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Schweinehaltung – Neue Modelle mit Auslauf oder Auslaufmodell?

An der Diskussionsrunde zum Thema Schweinehaltung habe u.a. auch ich teilnehmen dürfen. Die Videos sind schon vor ein paar Tagen bei Stallbesuch.de erschienen. Ich reblogge hier den Artikel von Moderator und Stallbesuch-Betreiber Thomas Wengenroth:


Thomas Wengenroth, Gabriele Mörixmann, Michael Reber |(c) stallbesuch.de

Am 17. Februar trafen sich Schweinehalter zu einer Diskussionsrunde, um über aktuelle Probleme und zukünftige Entwicklungen zu sprechen. Der Video-Mitschnitt ist hier in fünf Teilen zu sehen, die man nicht unbedingt in der vorgegebenen Reihenfolge anschauen muss (aber die Teile 2, 3 und 4 auf jeden Fall).

Hintergrund-Informationen zu den Teilnehmern stehen ganz am Ende, am Anfang aber eine persönliche Erklärung: Wenn der Kameramann ausnahmsweise vor, statt hinter der Kamera sitzt, kann es passieren, dass ein Diskutant etwas „aus dem Rahmen fällt“. Das ist schon peinlich. Was Michael Reber zu sagen hat, versteht man allerdings sehr gut und wer ihn kennt, weiß: er steht mit beiden Beinen mitten im Leben!

1. Teil: Wo stehen wir heute?
1. Kann man Schweine, mit gutem Gewissen, rein nach dem gesetzlichen Standard halten?
2. Bekommen Landwirte höheren Aufwand in der Haltung auch bezahlt?
3. Was kommt zuerst: die Diskussion über alternative Haltungsformen oder Zahlungsbereitschaft?
4. Mit wem sollen Tierhalter diskutieren und mit wem eher nicht?

2. Teil: Was läuft schief im Stall?
Was sind die Gründe für Fehlentwicklungen in der Schweinehaltung: Genetik, Haltungssysteme oder auch der Mensch? Über Stalleinbrüche und schwarze Schafe, kranke Schweine, und Turbo-Sauen.

3. Teil: Handel, Verbraucher, Kommunikation
Wer zahlt fürs Tierwohl? Verbraucher, Staat oder die Wenigsten?
Immer stehen wir vor der „Citizen-Consumer-Gap“: Bürger fordern viel, Verbraucher zahlen jedoch wenig. Muss das so sein oder liegt es an der Kommunikation? Welche Rolle spielt der LEH? Ein Beispiel aus der Praxis regt zum Nachdenken an.

4. Teil: Neue Ställe braucht das Land!
Mehr Tierwohl in neuen und alten Ställen muss auch behördlich genehmigt werden. Aber es gibt auch Zielkonflikte, z. B. zwischen Emissions- und Seuchenschutz.

5. Teil: Hat Schweinehaltung eine Zukunft?
Label, Sterne, Markenfleisch. Aber: muss es auch die Stufe „Basic“ geben? Und hat Schweinehaltung überhaupt eine Zukunft in Deutschland oder eher in Brasilien?

Teilgenommen haben:

Nadine Henke,
Tierärztin und Ferkelerzeugerin aus Niedersachsen.
„Brokser Sauen“ im Video
auf Twitter @BrokserSauen
auf Facebook

Gabriele Mörixmann,
Schweinemästerin aus NRW
„Aktivstall für Schweine“ im Video
eigene Website

Bernhard Barkmann
,
Schweinemäster aus Niedersachsen
und Blogger
auf Twitter @blogagrar

Michael Reber,
Schweinemäster aus Baden-Württemberg
Twitter @MichlReber
Eigene Website

Weitere Runden zum Schwein und anderen Tierarten sind in Vorbereitung.


Am Ende noch ein Danke schön an Thomas Wengenroth für seine unermüdliche und besonnene Öffentlichkeitsarbeit. So weit es geht, werde ich das Projekt Stallbesuch.de weiter unterstützen.
Außerdem darf ich zu über 1 Millionen Zuschauern auf YouTube gratulieren! Herzlichen Glückwunsch! Wer noch nicht Abonnent ist, der kann das hier schnell nachholen: Kanal von Thomas Wengenroth 

Das Schweinesystem

Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von Foodwatch, hat am 22. September in Berlin sein Buch „Das Schweinesystem“ vorgestellt. Bei dieser Pressekonferenz durfte ich auch dabei sein. Das Video des Livestreams kann man hier nachgucken bzw. -hören.

