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Nitrat: gute & böse Fakes?

Zur Vorstellung des Niedersächsischen Nährstoffberichtes1 2015/16 und der Berichterstattung darüber

Bezug: SAT1-regionalHAZ und NOZ 

Das umfangreiche Zahlenwerk dieser frühen Art einer Nährstoff-„Stoffstrom-Bilanz“ oder -„Hoftorbilanz“ für Niedersachsen ist das Eine, die ministeriellen Einführungsworte das Andere. Mit Formulierungen wie „Zehntaussende Hektar fehlen im Land“ in den Zeitungen werden trickreiche Zahlen-Interpretationen jenseits der Ziffern weitergegeben. Die Lehre aus der Waldsterbenshysterie vor 30 Jahren sollte sein, auf eine manipulative Wortwahl, die Selektion und „Konfektion“ passender Zahlen und die Verzerrung bis Fälschung von Ergebnissen durch Eiferer besonders kritisch zu achten. Lieber selber Zahlen bewerten.

Manipulative Wortwahl

Dieser Satz zu den leicht abgenommenen Dungmengen stimmt mehrfach nicht:

Der jüngste Nährstoffbericht belegt: Ihre Anstrengungen tragen erste Früchte“.

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Warum wir die moderne Landwirtschaft nicht schätzen, sie aber schätzen sollten

Es gibt wieder Neuigkeiten von Andreas von Tiedemann, Professor für Pflanzenpathologie aus Göttingen!

snap_vTiedemann_fernsehkritiktvDem regelmäßigen Leser dieses Blogs ist er bereits im Oktober positiv aufgefallen, als er die Berichterstattung von PlusMinus zum Thema Pestizide in einem offenen Brief scharf kritisierte. Dieser offene Brief wurde für einen ausführlichen Beitrag bei Fernsehkritik.tv aufgegriffen. Wirklich sehenswert- Herr von Tiedemann kommt dort ausführlich zu Wort.

Aber nicht nur das. Er verfasste zusätzlich auch einen Beitrag, der auf den Internetseiten des Deutschen Arbeitgeberverbandes veröffentlicht wurde. Ich bin ihm wirklich dankbar für diese Worte:

„Warum wir die moderne Landwirtschaft nicht schätzen, sie aber schätzen sollten“

deutscherarbeitgeberverband_logoDie Sorgen um den Wirtschaftsstandort Deutschland angesichts von Technologiefeindlichkeit betreffen nicht nur die Industrie sondern in ganz besonderem Maße auch die Landwirtschaft. Mehr noch als die industrielle Produktion hat die Landwirtschaft mit ihrer Aufgabe der Ernährungssicherung eine unmittelbare Funktion in der Sicherstellung unserer essentiellen Lebensgrundlagen. Deshalb erscheint es so unverständlich wie eine Gesellschaft gerade diejenigen Technologien so kritisch sieht, ja ablehnt, die zu dem in der Geschichte der Menschheit bislang einmaligen Grad an Ernährungssicherheit geführt haben, den wir alle heute genießen.

Der Grund hierfür liegt prekärerweise im Erfolg der modernen Landwirtschaft selbst. Die Einführung moderner Methoden der Pflanzenproduktion, die in Europa und anderswo in den letzten fünf Jahrzehnten zur Vermehrfachung der Erträge in den wichtigsten Nahrungskulturen wie Mais, Reis und Weizen geführt haben und der entscheidende Grund dafür ist, dass in diesem Zeitraum der Pflug mit dem Storch Schritt halten konnte (siehe Tabelle), hat das Thema Nahrungsmittelknappheit in den entwickelten Ländern völlig aus dem Bewusstsein verdrängt. Der ungeheure Fortschritt in der Landwirtschaft durch Einführung besserer Anbautechnologien wird kurioserweise gerade durch den daraus resultierenden Erfolg mit der Ignoranz der davon Begünstigten bestraft. Die moderne Landwirtschaft hat – zumindest für den entwickelten Teil der Menschheit – ein solches Maß an Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln erreicht, dass dieser nicht mehr als außerordentliche Leistung sondern als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird. Die dramatische Folge für die Landwirtschaft ist, dass der Zusammenhang dieser komfortablen Wohlfahrtssituation mit den dafür notwendigen modernen Landbautechniken nicht mehr hergestellt wird. So kurios das klingt, eine weniger erfolgreiche Landwirtschaft, die immer wieder Knappheiten in der Versorgung herbeiführen würde, würde sich einer weitaus höheren Anerkennung erfreuen und müsste sich als Technologie nicht für Ihren Erfolg rechtfertigen.

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Das mangelnde Bewusstsein für den eigentlichen Ursprung unseres Ernährungswohlstands ist auch ein mangelhaftes Geschichtsverständnis. Warum wir die moderne Landwirtschaft nicht schätzen, sie aber schätzen sollten weiterlesen

allerlei Gerüchte ums Nitrat

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 13. Teil der kleinen Serie:

2.08 Mehr Öko-Hearsay zu Wasser & Nitrat

„Stickstoff wird als Nitrat massiv ins Grundwasser geschwemmt, so dass inzwischen bei fünfzehn Prozent des Trinkwassers der Nitratanteil über dem gesetzlichen Grenzwert liegt.“ ZITAT FAZ

Mainstream“ – aber falsch. Der Anteil des Trinkwassers, bei dem der Nitratanteil über dem gesetzlichen Grenzwert liegt, ist nahe Nullkommanichts!

ZITAT UBA: „Die Messdaten aus den Jahren 2011 bis 2013 zeigen: Das Trinkwasser hielt bis auf eine Ausnahme zu mehr als 99 Prozent alle Parameter ein.1

Wenn Nitrat so schlimm wäre, müsste man den Gemüseverzehr verbieten. Wer trinkt eigentlich noch Wasser aus dem Hahn? Die Nitratmenge aus dem echt getrunkenen „Trinkwasser“ ist im Vergleich zu Gemüse und Obst ein Witz.

Höchstmengenregelungen zu den Nitratgehalten in unterschiedlichen Lebensmitteln. Quelle: http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/nitrat/
Höchstmengenregelungen zu den Nitratgehalten in unterschiedlichen Lebensmitteln. Quelle: http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/nitrat/

Neuere Erkenntnisse sprechen dem Nitrat in den aktuellen Dosen einen Gesundheitsnutzen zu2. Es gibt inzwischen schon Nitrat-Fitnessdrinks3. Dieses Hearsay-Wissen breitet sich mit großer Unterstützung des UBA aus, Zahlen, Faken und Zusammenhänge werden durch „groß“, „bedeutend“, „Einfluss“ etc. ersetzt, wenn die echten Zahlen stören könnten – und man rückt die echten Zahlen zu den Behauptungen auch nicht raus4. Das UBA verstößt damit gegen die Beamtenpflichten5, es hat unparteiisch und seriös zu informieren.

5 Vgl.: http://www.gesetze-im-internet.de/beamtstg/__33.html


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html