Archiv für den Monat: November 2014

Schweinesignale erkennen und bewerten

Lünne (VEL). Wie Schweine ticken und was ihr Verhalten dem Landwirt sagen kann, erklärte der als Schweineflüsterer bekannte Tierarzt Kees Scheepens rund 100 Landwirten auf der Schweinefachtagung in Lünne. Die Tiere zu beobachten, das Verhalten zu deuten und dann richtig zu handeln, führe im Stall oft mit wenig Aufwand zu großen Verbesserungen.

Diskutierten über die Schweinezucht der Zukunft: Hermann Schlagelambers, Johannes Korfhage, Daniela Knoll, Dr. Josef Schulte Wülwer, Eduard Eissing, H. Spannhake, Dr. Christof Fry und Dr. Kees Scheepens (von links) (c)  emsländisches landvolk
Diskutierten über die Schweinezucht der Zukunft: Hermann Schlagelambers, Johannes Korfhage, Daniela Knoll, Dr. Josef Schulte Wülwer, Eduard Eissing, H. Spannhake, Dr. Christof Fry und Dr. Kees Scheepens (von links)
(c) emsländisches landvolk

Der niederländische Tierarzt achtet auf die Körpersprache und Grunzlaute der Tiere. „Wer die Schweinesignale intensiv beobachtet, kann das Auftreten vieler Probleme im Stall frühzeitig verhindern“, betonte der Berater. So sollten Sauen auch in der Stallhaltung ihr natürliches Nestbauverhalten ausleben. Dies können sie mit einfachen Mitteln wie einem Jutesack oder Stroh. Er empfahl zudem, Jungsauen zwischen erfahrenen Altsauen einzustallen, was beruhigend auf die Erstgebärenden wirke. Ein besonderes Augenmerk legt Scheepens auf die Saugferkel: Liegen diese nicht in der bequemen Seitenlage, sondern übereinander auf einem großen Haufen getürmt, sei ihnen schlichtweg zu kalt. Bis zum zehnten Lebenstag verfügen Ferkel über keine eigene Schweinesignale erkennen und bewerten weiterlesen

die ZEIT scheut den öffentlichen Diskurs

Quelle: http://www.herzfeld-martinastier.de/programm/heilkreis/angst.html
Quelle: http://www.herzfeld-martinastier.de

Das Verborgene, die Ungewissheit erzeugt beim Menschen Ängste. Das gilt erst Recht beim deutschen Mitbürger.
So haben viele Angst, einen dunklen Keller zu betreten. Wird das Licht angeknipst, so verschwindet die Angst ganz schnell.
Die ZEIT hat mit der MRSA-Problematik einen dunklen Keller gefunden, der viele Ängste hervorruft.
Mittels unzähliger Stellungnahmen und nervenaufreibender Diskussionen auf Facebook und Twitter versuchen wir Bauern Licht an die Sachlage zu lassen, doch leider hat die Zeit gleichzeitig ein paar Nebelkerzen gezündet, die einen lösungsorientierten Diskurs erschweren.
zeit_tierarzt_dealer_2014_49Wie bereits vor einer Woche berichtet hat die ZEIT eine vierteilige Serie zum Thema „tödliche Keime“ gestartet. Mit der heutigen Ausgabe der Wochenzeitung sind die Tierärzte dran, die als Dealer verunglimpft werden.
Allerdings scheut die ZEIT nun die Diskussion mit seinen Lesern und Kritikern. Eine Auseinandersetzung per gutem alten Leserbrief scheint das präferierte Mittel der Interaktion mit dem Kunden zu sein- eine Diskussion über Facebook fällt zumindest flach:keine_diskussion_zeit_kl
Eine Online-Diskussion ist nicht vorgesehen!
Man kann das vielleicht auch als Teilerfolg für die Landwirte werten, schließlich hat die ZEIT-Redaktion vor einer Woche unzählige Diskussionsstränge auf ihrer Facebook-Seite eröffnet, in denen es dann überwiegend sachliche und berechtigte Kritik gab. Teilweise wurden die Beiträge von besonders aktiven Kommentatoren für die große Masse an Lesern verborgen. Mit einer so großen Welle hat die ZEIT offensichtlich nicht gerechnet. Die ZEIT rudert wohl fleißig zurück- so ist jedenfalls mein Gefühl.
In der aktuellen Ausgabe 2014/49 der ZEIT wird jedenfalls auf das große Echo des ersten Teils der Serie eingegangen. Es kommen Werner Schwarz vom Bauernverband Schleswig-Holstein aber auch der Gründer von „Ärzte gegen Massentierhaltung“, Meyer, zu Wort.

