Archiv für den Monat: November 2015

Wir machen Euch satt 2.0

15880_5_61_Berlin_whesBereits Mitte Januar ist es wieder so weit: Die internationale Grüne Woche in Berlin öffnet wieder ihre Tore. Seit 2011 nehmen Gegner der konventionellen Landwirtschaft diese Messe zum Anlass für eine „Agrarwende“ und gegen die „industrialisierte“ Landwirtschaft zu demonstrieren. „Wir haben es satt“ ist dabei die Parole. Dabei hat jeder Teilnehmer ganz persönliche Gründe, warum er/sie „es satt hat“.
Die Demonstranten und Organisatoren treffen dabei die allermeisten Bäuerinnen und Bauern ins Herz, weil letztlich auf den vergangenen Demos die moderne Landwirtschaft verurteilt wurde. Mit meist falschen bzw. überzogenen Behauptungen:
Im Vorfeld und im Zuge der Demos wurden zum Beispiel sogenannte Atlanten zu Fleisch und Boden angefertigt. Dabei wurden in unwissenschaftlicher Weise die Fakten so stark verdreht, dass die herkömmliche Landwirtschaft – und damit eben auch die überwiegende Mehrheit der Landwirte-  in einem sehr schlechten bzw. in einem viel zu schlechten Bild erschien. BlogAgrar-Autor Georg Keckl gibt in seinen als PDF-Datei erschienenen Abhandlungen „Anti-FleischAtlas“ und „Anti-Bodenatlas“ die Antwort auf die vielen Falschaussagen und Fehldeutungen.

994_berlin_whesIn diesem Jahr gab es bekanntlich die erste Ausgabe der „Wir machen Euch satt“- Demo, in der knapp 1000 Landwirte am Berliner Hauptbahnhof für die Belange der großen Mehrheit der Bäuerinnen und Bauern demonstrierten. Es wurde gefordert, die Diffamierung der Landwirte zu beenden und mehr Dialog mit uns, mit den Landwirten eingefordert. Diesen Dialog gab es an verschiedenen Stellen (z.B. hier, hier und hier).

Nichtsdestotrotz haben sich die Gegner der herkömmlichen und modernen Landwirtschaft wieder zu einer weiteren Auflage von „Wir haben es satt“ verabredet. Diesmal kämpfen sie dem Papier nach für die Belange der Bäuerinnen und Bauern.

Also könnte man doch gemeinsam eine einzige Demo besuchen?

Nein!
Denn wir sind die Bauern und „Wir machen Euch satt“!

Die „Wir haben es satt“-Organisatoren und Förderer sind auch weiter -teils heftige- Kritiker der breiten und vielfältigen Landwirtschaft in Deutschland!

Deshalb wird es auch in 2016 eine „Wir machen Euch satt“-Demo geben!

Seid dabei und zeigt Euch mit der überwältigenden Mehrzahl der Landwirte, Landfrauen und Landjugend solidarisch! In Berlin oder in den vielen Städten in den Regionen!

16. Januar 2016 ab 9:15 Uhr:
„Wir machen Euch satt 2.0“ in Berlin…
…und auch in Deiner Nähe

Warum wir die moderne Landwirtschaft nicht schätzen, sie aber schätzen sollten

Es gibt wieder Neuigkeiten von Andreas von Tiedemann, Professor für Pflanzenpathologie aus Göttingen!

snap_vTiedemann_fernsehkritiktvDem regelmäßigen Leser dieses Blogs ist er bereits im Oktober positiv aufgefallen, als er die Berichterstattung von PlusMinus zum Thema Pestizide in einem offenen Brief scharf kritisierte. Dieser offene Brief wurde für einen ausführlichen Beitrag bei Fernsehkritik.tv aufgegriffen. Wirklich sehenswert- Herr von Tiedemann kommt dort ausführlich zu Wort.

