Meyer und die Antibiotika-Datenbank

Eigentlich wollte ich heute gar nichts schreiben. Eigentlich. Aber dann habe ich habe heute Abend folgendes Bild der CDU-Fraktion des Landes Niedersachsen gesehen:

Bei jeder Gelegenheit lässt Minister Meyer die konventionell arbeitenden Landwirte spüren, was er von ihrer Arbeit hält: offenbar gar nichts. Zeit für ein kleines „Best-of Christian Meyer“ mit reichlich kruden Thesen zu den Auswirkungen von Tierhaltung und Landwirtschaft. Konstruktive Beiträge – Fehlanzeige. (Quelle und Zitat der CDU-Fraktion im Niedersächsischem Landtag)
Bei jeder Gelegenheit lässt Minister Meyer die konventionell arbeitenden Landwirte spüren, was er von ihrer Arbeit hält: offenbar gar nichts. Zeit für ein kleines „Best-of Christian Meyer“ mit reichlich kruden Thesen zu den Auswirkungen von Tierhaltung und Landwirtschaft. Konstruktive Beiträge – Fehlanzeige. (Quelle und Zitat der CDU-Fraktion im Niedersächsischem Landtag)

Und da vielen mir natürlich viele weitere Ärgernisse ein. Die Liste der ärgerlichen Aussagen von Meyer ist nämlich lang und jeder Landwirt denkt da bestimmt an viele Unterschiedliche „Highlights“.
Mein Favorit im negativen Sinne ist sein Statement zu den ersten Ergebnissen zu der Antibiotikadatenbank, die ich im Radio während der Stallarbeit hörte:

„Es ist erschreckend,
dass 25 % der Betriebe
zu viel Antibiotika eingesetzt haben!“

Das System der Antibiotikadatenbank mit seinen Repressionen ist aber so angelegt, dass jeder Tierhalter, der über dem sogenannten 3. Quartil liegt, ein Maßnahmenplan und gegebenenfalls staatlich verordnete Sanktionen zu befürchten hat. Die Grenze wird immer wieder neu festgestellt. Auch wenn man seine Antibitikagaben deutlich gesenkt hat, kann man immer noch zum „bösen“ 3. Quartil gehören.

Die Antibiotikadatenbank ist total unausgegoren. Ich habe gestern (obwohl ich genug andere Sorgen auf dem Betrieb habe) zwei Maßnahmenpläne mit meinem Tierarzt bearbeiten müssen. Für mich ist das Zeitverschwendung, die ich auch noch bezahlen muss!

gekürzter Maßnahmenplan
gekürzter Maßnahmenplan

Der erste Maßnahmenplan ist auf nur ein Blatt gekürzt worden. Der war deshalb erforderlich, weil ich bei meiner Bullenmast einen Behandlungsindex von 0,0 hatte (also überhaupt kein einziges mal ein Antibiotikum verabreicht habe) und die Grenze für das dritte Quartil (also an der Grenze, wo die 25% schlechtesten Betriebe beginnen) auch bei 0,0 lag. Vor einem halben Jahr durfte ich noch die ganze Strecke ausfüllen, weil ich einen Index von 0,119 hatte…

Keine Chance, jemals aus dem dritten Quartil herauszukommen

Den zweiten Maßnahmenplan musste ich für meine Kälberaufzucht ausfüllen. Ich habe die Antibiotikagaben deutlich senken können, bin aber noch immer meilenweit davon entfernt, jemals unter das dritte Quartil zu rutschen.

Maßnahmenplan für Kälber und Fresser
Maßnahmenplan für Kälber und Fresser

Das werde ich realistischer Weise niemals schaffen, wenn ich an gesunden und vitalen Kälbern interessiert bin und auch keine erhöhte Mortalität in Kauf nehmen möchte.
Warum habe ich keine Chance?
Grund ist, dass ich mit reinen Fresserbetrieben konkurrieren darf. Wenn die Kälberaufzucht vernünftig erledigt wird, dann sind  später keine weiteren Behandlungen und schon gar nicht Bestandsbehandlungen von Fresser und Bullenmastbeständen mehr nötig. Aber ich habe eben auch die jüngsten Tiere im Bestand und die werden eben häufiger krank als die älteren Fresser und erst Recht als die robusten Jungbullen über 8 Monaten.

Das sind aber nicht die einzigen Kritikpunkte an dieser Datenbank. Die ist insgesamt zu kompliziert und zu bürokratisch. Es haben viele Landwirte Probleme, ihre Daten korrekt einzugeben. Die Gefahr, an irgendeiner Stelle einen Fehler zu machen ist groß. Deshalb kann man sicherlich schon grobe Tendenzen aus den Zahlen ablesen, aber in der Breite funktioniert dieses System einfach noch nicht.