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Ergänzung: Mittlerweile ist dieser Artikel auch auf ZEITonline erschienen. Es kann nun dort und auf Facebook diskutiert werden. Für mich ist es kaum verwunderlich, dass sich jetzt verstärkt Tierärzte in die Diskussion einschalten. Sie versuchen nun das schiefe Bild, dass die ZEIT gezeichnet hat, wieder etwas gerade zu rücken.

die ZEIT: Reaktionen auf „die Rache aus dem Stall“

Viele Landwirte und auch Tierärzte empfanden die Titelstory der ZEIT vom letzten Donnerstag als sehr ungerecht und einseitig. An sehr vielen Stellen wurde zum Teil hitzig diskutiert.

Bei Facebook habe ich längst den Überblick verloren- so viele Diskussionsstränge wurden aufgemacht. Beeindruckend und letztlich auch ermutigend empfinde ich es, wenn dort in den Diskussionen viele selbstbewusste Landwirte auftreten und ihre Sicht der Dinge beschreiben. Alle ZEIT-Leser, die sich auch für die Kommentarspalten interessieren ahnen nun, dass hier vielleicht nicht ganz so objektiv gearbeitet wurde wie man das ansonsten möglicherweise gewohnt ist.

Stellvertretend habe ich diese Diskussion ausgewählt. Sabine Leopold, Landwirtschaftsjounalistin, entrüstet sich dort:

„Ich habe in meiner ganzen journalistischen Laufbahn keine so einseitige Berichterstattung, die sich jedes Gegenarguments mit Fleiß verschließt, erlebt. Nicht einmal Boulevard-Blätter arbeiten so tendenziös, zumindest aber können die sich nicht hinter einem Deckmantel der scheinbaren Seriösität verbergen. Wenn dort gehetzt wird, weiß man in der Regel, warum.“

Allerdings geht zwischenzeitlich die unausgewogene Berichterstattung im Hause ZEIT weiter: Bei ZEITonline wird ein konkreter Fall einer Patientin beschrieben und schon die Überschrift macht klar, dass die Sachlichkeit nicht im Vordergrund steht:
Zeit_online_margotgPatienten und Ärzte kämpfen also verzweifelt ums Leben, während die Tierhalter mittels Antibiotikamissbrauch multiresistente Keime züchten. Und dann wiegelt die böse Agrarlobby auch noch ab. – Einseitiger kann man doch ein so ernstes Thema gar nicht behandeln.
In diesem Feature bemerkt der aufmerksame Leser, dass die Krankenhaushygiene ein sehr wichtiger Faktor ist, wenn es darum geht, die resistenten Keime zu bekämpfen. Aber es soll wohl keine ganzheitliche Betrachtung geben, denn man lässt Gerd-Ludwig Meyer, Gründer der Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung, Monsterschlachthöfe und MRSA, folgendermaßen zitieren:

In Großenkneten, knapp hundert Kilometer von seiner Heimat Nienburg entfernt, hat der Gemeinderat mit einem Grundsatzbeschluss den Weg für den Bau vieler neuer Stallanlagen für die Massentierhaltung geebnet. Es gab vier Gegenstimmen, doch die Kritiker hatten keine Chance gegen 28 Stimmen von CDU, SPD und FDP. Meyer ist fassungslos. „Entweder ich erstatte beim Staatsanwalt Anzeige wegen Körperverletzung…„, er überlegt, ob er es aussprechen soll, aber dann sagt er es doch: „…oder ich werde Terrorist„.

