Archiv für den Monat: Mai 2014

Der mediale Kampf um das Bild von Landwirtschaft

Wir kennen sie- die Bilder, die von verschiedenen Tierschützern in geheimer Mission nachts in Ställen gedreht wurden, um später in Fernsehmagazinen ausgestrahlt zu werden. Diese Bilder zeigen Zustände in Deutschlands Ställen, die wohl fast jeder Bürger ablehnt. Das ist wohl auch das Ziel dieser illegalen Filmaufnahmen. Mit diesen Bildern wollen die extremen Tierschützer ein Bild in die Köpfe der Bevölkerung setzen, wie schlimm die Zustände in der sogenannten Massentierhaltung sind.
In den Magazinsendungen sind diese Beiträge oft das Highlight, damit lässt sich Quote machen. Es ist wohl ein gutes Geschäft für Sender (Einschaltquote) und den Tierschutzaktivisten, die vermutlich das illegal beschaffte Filmmaterial vergütet bekommen, zumindest aber eine steigende Spendenbereitschaft verzeichnen können, denn ihre Organisation wird gerne während der Stallszenen eingeblendet.
Nur die Bauern haben den Schaden. Und das mehrfach:
Neben Einbruchschäden und der Gefahr von Krankheitseinschleppungen (Einbrecher halten sich wohl kaum an Hygienevorschriften) hat die Bauernfamilie selber, aber auch der gesamte Berufsstand, mit Vorurteilen und einem negativen Image zu kämpfen.

Und das, obwohl diese Bilder nicht repräsentativ sind. Um die passenden Bilder zu erhalten, werden niemals Bilder aus dem ganzen Stall gezeigt, immer nur kleine Bereiche, die dann für den gesamten Stall und auch für eine ganze Branche stehen sollen. Betroffene Landwirte berichten auch davon, dass die Filme-machenden Einbrecher auch etwas nachgeholfen haben, indem vor den Aufnahmen Buchten mit Wasser geflutet und verendete Tiere aus der Kadavertonne zurück in den Stall getragen wurden. [wie eine Landwirtin das erlebt hat und sich gewehrt hat, ist hier zu sehen]

Gegen diese negativen Bilder versuchen viele Bauern mit mehr Einsatz bei der Öffentlichkeitsarbeit anzukämpfen.
So hat eine Familie für eine Reportage des NDR die Stalltore geöffnet, um ein realistisches Bild der intensiven Tierhaltung, in diesem Fall Schweinehaltung, abzubilden.
Autor Sven Jaax mit seinem Team haben das hervorragend gemacht. Es war richtig wohltuend, einen objektiven Filmbeitrag über Tierhaltung im Fernsehen zu sehen.

Link führt zur Mediathek des NDR
Link führt zur Mediathek des NDR

Aber anscheinend haben bestimmte Tierschützer kein Interesse, dass der deutsche Verbraucher ein realistisches Bild von der Landwirtschaft erhält. Mit diesen Bildern aus der Reportage 45 dürfte die Zustimmungsrate zur intensiven Landwirtschaft in der Bevölkerung groß sein. Die schlimmen, illegalen Bilder werden möglicherweise hinterfragt nach ihrer Relevanz. Das gefällt ihnen nicht.

Am 2. Tag nach der Ausstrahlung der 45 min-Dokumentation hatte die Bauernfamilie ungebetenen Besuch in ihrer Sauenstallanlage.
Auf Facebook beschreiben sie die Ereignisse wie folgt:

Die Euphorie aufgrund des sehr guten Fernsehbeitrags vom Montag war bei uns heute leider ganz schnell verflogen!
Wir hatten heute Nacht Besuch im Stall – vermeintliche Tierschützer? Wir wissen es nicht.
Sie haben sich über den Jungsauenaufzuchtstall Zugang verschafft – ohne zu Duschen, versteht sich.
Offensichtlich wurde nichts entwendet.
Trotzdessen entstand ein Schaden, da ein Wasserhahn auf dem Zentralgang geöffnet wurde, und so zwei Jungsauenabteile geflutet wurden.
Wir hoffen, dass die extra angefallene Gülle der einzige Schaden ist, und unsere Tiere noch mit einem Schrecken davon kommen…
Was sind das für Menschen?!?
Wir haben drei Bitten an alle, die das lesen:
1. falls irgendjemand etwas gesehen hat, etwas hört, Bilder aus unserem Stall sieht oder im Netz sich jemand mit der Tat brüstet – wir sind für jeden Tipp, der zur Aufklärung führt, sehr dankbar…
2. deshalb das bitte teilen!!!
3. wenn jemand nicht glaubt, dass die Bilder in der Doku des NDR echt waren oder die Fotos unserer Facebook Seite anzweifelt bzw. sich von der Gesundheit unserer Tiere gerne im Stall überzeugen möchte – jeder kann sich unseren Betrieb zu jeder Zeit anschauen und sich ein Bild von uns und unseren Tieren machen, wir werden nichts vorenthalten. Jedoch haben wir zum Schutz unserer Tiere gewisse Spielregeln, die es gilt einzuhalten. Wir finden, das ist nur fair uns und unseren Tieren gegenüber!!!
Danke schön!!!

 

Natürlich ist es bis zum endgültigen Beweis Spekulation, ob es nun wirklich irgendwelche Tierrechtsaktivisten waren oder nicht. Wenn ja, haben sie versucht, unappetitliche Filmsequenzen zu drehen? Wir wissen es wirklich nicht. Die Vermutung liegt aber nahe.

