Archiv für den Monat: April 2016

Volksverdummung

Volksverdummung à la „Waldsterben“: Nitrate im Wasser

Geor Keckl | (c) animal-health-online.de
Geor Keckl | (c) animal-health-online.de

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) meldete im September 2015: „Hohe Nitratwerte in Niedersachsens Grundwasser1. Dazu wurde ein Bild der Rheinland-Pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken gezeigt, wie sie im Mainzer Landtag eine rot und grün eingefärbte Deutschlandkarte ins Plenum zeigte, auf der angeblich die „Grundwasserbelastung durch Nitrat grafisch darstellt“ sei (NOZ). Niedersachsen ist auf der Karte vorwiegend in alarmierendem Rot. Weiter sind zu dem Artikel im Internet Bilder mit einem völlig veralteten Gülle-Schleuderfass zu sehen und doch auch eine Karte, die einzelne Echt-Messwerte für Niedersachsen zeigt, wo es nun für den Raum Osnabrück, im Unterschied zur rot-grün gefärbten Karte der Ministerin, gar nicht so schlecht aussieht. In der gesamten Viehhaltungsregion der ehemaligen Fürstbistümer Münster und Osnabrück sorgt diese missverständliche rot-grüne Karte immer wieder für Besorgnisse der Bürger über ihr Trinkwasser. Regelmäßig lösen sich in der NOZ u.a. Artikel über den angeblich schlechten Zustand des Grundwassers mit scheinbar wirkungslosen Artikeln über die gute Qualität des in der Region gewonnenen Trinkwassers ab2.

Im März erschien in der NOZ ein Artikel mit der Überschrift: „Grüne: Missverständnis – Keine Gefahr für Trinkwasser in Hilter durch Nitrat“3. Ausgerechnet auf einer Infoveranstaltung der Grünen, die kräftig die „Grundwassersterbens“-Welle anschieben, wurde nun den verdutzten Besuchern erläutert, dass ihr Trinkwasser seit Jahrzehnten konstant niedrige Nitratwerte aufweist. Die Messstelle des Landes Niedersachsen, die zu hohe Werte aufweist, stehe in der Münsterstraße4 am Ortsrand von Hilter (lockere Siedlungen, Friedhöfe und Industriegebiet) und habe mit dem Trinkwasser des Ortes nichts zu tun.

In den katholischen Fürstbistümern zwischen Niedersachsen und NRW ist eine intensive Viehhaltung auf kleinen Höfen gewachsen. Das hier traditionelle römische Erbrecht (südlich des Limes und in römisch-katholischen Fürstbistümern) sah lange die Erbteilung vor und bei der Abschaffung der Leibeigenschaft samt „Verkoppelung“ der Felder im 19. Jahrhundert wurde viele Höfe aus den Dörfern in ihre Flur verlegt. Günstige Bedingungen, unter denen sich viele kleine Betriebe über eine intensive Viehhaltung für die nahe „Boomregion“ Ruhrgebiet bis heute erhielten. Im Gegensatz zur veröffentlichten Meinung ist Viehhaltung immer noch eine Domäne der flächenknappen kleinen Vollerwerbsbetriebe. Groß- und Nebenerwerbsbetriebe wurden ab den 60er Jahren meist viehlos. Historisch sind viele Kleinbetriebe von den großen Herrschaftshöfen aus den Gebieten mit guten Böden auf die schwächeren Standorte verdrängt oder dort aufgesiedelt worden. So kam viel Viehhaltung auf leichte, sommertrockene Böden. Die Böden mit „luftigem“ Untergrund haben die Eigenschaft, dass sie wenig Wasser speichern und/oder bei viel Regen die in der Bodenlösung vorhandenen Nitrate biologisch unabgebaut nach Unten abgeben. Das trifft besonders auf Äcker zu, die lange ohne Bewuchs sind, welcher die Nährstoffe halten könnte. Wo diese „inkontinenten“ Böden sind, ist auch viel Nitrat im Grundwasser, ganz unabhängig vom Vieh. Das gibt es auch unter Siedlungen (meist undichtes Kanalnetz) oder Wäldern5.