Diese staatliche Antibiotikadatenbank (ja, es gibt für Schweine zusätzlich eine zweite Datenbank, die das QS-System aufgebaut hat) ist mit viel zu heißer Nadel gestrickt worden und ist das Produkt aus politischem Aktionismus, einer Prise Misstrauen gegenüber der Landwirtschaft und einer großen Portion Unfähigkeit und Unsachverstand der zuständigen Behörden.

6 Gedanken zu „Meyer und die Antibiotika-Datenbank&8220;

  1. Datenbank für alle! Das ist ein perfektes System, um mit 100% Kontrolle 100% Erfolg zu erreichen ;-). Wer die schlechtesten 25% jährlich „rausschmeißt“, landet ruckzuck bei 0,01% und dann kann man es komplett verbieten. Wenn wir dieses System auf alle Lebensbereiche anwenden, haben wir 100% Georg Orwells 1984 = 100% Staat.

  2. Hallo „ist das nötig“,

    mir ist jetzt zugetragen worden, dass Landwirte, die im dritten Quartil gelandet sind, nicht automatisch mit Repressionen zu rechnen haben. Anscheinend wird zumindest in Niedersachsen mittlerweile verbal abgerüstet.
    Das System der Antibiotikadatenbank muss überarbeitet werden und dabei endlich auch Sachverstand aus der Praxis mit einfließen.
    Wenn man sich mit Tierärzten über dieses Thema unterhält, kann mit Sicherheit ein gestiegener Blutdruck bei seinem Gesprächspartner gemessen werden …
    Das Misstrauen seitens der niedersächsischen Landesregierung gegenüber den Bauern und den Veterinärämtern ist zumindest schon mal so groß (gewesen), dass die Kontrollinstanz beim LAVES neu aufgebaut wurde bzw. wird. Bürokratieabbau, das könnte mal ein Projekt für künftige Regierungen werden.

    Wenn es um Antibiotika in der Tierhaltung geht, wird seitens der Grünen immer noch gerne mit verzerrten Daten und bewusst falschen Interpretationen gegen die sogenannte Massentierhaltung gearbeitet. Und dabei werden natürlich ganz bewusst und gezielt Ängste in der Bevölkerung geweckt: http://www.gruene-bundestag.de/themen/agrar/kampf-gegen-antibiotika-missbrauch_ID_4394464.html

    Und diese Panikmache wird auch seitens der „Wir haben es satt“-Demo aufgegriffen, wenn man sich gegen Antibiotikamissbrauch in Tierfabriken ausspricht. Alleine diese Aussage suggeriert ja, dass Antibiotika missbräuchlich angewendet wird- in Tierfabriken. Tierfabriken, wieder so ein Wort, das nicht näher definiert ist und bei dem jeder eine ganz andere Vorstellung hat, was wann eine Tierfabrik ist.

  3. Hallo,
    sollten die Landwirte froh sein, wenn sie nicht automatisch mit Repressionen zu rechnen haben? Meyer hat bisher alle 14 Tage eine neue Sau durch´s Dorf getrieben.
    Müssen wir froh sein, wenn er jetzt verbal etwas abrüstet, wenn sich aber Kampfbegriffe wie Massentierhaltung, Agrarlobby, usw. in der deutschen Gesellschafft etablieren? Das geschieht von den Gruppen, die sonst die Verfechter der Antidiskriminierung sind. Gruppen, die gesetzliche Repressionen aufgrund der fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz fordern, nachdem sie durch Medienkampagnen für diese fehlende Akzeptanz gesorgt haben.
    Ich rüste jetzt mal verbal auf:
    So hat man es vor gut 80 Jahren mit den Juden gemacht.
    Erst sorgten die Medien dafür, dass ein Gefühl von Unbehagen und Hass aufkommt, obwohl niemand genau den Kampfbegriff Jude definieren konnte. Aufgrund der fehlenden Akzeptanz wurden dementsprechend Gesetze erlassen; und keiner hat mehr etwas gesagt.
    Wird es bei der deutschen „Massentierhaltung“ genauso laufen?

    1. Die Vergleiche mit der Nazizeit mag ich nicht.
      Allerdings ist schon auffällig, wie sich die Sprache von Meyer und auch von der „Wir haben es satt“-Demo verändert hat.
      Nur leider ist die Sprache nach innen wohl noch immer die Gleiche und das Denken wohl auch.
      Vertrauen in der Landwirtschaft können Meyer und die NGOs, die vorgeben, für die Landwirte zu sein, nur durch Taten aufbauen… Und ganz ehrlich- ich kann nicht daran glauben. Für mich wurde bisher nur Kreide gefressen…

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