Schlagwort-Archive: Stickstoff

Landwirtschaft ohne Tierhaltung?

Vor dem Hintergrund medialer Skandale findet die Forderung von Gruppierungen wie PeTA etc. immer mehr Anhänger, dass die Menschheit komplett auf jegliche Nutzung und Haltung von Tieren verzichten sollte und sich komplett vegan ernähren sollte.

Kann eine Landwirtschaft, die ausschließlich auf der pflanzlichen Produktion beruht, funktionieren?

Ein Grundsatz im Pflanzenbau ist, dass man durch die Ernte der Früchte Nährstoffe, die die Pflanze aufgenommen hat (i.d.R. aus dem Boden), von der Fläche entfernt. Dadurch entsteht ein Defizit an Nährstoffe, die in der nächsten Anbauperiode fehlen. Wird dieses Defizit nicht wieder durch Nährstoffzufuhren egal welcher Art ausgeglichen, betreibt man Raubbau am Boden und wird den Boden innerhalb weniger Jahre auslaugen.

Stickstoff alleine ist nicht genug

Ein häufige, angeführte, vermeintliche Lösung: „Es gibt doch Pflanzen, die Nährstoffe aus der Luft aufnehmen können.“ Das ist so teilweise korrekt. Diese Pflanzen nennt man Leguminosen (Erbsen, Bohnen, Klee, Luzerne etc.), deren Wurzeln mit Bakterien besiedelt sind, die Stickstoff aus der Luft aufnehmen können. Doch Pflanzen benötigen neben Stickstoff noch viele weitere Nährstoffe. Gerade Leguminosen benötigen für eine effiziente Stickstoffaufnahme aus der Luft Nährstoffe wie Kalium, Magnesium und Schwefel, die wiederum nur aus dem Boden aufgenommen werden können. Außerdem sind viele Leguminosen nur für Tiere bekömmlich.

Was ist mit Klärschlamm?

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Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung

Der Nitratbericht der Bundesregierung ist noch ganz frisch.

Vorbemerkung:
Niemand kann den ganzen Nitratbericht 2016 in wenigen Stunden lesen, darum hat der Statistiker Georg Keckl als Ersteinschätzung nur schnell das das Kapitel „Nitrat im Grundwasser“ betrachten und bewerten können.
Es gibt nun also offiziell ein neues Nitrat-Messnetz für das Grundwasser! Aber warum denn nun doch?
Wollte man eine neue „EU-Nitratlüge„, wie in der „dlz“ beschrieben, verhindern?
Wie wird diese Neuerung verkauft? Ein großer Wurf? Was ist nun besser?

Georg Keckl gibt die Antwort im folgenden Beitrag, die Lektüre lohnt sich, nehmen sie sich bitte die Zeit:

Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung

Ein gemeinsamer Nitratbericht der Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie für Ernährung und Landwirtschaft wird alle 4 Jahre erstellt. Der Nitratbericht 2016 ist erschienen. Nitratberichte sind Grundlage für die Beurteilung der EU über die Fortschritte der deutschen Nitratminimierungsziele.
Der Bundes-Umweltministerin und dem Bundes-Landwirtschaftsminister ist dieser Fachbericht wieder keine Pressemeldung wert, trotz des medialen Wirbels um Nitrat im Grundwasser in letzter Zeit, insbesondere seit der Nitrat-Klage der EU gegen Deutschland vor dem EuGH. Die Österreicher melden das für ihren Nitratbericht 2016, bei viel weniger Ärger mit der Materie in Österreich (https://www.bmlfuw.gv.at/). Dafür gibt es eine Pressemeldung des Bauernverbandes (DBV): Der Bauernverband stellt heraus, dass es zu keinem Anstieg der Nitratbelastung im Grundwasser gekommen ist, bei Oberflächengewässer wird die großartige Erfolgsgeschichte von der Verbesserung der Gewässerqualitäten fortgeschrieben (vgl. Spiegel: Früher war alles schlechter). Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung weiterlesen

Ammoniak: das nächste Vertragsverletzungsverfahren im Anmarsch?

