Nitrat: gute & böse Fakes?

Zur Vorstellung des Niedersächsischen Nährstoffberichtes1 2015/16 und der Berichterstattung darüber

Bezug: SAT1-regionalHAZ und NOZ 

Das umfangreiche Zahlenwerk dieser frühen Art einer Nährstoff-„Stoffstrom-Bilanz“ oder -„Hoftorbilanz“ für Niedersachsen ist das Eine, die ministeriellen Einführungsworte das Andere. Mit Formulierungen wie „Zehntaussende Hektar fehlen im Land“ in den Zeitungen werden trickreiche Zahlen-Interpretationen jenseits der Ziffern weitergegeben. Die Lehre aus der Waldsterbenshysterie vor 30 Jahren sollte sein, auf eine manipulative Wortwahl, die Selektion und „Konfektion“ passender Zahlen und die Verzerrung bis Fälschung von Ergebnissen durch Eiferer besonders kritisch zu achten. Lieber selber Zahlen bewerten.

Manipulative Wortwahl

Dieser Satz zu den leicht abgenommenen Dungmengen stimmt mehrfach nicht:

Der jüngste Nährstoffbericht belegt: Ihre Anstrengungen tragen erste Früchte“.

Weniger Vieh durch Nährstoffberichte? Die Effektivität der Stickstoffdüngung, also wieviel Erntemenge die Bauern pro kg gedüngten Stickstoff vom Feld holen, wird seit 25 Jahren stetig verbessert, siehe Zeile „Stickstoffsaldo“ der folgenden Tabellen aus dem Nitratbericht 2016 – von wegen „erste Früchte“. Mit weniger Stickstoff wird stetig mehr Ertrag erzielt!

Nitratbericht_2016 S.54
Nitratbericht_2016 S.55
Nitratbericht_2016 S. 56

Niedersachsen liegt mit den Nährstoffüberschüssen etwas höher als andere Länder, was auch daran liegt, dass die vielen Sandböden im Norden Nährstoffe und Wasser schlecht halten können. 48% der niedersächsischen Felder sind auf Sandböden. Wenn es im Sommer jede Woche zweimal genug regnen würde und zwischendurch Sonne, hätten wir in Niedersachsen ungebremstes Wachstum, die höchsten Ernten, damit die höchsten Stickstoffentzüge und damit die geringsten Stickstoffüberschüsse.

Bodenarten in Niedersachsen

Wenn die Geest noch Heide wäre, wäre alles weniger, auch die Menschen, das „Hauptumweltproblem“. Wie Praxisbeispiele auf den Inseln Föhr und Amrum zeigen, ist auf Geeststandorten teilweise eine Landwirtschaft ohne Überschreitung der Nitratgrenzwerte bei einzelnen Früchten nicht möglich. Das würde nur mit extensivster Weidehaltung (Mutterkuhhaltung, Schafe) auf Weiden mit einer, mit der Zeit, sehr ertragsarmen Grasnarbe erreicht. Ein Ackergras- oder Kleegrasumbruch, wie er auf Biobetrieben gang und gäbe ist, ist ebenfalls in den meisten Fällen ohne eine Überschreitung der sehr strengen Grenzwerte für das Grundwasser, die nichts über eine praktische Gesundheitsgefährdung aussagen, nicht möglich.

Zahlenkonfektion bis Größe passt: Bei gleichbleibender Leistung eine geringere Bewertung

Was macht man, wenn einem die Ergebnisse einer Schülergruppe zu gut sind? Man kann die Notenskala verändern, sozusagen den Arbeits-Akkord erhöhen. Nun bekommt man plötzlich z.B. für 100 Punkte von 200 keine „drei“ mehr, sondern eine glatte „sechs“. So passiert auf Seite 42 des vorgestellten Nährstoffberichtes.

