Parks und Grünflächen sind überflüssig. Ihr werdet keine Zeit mehr für’s Flanieren erübrigen können, die Lebensmittelerzeugung neben dem Bürojob ist zeitintensiv. Eure Wauwis braucht Ihr demnächst auch nicht mehr Gassi führen. Warum? Die werden verboten. Genauso wie Eure Katzen.

Warum? Habt Ihr einen blassen Schimmer, was Eure Lieblinge fressen und WO das Futter herkommt? Und vor allem welche Mengen zusammen kommen? Keine Massentierhaltung, kein Fressi. Keine mit Gas getöteten Küken (NEIN, die Puschels werden in Deutschland NICHT geschreddert!), kein Fressi. Ganz einfach.

Lebensraumzerstörung für einen guten Zweck!

EIN Lebensraum bedarf allerdings dringend der Zerstörung, will man dem verlinkten Kress-Artikel Glauben schenken: das journalistische Biotop.

Werte Frontal21-Redaktion, Ihr kündigt im Teaser das übliche Hau-die-Landwirtschaft an. Das hatten wir in den letzten Jahren wirklich bis zum Erbrechen. Geht es auch differenziert?

Ode an das böse Bäuerlein*

Liebe Anita,

in dem hier verlinkten offenen Brief bzw. dem dazugehörigen Video behauptest Du, Ihr Landwirte seid Menschen.

Fast drei Jahre bin ich jetzt zum Thema konventionelle Landwirtschaft auf Sendung, bei Facebook, SPON, der SZ, der ARD; bei Greenpeace und dem BUND. Und wie sie alle heißen.

Liebe Anita,
werte Landwirte,

stellt Euch endlich den Tatsachen: Ihr seid Brunnenvergifter, Tierquäler und Umweltsünder. 80 Millionen Stadtbewohner, Stadtrandbewohner, SUV-Fahrer und Umweltschutz-Aktivisten sowie zahlreiche Politiker und viele Journalisten können einfach nicht irren.

Nanana, höre ich Protest? Müsst Ihr immer so kleinkariert Verbraucher- und Journalisten- und NGO- und Politikeraussagen zerpflücken? Und dann auch noch was von Ausbildung, Berufserfahrung und so hüsteln? Meinung und Haltung schlagen Expertise, Meinung und Haltung schlagen Tatsache, aber mit Schmackes. Isso. Dann Eure Proteste gegen die Bauernregel-Plakataktion von Ministerin Barbara Hendricks aus dem Bundesumweltministerium. Wie konntet Ihr nur so frech sein und Euch bis ins Mark verletzt fühlen? Landwirte haben keine Gefühle.

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Dialog mit MISEREOR III

Brot für die Welt und Misereor unterscheiden sich kaum
Brot für die Welt und Misereor unterscheiden sich kaum

Mittlerweile ist die Veranstaltung „Landwirtschaft und Misereor im Dialog“ bereits 14 Tage her.
Bisher habe ich nur mein Eingangsstatement und einen Bericht von Daniela Knoll hier veröffentlicht.
Die vielen Kommentare deuten an, dass dieses Thema sehr viele Landwirte – nicht nur in der Diözese Osnabrück – bewegt. Ich möchte deshalb gerne das bisherige Medienecho so gut wie möglich zusammen fassen:

Einen Tag zuvor, beleuchtete die FAZ die Sorgen der Landwirte in Niedersachsen, die sich immer mehr als „Sündenböcke der Nation fühlen„. So gesehen eine gute Einstimmung auf die Podiumsdiskussion.
Der Veranstaltungsort in Niederlangen-Siedlung war nicht zufällig gewählt worden. Die dort ansässige KLJB Neulangen wollte nicht mehr an dem im nördlichen Emsland schon traditionellen Fastenmarsch, bei dem zugunsten von MISEREOR Spenden gesammelt werden, teilnehmen.
Nach der Podiumsdiskussion ließen sich die Landjugendlichen nicht umstimmen und auch die KLJB-Ortsgruppe aus Dersum schloss sich den Neulangenern an.
gieseke_misereor_2015Der Europaabgeordnete Jens Gieseke schaltete sich in die Debatte ein und stellte zur Teilnahme an der „Wir haben es satt“-Demo (WHES) fest: „Hier ist Misereor einen Schritt zu weit gegangen.
Der Kreislandvolkvorsitzende Bernd Schulte-Lohmöller zeigte Verständnis für die beiden Landjugendgruppen und bezeichnete deren Schritt als mutig.
Doch es blieb nicht bei den beiden Gruppen, die Zahl der Aussteiger aus dem Fastenmarsch erhöhte sich auf 10!