Problemlösung durch Selbstjustiz? Unglaublich. Es brannten bereits viele Ställe, so wird es keinen Dialog geben. Die vormals seriöse ZEIT hat offensichtlich kein Interesse an irgendeinem Dialog- immer mit dem Knüppel auf die Landwirtschaft…. ich bin traurig, verletzt und  bin schlichtweg entsetzt… und finde wieder nicht die richtigen Worte.
Am Ende des Features wird -nach Meinung der ZEIT- der CDU-Abgeordnete Franz-Josef Holzenkamp durch seine jahrelangen Verfehlungen als Lobbyist für die Massentierhaltung jetzt vom MRSA-Keim eingeholt. Sein Wahlkreis wird wie folgt beschrieben:

Südoldenburg in Niedersachsen, einem der Epizentren der deutschen Landwirtschaft. Nirgendwo in Deutschland sind die Auswüchse der industriellen Tierhaltung besser zu beobachten als in Holzenkamps Wahlkreis, wo über jeder Tür ein Kruzifix hängt und die Luft nach Schweinen und Gülle riecht.

Ist das Satire oder eine vorweggenommene negative Meinungsäußerung? Ich leite aus diesem Satz eine tiefe Geringschätzung bzw. Verachtung des Journalisten Autors gegenüber Holzenkamp speziell und Landwirten im Allgemeinen ab. Da konnte der MdB wohl sagen was er wollte, das Urteil war schon vorher gesprochen worden. Ein anderer Blickwinkel auf dieses tiefgründige Thema, Erkenntnisse von Holzenkamp werden hier abgebügelt und als „die böse Agrarlobby wiegelt ab“ abgetan.

twitter_logoAuch bei Twitter ging es zu diesem Thema hoch her. Sehr viele Tweets lassen sich unter dem Hashtag #dieRacheausdemStall nachlesen. So entwickelte sich am Sonntag eine Schlagabtausch zwischen Landwirten und Politikern bzw. ihren Mitarbeitern (u.a. Remmel und Künast). Diese höchst interessante Diskussion hat Rainer Winter dankenswerter Weise bei Storify zusammengetragen, so dass auch Surfer ohne Twitter-Account diese Diskussion nachlesen können.

Natürlich wurden auch diverse Stellungnahmen zum ZEIT-Titel verfasst:

http://www.massentierhaltung-aufgedeckt.de
http://www.landblogger.de
Faktencheck der ISN
http://www.topagrar.com
http://agrarmanager.agrarheute.com
sehr wissenschaftliche Hintergrundinfos und weiterführende Links bei AHO

Logo stallbesuch.de

Eine ganze Serie hat Thomas Wengenroth in Folge der ZEITberichte und ZEITzensur geschrieben- und zwar auf stallbesuch.de:
offener Brief | Vorhang zu, Fragen offen? | Nicht nur der Himmel ist derZEIT grau | Kurzgeschichte zur ZEIT | Chronologie zu ZEIT
und ganz wichtig –> Was sind multi-resistente Keime und wo kommen sie her?

Aber es gibt auch Lichtblicke: Es scheint so, als würde die tendenziöse Berichterstattung kippen und auch mal eine andere Perspektive eingenommen:
so sieht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach „ein riesiges Problem bei der Hygiene“ in einem Interview mit der WAZ.
Und etwas überraschend für mich, kritisiert ausgerechnet die kritische taz die schlechte Recherche der Journalisten(?) von Correctiv, die für die ZEIT ermittelt haben.

