CO2-Reduktion? Mir doch egal! Sprach die Republik und fuhr ihr Klima an die Wand.

Wir haben Dürre. An der Dürre ist der Klimawandel Schuld. Am Klimawandel ist die konventionelle Landwirtschaft Schuld. Und jetzt lassen sich die Bauern ihr fahrlässiges Handeln auch noch bezahlen.

Wer regelmäßig und viel Zeitung liest, Fernsehen schaut, Meme betrachtet, Diskussionen in den Sozialen Medien verfolgt, kann sich des Verdachts nicht erwehren: Medien, Politik und Öffentlichkeit haben wieder mal ihren heißgeliebten Sündenbock am Wickel – die konventionelle Landwirtschaft. Und mit Dr. Felix von Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), zudem ein Landwirt und Kollege. In einem Interview des ZDF-Morgenmagazins forderte er am 1. August, die Vergabe von Nothilfen an ökologische Auflagen zu knüpfen.

Warum es so hoch hergeht, erschließt sich mir nicht in einer Angelegenheit, in der man höchstens von einer Kollektivschuld reden kann. Wir alle haben es vermasselt (vorausgesetzt, es kommt wirklich so schlimm wie prophezeit).

Vorab: Die Landwirtschaft, egal ob ökologisch oder konventionell wirtschaftend, hat sicherlich viel Spielraum für weitere CO2-Reduktionen, und der muss unbedingt genutzt werden. Wieviel dies bei einem Anteil von etwas mehr als sieben Prozent an den bundesweiten THG-Emissionen (Quelle: Umweltbundesamt) ist, wäre zu diskutieren.

Aber ist alles Machbare sinnvoll? Immerhin bedienen Landwirte ein existenzielles Bedürfnis – sie machen uns satt! Ich frage mich schon lange, ob sich aus dieser Tatsache beispielsweise im Vergleich mit dem Flugverkehr nicht eine Sonderstellung der Branche bei der Festlegung von THG-Reduktionszielen ergibt?

CO2-Reduktion? Mir doch egal!

Screenshot FAZ-Artikel
Bereits am 27. September 1989 Thema: Der Klimawandel in der FAZ

Diese Diskussion ist sicherlich spannend, ich möchte sie aber nicht hier führen. Auf was ich in diesem BlogPost aufmerksam machen will: Das Thema menschengemachter Klimawandel inklusive der zentralen Bedeutung von CO2 sowie die Folgen sind seit bald 30 Jahren fester Bestandteil der massenmedialen Berichterstattung. Los ging es bereits vor der Wende, wie der FAZ-Artikel belegt. Es wurde intensiv berichtet, aufgeklärt, gewarnt.

Umsonst. Die allermeisten hat es schlicht nicht tangiert. Belege sind das Aufkommen der Billigflieger-Branche in diesem Zeitraum, generell der Anstieg unserer Mobilität, die Zunahme des globalisierten Konsums, die Energieverschwendung. Etc. Die Liste ist lang.

Der Weltklimarat IPCC sagt:

„Die größten Quellen der weltweiten Treibhausgas-Emissionen (THG) sind der Energiesektor (global 35% im Jahr 2010), vor allem in den einkommensstarken Ländern, sowie die Bereiche Land- und Forstwirtschaft und andere Landnutzungen (24%), vor allem in einkommensschwachen Ländern. Weitere wichtige Beiträge kommen aus den Sektoren Industrie, Transport und Gebäude (jeweils 21%, 14% und 6% im Jahr 2010).“ Die Zahl 24 % bezieht sich auf Land- UND Forstwirtschaft UND andere Landnutzungen. Ferner werden die größten Quellen der Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft vor allem in einkommensschwachen Ländern verortet.“

Das Umweltbundesamt wiederum führt für 2016 aus (Deutschland):

Das sind 7,2 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen dieses Jahres. Die Emissionen aus der Landwirtschaft sind damit nach den energiebedingten Emissionen aus der stationären und mobilen Verbrennung (84,9 %) und vor den prozessbedingten Emissionen der Industrie (6,8 %) der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland.