Aber nicht nur das. Er verfasste zusätzlich auch einen Beitrag, der auf den Internetseiten des Deutschen Arbeitgeberverbandes veröffentlicht wurde. Ich bin ihm wirklich dankbar für diese Worte:

„Warum wir die moderne Landwirtschaft nicht schätzen, sie aber schätzen sollten“

deutscherarbeitgeberverband_logoDie Sorgen um den Wirtschaftsstandort Deutschland angesichts von Technologiefeindlichkeit betreffen nicht nur die Industrie sondern in ganz besonderem Maße auch die Landwirtschaft. Mehr noch als die industrielle Produktion hat die Landwirtschaft mit ihrer Aufgabe der Ernährungssicherung eine unmittelbare Funktion in der Sicherstellung unserer essentiellen Lebensgrundlagen. Deshalb erscheint es so unverständlich wie eine Gesellschaft gerade diejenigen Technologien so kritisch sieht, ja ablehnt, die zu dem in der Geschichte der Menschheit bislang einmaligen Grad an Ernährungssicherheit geführt haben, den wir alle heute genießen.

Der Grund hierfür liegt prekärerweise im Erfolg der modernen Landwirtschaft selbst. Die Einführung moderner Methoden der Pflanzenproduktion, die in Europa und anderswo in den letzten fünf Jahrzehnten zur Vermehrfachung der Erträge in den wichtigsten Nahrungskulturen wie Mais, Reis und Weizen geführt haben und der entscheidende Grund dafür ist, dass in diesem Zeitraum der Pflug mit dem Storch Schritt halten konnte (siehe Tabelle), hat das Thema Nahrungsmittelknappheit in den entwickelten Ländern völlig aus dem Bewusstsein verdrängt. Der ungeheure Fortschritt in der Landwirtschaft durch Einführung besserer Anbautechnologien wird kurioserweise gerade durch den daraus resultierenden Erfolg mit der Ignoranz der davon Begünstigten bestraft. Die moderne Landwirtschaft hat – zumindest für den entwickelten Teil der Menschheit – ein solches Maß an Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln erreicht, dass dieser nicht mehr als außerordentliche Leistung sondern als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird. Die dramatische Folge für die Landwirtschaft ist, dass der Zusammenhang dieser komfortablen Wohlfahrtssituation mit den dafür notwendigen modernen Landbautechniken nicht mehr hergestellt wird. So kurios das klingt, eine weniger erfolgreiche Landwirtschaft, die immer wieder Knappheiten in der Versorgung herbeiführen würde, würde sich einer weitaus höheren Anerkennung erfreuen und müsste sich als Technologie nicht für Ihren Erfolg rechtfertigen.

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Das mangelnde Bewusstsein für den eigentlichen Ursprung unseres Ernährungswohlstands ist auch ein mangelhaftes Geschichtsverständnis. Warum wir die moderne Landwirtschaft nicht schätzen, sie aber schätzen sollten weiterlesen

Pamela Anderson und die Putenbrüste

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 17. Teil der kleinen Serie:

2.12 Manchen Männern können die Brüste nicht groß genug sein

ZITAT FAZ, Herr Bauck: „Herausgekommen sind dabei Zombies mit fünfzig Prozent Brustanteil. Bei Pamela Anderson sind es nur dreizehn Prozent.“

(Quelle: http://www.discounter-preisvergleich.de/)
(Quelle: http://www.discounter-preisvergleich.de/)

Der Brustfleischanteil bei der Pute liegt bei 30%, sagt sogar Ökotest1. Leichte Puten haben ca. 30,5% Brustfleischanteil, schwere 33%2. Das ist nicht viel mehr als Wildvögel haben, denn der Flugmuskel („Brust“) ist nun mal der größte und wichtigste eines Vogels.

(Quelle: Wikipedia)
(Quelle: Wikipedia)

Die Vogelbrust ist ein Muskel, der muss groß sein, sonst klappt das mit dem Fliegen nicht. Flugunfähige Vögel haben mehr Bein. Der heißt zwar Brustmuskel, nun denken die Leute aber immer an die Dinger auf den Rippen, aber bei Vögeln zieht sich der Brustmuskel vom Hals unter den Bauch bis zum Schwanz3.

Das ist ein geschicktes PR-Spiel der Propagandaexperten bei den NGO’s mit dem Unwissen in Biologie und Anatomie. Die Frau Anderson hat am unausbalancierten vorderen Gewicht vermutlich mehr zu leiden als die Vögel. Den Gewichtsanteil der Brüste bei Frau Anderson kenne ich nicht, aber wenn sie 60 kg wiegen sollte, dann wären 8 kg Brust eine reine Männerphantasie.

