die ZEIT: ….. einfach unglaublich (unterirdisch)!

erst der erste Teil
erst der erste Teil

Ich bin auf der Suche nach einer angemessenen Überschrift für das was die eigentlich renommierte Wochenzeitung die ZEIT da gestern und wohl auch heute abzieht.
Sie macht ihre heutige Ausgabe mit dem Titel „Die Rache aus dem Stall“ auf. In der Werbung für ihr Blatt suggerieren ZEIT-Investigativ-Chef Stephan Lebert und Giovanni di Lorenzo, ZEIT-Chefredakteur, in diesem Video, dass diese Story ganz neu ist und von ihnen entdeckt wurde.

Ein einigermaßen informierter Landwirt ahnt, dass hier wieder die alten und lange entkräfteten Vorwürfe neu aufgewärmt werden. Das allerdings wirklich sehr einseitig.
Aber nicht genug des Ärgers. Sachliche Kritik, die die pauschalen Anschuldigungen gegenüber der Landwirtschaft belegen, werden auf Facebook gelöscht! Keine Beschimpfungen, nein- sachliche Kritik. Ich kann es kaum glauben– deshalb diese Überschrift.

Die ZEIT startet anscheinend eine Serie. Die Ursachen für unwirksame Antibiotika sollen dargestellt werden. Dabei scheint die Landwirtschaft als der Hauptverursacher bereits ausgemacht zu sein. Es wird, so sehe ich es voraus, die Massentierhaltung als Brutstätte allen Übels ausgemacht; die Tierärzte werden angegriffen und in Folge dessen deren Dispensierrecht angezweifelt, die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen angeprangert und zu guter Letzt von den Politikern entschiedene Maßnahmen gefordert.

Doch bevor ich hier meine Finger wund tippe, möchte ich folgende Grafik vorschicken:

Nutztiere je Einwohner und MRSA-Fälle je 100000 Einwohner
Nutztiere je Einwohner und MRSA-Fälle je 100000 Einwohner (keckl.de)

Hier lässt sich erkennen, dass der Zusammenhang zwischen MRSA und intensiver Nutztierhaltung nicht unbedingt vorhanden ist. Ich könnte jetzt mit dem Schreiben aufhören….
….aber: Mich ärgert auch die unsachliche Aufbereitung dieser Story. Hier soll Angst verbreitet werden.

aus der ZEIT 48/2014
aus der ZEIT 48/2014
aus der ZEIT 48/2014
aus der ZEIT 48/2014

Ich habe folgende 9 Aussagen gefunden, mit denen die ZEIT auf Facebook für ihre Zeitung wirbt und mit einem Kommentar zu diesen Bildchen untertitel, den kritische Facebook-User dazu gepostet haben:
(zum selber nachlesen –> https://www.facebook.com/diezeit?hc_location=timeline 18. Nov. ´14)

Und dazu kommt noch das Löschen von Kommentaren.
Zensur bei der ZEIT!! Folgende Screenshots können das belegen:zeit_zensur_01
Links fällt auf, dass der durch und durch sachliche Kommentar von Thomas Wengenroth grau erscheint. Ich habe mir sagen lassen, dass ein Facebookseitenbetreiber Kommentare so einstellen kann, dass sie nur noch von mit dem Autor des Kommentars befreundeten User gelesen werden können. Einige wenige bekommen den Kommentar in „grau“, die allermeisten dürfen sollen können diesen Kommentar nicht lesen.
Da das auffiel, hagelte es eine Menge Proteste von vielen anderen Facebook-Nutzern, auch auf zeit_zensur_03Twitter (rechts)
Würde das die BILD machen, würden sich alle darüber her machen, aber hier scheint es irgendwie hingenommen zu werden. Für mich ist es ein Skandal!

So jetzt haben wir gleich 3 Uhr. Ich weiß, ich habe mich noch nicht detailliert mit den Vorwürfen in der ZEIT auseinandergesetzt, das wird aber noch folgen… versprochen!

21 Gedanken zu „die ZEIT: ….. einfach unglaublich (unterirdisch)!

  1. Vielen Dank für Deine Arbeit, hier und auf dem Betrieb! Ich bin froh, daß es Menschen wie Dich gibt, die unsere Lebensmittel sicher produzieren und sich nicht unterkriegen lassen, obwohl diese Art der Hetze wirklich schwer auszuhalten ist.

  2. Was regt ihr euch so auf? Eine Branche, die aus Lebewesen produziert, um sie dann zu Gammelfleisch weiter verarbeiten zu lassen, muss auch Kritik vertragen können. Schweineställe mit tausenden lebendiger, intelligenter Wesen in einer Halle – wenn ihr euch da aufregt, wenn ihr immer mehr in den Fokus rückt, weiss Ichs auch nicht. Und Kollateralschäden gibt’s in der Berichterstattung genau so wie im Stall, wenn angeblich nicht überlebensfähige Ferkel lebendig in der Mülltonne verschwinden. Schon vergessen, verehrte Schweinezüchter?