Kommt nach dem EU-Vertragsverletzungsverfahren wegen schlechter Nitratwerte auch ein solches Verfahren wegen nicht eingehaltender Ammoniakminderungsziele auf Deutschland bzw. Deutschlands Bauern zu?

Hermann Grupe
Hermann Grupe

Die FDP Holzminden hat auf ihrer Facebookseite eine sehr interessante und zugleich (für mich) alarmierende Rede des agrarpolitischen Sprechers der FDP, Hermann Grupe, veröffentlicht.

Darin erklärt Grupe, dass Deutschland ein Minderungsziel von 29% anvisiert. Frankreich dagegen mutet seinen Landwirten nur 13% zu und im Vereinigten Königreich soll das Minderungsziel sogar nur bei 11% liegen. Und dass obwohl Deutschland nach Aussagen von Grupe bereits mehr Reduktion in der Vergangenheit erreicht hat als vorher benannte EU-Mitgliedsstaaten. Grupe zieht einen Vergleich zu dem Streit ums Nitrat im Grundwasser und stellt fest:

Wenn man von falschen Voraussetzungen ausgeht und die Landwirtschaft an den Pranger stellt, dann erreicht man das Gegenteil und überlastet die Landwirte mit überzogenen Forderungen ! (Hermann Grupe am 27. 10. im Niedersächsischen Landtag)

bodennahe Gülleausbringung reduziert die Ammoniakverluste
bodennahe Gülleausbringung reduziert die Ammoniakverluste

 

Verwerten statt einfach auskippen

deutschlandfunk_logoGestern in der Sendung „Umwelt und Verbraucher“ des Deutschlandfunks wurde ein sehr interessanter Beitrag aus meiner Heimat, dem Emsland gesendet.

Dieser beschreibt, wie grenzüberschreitend mit dem deutsch-niederländischem Projekt „Mest op maat“ an einer Lösung des „Gülleproblems“ gearbeitet wird. Die hohe Innovationskraft in den letzten Jahren und die zunehmend faire Berichterstattung zu diesem Thema machen Mut. Hier geht es zum Beitrag des Deutschlandfunks von Hedwig Ahrens: ( bitte auf dem Bild klicken)

Es gibt heute hochmoderne Gülletechnik. Hier wird ein Bild mit Technikstand von vorgestern gezeigt (dpa/picture alliance/Tobias Hase)
Es gibt heute hochmoderne Gülletechnik. Hier wird ein Bild mit Technikstand von vorgestern gezeigt
(dpa/picture alliance/Tobias Hase)

Und hier kann man den Beitrag nachhören:

Sinn und Unsinn der „Bodenschonung“

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist siebte Teil der kleinen Serie:

2.02 Die Mär von der „Schonung“ des Bodens

„Großvater Bauck wollte möglichst autark sein, verzichtete auf Monokulturen, veredelte seine Erzeugnisse auf dem Hof, hielt sich an die fünfjährige Fruchtfolge zur Schonung des Bodens, […] -lauter Prinzipien, die bis heute auf dem Bauckhof gelten.“ ZITAT FAZ.

Niemand hatte zu der Zeit Monokulturen, die sind auch heute nicht die Regel. Fünfjährige Fruchtfolgen mit Leguminosen und einer Tierhaltung ist bei Biobetrieben gut, auch um Stickstoff in die Böden zu bekommen, also zur Dünger- statt zur Lebensmittelproduktion.

schont den Boden durch möglichst wenig Reifendruck bzw. Fahrwerksdruck.
sehr sinnvoll: schont den Boden durch möglichst wenig „Reifen“druck  und vermeidet so Bodenverdichtungen