Eine nicht-nachhaltige Waldnutzung, z.B. massenweise verfaulendes, bestes Buchenholz im Stadtpark von Hannover, erhöht die Nitratgehalte im Boden der Umgebung und führt dazu, dass die Anwohner Brennholz aus Russland in ihren Kaminen verbrennen. Die Stickoxide aus Auspuffabgasen summieren sich ebenfalls. Der öffentlichen Meinung wird nun eingeredet, alles Nitrat komme von einer „Überdüngung“ – würde nur so viel gedüngt, wie die Pflanzen brauchen, gäbe es kein Nitrat im Grundwasser. Das ist wie mit dem Salz im kochenden Nudelwasser. Man kann nicht so wenig Salz ins Wasser geben, wie die Nudeln brauchen, es wird immer Salz mit dem Nudelwasser weggeschüttet. Nitrat ist ein Salz wie Kochsalz. Wenn es so stark regnet, dass Wasser „durchläuft“ (meist im norddeutschen Winter), nimmt es das Salz mit. Nitrate sind ein natürlich im Boden vorkommender und auch natürlich immer verlagerter Stoff. Wie die „Nitratbilanz“ aussieht, ist mit dem Wetter jedes Jahr anders. Nitrat wird bakteriell abgebaut, von Pflanzen aufgenommen, in den Humus ein- und ausgelagert, ebenfalls mit der Humusmenge im Boden angereichert oder abgetrennt, mit dem Wasser in die Tiefe verlagert. Nitrat ist kein Gift, es ist ein Grundbaustein des Lebens, wie Kochsalz auch, nur dass Kochsalz „bakterienstabil“ ist. Die Menschen nehmen Nitrat vorwiegend mit dem Gemüse auf, und das schon zu Zeiten, wo die Menschen noch mehr Leitungswasser tranken als heute. Selbst die etwas problematischen Nitrite werden vom Menschen selbst in der Mundhöhle gebildet, ein Keimschutz für Zähne und Magen6. Das ist alles eine Frage der Dosis. Hier werden nach bewährter Taktik die nach technischen Möglichkeiten festgesetzten, technischen Ziel-Grenzwerte von Scharlatanen zu Gesundheitsgrenzwerten verfälscht.

Der Konflikt in Osnabrück ist typisch für gegenwärtige Lage beim Streit um das Grundwasser: Das Grundwasser stirbt angeblich, ist fast überall verseucht, nur hapert es an Überall-Zahlenreihen. Das erinnert stark an das „Waldsterben“, als Fotografen verzweifelt nach toten Bäumen im nirgends sterbenden Wald suchten. Wie alle „Waldschadensberichte“ seit 1983 und historische Forstberichte zeigen, ist der Wald heute so gesund oder so krank wie früher und zu allen Zeiten7. Die öffentliche Meinung hatte nur die Vorstellung, früher wären keine Bäume „gestorben“, hätte es keine kranken und abgestorbenen Bäume im Wald gegeben. Mit dem Missverständnis wurde Politik und Karrieren gemacht. Es ist erstaunlich, wie leicht die Medien immer wieder auf Katastrophenmeldungen und Kampagnen hereinfallen. Und es ist erstaunlich, wie weit die Umweltaktivisten für ihre guten Ziele bereit sind, das Volk zu verarschen, eben wie bei den Waldsterbensprognosen, die nie eintrafen. Will man heute sterbende Wälder sehen, muss man in die Nationalparke gehen, da sterben kilometerweise Wälder „natürlich“ ab und reichern das Grundwasser mit Nitraten aus faulendem Holz an.

Die großen „roten“ Gebiete auf der Karte der Ministerin Höfken kommen von wenigen Messstellen mit hohen Nitratwerten, die aus Vorsorgegründen ein ganzes Flusseinzugsgebiet als „gefährdet“ klassifizieren8. Dass hier das ganze Grundwasser „schlecht“ sei, ist eine politische Lüge. Auch in der NOZ fanden sich die weiteren politischen Verdummungen zu dem Thema:

Zwar werde der Grenzwert für Nitrat in der Mehrzahl der überwachten Bäche und Flüsse nicht überschritten. Doch während 2010 nur in 82 Fällen Werte über 50 Milligramm pro Liter gemessen wurden, waren es in diesem Jahr bereits 190. Der grüne Bundestagsabgeordnete Peter Meiwald sagte der „Frankfurter Rundschau“: „Dass nur zehn Prozent der fließenden Gewässer in Deutschland richtig sauber sind, ist eine Klatsche für die Umweltpolitik der Bundesregierung.