Bisher galt für Oberflächengewässer ein Grenzwert für Nitrat wie bei Trinkwasser, also 50mg Nitrat pro Liter. Lag der Fluss oder der See darüber, war seine „chemische Qualität“, insbesondere seine „chemische Qualität hinsichtlich Nitrat“ schlecht. Nun urteilt man nach einer anderen Norm. Die 50mg Nitrat pro Liter Wasser wurden um 75% auf max. 12,4 mg Nitrat pro Liter gedrückt und schon gilt: „Die Übersichten 25 bis 27 zeigen, dass eine Reduktion der Nährstofffrachten der Binnengewässer in erheblichem Umfang erforderlich ist, um die gesetzlichen Umweltziele zu erreichen“.
Damit wird der Eindruck erweckt, das Wasser wäre ganz schlecht. Unfug! Dass unsere Gewässer immer sauberer wurden, kann jeder sehen. Der Wechsel der „Grenzwerte“ für Oberflächengewässer wurde gemacht, weil alle Gewässer in Niedersachsen sich so verbessert haben, dass sie alle den Grenzwert von 50mg Nitrat pro Liter erfüllten. Es kann als eine des Form des Betruges, wie man heute sagt: als „Fake“, angesehen werden, die Leser des Nährstoffberichtes nicht auf diese Veränderung der Normen hinzuweisen. Der tendenziöse Textbeitrag des Ministeriums schadet diesem Bericht mit seinen interessanten Zahlen sehr!

Nach der vor allem von den Grünen betriebenen, nur dogmatisch begründeten (Dogma: „anthropogen unbeeinflußt“ – oder was man dafür hält), Absenkung des Nitrat-„Güte“-Grenzwertes für Nitrat in Ober­flächengewässern sind fast alle Flüsse bei der neuen Benotung durchgefallen. Deshalb ist die folgende Karte mit den überwiegend durchgefallenen Flüssen neu in den Nährstoffbericht aufgenommen worden! In den Dosen, um die es hier geht, wir sprechen von Konzentrationen wie im Trinkwasser, ist Nitrat weder umwelt- noch menschenschädlich. Im Gegenteil, eine nur noch dogmatische Betrachtung von Nährstoffen sorgt für weniger Fische und Leben in allen Gewässern. Vor einer „trüben Algenbrühe“ sind wir bei fast allen Gewässern heute meilenweit entfernt (es sei denn, es gibt Rücklösungen aus alten Schlämmen am Boden), eher wird das Wasser jetzt zu klar, ist den Fischen zu wenig Leben im Wasser. Noch hat kein Eiferer das Wort „nitratverseucht“ benutzt, aber diese Schamfrist der Umwelt-Faker dürfte auch bald fallen

Nun der Nitrat-Zustand der niedersächsischen Oberflächengewässer vor und nach dem Normwechsel weg von der UQN (Umwelt-Qualitätsnorm 50mg NO3-) der OGewV hin zum Zielwert der OGewV (2,8mgTN/l). (OGewV = Oberflächengewässerverordnung)

1) Nachher: (in dieser Karte ist statt dem Nitratgehalt der Gesamt-Stickstoffgehalt als Merkmal ausgewiesen, aber Nitrat ist der Hauptbestandteil des Gesamt-Stickstoffgehaltes. Außerdem wird nun statt mit dem Nitratgewicht mit dem Stickstoffgewichtsanteil im Nitrat oder Ammonium gemessen, 1mg Nitratmoleküle enthalten 0,2259 mg Stickstoffatome; Nitrat = NO3)

S.69, Präsentation zum Nährstoffbericht

Vorher war diese Karte mit den Nitratwerten der Flüsse propagandistisch nicht zu gebrauchen:

Hier der chemische Gesamt-Zustand der niedersächsischen Oberflächengewässer vor und nach der Normverschärfung: Vorher:

Quelle, alte Karte: Seite 6 (bitte Abbildung anklicken)

Nachher:

(c) Umweltkarten-Nidersachsen.de

Diese absurde Einstufung „alles schlecht“ erscheint auch manchen Umweltaktivsten unzweckmäßig. Alles schlecht zu reden, könnte als übertrieben auffallen. Besser sind doch solche Grenzwert-Grenzen, wo manches gut und manches schlecht ist, besonders wenn man die Grenzen so zuschneidet, dass man passende Schuldige bekommt und die „Übeltäter“ gegeneinander ausspielen kann.