Deutlich wird aber, dass das Thema „Landwirtschaft“ und speziell „Nutztierhaltung“ weiter umkämpft sein wird. Für künftige politische Entscheidungen ist der sachliche IST-Zustand eher unwichtig- wichtiger ist der Zustand der Landwirtschaft in den Köpfen der Bevölkerung. Der Kampf um die Meinungsführerschaft hat längst begonnen. Bislang haben die vielen NGOs, die sich gegen die herkömmliche Landwirtschaft positioniert haben, die besseren Karten, weil deren Thesen für Journalisten sehr glaubwürdig sind und diese Thesen häufig unzureichend hinterfragt werden.
Macht man als Landwirt offensiv Öffentlichkeitsarbeit und sorgt für neutrale Einblicke in den Ställen, ist das von meiner Seite aus sehr zu begrüßen, allerdings braucht die ganze Familie großen Mut und auch ein dickes Fell, um die nachfolgenden Diskussionen und eventuelle Racheakte zu ertragen.

Ich hoffe, dass von den oben geschilderten Ereignissen, nur wenige Landwirte eingeschüchtert werden und das Thema „Öffentlichkeitsarbeit“ von einer steigenden Zahl von Praktikern offensiv gepflegt wird.

Balkanflut

Unfassbar, surreal, einfach schrecklich- so lässt sich die Flutkatastrophe auf dem Balkan beschreiben. Viele Menschen verloren ihre Häuser, ihre Existenz oder sogar ihr Leben.
Auch für die Bauern dort ist das Hochwasser eine einzige Katastrophe.
Auf Facebook bin ich heute auf ein Foto gestoßen, das ich kaum mit Worten hätte beschreiben können.

verendete Kühe treiben im Wasser herum (c) Facebookgruppe Agriculture
verendete Kühe treiben im Wasser herum
(c) Facebookgruppe Agriculture

Mat Tes, ein Berufskollege aus NRW, kommentierte das Foto treffend:

Schrecklich dieses Bild da kann man mal sehen wie Gut uns das hier geht…. Mir sind im Jahr 1994 50ha Getreide verhagelt. Die Hagelkörner waren Taubene ier groß und immer so 3-4 zusammen geklebt, Dachrinnen und Dachfenster waren komplett Durchlöchert das Auto sah aus wie eine Kirmes Büchse … 1000 de Bäume sind umgeweht, aber auch all das ist nicht so schlimm was dieses Bild uns zeigt… Ich wünsche dieser Familie ganz viel Kraft, Mut und…… das Sie so schnell wie möglich wieder da stehen wo Sie vor der Flut standen!

Dem kann ich mich nur anschließen.

Der Oktocopter

Der Hexacopter war gestern, heute setzen die jungen Tüftler Janßen, Röttger und Rohoff einen weiterentwickelten Oktocopter zur Wildrettung ein.
Im letzten September traten sie mit ihrer Idee, Tiere aus der Luft vor dem Mähtod zu retten, an die Öffentlichkeit. Bei einem Treffen auf meinem Hof äußerten Sie die Hoffnung, einen oder mehrere Kooperationspartner zur Weiterentwicklung ihres Copters zu finden. Es wurde in der Presse und auch hier im Blog darüber berichtet.

Oktocopter_im_Einsatz
Der Oktocopter im Einsatz
(c) Johann Högemann

Statt sechs sorgen jetzt acht Rotoren für sehr stabile Flugeigenschaften. Das Flugobjekt kann nun mit einer hochauflösenden Kamera aber auch mit einer Wärmeblidkamera ausgestattet werden.

Hier ein Blick auf das Bedienelement des Oktocopters mit Display für die Wärmebildkamera
Hier ein Blick auf das Bedienelement des Oktocopters mit Display für die Wärmebildkamera

Faszinierend ist auch die Möglichkeit, per Tablet oder PC und Google-Maps programmierte Flugrouten vorzugeben. So lässt sich eine Fläche systematisch und lückenlos abfliegen.
Möglich wurden diese technischen Entwicklungsschübe durch eine Kooperation mit der Jägerschaft aus Lingen und eines Unternehmers, der mit Hilfe eines Oktokopters fehlerhafte Photovoltaikmodule diagnostizieren möchte.

In diesem Jahr konnten zur Grünroggen- und Grasernte bereits einige Flächen vor der Mahd testweise „abgeflogen“ werden. Johann Högemann, Obmann für Naturschutz bei der Jägerschaft Lingen, weist aber auch auf weitere Möglichkeiten hin, um des Mähtod von Wildtieren zu verhindern. Eine Kombination aus den in seiner Vorträgen vorgestellten Maßnahmen ist aber in jedem Fall am sinnvollsten. Högemanns Präsentation lässt sich hier als .pdf-Datei herunterladen.

Ich jedenfalls freue mich, dass mit Hilfe moderner Technik Wildtiere gerettet werden können. Es ist schön zu sehen, wie sich die Idee und das Projekt „Retter aus der Luft“ entwickeln konnten.

Für alle, die noch mehr Informationen haben wollen, empfehle ich den Internetauftritt der drei Jungs unter http://www.el-copter.de/. Hier gibt es auch weitere Videos und Fotos.