    1. Ich habe kein Problem mit Kritik. Nur sie sollte sachlich bleiben.
      Die ZEIT möchte aufregen und die Ängste der Leserschaft schüren- das steht einer sachlichen Diskussion entgegen.

      Genauso helfen Begriffe wie „Gammelfleisch“ nicht weiter, wenn man sachlich diskutieren möchte.

      Ich möchte ganz vorsichtig anmerken, dass die vielen Skandalbilder nicht den Alltag in den Ställen abbilden.
      Für eine umfassende Meinungsbildung hilft sicherlich eine geführte Stallbesichtigung und der Besuch z.B. folgender Seiten:
      http://www.stallbesuch.de/
      http://www.massentierhaltung-aufgedeckt.de/
      https://www.facebook.com/fragdenlandwirt?fref=ts

    2. Das hat nichts damit zu tun,ob man „Kritik vertragen kann“…das ist Hetze, das sind Lügen. Und sowas hat niemand verdient. Natürlich kann und muss man am Antibiotikaverbrauch arbeiten und den Tierkomfort erhöhen. Den Blödsinn, den die Drecksblätter verbreiten, bringen aber niemanden weiter.
      Doch in Deutschland reicht es dem dummen Michel, wenn man ein Bauernopfer hat, dass man am nächsten Baum aufhängen kann, ob es zu einer vernünftigen Lösung des Problems kommt, ist den Leuten doch völlig egal!
      Schaut nach Holland oder Dänemark(Länder mit sehr intensiver LW), haben die Probleme mit resistenten Keimen in Krankenhäusern? Nein, und warum nicht? Weil sie schon vor zwanzig(!!) Jahren die Probleme in Angriff genommen haben(die nicht allein bei der LW lagen). Wie lange das wohl in Deutschland noch dauern wird?

  3. Die armen, armen, unschuldigen Bauern!! Was für ein unglaubliches Unrecht euch da doch angetan wird..
    Es wird allerhöchste Zeit, dass endlich mehr Leute mitbekommen wie ihre Lebensmittel hergestellt werden! 99% unseres Fleisches kommen aus der Massentierzucht und trotzdem werden wir durch Werbung in der Illusion von grasenden Kühen auf idyllischen Weiden gehalten.
    Egal ob mehr Antibiotika aus der Humanmedizin oder der Massenviehzucht kommen, die schrecklichen Bedingungen in Deutschlands Ställen sind katastrophal und haben nichts mit einer anständigen Landwirtschaft zu tun..
    Es wird Zeit, endlich etwas daran zu ändern!!!

    Trotzdem bin ich gespannt auf deine weiteren Ausführungen, leider enthält der Text keine Aussagen die annähernd das Gegenteil beweisen.

    http://mobile.peta.de/massentierhaltung-mechanisierter-wahnsinn#.VG7yUqbGLCQ

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Mitleid brauche ich nicht und meine Berufskollegen auch nicht.
      Es würde genügen, wenn einige Journalisten einsehen würden, dass mit diesem reißerischen Artikeln keine sachliche Auseinandersetzung zu diesem wirklich vielschichtigem Thema möglich ist. Das einzige was sie damit vielleicht erreichen, ist der Anstoß einer heftigen Debatte (die jetzt aber kaum sachlich abläuft) und der Bildung von plumpen, allgemeinen Vorurteilen (die Keime aus den Ställen gefährden unser Leben).
      Auch Sie würde ich gerne zu einer Stallbesichtigung einladen. Ansonsten empfehle ich Ihnen die Internetseiten, die ich bereits etwas weiter oben gepostet habe. Vielleicht können sie ihren Horizont dadurch etwas erweitern.

    2. Liebe Helena wenn man immer nur die Informationen aus den Medien nimmt trifft ihre Aussage zu .Problem is nur das die Medien nur die schlechte Seite der Landwirtschaft zeigt und nie die gute . Ausserdem ist ihre Zahl von 99%. Wohl sehr weit aus der Luft gegriffen , denn alleine Biobauern machen schon einen weit höheren Anteil aus als 1% , dazu kommt das es viele Betriebe gibt die nicht riesig groß sin wie mein er auch nicht ich habe 50 Kühe die die von April bis November ha auf 2 ha =20000 m2 grünland laufen ausserdem können sie sich entscheiden ob sie in den Stall oder auf die Weide möchten , denn unsere Weide liegt direkt hinter unserem Stall . Was schlaf Platz für die Tiere angeht haben wir für jede Kuh eine Bucht die mit wasserbetten ausgestattet sind zur verfügung diese buchten werden jeden Tag 2 mal von uns sauber gemacht und zusätzlich noch eingestreut . Und mir tut es i n der Seele weh wenn dann in den Medien kommt landwirte sind Tier qwäler . Vllt konnte ich ihnen so auch ein anderes Bild über die Landwirtschaft vermitteln .