2 Vgl.: Seite 39 in http://www.uni-goettingen.de/de/document/download/eb8e7cb74287077b3a6034007ac7ba47.pdf/4.Gefl%C3%BCgel_2013.pdf
3 Vgl.: http://www.heidemark.de/index.php?page=teilstuecke-der-pute und https://de.wikipedia.org/wiki/Gefl%C3%BCgel#/media/File:Huhn-ganz.png

Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Heidekartoffel Linda

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 16. Teil der kleinen Serie:

2.11 Heidekartoffel Linda

img_2812_lindaDas war eine gute PR, die da um die Linda gemacht wurde. Die Nachfolgekartoffel „Belana“ schmeckt genauso gut und zickt viel weniger. Die wichtigste Speisekartoffel heute. Normal gehen die Biobetriebe auf zickenlose, gesunde, robuste Sorten, aber durch diese Show „armer Biobetrieb gegen bösen Saatgutkonzern“ bilden sich die Biokunden noch heute ein, da einen Kampf gegen das Böse zu unterstützen.

Bei der Aufzählung der Bio-Pioniere aus der Gegend wurde wieder der bio-vegane Pionier vergessen, der vormachte, dass vegan und Gartenbau geht. Für das EHEC konnten sie nichts, das wurde mit Samen aus Ägypten eingeschleppt, hätte auch anderen passieren können. Dass so viele Leute starben, lag auch daran, dass man nicht glauben wollte, dass ein lokaler Biobetrieb die Keim-Quelle sein konnte, obwohl das Erkranktenmuster eindeutige Hinweise gab. Bio ist ja so gesund, kann doch nicht sein.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Alles bio und gut?

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 18. der kleinen Serie:

2.13 Die Ökologie beißt sich bei einzelnen Thesen in den Schwanz

Moderne Nutztierrassen nutzen das Futter optimal, d.h. aus wenig Futter wird viel Fleisch. Das ist ökologisch und nicht alte Rassen, die viel Fressen und wenig Eier liefern oder Fleisch ansetzen.

So wie die Hühner an Menschen gewöhnt sind, so reagieren sie auch.

(Quelle: Wikipedia)
(Quelle: Wikipedia)

Auf dem DEMETER-Hofgut in Darmstadt kosten die Eier auch 50 Cents, auch von vorbildlichen „Hühnermobilen“ und viele Besucher gewöhnt, wie früher die überall herumkackenden Hofhühner.

Zu Ostern gibt es deswegen so viele Eier, weil ein Großteil der Eier in Aufschlagwerke geht für die Großabnehmer, nur zu Ostern eben nicht.

Ich würde mal behaupten, das Durchschnitts-Konvifutter aus den Werken ist besser als was die Biotiere zu fressen bekommen. Auch bei Bio geht 60% des Getreides ins Futter. Vieles davon würde kein Kraftfutterwerk kaufen.

Deutsche Professoren scheinen inzwischen zu glauben, wenn man das Angebot verändert, ziehen die Kunden nach. Ansprüche, Reden und Verhalten sind zweierlei. Ansprüche hat man gern – an andere. Wer „gesellschaftlich akzeptiert“ als Produktionsvoraussetzung einführen will, wird demokratische Prozesse durch Räteentscheidungen ersetzen. Es kommt zum Terror praxisfernen Labertaschen, die sich für die Gesellschaft halten. Unsere Marktwirtschaft klappt hervorragend, entfaltet größten Nutzen für alle, für das Gemeinwohl, wenn jeder Bereich seine Freiheit und seine Regeln hat, seine Erfolge einstecken kann: Die Bauern die ihren, die Verarbeiter die ihren und auch der ganze Handelsbereich vor und hinter der Produktion die seinen. Die Rahmenbedingungen setzt der Gesetzgeber und alle halten sich daran, respektieren das. Das ist heute demokratisch legitimiert, das wird im Prinzip noch respektiert. Keiner mischt sich zu sehr in die Arbeit des anderen Bereiches ein, wenn es für den eigenen Bereich nicht nötig ist. Wie die Tiere gehalten werden, war Sache der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Bauern, nicht der Verarbeiter oder des Handels. Eine Molkerei hält keine Kühe, will nur beste Milch, eine Schlachterei hält keine Schweine, versteht auch nicht unbedingt viel davon, und der Handel schon gar nicht.