Auch der NDR berichtete ausführlich von der Podiumsdiskussion und der nachfolgenden Debatte: „Landwirte: Zorn auf katholische Kirche„, „Landjugend boykottiert Misereor-Fastenmarsch„, „Landjugend wünscht sich Entschuldigung„, „Wir müssen einen gemeinsamen Weg suchen„.

Am letzten Freitag stellte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel klar, dass die Landwirte keine Sündenböcke seinen. Inhaltlich korrigierte Misereor sich nicht, aber der Ton wird verständnisvoller und weiterhin wird betont, dass der Dialog gesucht werden müsse.

Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht nach der Podiumsdiskussion. Dass sich beide Seiten (moderne Landwirtschaft und Misereor) sich nicht im Laufe der Veranstaltung angenähert haben, war ja sofort klar. Aber ich frage mich noch immer, warum wir anscheinend so meilenweit mit unseren Positionen auseinander liegen? Und damit meine ich nicht, dass wir ja alle gegen den Hunger in der Welt sind, Antibiotikamissbrauch ablehnen und auch sauberes Grundwasser haben wollen. Die Ziele und Wünsche sind ja eigentlich die Gleichen, aber die Bewertung ist eine gänzlich unterschiedliche:

  • MISEREOR macht „das System“ der konventionellen Landwirtschaft für den Hunger in der Welt verantwortlich. Und auch wenn Misereor die Landwirte nicht als Sündenböcke abstempeln will, fühle ich mich trotzdem weiter von diesem Vorwurf getroffen. Ich sage, dass die weltweite Landwirtschaft die doppelte Zahl an Menschen satt macht als noch vor 40 Jahren und das bei einer abnehmenden Zahl der Hungernden auf der Erdkugel. Für Hunger auf der Welt sind Krieg, Bürgerkrieg, Vertreibung und Flucht, Dürren und korrupte Regierungen in erster Linie verantwortlich – nicht wir rechtschaffenen Bauern in Deutschland!
  • Wenn MISEREOR zusammen mit ihren Mitstreitern der WHES den Stop von Antibiotikamissbrauch fordert, dann steht im Umkehrschluss der Missbrauch im Raum. Eine pauschale Verunglimpfung, die die Anstrengungen und Fortschritte bei der Minimierung des Einsatzes völlig ausblendet.
  • Bezüglich unseres Grundwassers werden von den WHES-Teilnehmern und auch explizit auch von MISEREOR stetig steigende Nitratwerte unterstellt, obwohl das Gegenteil richtig ist. Peter Meiwald, MdB der Grünen, behauptete in Niederlangen, dass es klare Zusammenhänge zwischen Nitratwerten im Grundwasser und der Viehdichte gäbe. Ich kenne keine entsprechende Statistik. Auch der MdB konnte mir bisher keine schlüssigen Daten zur Verfügung stellen. Ich kenne bisher nur die Statistiken des NLWKN, die ich hier im Blog bereits vor einem Jahr aufbereitet habe. Für den interessierten Leser empfehle ich noch folgende Abhandlungen von Georg Keckl, einem geschätzten Statistiker, der auch komplizierte Sachverhalte klar und einfach darstellen kann: Link1, Link2, Link3 (jeweils .pdf-Dateien)

Ein weiterer Austausch und Dialog ist nötig und wird auch von beiden Seiten angestrebt. Eines ist sicher, ich werde am Ball bleiben und mich nicht in die Schmollecke zurückziehen!