    3. Hallo Helena,
      schön das Du gerade die „Illusion“ der Werbung ansprichst. Ich gehe recht in der Annahme, das du auch glaubst das man mit bestimmten Autos Skischanzen hinauffahren kann, und wenn deine Katze eine Sim-Karten eingeführt bekommt eine Zugfahrt in der Wüste rausspringt. Interessant ist auch, das den Medien, die eine solche Werbung verbreiten ihre „nicht kommerzielle“ Berichterstattung 1:1 geglaubt wird.

  4. Eine vielschichtige Angelegenheit, in der Tat. Liebe Leser/innen die diese Reaktion auf den Zeit Artikel gerade durchgegangen sind und genickt haben und sich beruhigt fühlen:
    Die Argumente die die Zeit Redakteure schreiben sind die, welche jede/r Infektiologe/in Ihnen bestätigen wird.
    Liebe/r Autor/in, das hochkomplexe Thema von bakteriellen Resistenzlagen ist für Nicht-Mediziner/Biologen und dergleichen schwer zu fassen. Umso mehr muss aber auf das Wort der Fachkundigen vertraut werden.

    Und wenn Sie denken, fundierteres Wissen in diesem Feld zu besitzen als die Royal Society of Medicine in London oder etwa Medizinprofessoren an der Universität Cambridge, die unter weiteren – wissenschaftlich – renommierten Persönlichkeiten, kürzlich an einer Antibiotika-Konferenz vor der wachsenden Gefahr mahnten und für ein Umstellen des Antibiotika-Einsatzes plädierten, so sind Sie ein überheblicher verblendeter Narr.

    Die Argumente sind nicht entkräftet. Antibiosen fördern Resistenzen. Das ist immer nur eine Frage der Zeit, es ist ein nichtendendes Wettrüsten zwischen Mensch und Bakterien (Evolution). Dies lässt sich gut aus der Resistenzlagen verschiedenster Keime gegen das Penicillin ablesen, im Vergleich der Jahrzente seit seinem ersten Einsatz in den 40ern. Resistente Bakterien werden durch Antibiotika-Einsatz gefördert und verbreiten sich. Ist so.
    Wir können die Zeit bis ein noch wirksames Antibiotikum nicht mehr wirkt entweder: für schwerkranke Patienten nutzen, oder aber die Ressourcen in Tierfabriken verpulvern.

    Fragen Sie den oder die nächste InfektiologIn dem oder der Sie begegnen. Lesen Sie bitte nicht die Meinung irgendeines Habschs zu Medizinalthemen

    1. Auch sie führen keinerlei Argutmente an, sondern berufen sich auf Professoren u. Institute, die auch ein persönliches Interesse haben, da Panik und Angst zu schüren.
      Ernsthaft mit auseinandersetzen kann mich sich nicht hier, aber feststellen dass die Zeit einen diltetantisch recherchierten Artikel mit an Unsachlickeit sich überbietender Form geschrieben hat, das kann man schon. Und das gilt es zu kritisieren….