Die „Schonung des Bodens“ ist eine typische Reformbewegungs-Sprechblase. Der Boden ist ein Hochleistungssportler, der ständig im Training bleiben muss, um seine Nutzer zu ernähren. Schonung ist Abbau. Weil sie den Dünger sozusagen selbst produzieren müssen und zu schwach wirkende, natürlich giftige(!) Fungizide haben, deshalb die weite Fruchtfolge. Das wird den Laien als „Schonung der Böden“ verkauft. Die Ablehnung des „Kunstdüngers“ ist schlicht ein Humbug-Dogma aus der Reformbewegung, wo alles „natürlich“ und „möglichst unbehandelt“ sein sollte. So hat sich das in die Biogesetzgebung geschlichen. Im „künstlichen“ Stickstoff, der die Hälfte der Menschheit ernährt, ist nichts Giftiges drin, aber die Ökogläubigen lehnen ihn dogmatisch ab! Nichts hat diese Glaubensrichtung zur Ernährung des Menschenzuwachses seit 1913 (Erfindung des Haber-Bosch-Verfahrens der Stickstoffdüngerproduktion aus Luftstickstoff) beigetragen, im Gegenteil. Lassen sie heute den „künstlichen“ Stickstoff weg, spätestens wenn die erste Milliarde Menschen verhungert ist, kommt er wieder und dann werden endlich auch die Ökosekten sehen, dass ihr „unbehandelt-rein-natürlich“-Glaube seine Macken hat. Das ist so menschenfeindlich wie Krankheiten schulmedizinisch unbehandelt zu lassen.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Wie sind Stickstoff-Überschüsse zu bewerten?

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist fünfte Teil der kleinen Serie:

1.05 Überschüsse, die gar keine sind

„Der Entwurf für die Düngeverordnung sieht vor, dass Landwirte 60 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr ausbringen dürfen. Laut Venohr entspricht dieser Wert dem wissenschaftlichen Konsens. Die 120 Kilogramm, von denen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder in Nordrhein-Westfalen aber teils die Rede ist, seien jedoch „definitiv zu viel“, sagt er.“ ZITAT FAZ

So einen Begrenzung gibt es nicht und die ist auch nicht vorgesehen! Im Prinzip darf der Landwirt so viel Stickstoff ausbringen, wie er für die Kultur für richtig hält (fachliche Praxis). Der Dünger kostet Geld, wird also kaum verschwendet, und bei zu viel Stickstoff kippt oft der Ertrag. Nur bei dem „organischen Düngern“ gibt es eine Begrenzung, denn da sind die „Entsorgungskosten“ schon in der Vergangenheit so hoch geworden, dass stellenweise auf hofnahen oder Eigenflächen grob überdüngt wurde und deshalb der Gesetzgeber reagiert hat. Deshalb gibt es da schon lange Begrenzungen. Die sollen es jetzt auch für Biogassubstrat gelten. Der Stickstoffzufluss aus Gülle, Mist, Kompost und Biogassubstrat darf die Summe von 170 kg Stickstoff pro Hektar nicht mehr überschreiten. Die 60 kg Stickstoff pro Hektar beziehen sich auf die „erlaubten Stickstoffüberschüsse“ pro Hektar, also was mehr gestreut wird als die Pflanzen aufnehmen können. Daraus machen dann Scharlatane: „diese Überschüsse gehen alle in Grundwasser“ – völlig falsch. Dieser „erlaubte Stickstoffüberschuß“ ist ein weiterer völlig theoretischer Wert, errechnet als Saldo aus unzähligen Annahmen über die Stickstoffgehalte jedes organischen und anorganischen Düngers auf der einen und seiner N-Verluste, der Pflanzenaufnahme etc auf der anderen Seite (*).

Hier wurde mal geguckt, was aus dem verabreichten Dünger wurde.
Hier wurde mal geguckt, was aus dem verabreichten Dünger wurde.

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Keine willkürliche Macht den Kontrolleuren!

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich heute ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist nach einer kürzen Pause der vierte Teil der kleinen Serie:

1.04 Alle Macht der Theorie-Partei!

„……die Länder zur Erstellung eines Nährstoffabgleichs zu ermächtigen. Erst damit können sie Daten über Anfall und Ausbringung von Dünger zu einem Nährstoffabgleich für die einzelnen Betriebe verknüpfen, durch den Verstöße sichtbar werden. ZITAT FAZ

