Zukunftsforum Landwirtschaft – Teil 1

einladung_zukunftsforum_landwirtschaftGestern Abend lud der CDU-Kreisverband Lingen seine Mitglieder und Interessierte nach Emsbüren ein zum Zukunftsforum Land- und Ernährungswirtschaft, das u.a. mit vier teilnehmenden Bundestagsabgeordneten hochrangig besetzt war.

Albert Stegemann (Foto: bundestag.de)
Albert Stegemann (Foto: bundestag.de)

Der örtliche Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann führte in die Veranstaltung ein, hielt sich aber bis zu seinem Schlusswort zurück. Er stellte einleitend die Frage nach dem Rollenbild der Landwirtschaft und Landwirte in unserer Gesellschaft.

Nach der Vorstellung des Podiums übernahm der Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Holzenkamp aus dem benachbarten Wahlkreis Cloppenburg-Vechta mit einem Impulsreferat das Wort.
Dort beschrieb er den Spagat der Landwirte zwischen Ökonomie und Verbraucherwunsch und fragte nach dem gesellschaftlichen Konsens über Landwirtschaft. Das Thema Essen und Trinken wird wichtiger für die Menschen, wird zur Lebenskultur. Eine eigentlich positive Entwicklung, doch dieses Thema ist sehr emotional und wird von vielen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) aufgegriffen (Stichwort Angstindustrie). Die Landwirte sind verunsichert und auch verärgert. Der Preisdruck bei landwirtschaftlichen Produkten sorgte für eine große Steigerung der Effizienz, gleichzeitig sank aber die Akzeptanz in der Gesellschaft.
Holzenkamp betonte, dass die Landwirte zunächst eine Anerkennung ihrer Leistung verdient haben und keine pauschalen Diskreditierungen, denn die Landwirtschaft sei wesentlich besser als früher.

Franz-Josef Holzenkamp, Johannes Buß, Matthias Everinghoff (v.l.n.r.)
Franz-Josef Holzenkamp, Johannes Buß, Matthias Everinghoff (v.l.n.r.)

Dabei ist dieses Dilemma nicht alleine auf einem Kommunikationsdefizit zurückzuführen. Die Landwirtschaft müsse sich einer ethischen Diskussion stellen und eine Qualitätsoffensive starten. Wörtlich sagte der Bundestagsabgeordnete, dass die CDU sich als „Freiheitspartei“ fühlte und „Lösungen statt Verbote“ anstrebt.
Die Initiative Tierwohl (ITW) zeige, dass Landwirte zu Veränderungen bereit sind- es muss aber bezahlt werden!
Landwirtschaft benötigt Akzeptanz– Politik kann dieses Problem nicht alleine lösen.
Junge Landwirte engagieren sich in sozialen Netzwerken und öffnen immer mehr ihre Ställe- das ist der Weg, der gegangen werden muss, denn

„Der wichtigste Botschafter ist der Bauer selbst“!

In der anschließenden Diskussionsrunde erzählte der Junglandwirt Matthias Everinghoff, warum er Landwirt geworden ist. Die gegenwärtige undifferenzierte Hetze kränkt ihn. Einen Ausweg aus dem von Holzenkamp beschriebenen Dilemma sieht er über die Kreativität und Innovationskraft der Stalleinrichter und auch Hochschulen, die aber seiner Meinung nach deutlich höher mit Forschungsgeldern ausgestattet werden müssten.
Von den Politikern forderte Everinghoff, dass sie sich öfter und deutlicher zu aktuellen Themen rund um die Landwirtschaft positionieren und Stellung beziehen!

Petra Niewiera, Markus Silies, Agnes Witschen
Petra Niewiera, Markus Silies, Agnes Witschen

Die Vorsitzende der Landfrauen in Weser-Ems Agnes Witschen beschrieb die Mitgliederstruktur des Landfrauenverbandes. Die Bäuerin und auch die auf einem Hof lebende Landfrau ist dort in der Minderheit. Sie skizzierte, dass die Bauernfamilien in der Zukunft immer mehr auf Mitarbeiter angewiesen seien, auch um Bedürfnisse wie Urlaub und freie Wochenenden zu befriedigen.
Ein zentrales Anliegen der Landfrauen in den letzten Jahren ist immer wieder die Wissensvermittlung rund ums Essen gewesen. Denn wer „wer nix weiß, muss alle glauben“ und fällt so leichter auf die einfachen Botschaften der NGOs rein. Deshalb gehört die Wissensvermittlung rund ums Essen in die Schulen.

Johannes Buß, Leiter der Landvolkhochschule Oesede beschrieb das Seelenleben der jungen Landwirte, die im Rahmen des traditionellen Winterkurses fit für die Zukunft gemacht werden: Die angehenden Landwirte seien zunehmend verunsichert angesichts der anhaltenden Kritik an der Landwirtschaft. Die Reaktion ist dabei unterschiedlich, einige ziehen sich zurück und andere gehen in die Offensive.
Er stellt leider auch fest, dass auch das Verständnis untereinander (zwischen den Produktionsrichtungen) zurückgeht.
Das von der KLVHS begleitete Sorgentelefon und die Familienberatung wird zur Zeit mit Generationskonflikten, Burnoutsituationen und wirtschaftlichen Druck auf den Höfen konfrontiert.
Die Landvolkhochschule sieht Buß künftig verstärkt auch auch als Ort des Dialogs, wo auch ethische Fragen aus kirchlicher Sicht diskutiert werden müssen

Von stabilen bis leicht steigenden Schülerzahlen berichtete Petra Niewiera, Leiterin der landwirtschaftlichen Berufsschule in Lingen. Neue Angebote wie die Kooperation mit dem Christopheruswerk oder das berufliche Gymnasium würden gut angenommen. Die landwirtschaftlich ausgebildeten Schüler hätten keine Probleme, auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen.

Johannes Röring
Johannes Röring

Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands und Bundestagsabgeordneter, forderte von den Landwirten, dass sie zusammen stehen müssen angesichts des Dauerfeuers, das auf die Landwirtschaft insgesamt einprasselt.
Zusammenstehen und Veränderungen gestalten, das ist der Weg, der gegangen werden muss.
Landwirtschaft befindet sich mitten in einem Strukturwandel, aber diesen gibt es überall in der Gesellschaft. Es gibt viele neue Berufe und einige alte sterben aus- aber den Beruf des Landwirts wird es immer geben!
Röring beschrieb auch die Rolle des Lebensmitteleinzelhandel (LEH), der meistens zwischen Landwirt und Verbraucher stehe. Er forderte, dass der LEH mehr Verantwortung übernehmen müsse, es sollten alle Betriebe bei der Initiative Tierwohl (ITW) mitmachen können. Die aktuelle Situation, in der nur knapp die Hälfte der Betriebe von der ITW profitieren könnten sei untragbar. Dafür setze er sich mit aller Macht ein.

Maik Beermann
Maik Beermann

Maik Beermann, junger MbB, Mitglied im Ausschuss digitale Agenda, aus dem Landkreis Nienburg beschrieb die weit fortgeschrittene Digitaltisierung in der Landwirtschaft. Alle sprächen von der Industrie 4.0, die Agrarbranche sei im Vergleich dazu schon bei der Version 6.0!
Mit der Digitalisierung seinen viele Chancen verbunden, dazu sei aber der der Breitbandausbau sehr wichtig.

Dieser Bericht endet an dieser Stelle, wie die Diskussion verlief, werde ich in einem zweiten Teil berichten.

 

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