Der ausführliche Titel lautet „Das Schweinesystem. Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden“. Das hört sich für einem konventionellen Tierhalter wie mich zunächst nach starkem Toback und einer unangenehmen Lektüre an. Und das ist sie auch, die Lektüre- unangenehm: Denn Wolfschmidt widmet sich in seinem Buch den Produktionskrankheiten bei Kühen, Schweinen und Geflügel.

erschienen im S.Fischer-Verlag
erschienen im S.Fischer-Verlag

Das Buch beginnt mit der gutachterlichen Feststellung des wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, dass die Haltungsbedingungen für Nutztiere in Deutschland nicht zukunftsfähig seien. Ein wesentlicher Grund für diesen niederschmetternden Befund sind, so Wolfschmidt, die seit Jahren bekannten, aber weitgehend ignorierten Produktionskrankheiten.

Zu diesen Produktionskrankheiten hat der Autor offensichtlich gut recherchiert und aus allerlei wissenschaftlichen Studien und Veröffentlichungen eine in Kapitel zwei zusammengetragene Übersicht erstellt. So kommt der Foodwatch-Aktivist zum Schluss, dass jedes vierte Tierprodukt von einem kranken Tier stammt. Zur Erklärung möchte ich ergänzen, dass die Tiere, wenn sie geschlachtet werden, nicht akut krank sind, sondern Das Schweinesystem weiterlesen

Die Stadt ist das bessere Land!

Tut Tierwohl dem Tier wohl?

Und was das miteinander zu tun hat

Thomas Wengenroth hat einen langen und lesenswerten Blogartikel auf seiner Seite Stallbesuch.de veröffentlicht. Er bezieht sich dabei auf einen Zeitungsartikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der gestrigen Veranstaltung der jungenDLG in Triesdorf.
5 Minuten Lesestoff, die sich lohnen:

Die Stadt ist das bessere Land! Tut Tierwohl dem Tier wohl? Und was das miteinander zu tun hat

Zukunftsforum Landwirtschaft – Teil 2

forum_landwirtschaft_cdu_2015Ich bin immer noch den zweiten Teil des Berichts von der CDU-Veranstaltung „Zukunftsforum Landwirtschaft“ schuldig.

Es durften gegen Ende der Veranstaltung im süd-emsländischen Emsbüren noch Fragen aus dem Publikum heraus gestellt werden. Da wurden Befürchtungen geäußert, dass die Standards der Initiative Tierwohl (ITW) möglicherweise künftig gesetzliche Mindestanforderung werden könnte.
Diese Befürchtung konnte keiner der anwesenden Politiker entkräften. Johannes Röring aber betonte, dass die ITW ein Ausweg aus den Zwängen eines brutalen Marktes sein kann und die Konzeption der ITW die nicht-teilnehmenden Tierhalter nicht diskriminiert. Franz-Josef Holzenkamp teilte Rörings Meinung und sieht auch noch einen weiteren Vorteil für die gesamte Branche, denn immerhin würde der LEH als Marktteilnehmer die Marktverknappung mit bezahlen. Und ein knapperes Angebot steigert die Aussicht auf steigende Erlöse.
Außerdem sei die Landwirtschaft nun in der Offensive, was ein tolles Zeichen gegenüber Politik und Gesellschaft sei! Zukunftsforum Landwirtschaft – Teil 2 weiterlesen

Zukunftsforum Landwirtschaft – Teil 1

einladung_zukunftsforum_landwirtschaftGestern Abend lud der CDU-Kreisverband Lingen seine Mitglieder und Interessierte nach Emsbüren ein zum Zukunftsforum Land- und Ernährungswirtschaft, das u.a. mit vier teilnehmenden Bundestagsabgeordneten hochrangig besetzt war.