  5. Lieber Herr Barkmann,
    leider passt die Grafik oben mit den MRSA-Fällen und Nutztierdichten nicht zu den aktuellsten Daten des RKI. Hannover hat keine besonders hohe MRSA-Inzidenz im Vergleich zu anderen Kreisen in Niedersachsen. Aber weiterhin sind die höchsten MRSA-Fälle in Niedersachsen in den Landkreisen Holzminden, Goslar, Northeim, Peine und Hameln (25-14 Fälle jährlich pro 100.000 Einwohner im Durchschnitt 2010 bis 2013) – Landkreise mit geringer Tierhaltung. Zum Vergleich liegt die MRSA-Inzidenz in Vechta und Cloppenburg bei 6 bzw. 8. Natürlich ist das kein Beweis dafür, dass kein Zusammenhang zwischen MRSA und Nutztierhaltung vorliegt, weil der Zusammenhang von weiteren Einflussfaktoren wie Anteil Älterer oder Anteil Kinder überlagert wird.
    Die ZEIT zieht eine andere Kennzahl heran. Sie bezieht die MRSA-Fälle auf die Zahl der Krankenhauspatienten im Landkreis und nicht auf die Zahl der Einwohner. Das würde die MRSA Inzidenz z.B. in Landkreisen mit relativ hoher ambulanter Versorgung außerhalb von Krankenhäusern oder relativ wenigen Älteren größer erscheinen lassen, weil dort relativ wenige Krankenhauspatienten vorliegen. Andererseits kann die Versorgung mit Krankenhausleistungen je Einwohner zwischen den Landkreisen variieren durch Spezialkliniken wie Unikliniken. Solche Landkreise hätten vermutlich mehr MRSA-Fälle, weil es mehr Krankenhauspatienten je Einwohner gibt. Dann ist es durchaus sinnvoll, die MRSA-Fälle nicht auf die Einwohnerzahl zu beziehen.
    Eine wichtige Sache berücksichtigt die ZEIT aber zweifellos nicht: Nach den Zahlen des RKI gibt es immer wieder Ausreißerjahre in den Landkreisen. In Hameln und Holzminden z.B. mit über 10 MRSA-Fällen je 100.000 Einwohner weniger in 2012 als in 2011 und 2013. Jährliche Daten sind also mit durchaus erheblichen Schwankungen behaftet.
    Die Anmerkungen von „MP“ lassen sich nicht einfach von der Hand weisen.

  6. Unverstand!
    Ich kann die ganze Diskussion irgendwie nicht nachvollziehen! Glauben denn die Leute wirklich, dass die Forschung und Entwicklung in der Landwirtschaft völlig hängengeblieben ist? Wer meint, dass es den Tieren auf einem Hof mit Misthaufen direkt daneben (Image like „Bauer sucht Frau“ – sorry 😉 ) besser geht, als den aktuellen gut geführten modernen Betrieben – da fällt mir nichts mehr ein! Mal ganz sachlich gesehen verdienen Landwirte mit der Haltung von Tieren für Lebensmitteln ihren Unterhalt – das Geld um zu Leben – wie jeder andere auch. Das kann man nicht mit sog. „Gammelfleisch“ Dass es in jeder Branche schwarze Schafe gibt – was sehr schade ist – ist anscheinend nicht zu vermeiden!
    Aber ich kann ja auch nicht jeden Lehrer, Beamten, Versicherungsvertreter, KFZ-Mechaniker, Politiker und, und, und …. über einen Kamm scheren….oder? Das Niveau in der Deutschen Landwirtschaft ist so extrem hoch! Und auch hier wird immer weiter geforscht und gearbeitet, dass überhaupt so viele Tiere zusammen aufwachsen können! Würde das nicht klappen, würde es auch nicht gemacht werden! Ganz einfach gesagt: Kranke Tiere würden kein Geld bringen! Und ich glaube, dass kein Mensch sich Tiere hält, um dabei bankrott zu gehen und dann ganz nebenbei soviel Arbeit und auch noch Kosten zu haben! Gerade in der Landwirtschaft wird so viel kontrolliert, und auch unangekündigt (Was auch absolut richtig ist!) Die Strukturen haben sich geändert – ist doch auch logisch! Wir fahren ja auch nicht mehr mit Pferd und Kutsche durch die Gegend und durch die Verlagerungen der Arbeitswelt aus dem Landwirtschaftssektor in den Dienstleistungssektor (dass habe ich übrigens schon in Klasse 7 gelernt)müssen die Leute den Landwirten nun mal vertrauen! Sowie ich jedem anderem Dienstleister vertrauen muss! Und das ist hier in Deutschland doch nun wirklich möglich!
    Leider gibt es kein Qualitätsmanagement für Journalisten! Würde man da endlich mal niveauvoll arbeiten und recherchieren, hätten wir diese ganzen Probleme nicht und die Verbraucher würden auch nicht so verängstigt! Im Gegenteil – würde man zusammen arbeiten könnte man Bedenken bei Verbrauchern klären und bei Unklarheiten und Problemen Lösungen finden. Aber….
    In einem Seminar hat sich ein Journalist getraut genau dass zu sagen, was wir eigentlich schon wussten: Bad news are good news! Und da werden u.a. auch aus Zeitgründen alte Archivbilder genommen irgendwelche – Hauptsache die schrecken auf! Der Journalismus muss ja auch irgendwie Geld verdienen, oder? Den Landwirten wird ein schlechtes Gewissen gemacht und Existenzen genommen – Und wer traut sich mal an die „Mafia“ Journalismus? Da geht´s um Stories für eine Doppelseite in hiesigen Zeitungen, eine Schlagzeile für einen Tag – und am nächsten Tag ist was neues dran! Ist das denn richtig? An sachliche Reportagen sind leider nur die wenigsten interessiert! Schade…. (Zum Glück gibt es da noch ein paar!)

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