Der Rausch an neuen „Weltverbesserungsinstrumenten“ zur „moralischen Reformation“ des Clusters kann schnell verfliegen. Man sollte sich schon überlegen, sich bewusst sein, was man in Bewegung setzt, wohin das auch führen könnte, wenn andere hier an die medialen Ruder kommen und das propagandistisch nutzen („Planziele nicht erreicht“ etc.). Wenn jetzt jeder über alles mitbestimmen und sich einmischen will, und womöglich über einen „Ethikrat“, oder wie immer man das nennen will, so wird das nach allen Erfahrungen mit der Soziologie eher in eine „Herrschaft der Labertaschen“ (a‘ la „Welt-Agrarbericht“) hinauslaufen, denn in eine ethische Reform des Bereiches. Es wird die Wettbewerbsfähigkeit des extrem erfolgreichen Clusters, nach meiner Erfahrung mit Menschen und Moden, eher lähmen statt beleben. Wer weiß dann denn noch, was kommt, auf was Verlass ist? Man sollte sich auch überlegen, was als nächster Bereich unter diese „Betreuung“ kommt, ethische Preise, ethischer Handel, ethische Arbeitsbedingungen, ethische „Regionalität“, ethische „Klimabilanzen“, ethische Presse? Es ist absolut sinnvoll und richtig, prinzipiell in Gedanken und Praxis an der bisherigen, demokratisch legitimierten Arbeitsteilung festzuhalten! Bei undemokratischen „Räteelementen“ ist sehr aufzupassen, was das wird, das ist streng auf einen speziellen „informellen Nutzen“ zu beschränken. Alles andere wäre gegen unser Wirtschaftssystem, wäre ja so was wie ein Gutgläubigen-Kartell. Wir schreiben Euch vor, wie das zu machen ist!


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

in der DDR wurde überwiegend regional produziert

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 15. Teil der kleinen Serie:

2.10 Ich muss mich in der Quasselgesellschaft gut darstellen, ob ich es mir leisten kann und will oder nicht

ddr_konsumWie man eine lokale Selbstversorgung organisierte, zeigte die DDR: Es gab halt nichts anderes oder nur zu astronomischen Preisen. Man nennt das in Bio-Kreisen heute „Einspeisevorrang“, angelehnt an das EEG.

Grüne Demo vor einem Zirkus. Vor dem Zirkuszelt wurde von der Karlsruher Ortsgruppe der Grünen dazu ein Protesttransparent entrollt mit dieser Aufschrift. Wann stehen diese eifernden Leute vor Bio-Ställen? Wann merken die Bioverbände, mit wem sie da im Bette sind? (Quelle SWR)
Grüne Demo vor einem Zirkus. Vor dem Zirkuszelt wurde von der Karlsruher Ortsgruppe der Grünen dazu ein Protesttransparent entrollt mit dieser Aufschrift. Wann stehen diese eifernden Leute vor Bio-Ställen? Wann merken die Bioverbände, mit wem sie da im Bette sind? (Quelle SWR)

Man kann dem ökologischen Landbau quantitativ nicht mehr schaden, als dass man ihn die PR-Falle einer „heilen-Welt-Landwirtschaft“ – wie auf dem Bauckhof bugsiert. Die Masse der Bioprodukte ist heute kein Kleinbauernerzeugnis mehr – aber – der Bauckhof ist auch kein kleinbäuerlicher Betrieb! DEMETER ist was für die elitär angehauchten, auch um sich so darzustellen. Der Bauckhof verkauft nicht nur Bioprodukte, er verkauft auch einen Bioablass auf Umweltsünden und Tickets für einen sozial abgegrenzten Wohlfühlzirkel.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Vorurteile zur Einkommenssituation

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 14. Teil der kleinen Serie:

2.09 Hearsay zu den Einkommen

„Massentierzüchter verdienen so viel Geld, dass sie zu fast jedem Preis Land pachten können – zu dem einzigen Zweck, ihren Dung dort abzuladen. Noch verheerender ist die absurde Förderung von Energiepflanzen für die Biogasherstellung, die bei zweitausend Euro pro Hektar liegt, viermal mehr, als ein Biolandwirt bekommt.