Habe ich wichtige Kommentare und Stellungnahmen vergessen? Kein Problem- schreibt sie einfach in die Kommentarspalte!

später hinzugefügte Stellungnahmen:

  • offener Brief von Werner Schwarz, Bauernverband Schleswig-Holstein, an Di Lorenzo, Chefredakteur der ZEIT.

die ZEIT: ….. einfach unglaublich (unterirdisch)!

erst der erste Teil
erst der erste Teil

Ich bin auf der Suche nach einer angemessenen Überschrift für das was die eigentlich renommierte Wochenzeitung die ZEIT da gestern und wohl auch heute abzieht.
Sie macht ihre heutige Ausgabe mit dem Titel „Die Rache aus dem Stall“ auf. In der Werbung für ihr Blatt suggerieren ZEIT-Investigativ-Chef Stephan Lebert und Giovanni di Lorenzo, ZEIT-Chefredakteur, in diesem Video, dass diese Story ganz neu ist und von ihnen entdeckt wurde.

Ein einigermaßen informierter Landwirt ahnt, dass hier wieder die alten und lange entkräfteten Vorwürfe neu aufgewärmt werden. Das allerdings wirklich sehr einseitig.
Aber nicht genug des Ärgers. Sachliche Kritik, die die pauschalen Anschuldigungen gegenüber der Landwirtschaft belegen, werden auf Facebook gelöscht! Keine Beschimpfungen, nein- sachliche Kritik. Ich kann es kaum glauben– deshalb diese Überschrift.

Die ZEIT startet anscheinend eine Serie. Die Ursachen für unwirksame Antibiotika sollen dargestellt werden. Dabei scheint die Landwirtschaft als der Hauptverursacher bereits ausgemacht zu sein. Es wird, so sehe ich es voraus, die Massentierhaltung als Brutstätte allen Übels ausgemacht; die Tierärzte werden angegriffen und in Folge dessen deren Dispensierrecht angezweifelt, die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen angeprangert und zu guter Letzt von den Politikern entschiedene Maßnahmen gefordert.

Doch bevor ich hier meine Finger wund tippe, möchte ich folgende Grafik vorschicken:

Nutztiere je Einwohner und MRSA-Fälle je 100000 Einwohner
Nutztiere je Einwohner und MRSA-Fälle je 100000 Einwohner (keckl.de)

Hier lässt sich erkennen, dass der Zusammenhang zwischen MRSA und intensiver Nutztierhaltung nicht unbedingt vorhanden ist. Ich könnte jetzt mit dem Schreiben aufhören….
….aber: Mich ärgert auch die unsachliche Aufbereitung dieser Story. Hier soll Angst verbreitet werden.

aus der ZEIT 48/2014
aus der ZEIT 48/2014
aus der ZEIT 48/2014
aus der ZEIT 48/2014

Ich habe folgende 9 Aussagen gefunden, mit denen die ZEIT auf Facebook für ihre Zeitung wirbt und mit einem Kommentar zu diesen Bildchen untertitel, den kritische Facebook-User dazu gepostet haben:
(zum selber nachlesen –> https://www.facebook.com/diezeit?hc_location=timeline 18. Nov. ´14)

Und dazu kommt noch das Löschen von Kommentaren.
Zensur bei der ZEIT!! Folgende Screenshots können das belegen:zeit_zensur_01
Links fällt auf, dass der durch und durch sachliche Kommentar von Thomas Wengenroth grau erscheint. Ich habe mir sagen lassen, dass ein Facebookseitenbetreiber Kommentare so einstellen kann, dass sie nur noch von mit dem Autor des Kommentars befreundeten User gelesen werden können. Einige wenige bekommen den Kommentar in „grau“, die allermeisten dürfen sollen können diesen Kommentar nicht lesen.
Da das auffiel, hagelte es eine Menge Proteste von vielen anderen Facebook-Nutzern, auch auf zeit_zensur_03Twitter (rechts)
Würde das die BILD machen, würden sich alle darüber her machen, aber hier scheint es irgendwie hingenommen zu werden. Für mich ist es ein Skandal!

So jetzt haben wir gleich 3 Uhr. Ich weiß, ich habe mich noch nicht detailliert mit den Vorwürfen in der ZEIT auseinandergesetzt, das wird aber noch folgen… versprochen!