Die Zahl der „Grenzwertüberschreitungen“ ist deshalb gestiegen, weil 2010 insgesamt 5666 Bäche und Flüsse gemessen wurden und 2015 waren es 63059. Nun hat Deutschland keine Eroberungen gemacht, sondern problematische Flussabschnitte stärker unterteilt. Das nur 10% der Gewässer in Deutschland richtig sauber sein sollen, ist die dreisteste Lüge, die immer wiederholt wird, denn die 90% ergeben sich hauptsächlich aus der Verbauung der Flüsse, ihrem „unnatürlichen Zustand“ und nicht aus der Chemie der Gewässer10. Es gibt einen Fluss, der viele deutsche Quellen, Bäche und Flüsse einsammelt, der Rhein, und da sinken, wie bei fast allen deutschen Gewässern seit den 80er Jahren, die Stickstoffwerte (Nitrat-N und Ammonium-N hängen zusammen):

Bimmen-Lobith-Rhein_nitratQuelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/419/bilder/dateien/nitrat_rhein.pdf

———————————————————————————————————————————–p-nh-nitrat_2010Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/419/bilder/naehrstoffe_trend.png

Die Belastung der Gewässer mit Nitrat nimmt im Schnitt eindeutig ab.

Auch die oft gehörte Aussage, in Deutschland wäre das Grundwasser so belastet wie in der EU sonst nur in Malta, ist dreist gelogen für den guten Zweck.

Dazu gibt es die berühmte „Malta-Grafik“, in der ich mal eingezeichnet habe, wo Deutschland stünde, wenn hier wie in anderen EU-Ländern gemessen würde (im „EUA-Messnetz“ statt im deutschen Sonderding „Belastungsmessnetz“11):

Nitrat_d_regularOriginal steht hier: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2013:0683:FIN:DE:PDF

Nun kommt von Wasser-Fachleuten die Forderung auf, die Werte der EU-Staaten vergleichbar zu machen12, was eine der Verursacherinnen dieses Schwindel-Rankings, Frau Höhn, dazu verlasst hat, dreist zu behaupten, nun würde „nur an wenig belasteten Stellen gemessen“13.

Das würde ja heißen, es würde genauso verlogen weitergemacht wie bisher, nur andersrum.

Deutschland hat das Geld, sogar ein echtes, repräsentatives Netz aufzubauen. Dazu wird es wohl nicht kommen, jede Verbesserung der Nitrat-Stellung Deutschlands würde von den Grünen als Schummelei dargestellt. Eine einfache Lüge hat es immer leichter als eine komplizierte Wahrheit. Wer etwas landwirtschaftlichen Verstand hat, wird doch wohl nicht glauben, dass wir bei Nitrat schlechter als die NL sind. Zu der Grafik habe ich dem EU- Generaldirektor der Generaldirektion Umwelt, Herr Karl Falkenberg, öffentlich geschrieben:

Diese Irreführung der EU- Öffentlichkeit durch die EU ist nicht entschuldbar, man muss der Bedeutung des Fehlers und seiner öffentlichen Aufmerksamkeit entsprechend sagen, dass diese Auswertungen von faulen statistischen Vollidioten erstellt worden sind, die nie an solche Auswertungen gedurft hätten.14

Nun hat die EU auf dieser Grundlage Deutschland wegen Nichteinhaltung der Nitrat-Richtlinie verklagt. Ein Sieg für die, die Deutschland mit allen Tricks schlecht machen wollen, was hoffentlich bei den Verhandlungen eine Rolle spielen und auf die eifernden Datenfälscher zurückfallen wird.


