Das Ende freiwilliger Umweltleistungen?

Nach dem Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ in Bayern werden freiwillige Umweltleistungen der Bauern in Frage gestellt

Die Themen Bienenschutz und Artenvielfalt liegen seit Jahren im Trend- in der öffentlchen Debatte und auf den Bauernhöfen. Die Zahl freiwilliger Initiativen zur Förderung der Artenvielfalt und des Insektenschutzes sind in den letzten Jahren stark gestiegen.
Das Bewusstsein vieler Landwirte wurde geschärft und so legten zigtausende Landwirte Blühstreifen auf ihren Flächen an. Vielfach unentgeltlich und auf freiwilliger Basis.

wunderschöner bunter Blühstreifen

Diese Praxis könnte nun einen Dämpfer erhalten haben, zumindest in Bayern. Denn hier sind sehr viele von der Art und Weise des Volksbegehrens (einseitig zu Lasten der Bauern) und vom Erfolg (ca. 1,7 Mio Unterstützer) enttäuscht.
Ein Bauernverband im Allgäu rät seinen Mitgliedern, auf freiwillige Blühstreifen zu verzichten.

„Wenn Unterzeichner sagen, dass die Landwirte problemlos auf zehn Prozent ihrer Produktionsfläche verzichten können, dann dürften für sie 50 Euro für 50 Quadratmeter ja kein Problem sein“

Joachim Nuscheler, BBV Unterallgäu bei all-in.de

Trotzreaktionen auf populistisches Volksbegehren kontroproduktiv

Ich kann meine Berufskollegen in Bayern sehr gut verstehen. Die bisher geleisteten Anstrengungen im Bereich Umweltschutz und Artenvielfalt wurden nicht gewürdigt, Rückgänge der Artenvielfalt einseitig den Bauern angelastet. Als Unterstützer des Volksbegehrens sind nur wenige Minuten nötig gewesen, die Bauern müssten dieses Gesetz, sollte es so nach einer Volksabstimmung in Kraft treten, alleine ausbaden.

Die Titel „Rettet die Bienen“ und die dazugehörige Kampagne die die ödp, Grüne und viele Umweltverbände gefahren haben, hat auf sehr populistische Weise zugespitzt und vereinfacht. Viele Landwirtsfamilien sehen sich als Opfer dieser Kampagne.
Doch ist diese bockige Verweigerungshaltung die richtige Lösung? Ich befürchte, die Gräben zwischen kritischer Bevölkerung und der Landwirtschaft würden vertieft werden. Eine trotzige Reaktion wäre nicht zielführend, kontraproduktiv.

Weiter offensiv den Dialog suchen! In ganz Deutschland!

Noch ist das Volksbegehren kein Gesetz. Und solange sollten alle Bauern weiter Blühstreifen anlegen, dieses vielleicht offensiver kommunizieren und den Dialog mit den Kritikern aus dem Dorf suchen.

Und weil dieses bayrische Volksbegehren Schule macht und Vorlage für weitere Initiativen zur Rettung der Artenvielfalt in anderen Bundesländern dient, sollten auch die Landwirte in ganz Deutschland weiter freiwillige Umweltleistungen erbringen und noch offensiver den Dialog mit Kritikern suchen!

Volksbegehren kann auch Chancen bieten

Kein Zweifel- es gibt sehr viele um die Artenvielfalt besorgte Bürger. Einige würden sicher auch finanziell in Vorleistung gehen und eine Patenschaft für Blühstreifen übernehmen. Angebote dafür sind zahlreich zu finden bei eBay oder in Kleinanzeigen.
So ist dieses Volksbegehren vielleicht auch eine Chance für Bauern.

positives Beispiel aus Oberbayern in Peiting

Bei Facebook ist mir die Initiative „Peiting blüht auf“ aufgefallen. Peiting liegt in Oberbayern und hier setzt die Bauernschaft auf eine gemeinsame Aktion zur aktiven Blühflächenpflege mit den Dorfbewohnern. Ich finde das vorbildlich! Freiwilligkeit und Unterstützung durch die Bevölkerung- so kann es was werden mit dem Artenschutz!

Zeitungsausschnitt "Peiting blüht auf"
aus dem Kreisboten Schongau

3 Gedanken zu „Das Ende freiwilliger Umweltleistungen?

  1. Wir haben in Bayern 20 % Grüne, 18,4 % haben das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschrieben. Dazu kommen Tierschützer, Artenschützer, Vogelschützer, Bienenschützer, Insektenschützer, Naturschützer, Klimaschützer, Umweltaktivisten, die ÖDP, BUND, Bund Nabu, Peta, Tierschutzbund, Greenpeace und die Veganer. Und diese Personengruppen bringen gerade einen Bioabsatz von ca. 5 % zusammen. Der Fleischabsatz Bio liegt bei 1,7 %. Eine Gesellschaft, die solche Zahlen produziert, hat weder das Recht sich über konventionellen Ackerbau zu beklagen noch über unerwünschte Zustände in der Tierhaltung. Die sollen erst mal selber machen, was sie von uns verlangen. Mehr muß man zu diesem Volksbegehren nicht sagen. Den Konventionellen Landwirten wurde damit im gesellschaftlichen Ansehen großer Schaden angetan.

    1. Ich halte das Volksbegehren für populistisch und wirklich nicht gut für die Bauern. Artenvielfalt erhalten geht am besten MIT und nicht GEGEN die Bauern!
      Eine Blockadehaltung wird die Situation aber nicht verbessern. Deshalb sollten die Bauern – bei allem verständlichem Ärger – besonnen reagieren.

  2. Am besten wäre es, die Bauern würden sich schon im Vorfeld in die Formulierung der Forderungen eines Volksbegehrens einbringen. Das wurde in Bayern versäumt – sicher von beiden Seiten. In Niedersachsen besteht jetzt sicher bald die Chance, es besser zu machen.

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