Bauern im Netz

Haselünne (VEL). 7700 „Gefällt mir“-Klicks hat die von Junglandwirten betriebene facebook Seite „Massentierhaltung aufgedeckt“. Die Internetplattform soll Verbraucher sachlich über die moderne Schweinehaltung informieren und die Möglichkeit zur Diskussion bieten. Die Gründer der Seite sprachen nun in Haselünne mit Mitgliedern des Arbeitskreises Agrar über die Chancen und Risiken der sozialen Netzwerke.

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Nutzen moderne Medien zur Öffentlichkeitsarbeit: Sebastian Ermann, Johannes Ritz und Marcus Holtkötter gemeinsam mit Matthias Teepker und Sebastian Bartels vom Arbeitskreis Agrar (von links).

Da soziale Medien wie facebook und twitter immer häufiger Einzug in deutsche Ställe halten, hatte der Arbeitskreis Agrar zu einem Diskussionsabend zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit – Junglandwirte in sozialen Netzwerken“ eingeladen. Johannes Ritz und Sebastian Ermann, Agrarstudenten aus Osnabrück, betreiben seit Juni 2013 die facebook Seite „Massentierhaltung aufgedeckt. So sieht es in deutschen Ställen aus“. Sie berichteten über ihre Erfahrungen mit dieser innovativen Öffentlichkeitsarbeit für die moderne Landwirtschaft. Auf facebook posten sie regelmäßig Fotos aus ihren Schweineställen und fügen jedem Bild eine sachliche Erklärung bei. Die Internetplattform bietet dann jedem die Möglichkeit zur offenen Diskussion. Auch kritische Fragen dürfen hier gestellt werden. Dass die Seite auf großes Interesse stößt, beweisen die über 7700 „Gefällt mir“-Klicks. Der 23-Jährige Landwirt Johannes Ritz ist von der positiven Wirkung seiner facebook-Seite überzeugt: „Mit facebook können wir sehr schnell sehr viele Menschen erreichen. Damit holen wir quasi den Stallbesuch ins Wohnzimmer.“

Mit einem ähnlichen Konzept ging auch die facebook Seite „Bauernwiki – frag doch mal den Landwirt“ ans Netz. Hier werden Bauernfamilien aus ganz Deutschland vorgestellt. Zudem werden Fragen zu vielen Themen der Landwirtschaft aufgeworfen. Mitbegründer Marcus Holtkötter, Landwirt aus Altenberge, ist überzeugt, dass Landwirte ihre Ställe öffnen müssen: „Die hohen Schutz-Zäune um unsere Ställe schrecken die Leute ab. Daher müssen wir zeigen, was in unseren Ställen wirklich passiert.“ Die einfachste Form dazu stellt für ihn das Internet dar. Er wünscht sich noch mehr Landwirte, die hier aktiv werden. „Die moderne Landwirtschaft wird oft kritisiert. Aber der einzelne Landwirt genießt ein hohes Ansehen in der Bevölkerung“, erklärte Holtkötter. Daher sei es wichtig, dass jeder Landwirt den Kontakt zum Verbraucher sucht und über seine Arbeit berichtet. „Es ist falsch, sich zu verstecken“, betonte der dynamische Landwirt.

Am Arbeitskreis Agrar der Katholischen Landjugendbewegung Osnabrück (www.ak-agrar.de) kann jeder Landwirt oder landwirtschaftlich Interessierte aus der Region teilnehmen. Nach Angaben von Vorstandsmitglied Matthias Teepker werden gemeinsam Agrarthemen diskutiert und Veranstaltungen organisiert. Der Landwirt aus Handrup freut sich auf weitere interessierte und engagierte Leute aus der Landwirtschaft.

Hier noch einmal die wichtigsten Links:

Bauernpräsident zu Gast in Nordhorn

Ehrengast der Mitgliederversammlung des Grafschafter Landvolks war in diesem Jahr der Präsident des deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied. Der Festsaal im Hotel Rammelkamp in Nordhorn war voll besetzt.

voll besetzter Saal in Nordhorn
voll besetzter Saal in Nordhorn

Nach einer kurzen Einführung durch angehende Landwirte und Berufsschüler hielt Rukwied eine 90-minütige Rede. Zu Beginn betonte er, dass die deutsche Landwirtschaft insgesamt und in Weser-Ems speziell eine Erfolgsgeschichte sei. Die deutsche Landwirtschaft sei in der Summe wettbewerbsfähig. Darauf sei er stolz und er werde diese Erfolge verteidigen und dafür kämpfen, dass dieses auch so bleibt.