Die „Massentierzüchter“ sind zu 99% normale Bauern, dass sie so viel Geld verdienen, werden diese gerade im Moment mit Erstaunen hören. Keiner betreibt „Güllekippen“, alle normale Feldbewirtschaftung. csm_2_Einkommen_landwirtschaftlicher_Betriebe_nach_Region_3f592b1a7dDie Pachtpreise wurden durch die gesetzlich angeordneten „Güllenachweisflächen“ getrieben, eben damit genug Fläche für die anfallende Gülle da ist, aber hohe Pachtpreise bringen auch mal Verluste in die Bilanzen. Biogasanlagen sind meistens Nebenbetriebe mit beschränkter Haftung und von denen sind auch schon einige Bankrott gegangen. Es kommt immer darauf an, was man von dem Geschäft versteht, ob man ein Händchen dafür hat. Es gibt übrigens auch sehr gute Biobetriebe, die die Pachtpreise in die Höhe treiben, sehr hoch pachten, anklopfen, ob man nicht verpachten möchte, sie würden Höchstpreise zahlen – weil sich ihr Geschäft lohnt. Der arme, traurige 68-Idealist als Biobauer ohne Verkaufsgeschick, der gerne in die Medien kommt, ist ein Auslaufmodell, hätte nie anfangen sollen.

Entwicklung des Gewinns plus Personalaufwand je AK in ökologischen und vergleichbaren konventionellen Betrieben in Deutschland
Entwicklung des Gewinns plus Personalaufwand je AK in ökologischen und vergleichbaren konventionellen Betrieben in Deutschland

Biogasanlagen werden gerne von viehlosen oder vieharmen Biobetrieben genutzt, um mit dieser Art von Gülle die Felder zu düngen, den dogmatisch verbotenen Stickstoffkunstdünger zu ersetzen. So kommt man mit weniger Vieh an Mist. Nur wenige Deutsche wollen den für deutsche Bioregeln oder gar ein Ideal-Bio, wie Herr Bauck es betreibt, den nötigen Bio-Mehrpreis zahlen. Das geht in dem Kampagnenebel des Bio-Hochschreibens meist unter. Die Mengenexplosion wird durch Billigbio und Importe getrieben – wenn bio kaum mehr kostet, wird’s mehr genommen. Das verdirbt etwas das Geschäft der Verbandsbiobetriebe.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

allerlei Gerüchte ums Nitrat

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 13. Teil der kleinen Serie:

2.08 Mehr Öko-Hearsay zu Wasser & Nitrat

„Stickstoff wird als Nitrat massiv ins Grundwasser geschwemmt, so dass inzwischen bei fünfzehn Prozent des Trinkwassers der Nitratanteil über dem gesetzlichen Grenzwert liegt.“ ZITAT FAZ

Mainstream“ – aber falsch. Der Anteil des Trinkwassers, bei dem der Nitratanteil über dem gesetzlichen Grenzwert liegt, ist nahe Nullkommanichts!

ZITAT UBA: „Die Messdaten aus den Jahren 2011 bis 2013 zeigen: Das Trinkwasser hielt bis auf eine Ausnahme zu mehr als 99 Prozent alle Parameter ein.1

Wenn Nitrat so schlimm wäre, müsste man den Gemüseverzehr verbieten. Wer trinkt eigentlich noch Wasser aus dem Hahn? Die Nitratmenge aus dem echt getrunkenen „Trinkwasser“ ist im Vergleich zu Gemüse und Obst ein Witz.

Höchstmengenregelungen zu den Nitratgehalten in unterschiedlichen Lebensmitteln. Quelle: http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/nitrat/
Höchstmengenregelungen zu den Nitratgehalten in unterschiedlichen Lebensmitteln. Quelle: http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/nitrat/

Neuere Erkenntnisse sprechen dem Nitrat in den aktuellen Dosen einen Gesundheitsnutzen zu2. Es gibt inzwischen schon Nitrat-Fitnessdrinks3. Dieses Hearsay-Wissen breitet sich mit großer Unterstützung des UBA aus, Zahlen, Faken und Zusammenhänge werden durch „groß“, „bedeutend“, „Einfluss“ etc. ersetzt, wenn die echten Zahlen stören könnten – und man rückt die echten Zahlen zu den Behauptungen auch nicht raus4. Das UBA verstößt damit gegen die Beamtenpflichten5, es hat unparteiisch und seriös zu informieren.