Kann mir bitte einer glaubhaft erklären, warum sich jetzt so viele auf die konventionelle Landwirtschaft einschießen? Denn das passiert, in der SZ, der Zeit, in den Tagesthemen und den Sozialen Medien.

Screenshot Mem heute-show
So ist es. Angesichts der Notlage vieler Betriebe kann man bei soviel Faktenfreiheit und Zynismus aber auch echt nix machen (Facebook, 1. August 2018).

Oh. Und beim ZDF. Mein Liebling aus der unteren Schublade ist dieses faktenbefreite, zynisches Mem der heute-show. In Anbetracht der Tatsache, dass immer mehr Betriebe in eine existenzielle Schieflage geraten, teils ihre Tiere schlachten, weil das Futter knapp wird, geht mir mein sonst oft eher derber Humor flöten. Ganz abgesehen davon, dass ich dieses Bild als ein pixeliges Synonym für die zunehmende Verrohung der Öffentlichkeit im Umgang mit der konventionellen Landwirtschaft empfinde. Aber das ist ein anderes, in diesem Kontext zu weites Feld.

Man könnte sicherlich einwenden, das Medienrauschen sei bloß Hysterie und mit den ersten Regengüssen vergessen. Ich bezweifle es. Meiner Meinung nach wird sich bei vielen der Eindruck verfestigen, die Landwirtschaft treibe massiv den Klimawandel an. Ich würde nicht ausschließen, dass es sich mittelfristig auswirkt. Ob positiv oder negativ, sinnvoll oder ob es verpufft, weil an anderer Stelle kein adäquater Druck aufgebaut wird – das ist die Frage.

Die Gunst der bösen Stunde nutzen

Um auf Dr. Felix von Löwenstein zurückzukommen: Seinen Auftritt im Fernsehen kann ich nachvollziehen. Er ist quasi der Joachim Rukwied* der Bio-Landwirtschaft, ein Bauern-Lobbyist. Das meine ich nicht negativ. Persönlich finde ich es völlig in Ordnung, wenn Berufsgruppen ihre Interessen artikulieren und in Öffentlichkeit und Politik tragen.  Lobbyismus ist in einem pluralistisch verfassten Land nichts Böses.
(Anmerkung: Joachim Rukwied ist Präsident des Deutschen Bauernverbandes)

Da heißt es natürlich „Carpe Diem“, feiere die Feste, wie sie fallen. Angesichts der zunehmenden Klimawandel-Hysterie (die ich gleichfalls sehr gut nachvollziehen kann, ich weiß bloß nicht, warum die Republik so unfassbar spät aufwacht!) und der damit einhergehenden Schuldzuweisungen gen konventionell wirtschaftende Bauern ist der Moment wohl selten günstig, Interessen nachhaltig zu artikulieren. Und das ist: beschleunigte Ökologisierung der Landwirtschaft. Auch der Bauernverband würde vermutlich die Gunst der Stunde nutzen. Klappern gehört nun mal zum Geschäft.

Screenshot Dr. von Löwenstein

BÖLW-Vorsitzender Dr. Felix von Löwenstein möchte die Vergabe von Nothilfen an ökologische Auflagen knüpfen.

Einfach mal den Mund halten?

Mir persönlich ist Klappern unter den gegebenen Umständen allerdings unsympathisch, egal aus welcher Ecke es kommt. Als Außenstehende, Nicht-Landwirtin fände ich es schön, wenn Landwirte und Verbände in Notzeiten Solidarität üben. Wäre jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen, dass Dr. Felix von Löwenstein und Joachim Rukwied sagen: Lasst uns füreinander einstehen, einander helfen, einander aushelfen, beispielsweise in einer koordinierten Aktion Futter bedürftigen Kollegen für ihre Nutztiere zukommen lassen? Wenn sich konkrete Maßnahmen nicht realisieren lassen, wäre doch schon viel geholfen, wenn man einfach mal – den Mund hält. Oder einer dem anderen mitfühlend auf die Schulter klopft.