 

1 Vgl.: http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/613254/hohe-nitratwerte-in-niedersachsens-grundwasser#gallery&0&1&613254
2 Vgl.: http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/596137/wie-viel-nitrat-ist-im-wasser-in-osnabruck-und-im-landkreis
3 Vgl.: http://www.noz.de/lokales/hilter/artikel/691997/keine-gefahr-fur-trinkwasser-in-hilter-durch-nitrat
4 Vgl.:https://www.google.de/maps/place/M%C3%BCnsterstra%C3%9Fe,+Hilter+am+Teutoburger+Wald/@52.1351122,8.1255246,1165m/data=!3m1!1e3!4m2!3m1!1s0x47b9f24ef617a535:0x2bcad70cdf8fa4d2
5 Vgl.: :  Seite 30 bis 33 in   http://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/service/dateien/a34_stickstoff_in_bayerns_waelder.pdf und  http://www.lwf.bayern.de/boden-klima/bodeninventur/012071/index.php
6 Vgl.: https://www.landwirtschaft-bw.info/pb/MLR.Ernaehrung,Lde/Startseite/Empfehlungen/Nitrat+im+Gemuese+_+Wirklich+so+bedenklich_/?LISTPAGE=1063164 und http://www.eufic.org/article/de/artid/Unser-Speichel-oder-Spucke-nicht-nur-zum-Spucken/
7 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Mail%20November%20Waldsterben.pdf und http://www.agrarheute.com/dlz/news/ausbleibende-katastrophen
8 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Verwirrung%20Grundwassser%20und%20Nitrat.pdf
9 Vgl.: Seite 8 in http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/18/058/1805856.pdf
10 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Umweltbundesamt%20manipuliert%20ZDF%20beim%20Nitrat.pdf
11 Vgl.: Grafik 2 in https://www.umweltbundesamt.de/daten/gewaesserbelastung/grundwasserbeschaffenheit
12 Vgl: siehe Folien 4 bis 13 in http://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/wasser/hydrogeologie/Fortbildungs-_und_Vortragsveranstaltungen/Grundwassertag2014/Messnetz_Nitratrichtlinie_Neumann.pdf
13 Vgl.: http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/deutschland-will-bei-der-nitratbelastung-tricksen-a-1049215.html
14 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Leserbrief%20ZEIT%20Nitrat.pdf

Angst vorm Wolf und Glyphosat

Vorgestern ist bekanntlich ein „Problem-Wolf“ erlegt worden. Ich bin nun über einen Artikel der Hessische/Niedersächsische Allgemeinen (HNA) zum Thema Wolf gestolpert.
Immer mehr habe ich das Gefühl, dass wir in einem Land der Bekloppten und Bescheuerten leben.
Vielleicht sollte man mal am Beispiel Wolf (hier wird immer beschwichtigt) die Begriffe Gefahr und Risiko erklären und das dann mal in Relation mit dem Glyphosat in Pflanzenschutzmitteln (hier herrscht gelegentlich Hysterie) setzen.
 

Diese Divergenz haben wir, weil allgemein die Meinung vorherrscht, die Natur an sich ist gut, jegliche Eingriffe in die Natur wären schlecht und der Mensch gehört nicht zur Natur.

Hier der Zeitungsartikel: Tipps zum Verhalten bei Begegnung mit dem Wolf

und hier ein Video, das auch in dem benannten Zeitungsartikel verlinkt ist:

hna_tipps_wolf_snap

Verwerten statt einfach auskippen

deutschlandfunk_logoGestern in der Sendung „Umwelt und Verbraucher“ des Deutschlandfunks wurde ein sehr interessanter Beitrag aus meiner Heimat, dem Emsland gesendet.

Dieser beschreibt, wie grenzüberschreitend mit dem deutsch-niederländischem Projekt „Mest op maat“ an einer Lösung des „Gülleproblems“ gearbeitet wird. Die hohe Innovationskraft in den letzten Jahren und die zunehmend faire Berichterstattung zu diesem Thema machen Mut. Hier geht es zum Beitrag des Deutschlandfunks von Hedwig Ahrens: ( bitte auf dem Bild klicken)

Es gibt heute hochmoderne Gülletechnik. Hier wird ein Bild mit Technikstand von vorgestern gezeigt (dpa/picture alliance/Tobias Hase)
Es gibt heute hochmoderne Gülletechnik. Hier wird ein Bild mit Technikstand von vorgestern gezeigt
(dpa/picture alliance/Tobias Hase)

Und hier kann man den Beitrag nachhören:

Impressionen von der Ausstellungseröffnung

Die Ausstellung „Bäuerinnen aus Messingen“ ist gestern offiziell und feierlich im idyllischem Museumsdorf „Mühlenhof“ in Münster eröffnet worden.