nährstoffbilanz_gbr_2014
der bürokratische Aufwand ist bereits jetzt hoch

Hier wird ein Theoriepapier zum Fetisch! Das ist unnötig, nur Verwaltungs- und Landwirtschaftstheoretiker können sich daran hochziehen. Man kennt für jeden Betrieb die Tierbestände, Biogaskapazitäten, die Flächen und die Erträge recht gut, was anfällt, was an Flächen da ist, was die Erträge entziehen und hat die Entsorgung bei den Baugenehmigen („Entsorgungsnachweise“ – „Güllenachweisflächen“) vorgeschrieben. Über die Tierbestände und die vorgeschriebenen Aufzeichnungen für den überbetrieblichen Gülle-/Misttransport kann man Nährstoffbilanzen regional aufstellen und hat einen groben Überblick, ob die Flächen zu den anfallenden Mengen passen. Es kann doch weiterhin niemand kontrollieren, ob ein Landwirt lieber öfter auf ein hofnahes Feld fährt, damit das Grundwasser gefährdet, oder nicht. Es geht hier nur um weitere Theoriepapiere ohne jeden praktischen Nutzen für das Grundwasser, denn es gibt ja weiter keine Möglichkeit, felderbezogene Dungwerte zu kontrollieren! logo_biolandWie absurd diese theoretischen Annahmen werden, zeigt ein Protest von Bioland gegen zu geringe Düngermengen, die ihre Gewächshausbetriebe nach den neuen Regeln ausbringen dürften:

 „Eine Begrenzung der Gesamtstickstoffdüngung auf 170 kg/ha/Jahr ist für spezialisierte Unterglas-Bio-Betriebe (ohne relevante Freilandflächen) unmöglich zu erfüllen. Der Regelungsvorschlag würde dazu führen, dass der Stickstoffentzug von den Hauptkulturen Bio-Tomaten, Paprika und Gurken deutlich höher wäre als durch die Düngung zugeführt werden könnte. Während konventionelle Betriebe den Mehrbedarf an Stickstoff im Gewächshaus mit mineralischen Düngern ausgleichen können, sind BioBetriebe vollständig auf organische Dünger angewiesen.“ ZITAT Bioland

Für Freilandflächen mit hohen Ernten stellt Bioland keine Forderung, weil die Biobetriebe meist mit einem Düngermangel zu kämpfen haben, auf Ertragszuwächse oder ertragreichere Früchte deshalb verzichten müssen. Die hohen Erträge der Konvibauern auszubremsen, ist sicher auch ein unausgesprochenes Ziel von Bio, würde deren Einkünfte schmälern, evtl. mehr zur Umstellung auf Bio animieren.

Wenn man die Landwirte auf seiner Seite hat, statt sie über unfähige Theoretiker zu drangsalieren, stellt sich ein Erfolg ein. Das läuft mehr über Vertrauen und mit den bisherigen Kontrollen als über Prozesse. Hier sollen grünen Obergutsinspektoren an praxisfernen Ökoschreibtischen vermehrt werden und ihnen eine willkürliche Macht zugeschanzt werden, die ihnen nicht zusteht. Die bilden sich ein, mit ihren Theorien können sie die Nährstoffflüsse auf einem Feld regeln. Das geht heute nicht und das ginge auch mit den neuen Regeln nicht. Sie waren nicht in der Lage zu sehen, was Biogas oder die Biotreibstoffquoten für Nebenwirkungen haben – sind ohne jede Einsicht und weiter rhetorisch ganz Obenauf, was nur für Fachfremde kompetent klingen mag. Es prallt hier weiter eine abgehobene Theoriewelt auf eine ganz andere Praxis.

Die bisherigen, groben Kontrollen reichen, sie haben bis vor 10 Jahren zu rückläufigen Nitratmengen geführt, weil die Ernten (Nitratentzug) stiegen, die Verschlechterung der Werte entstand durch die fehlenden Begrenzungen bei Biogas. Die Verantwortlichen für diese Misere müssten bestraft und degradiert werden, also der grüne Theoretikerkomplex, nicht die Bauern. Die Heuchler tun so, als ob die bisherigen Regeln zu schwach waren. Das waren sie nicht, es waren ihre fehlenden Regeln für Biogas, die den Rückschritt brachten. Die neuen Regeln würden nur ihre Stellen und ihre Macht vermehren.

Nun gilt die neue Begrenzung für die Biogas-Gülle. Klug wäre es, die Wirkung erst mal abzuwarten. So dringlich ist die Sache nicht, die „Schadwirkung“ von Nitrat wird aus anderen Gründen maßlos übertrieben.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html