Albert Stegemann (Foto: bundestag.de)
Albert Stegemann (Foto: bundestag.de)

Der örtliche Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann führte in die Veranstaltung ein, hielt sich aber bis zu seinem Schlusswort zurück. Er stellte einleitend die Frage nach dem Rollenbild der Landwirtschaft und Landwirte in unserer Gesellschaft.

Nach der Vorstellung des Podiums übernahm der Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Holzenkamp aus dem benachbarten Wahlkreis Cloppenburg-Vechta mit einem Impulsreferat das Wort.
Dort beschrieb er den Spagat der Landwirte zwischen Ökonomie und Verbraucherwunsch und fragte nach dem gesellschaftlichen Konsens über Landwirtschaft. Das Thema Essen und Trinken wird wichtiger für die Menschen, wird zur Lebenskultur. Eine eigentlich positive Entwicklung, doch dieses Thema ist sehr emotional und wird von vielen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) aufgegriffen (Stichwort Angstindustrie). Die Landwirte sind verunsichert und auch verärgert. Der Preisdruck bei landwirtschaftlichen Produkten sorgte für eine große Steigerung der Effizienz, gleichzeitig sank aber die Akzeptanz in der Gesellschaft.
Holzenkamp betonte, dass die Landwirte zunächst eine Anerkennung ihrer Leistung verdient haben und keine pauschalen Diskreditierungen, denn die Landwirtschaft sei wesentlich besser als früher.

Franz-Josef Holzenkamp, Johannes Buß, Matthias Everinghoff (v.l.n.r.)
Franz-Josef Holzenkamp, Johannes Buß, Matthias Everinghoff (v.l.n.r.)

Dabei ist dieses Dilemma nicht alleine auf einem Kommunikationsdefizit zurückzuführen. Die Landwirtschaft müsse sich einer ethischen Diskussion stellen und eine Qualitätsoffensive starten. Wörtlich sagte der Bundestagsabgeordnete, dass die CDU sich als „Freiheitspartei“ fühlte und „Lösungen statt Verbote“ anstrebt.
Die Initiative Tierwohl (ITW) zeige, dass Landwirte zu Veränderungen bereit sind- es muss aber bezahlt werden!
Landwirtschaft benötigt Akzeptanz– Politik kann dieses Problem nicht alleine lösen.
Junge Landwirte engagieren sich in sozialen Netzwerken und öffnen immer mehr ihre Ställe- das ist der Weg, der gegangen werden muss, denn

„Der wichtigste Botschafter ist der Bauer selbst“!

In der anschließenden Diskussionsrunde erzählte der Junglandwirt Matthias Everinghoff, warum er Landwirt geworden ist. Die gegenwärtige undifferenzierte Hetze kränkt ihn. Zukunftsforum Landwirtschaft – Teil 1 weiterlesen

Der Minister mahnt zur Eile

Will den Tierschutz in der Nutztierhaltung voranbringen: Gert Lindemann [c] proagrar/VION/Oliver Krato
Gert Lindemann
[c] proagrar/Oliver Krato

Der Fleischkonzern VION gibt seit Jahren ein eigenes Magazin für die Landwirtschaft heraus. ProAgrar heißt es.
In der aktuellen Dezemberausgabe ist dort ein interessantes Interview mit Gert Lindemann, ehemaliger Landwirtschaftsminister in Niedersachsen und aktuell Vorsitzender des bundesweiten Kompetenzkreises Tierwohl bei Bundesminister Christian Schmidt, zu lesen.

Es geht um Tierwohl! Jawohl Tierwohl- viele Tierhalter verdrehen ihre Augen, wenn sie dieses Wort, dieses Thema nur hören. Schließlich gehen wir alle gut mit unseren Tieren um und kümmern uns jeden Tag um unser Nutzvieh. Doch auch dieses Interview macht deutlich, jeder Tierhalter muss sich künftig intensiver mit dieser Thematik beschäftigen!

Botschaft für die Landwirtschaft: Tierwohl ist Megatrend, die kommende Initiative Tierwohl muss als Chance gesehen werden. Diese sollten müssen wir nutzen!

Im kommenden Jahr werde ich dazu noch mehr berichten, aber ich empfehle allen Lesern zunächst die Lektüre des Interviews mit Gert Lindemann:

proagrar_26_02