Künasts pandemische Verschwörungstheorie

Nun ist die Landwirtschaft auch noch Schuld an Corona-Epidemie?

Jedenfalls wenn es nach der Vorstellung von Renate Künast geht:

Renate Künast im Bundestag: "Ein Grund für diese Pandemie war die falsche Art & Weise, wie wir unsere Nahrungsmittel produzieren, Landwirtschaft betreiben und dabei mit unserer Umwelt umgehen. Jetzt müssen wir die Krise umgekehrt nutzen, um endlich die Ernährungswende auf den Weg zu bringen! "

Ich finde diese Schuldzuweisung von Ex-Landwirtschaftsministerin Künast wirklich unerträglich! Da nutzt sie die große Krise der Corona-Epidemie aus, um letztlich ein Argument für ihre ideologisch motivierte Agrarwende zu finden.

Künast macht es wie Trump!

Damit handelt sie keinen Deut besser als Donald Trump, der auch aus persönlichen Motiven das Corona-Virus als das „chinesische Virus“ bezeichnete, um den Chinesen die Schuld an der Entstehung der Pandemie (und somit letztlich an die vielen tausend Todesopfer in den USA) in die Schuhe zu schieben.

Einseitige Schuldzuweisungen helfen in der Sache nicht weiter!

Doch wem nützt diese Suche nach „dem Schuldigen„? Sicherlich niemandem bzw. nicht der Sache! Die Entstehung von neuen Viren per Zoonose ist multifaktorell. Es spielen unendlich viele Parameter eine Rolle, die die Entstehung von neuen Krankheitserregern begünstigen oder hemmen.

Konstruierte Argumentationskette im Guardian

Es gibt ein Artikel im Guardian, in dem eine lange Argumentationskette konstruiert wird.
Kurze Zusammenfassung: Die industrielle Massentierhaltung verdrängt Kleinbauern an den Waldrand, die Kontakte zwischen Wildtieren und Menschen nehmen zu, in den Ställen sind viele Tiere auf engem Raum und Krankheiten haben hier leichtes Spiel. Am Ende dann der Satz:

[…] gibt es jetzt starke Beweise dafür, dass die Art und Weise, wie Fleisch produziert wird – und nicht nur in China – zu Covid-19 beigetragen hat.

The Guardian: Is factory farming to blame for coronavirus?

Eine Verschwörungstheorie

Lest es gerne nach, der Artikel ist lang, lässt sich aber gut mit Übersetzungsprogrammen übersetzen und nachvollziehen. Allerdings erkenne ich in dem Artikel nur eine Aneinanderreihung vieler Beobachtungen, aber keinen schlüssigen Beweis, keine zwingenden Kausalitäten. Man könnte es als Verschwörungstheorie benennen, die vielen Leuten sehr gut in die eigene Agenda passt.

Diese „Kausalkette“ -besser Verschwörungstheorie- ist nicht neu. Tierrechtler und Veganer predigen schon seit Beginn der Corona-Krise, dass ein weltweiter Fleischverzicht die Pandemie verhindert hätte. Steile These. Ob eine vegane Welt realistisch ist- sei mal dahin gestellt.
Aber auch in Talkshows habe ich dieses Argumentationsmuster von Promis gehört und mich darüber sehr geärgert.

Große Bühne im Bundestag

Nun ist es also Frau Künast, die diese Verschwörungstheorie auf die Bühne des Bundestages gehoben hat.
Vielleicht ist es gut so, dass die Öffentlichkeit sich mit den Vorwürfen von Künast beschäftigt und erkennt, dass man es mit einer Verurteilung der Landwirtschaft nicht so leicht nehmen sollte.

Hohe Hygienestandards in der deutschen Nutztierhaltung

Als Halter von ca. 1500 Mastschweinen kann ich von hohen Hygienestandards in meinem Betrieb und auch generell in Deutschland berichten. Tierseuchenzüge waren bis vor 30 Jahren noch relativ häufig. Sie sind niemals auszuschließen, aber die kollektive Einhaltung bestimmter Hygieneregeln sorgt dafür, dass das Risiko eines Tierseuchenausbruchs und erst Recht einer darausfolgenden Zoonose gering ist.

Mehr Lesestoff zu diesem Thema:

Für diejenigen, die etwas tiefer in die Materie eintauchen wollen, verweise ich auf folgende lesenswerte Onlineartikel:

Und einen Diskussionsstrang bei Twitter, bei dem ich mit Marcus Mergenthaler, Professor der FH Soest über die Künast´schen Argumente diskutiert habe (hier auch in die Nebenstränge reinklicken):

Auszuschließen ist natürlich nichts, aber man könnte auch umgekehrt sagen, dass die Art und Weise, wie wir heute in Deutschland unser Fleisch erzeugen, nämlich mit sehr hohem hygienischem Standard (!), die Ausbreitung des Coronaviruses sehr viel unwahrscheinlicher gemacht hätte.

Bernhard Barkmann (@blogagrar) zu den Anschuldigungen von Renate Künast, die Landwirtschaft sei an der Corona-Pandemie Schuld

Schlussbemerkung:

Ein direkter Austausch mit Renate Künast bei Twitter ist mir leider nicht möglich, denn sie hat mich dort geblockt, nachdem ich sie wegen des damaligen Monsanto-Tribunals in Den Haag kritisiert habe. Ziemlich dünne Haut für eine Politikerin, die selber gerne austeilt.

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