Bis zum 24. Juli 2016 können die ca. 100 Fotos mit passenden Informationen und Texten besichtigt werden. Ein Ausflug, der sich lohnt, denn im Museumsdorf gibt es nicht nur die Fotoausstellung zu bewundern- auch viele weitere spannende Sachen lassen sich dort entdecken, wie die folgende Galerie andeuten soll: Impressionen von der Ausstellungseröffnung weiterlesen

„Bäuerinnen aus Messingen“ im Zentrum Westfalens

von Dr. Andreas Eiynck

Ausstellung läuft ab kommenden Sonntag auf dem Mühlenhof in Münster

Wenn Münsters „Mühlenhof“ eine Ausstellung über moderne Landwirtschaft im Emsland präsentiert, dann ist das schon eine kleine Revolution. Denn bislang war das populäre Freilichtmuseum rings um die Windmühle am Aasee vor allem als ein Hort des „alten Münsterlandes“ bekannt: Fachwerkidylle mit Kiepenkerl und Korn, dazu Schinken, Mettwurst und Pumpernickel. Lange wollten die Besucher genau diese Fiktion von der „Guten alten Zeit“ und vom „Landleben im Münsterland“. Doch in den letzten Jahren brachen die Besucherzahlen dramatisch ein – die museale Inszenierung und der Erfahrungshorizont der Zielgruppe passten einfach nicht mehr zusammen. Eine ähnliche Erfahrung hat ja in den letzten Jahren gerade auch die Landwirtschaft gemacht.

Insofern war es eine gute Idee von Museumskuratorin Elke Berner, den Neustart auf dem Mühlenhof zu wagen mit einer Ausstellung über das aktuelle Berufsbild der heutigen Bäuerinnen im Emsland – einer hochentwickelten Agrarregion mit intensiver Tierhaltung. Hier werden die Agrarprodukte und das Fleisch produziert, das dann letztlich auf den Tellern der Westfalen landet. Da werden die Gäste in Münster sicherlich staunen über den Stand der Technik in der Sauenhaltung bei Marlies Wobbe, in der Legehennen-Freilandhaltung bei Silvia Langenhorst, über die Ausbildung von Elisabeth Kottebernds und die Milchproduktion bei Mechthild Exler.

Und wenn die Besucher aus der Großstadt mal genauer hinsehen, dann werden sie auch erkennen, dass Tierwohl in der heutigen Landwirtschaft einen hohen Stellenwert hat und dass es den Tieren in den Ställen der Messinger Bäuerinnen gut geht! Bei diesem Blick helfen die Fotoaufnahmen und Texte von Dr. Andreas Eiynck vom Emslandmuseum Lingen, der die Bäuerinnen bei der Arbeit auf dem Hof und im Stall, in ihrer Freizeit und mit ihren Familien porträtiert hat.

Die Ausstellung wird am 24. April um 11.00 Uhr auf dem Mühlenhof eröffnet und läuft dort bis zum 24. Juli 2016.

Grünbuch-Prozess

Da ich weniger Zeit für die Bloggerei habe, lasse ich andere sprechen:
Peter Seeger, Schweinehalter aus dem Odenwald fordert in seinem Blogbeitrag von vergangener Woche auf dem Internetauftritt der Agrarzeitung, dass die Landwirte sich mehr in dem Grünbuch-Prozess des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) beschäftigen sollen und sich auch direkt an diesem beteiligen sollen.

Im Grünbuch-Prozess hat ein bunter Strauß an gesellschaftlichen Gruppen die Chance, ihre eigenen Vorstellungen über die zukünftige Landwirtschaft einzubringen- und das machen sie dem Anschein nach sehr aktiv- nur die Landwirte selber sind an dieser Stelle zu wenig aktiv. Das muss sich ändern, sagt Peter Seeger:

Lauter werden

Jeder einzelne Landwirt ist gefragt, sich in Prozesse der gesellschaftlichen Meinungsbildung einzubringen. Doch auch wenn viele Bauern klare Meinungen haben, fehlt es im hektischen Berufsalltag oft an Zeit und Informationen, um sich aktiv in Diskussionen einzubringen. Das zeigt zum Beispiel der Grünbuch-Prozess des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Damit die Interessen der Branche wahrgenommen werden, muss nicht nur jeder einzelne Landwirt seinen inneren Schweinehund überwinden – auch die Verbände sind gefordert, ihre Mitglieder zu mobilisieren.