Er betonte, dass die deutschen Bauern unbedingt unternehmerische Freiheit benötigen und trotzdem oder auch deshalb nachhaltig sind, denn jeder Bauer denkt in Generationen- sein Betrieb soll möglichst mindestens so gut aufgestellt an die nachfolgende Generation weitergegeben werden.

Bauernpräsident Joachim Rukwied
Bauernpräsident Joachim Rukwied

Anschließend ging er auf all die Sorgen und Themen ein, die aktuell in der politischen Diskussion stehen: von der Novelle der Düngeverordnung, über das problematische Doppelpassspiel zwischen Umweltstaatsekretär und grünen Länderagrarministern, Arzneimittelmonitoring, Pflanzenschutz, Flächenschutz, Tierwohldebatten bis hin zum LROP in Niedersachsen, in dem den Landwirten in vielen Fällen eine schleichende Enteignung und der Entzug der Lebensgrundlage droht, ließ Rukwied kein wichtiges Thema aus.

Es war immer wieder zu spüren, dass es eine große Herausforderung ist, den Bauernverband „zusammenzuhalten“. Dass insgesamt immer wieder eine Linie als Kompromiss aus den verschiedensten Ansichten zwischen Nord/Süd, West/Ost, Ackerbauer/Tierhalter, Öko/Konventionell gefunden wird und mit einer Stimme zur Politik gesprochen werden kann.

Im Anschluss hatten die Anwesenden noch die Chance, eigene Fragen zu stellen. So durfte ich Joachim Rukwied die Frage stellen, wie der Bauernverband wieder die Meinungsführerschaft zu landwirtschaftlichen Themen in der Öffentlichkeit zurückgewinnen möchte. 
In seiner Antwort stellte der Bauernpräsident anfangs fest, dass die Medienlandschaft sich in den letzten Jahren gewandelt habe und heute Journalisten nicht mehr die Experten des Bauernverbandes oder Agrarwissenschaftler fragen, sondern eher die sog. Experten bei diversen NGOs.
Diesem möchte er mit mehr Hintergrundgesprächen mit Journalisten und mehr Informationskampagnen begegnen. Auch im Internet soll es immer wieder Kampagnen und Aktionen geben, wie z.B. die Schweinestallkamera von Werner Schwarz (Präsident der schleswig-holsteinischen Bauern) oder meine-bauernfamilie.de. Erst zum Schluss sagte er, dass auch jeder Bauer in seinem Bekanntenkreis Aufklärungsarbeit machen könne.

Ich finde, dass die Initiative der Basis, der einzelnen Bauern ganz oben stehen sollte und alles andere unterstützend für den Landwirt gemacht werden sollte. Wir brauchen eine richtig breite Front, um unsere Anliegen deutlich zu machen. Darauf wies auch Lambert Hurink, Hauptgeschäftsführer des VEL, hin: Jeder sei gefragt, Öffentlichkeitsarbeit zu machen!

Nach einer halbstündigen Diskussion endete die Veranstaltung, die ich als insgesamt gelungen bezeichnen möchte. In den Gesprächen hinterher mit Berufskollegen wurde deutlich, dass die Demonstrationsbereitschaft bei den Bauern steigt. Der Frust und Unmut über Minister Meyer in Hannover ist groß. Ich bin gespannt, ob die aktuellen Probleme um Landesraumordnungsprogramm (LROP) und das ständige Misstrauen des Ministeriums gegenüber den Landwirten sich im Gespräch zwischen Landvolk und Minister beseitigen lassen. Leider scheint es so, dass zur Zeit noch nicht einmal ein Gespräch mehr möglich ist. Das wäre ein Armutszeugnis! Von beiden Seiten.