5 Vgl.: http://www.gesetze-im-internet.de/beamtstg/__33.html


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

EFSA: Glyphosat ist sicher

Zur lang erwarteten abschließenden Bewertung über den Herbizidwirkstoff Glyphosat hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (*) folgende Pressemitteilung herausgegeben:

PRESSEMITTEILUNG

EFSA bestätigt frühere Sicherheitsbewertungen von Glyphosat

Frankfurt, 12. November – Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die früheren Sicherheitsbewertungen des Pflanzenschutzmittelwirkstoffes Glyphosat erneut bestätigt. Die Behörde kommt zu dem Schluss, dass Glyphosat keine krebserregenden oder mAG_Glyphosatutagenen Eigenschaften besitzt und sich auch nicht toxisch auf die Fortpflanzung, sowie die Embryonalentwicklung auswirkt. Darüber hinaus stellt EFSA fest, dass „es sehr unwahrscheinlich ist, dass von Glyphosat eine Krebsgefahr ausgeht und die Datenlage unterstützt auch keine Einstufung von Glyphosat hinsichtlich eines krebserregenden Potentials gemäß der Verordnung (EC) Nr. 1272/2008.“
EFSA kam zu dieser Schlussfolgerung nach Bewertung eines umfassenden Studien- und Datensatzes zum Wirkstoff Glyphosat. Die Schlussfolgerung der EFSA verdeutlicht die überwältigende Beweiskraft der vorliegenden Daten. Laut EFSA sei die Datenlage zum Wirkstoff Glyphosat „außerordentlich umfangreich“. Dabei stütze sich „die toxikologische Bewertung des berichterstattenden Mitgliedsstaates, die im Rahmen des sog. ‚peer review‘ Verfahrens (1) bestätigt wurde, auf die Gesamtaussagekraft der Fülle an validen Studien und nicht nur auf einzelne Studien zu einem bestimmten Bewertungsaspekt“, wie es im EFSA Bericht heißt.
Richard Garnett, Vorsitzender der europäischen Glyphosat Task Force sagt dazu: „Das Ergebnis der EFSA ist ein entscheidender Schritt im Rahmen des Wiederzulassungsprozesses von Glyphosat durch die europäischen Zulassungsbehörden. Es bestätigt erneut die früheren Sicherheitsbewertungen von Glyphosat, die bereits von Behörden weltweit durchgeführt wurden. Diese haben einheitlich ergeben, dass die Anwendung von Glyphosat kein Risiko für den Menschen, Tiere und die Umwelt darstellt.“
Die Europäische Kommission wird die Schlussfolgerungen der EFSA in ihrem Beurteilungsbericht und in einem Entscheidungsvorschlag berücksichtigen, über den die Vertreter der 28 Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SC PAFF) in den kommenden Monaten abstimmen.
Ursula Lüttmer-Ouazane, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (*) kommentierte die Entscheidung: „Wir freuen uns, dass die beteiligten Bewertungsbehörden sich die nötige Zeit nehmen konnten, um den Wirkstoff Glyphosat umfänglich neu zu bewerten und sehen uns durch das Ergebnis erneut bestätigt. Wir gehen davon aus, dass nunmehr eine faktenbasierte Debatte die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat bisherigen, teilweise ideologischen und unsachlichen Kampagnen ablöst. Glyphosat ist ein wertvoller Baustein einer modernen und nachhaltigen Landwirtschaft.