Die Grüne Woche ist schon wieder viele Monate her, doch ist mir eine Aktion in Erinnerung geblieben: Der Grünbuchprozess des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Bundesagrarminister Schmidt will Leitlinien für die Landwirtschaft 2030 mit allen Gruppen der Gesellschaft diskutieren und festlegen. Darunter sind neben Tierschutzorganisationen, den Kirchen und diversen Jugendorganisationen auch die landwirtschaftlichen Organisationen eingebunden.

Auch Landwirte werden also nach ihrer Auffassung gefragt: Sie konnten im Januar in Berlin auf der Messe am Stand des BMEL ihre Meinung als Fotoportrait mit Statement in der Hand übermitteln, eine Postkarte abgeben oder einfach eine E-Mail schreiben. E-Mail und Postkarte kann man natürlich auch bequem von zuhause aus abschicken – keiner muss eigens dafür nach Berlin reisen. Dennoch hat die Landwirtschaft sich außerhalb der Messehallen bislang wenig an dem Prozess beteiligt. Andere Gruppen der Gesellschaft sind hingegen sehr agil dabei, ihre Mitglieder zu mobilisieren.

Natürlich hat jeder im Tagesgeschäft in seinem Betrieb genügend Arbeit. Jedoch reicht es heute nicht mehr aus, wenn der Bauernpräsident auf eine Tagung nach Berlin fährt und die Meinung der Landwirtschaft kundtut, wenn es überhaupt eine einheitliche Meinung im Berufsstand gibt. Je mehr Bürger sich für eine Sache engagieren und ihre Meinung direkt kundtun, umso gewichtiger ist diese im politischen Berlin. Betrachtet man vor dem Hintergrund die geringe Resonanz der Landwirte auf den Grünbuchprozess, so ist den deutschen Bauern ihre Zukunft wohl recht egal.

Die Meinungsbildung im Grünbuchprozess ist nur ein Beispiel für viele andere Umfragen oder gesellschaftliche Prozesse, zu denen zum Beispiel eine Diskussion um Pflanzenschutzmittel oder die Tierhaltung gehört.

Ich hatte mir auf der Messe ein Bündel der Grünbuch- Postkarten mitgenommen. Bei der nächsten Arbeitskreissitzung hessischer Schweinehalter habe ich diese vor dem Mittagessen unter Kollegen verteilt. Das Thema brachte genügend Stoff für die Gespräche beim Mittagessen. Fast jeder hat eine Karte mit seinem kurzen Statement nach Berlin geschickt. Das zeigt, dass die Landwirte durchaus bereit sind, für ihre Sache einzustehen.

Oftmals bekommen wir Landwirte im Tagesgeschäft gar nicht mit, dass wieder eine Umfrage oder ein Konsultationsprozess läuft und wissen daher auch nicht, wie wir uns daran beteiligen können. Da sehe ich die Verbände aber auch die Partner aus der Industrie gefordert, kurzfristig auf solche Umfragen über Ihre Newsletter oder Homepages hinzuweisen.

Nur wenn wir es schaffen, den ewigen Nörglern und Weltverbesserern auch öffentlich die Stirn zu bieten, können wir erwarten, dass unsere Belange ernst genommen werden. Dazu gehört auch ein gewisses Stück an gesellschaftlichem Engagement.

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Verbraucherumfrage

Fünf Verbraucher wurden in Waiblingen, der Kreisstadt des Rems-Murr-Kreises in Baden-Würtemberg, über ihr Einkaufsverhalten befragt. Alle bevorzugen ortsansässige Metzger und Bioläden. „Die Waiblinger stehen geeint für Biofleisch ein […]“
Donnerwetter- dort haben wohl herkömmliche Lebensmittelketten keine Chance, oder?

aus der Waiblinger Kreiszeitung vom 1. April 2016
aus der Waiblinger Kreiszeitung vom 1. April 2016

Während in und um Waiblingen die Verbraucher bewusst auf Bio und Metzgerhandwerk zurückgreifen, sieht der Bio-Markt deutschlandweit folgendermaßen aus:

bioanteile_am_gesamtmarkt