Auch die Grünen nutzen die Gunst der Stunde und versuchen, auf dem Rücken von Dürre und Klimawandel die Agrarwende herbei zu galoppieren. Mutter und Großmutter Katrin Göring-Eckardt macht sich Sorgen um die Kinder und würde es gerne radikal krachen lassen. Dies brachte sie gestern in einem SPON-Interview zum Ausdruck. Ihr Handlungsansatz? Eine aus der Luft gegriffene Vier Elemente-Theorie, die gut in ein gesellschaftliches Klima passt, in der wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend auf Gleichgültigkeit bis hin zu offenem Hohn und Spott treffen – gerade in Reihen der Grünen. Würden Bündnis90/Die Grünen Wissenschaft respektieren (in toto, und nicht nur ihnen genehme Positionen), wüssten sie, dass Extrempositionen Menschen nicht satt machen.

Grüne Vielflieger

Was ich von den Kommentaren der Grünen halte, die in diesen Tagen in vielen Medien zu Wort kommen? Klartext: nichts. Eine Partei der bürgerlichen Mitte nutzt die Dürre und damit die Not von Menschen für Politstrategiespielchen. Eine Partei zudem, die sich Minderheitenschutz, Toleranz, Respekt und was auch immer an positiven zwischenmenschlichen Umgang auf die Fahne geschrieben hat, keilt wieder einmal gegen die Minderheit der Landwirte aus (natürlich abzüglich der Bio-Landwirte).

Lustig ist, dass mit den Grünen die schrillsten Paniktöne aus einer Partei der Vielflieger kommen. Denn wenn es um einen maximal flotten Transport zu den spannenden Zielen der Erde geht, scheinen weder Grünen-Wähler noch -Politiker große CO2-Berührungsängste zu haben. Die Urlaubsreise nach Kuba, der Ministeriums-Dienstausflug nach Barcelona, die „Betroffenheitstripps“ nach Brasilien und in die Arktis (ohne Namensnennung):

Bahn predigen, Business fliegen

hat es Spiegel Online genannt.

Zurück ins Mittelalter

Warum ich mich hinsetze und mein bischen Freizeit für diesen vermutlich viel zu langen BlogPost verwende? Weil ich es ehrlich gesagt erbärmlich finde, dass ein Vierteljahrhundert lang so gut wie die gesamte Republik ein destruktives CO2-Verhalten an den Tag gelegt hat und viele jetzt der konventionellen Landwirtschaft den Schwarzen Peter zuschieben für die Dürre, sie direkt oder indirekt, mehr oder weniger verantwortlich machen für eigenen Versäumnisse. Das ist moderner Ablasshandel. Das ist Mittelalter.

Ob ich einen privaten Grund habe, mich für diese Thema zu erwärmen? Ja! Schon früh habe ich mich aktiv bemüht, und zwar viele Jahre, meine CO2-Füßabdrücke gering zu halten. Bloß: In meinem Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis war ich die einzige. Oh. Da habe ich maßlos untertrieben. Ich glaube, wir waren zu Fünft. 😉

Jetzt mag ich nimmer.

Quellen:

Dr. Prinz Felix von Löwenstein:
ZDF Morgenmagazin, 1. August 2018 (Twitter)

IPCC, Fünfter Sachstandsbericht, Teilbericht 3 (Minderung des Klimawandels) von 2014.

Umweltbundesamt: Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen, 30.07.2018

