Agrarblogger Bernhard Barkmann vor der Tür des Bullenstalles, die mit einem großen Regenbogen verziert ist

Sinn und Unsinn der “Bodenschonung”

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist siebte Teil der kleinen Serie:

2.02 Die Mär von der „Schonung“ des Bodens

„Großvater Bauck wollte möglichst autark sein, verzichtete auf Monokulturen, veredelte seine Erzeugnisse auf dem Hof, hielt sich an die fünfjährige Fruchtfolge zur Schonung des Bodens, […] -lauter Prinzipien, die bis heute auf dem Bauckhof gelten.“ ZITAT FAZ.

Niemand hatte zu der Zeit Monokulturen, die sind auch heute nicht die Regel. Fünfjährige Fruchtfolgen mit Leguminosen und einer Tierhaltung ist bei Biobetrieben gut, auch um Stickstoff in die Böden zu bekommen, also zur Dünger- statt zur Lebensmittelproduktion.

schont den Boden durch möglichst wenig Reifendruck bzw. Fahrwerksdruck.
sehr sinnvoll: schont den Boden durch möglichst wenig “Reifen”druck  und vermeidet so Bodenverdichtungen

Die „Schonung des Bodens“ ist eine typische Reformbewegungs-Sprechblase. Der Boden ist ein Hochleistungssportler, der ständig im Training bleiben muss, um seine Nutzer zu ernähren. Schonung ist Abbau. Weil sie den Dünger sozusagen selbst produzieren müssen und zu schwach wirkende, natürlich giftige(!) Fungizide haben, deshalb die weite Fruchtfolge. Das wird den Laien als „Schonung der Böden“ verkauft. Die Ablehnung des „Kunstdüngers“ ist schlicht ein Humbug-Dogma aus der Reformbewegung, wo alles „natürlich“ und „möglichst unbehandelt“ sein sollte. So hat sich das in die Biogesetzgebung geschlichen. Im „künstlichen“ Stickstoff, der die Hälfte der Menschheit ernährt, ist nichts Giftiges drin, aber die Ökogläubigen lehnen ihn dogmatisch ab! Nichts hat diese Glaubensrichtung zur Ernährung des Menschenzuwachses seit 1913 (Erfindung des Haber-Bosch-Verfahrens der Stickstoffdüngerproduktion aus Luftstickstoff) beigetragen, im Gegenteil. Lassen sie heute den „künstlichen“ Stickstoff weg, spätestens wenn die erste Milliarde Menschen verhungert ist, kommt er wieder und dann werden endlich auch die Ökosekten sehen, dass ihr „unbehandelt-rein-natürlich“-Glaube seine Macken hat. Das ist so menschenfeindlich wie Krankheiten schulmedizinisch unbehandelt zu lassen.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Georg Keckl

ist Agrarstatistiker, hat eine Kolumne bei der Fachzeitschrift DLZ (http://dlz.agrarheute.com/klargelegt) und ist Co-Autor von <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3777624160/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=3777624160&linkCode=as2&tag=blog0c57-21">Don't Go Veggie!: 75 Fakten zum vegetarischen Wahn</a>

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