(1) Unter peer review-Verfahren wird die folgende Vorgehensweise bei der Pflanzenschutzmittelwirkstoff (Über-)prüfung verstanden:
Ein Expertenteam der EFSA sichtet und überprüft sämtliche relevanten Daten und Studien zum Wirkstoff. Offene Fragen werden bei Expertentreffen (oder Telekonferenz) oder im schriftlichen Verfahren zwischen EFSA, Berichterstattender Mitgliedsstaat (BMS) und Mitgliedsstaaten geklärt. Der BMS stellt den endgültigen Bericht fertig. Die EFSA verfasst einen Entwurf einer Schlussfolgerung mit abschließender Konsultation der Mitgliedsstaaten. (Quelle🙂
(*) Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG) setzt sich für einen nachhaltigen und sachgerechten Einsatz des Wirkstoffes ein. Weitere Informationen zur Anwendung und Sicherheitsbewertung von Glyphosat unter www.glyphosat.de. In der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat engagieren sich die Unternehmen ADAMA Deutschland GmbH, Cheminova Deutschland GmbH & Co. KG, Dow AgroSciences GmbH, Helm AG, Monsanto Agrar Deutschland GmbH, Nufarm Deutschland GmbH, Syngenta Agro GmbH. Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat ist ein informeller Zusammenschluss der Unternehmen und keine rechtlich selbstständige Einheit.

Anmerkung des Blogbetreibers:
Weil immer mal wieder der Lobbyvorwurf geäußert wird: Ich möchte noch einmal betonen, dass ich diese PM ausschließlich wegen des wichtigen Informationsgehaltes poste. Ich beziehe weder Geld- noch Sachleistungen von der chemischen Industrie. 

 

Die Rolle des Umweltbundesamtes (UBA)

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 12. Teil der kleinen Serie:

2.07 Umweltlügenamt oder Wahrheitsbehörde?

Das Umweltbundesamt soll des „Ökosektierertum unverdächtig“ sein?

 „Selbst das jeder Art von Ökosektierertum unverdächtige Umweltbundesamt“ ZITAT FAZ

logumweltbundesamt_logo_ubaDas UBA ist eher die Zentrale des Ökosektierertums!1 Mit ihrer raffiniert irreführenden Informationspolitik verdient sich das UBA eher den Titel „Umweltlügenamt“ oder sarkastischer (aus der ZEIT!) „Wahrheitsamt2. Wenn man die Ernährung der Hälfte der Weltbevölkerung unter „Stickstoffbelastung“ summiert, so müsste man diesen Ungeist eher in Berliner, Moskauer oder Pekinger Planungsbüros vergangener Zeiten als in einem Ökobürohaus in Dessau verorten. Es geht hier um Menschen! Natürliche, lebensnotwenige Kreisläufe, wie bei der Nahrung, darf man nicht mit Wohlstandssackgassen, wie bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, vermengen.

Unsere Flüsse und Seen werden immer sauberer, alte Arten kommen zurück. Aber die, die früher an das unausweichliche Waldsterben glaubten, hatten schon immer eine Schwäche für Weltuntergangs-Sündenpredigten und ihre Heilsverkünder:

„Wenn die Münz im Biokasten klingt, die Ökoseel aus dem Umwelt-Fegefeuer springt“.

Wer lebt weiter auf 100qm Wohnfläche mit Garten auf bester Ackerbodenqualität, kassiert ein Wohlstandsgehalt, fährt Auto, fliegt erleichtert in den Urlaub – aber will anderen eine Umweltmoral mit Verzicht predigen? Verhaltensökonomen nennen das heute „Moral Licensing“3. Wer 1980 nicht an das unausweichliche Waldsterben glaubte, wurde moralisch auf die Stufe der Holocaustleugner gestellt. Wir müssen gut sein, zumindest diesen Anschein in der Twitter-Welt des Anscheins und der Selbstdarstellung erwecken, und wenn wir den eigenen Verstand dafür anpassen müssen.

ZITAT aus der ZEIT:„Wie in einem perfekt passenden Schuh, den wir kaum spüren, sitzen wir auf diese Weise in den Weltbildern unserer Zeit fest, deren Borniertheit erst spätere Generationen ganz ermessen werden.“ ZITAT ENDE4

Nun stelle sich mal einer hin und sage, Bio führt in eine Gängelungs-Diktatur von weltfremden Theoretikern statt zur Weltrettung! Wenn der Jungbauer in der Disco sagt, er wäre Biobauer, mit Pferd, hat er mehr Chancen auf eine vergnügliche Nacht. Danach richtet sich das schon, wenn überzeugt wurde.

4 ZEIT 36/15 Seite 39 Artikel von Iris Radisch – auch wenn Frau Radisch sicher ganz andere mit „Borniertheit“ meinte als ich.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html