5 Gedanken zu „CO2-Reduktion? Mir doch egal! Sprach die Republik und fuhr ihr Klima an die Wand.

  1.  Was das bedenkliche an der Klimahysterie ist, dass grüne Klimaalarmisten anderen weismachen wollen, man müsse nur die Landwirtschaft etwas „ökologischer“ machen, die Humusgehalte der Böden steigern (was zunächst mal den Output verringert) und weniger Vieh halten und schon ändert sich das Klima wie er es gerne hätte. Wie naiv! Aber selbst bis in die höchste Politik wird dieser Schwachsinn mittlerweile diskutiert.
    Es werden eine große Transformation und eine Decarbonisierung gefordert. Kohlendioxid und Methan werden für den schlimmen Klimawandel verantwortlich gemacht. Dabei ist Kohlendioxid ein Spurengas. Nur vier von 10.000 Molekülen in unserer Atmosphäre sind CO2-Moleküle, und die Menge, welche die menschliche Industrie über die gesamte Erdgeschichte der Atmosphäre hinzugefügt haben, macht nur einen Bruchteil von einem der vier Moleküle aus (ca 5%).
    Der Treibhauseffekt der Erde, also das Zurückhalten von Infrarotstrahlung durch Treibhausgase in der Atmosphäre, so heißt es, wird verstärkt durch Emissionen der Industrie, welche für eine vom Menschen verursachte globale Erwärmung verantwortlich gemacht werden. Aber selbst der Treibhauseffekt wird durch natürliche Faktoren gesteuert. Das dominante Treibhausgas der Erde ist weder Kohlendioxid noch Methan, sondern Wasserdampf. Bis zu 90% des Treibhauseffektes gehen auf Wasserdampf und Wolken zurück.
    Sogar der weitaus größte Teil des in der Atmosphäre enthaltenen Kohlendioxids ist natürlichen Ursprungs. Die Ozeane enthalten 50 mal die Menge Kohlendioxid wie in der Atmosphäre. Sie setzen unentwegt CO2 frei und absorbieren CO2. Wenn Pflanzen sterben, setzen sie CO2 frei, und absorbieren es, wenn sie wachsen. Vulkane über der Meeresoberfläche und etwa 10 mal so viele darunter emittieren kontinuierlich CO2 und andere Gase in die Umwelt. Jeden Tag bläst die Natur etwa 20 mal so viel CO2 in die Atmosphäre wie die durch menschliche Aktivitäten ausgelösten CO2- Emissionen. insgesamt . Falls wir alle durch den Menschen verursachte CO2-Emissionen zum Halten bringen könnten, würden wir trotzdem keine Änderung der globalen Temperaturen messen können. Soviel zu den Einflussmöglichkeiten des Menschen auf das Klima.

  2. Ich schüttle immer wieder den Kopf über die fragwürdige Darstellung der Lanwirtschaft als zweitgrößten Verursacher durch das UBA. Die haben einfach mehrere andere Sektoren so lange zu einem zusammengefasst, bis die Landwirtschaft an zweiter Stelle stand. „ZWEITSCHLIMMSTER“!!! DAS prägt sich in die Hirne. Der Faktor 12,5:1 gegenüber dem ERSTschlimmsten wird da zweitrangig. „ZWEITER“ heißt „Goldmedaillie knapp verpasst“. Das zeigt die Intention des alles andere als bauernfreundlich eingestellten NABU-unterwanderten UBA. Dabei bringen die die offizielle Sortierung der UNFCCC Berichterstattung sogar auf der eigenen Seite. Und danach ist die Landwirtschatt ein kleiner grüner Klecks auf einem langen vielfarbigen Balken. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/styles/800w400h/public/medien/361/bilder/tt_thg_crf_plus_1a_details_1.0_wide_h.png?itok=-V7CFKBR

  3. Sehr geehrte Leser diesers Meinungsmacherblogs,

    wenn man sich das ganze Geschreibsel hier durchliesst, bekommt man Kopfschmerzen. Nur krudes Zeug ohne Hintergrund, mehr nicht. Ein Wort noch zu dem Slogan „Bahn predigen, Business fliegen“ der Grünen. Ich wohne in Berlin und arbeite öfters in der Friedrichstr., nicht weit vom Regierungsviertel. Ich habe bis jetzt nur Herrn Wieland (Grüne aus Berlin), Frau Künast (Grüne) einmal in der S-Bahn und einmal auf der Strasse, den Herrn Trettin (Grüner) zweimal im ICE lesend und den Herrn Lauterbach (SPD) auf der Straße gesehen, sonst keinen. Das dazu. Macht weiter so mit eurem alternativen Fakten. Mit euch schaffen die Menschen schon, alles gegen die Wand zu fahren.

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