Selektion von Zahlen für eine passende Optik

Was kann weiter machen, wenn einem die Ergebnisse einer Schülergruppe noch immer zu gut sind? Man zählt einfach die Schüler mit Einsen nicht mehr mit, schon sinkt der Durchschnitt und man kann wieder über die durchschnittlich so schlechte „Schülerqualität“ klagen. So passiert auf Seite 39 des vorgestellten Berichtes. Hier hat man einfach die sehr nitratarmen Messstellen (unter 5 mg Nitrat pro Liter Wasser) nicht mehr mitgezählt. So bleiben von z.B. 1354 verwertbaren Messstellen (siehe folgende Grafik) nur noch diese 689 auf Seite 39 übrig. Und schon hat man die gewünschte Fake-News über den Zustand des Grundwassers: „50% der Messstellen bereits mit Werten über 50mg Nitrat pro Liter“1, wobei in dem Wort „bereits“ schon die nächste manipulative Wortwahl steckt, denn „bereits“ bedeutet, dass da noch mehr kommt, aber die Wahrheit ist, dass die Messstellen mit abnehmen Nitratwerten die mit zunehmenden Nitratwerten übertreffen.

Alle 1354 Messstellen incl. der mit weniger als 5 mg Nitrat pro Liter Grundwasser

Quelle: S.6 (bitte Abbildung klicken)

Beliebt ist auch der Trick, an auffälligen Stellen mehrere Messstellen nahe beieinander zu bohren und dann mit der Zahl der Messstellen zu argumentieren. Schließlich muss man ja auf diese Stellen ein besonderes Auge haben. Mit der Zahl der Messstellen könnte man seriös nur bei einer Gleichverteilung dieser über das Land argumentieren.

Nur für 689 Messstellen mit mehr als 5 mg Nitrat pro Liter Grundwasser wird der Trend ausgegeben, was optisch den Eindruck vermittelt, es ist viel Bewegung drin. Textlich betont werden nur steigende Trends.

Grundwassergütenetz des NLWKN

Keine Anhaltspunkte für eine Gülleüberschwemmung

Falls der Eindruck erweckt wurde, die Landwirte wissen nicht mehr, wohin mit der Gülle, das Land wird aus dieser Not heraus damit überschwemmt, ist das gewollt, aber auch falsch. Das Ministerium stellt selbst klar: „Die Stickstoff-Obergrenze von 170 kg je Hektar, die für die Ausbringung von Stickstoff in Form von Wirtschaftsdünger (z.B. Gülle und Mist) gilt, wird nach den gültigen Vorschriften der Düngeverordnung auch in den besonders viehstarken Landkreisen bei durchschnittlicher Betrachtung eingehalten.“1 Nach den geltenden Gesetzen wird also in keinem Landkreis zu viel Gülle gedüngt. Etwas anders sieht es aus, wenn man die Gärreste der Biogasanlagen mit zur „Gülle“ zählt, wie das ab nächsten Jahr sein soll: „Nach den zukünftigen Vorschriften der geplanten Düngeverordnung jedoch, wonach neben tierischem Dung auch pflanzliche Gärreste bei dieser Obergrenze mit angerechnet werden müssen, wird eine Überschreitung der 170 kg Stickstoff-Grenze in fünf Landkreise erwartet. In weiteren 7 Landkreisen bewegt sich das Stickstoffaufkommen aus Wirtschaftsdünger einschließlich Gärresten zwischen 160 und 170 kg Stickstoff je Hektar und damit nur knapp unter dem Grenzwert.

Die grüne EEG-Gesetzgebung ist regional verantwortlich für steigende Nitrate, nicht die Bauern

Aber, wer trägt denn an der explosionsartigen Vermehrung der Biogasanlagen die Verantwortung? Etwa die Landwirte, die sich an die bestehenden Vorschriften gehalten haben und Biogasanlagen gebaut haben und diese Gärreste, wie gesetzlich bisher erlaubt, teilweise „obenauf“ auf die Tiergülle fahren? Oder waren das die Gesetzgeber, die das gegen den Rat der Landwirtschaftsexperten, etwa von der Uni Vechta, so in Gesetze gegossen haben, um besonders viel für das „Klima“ zu tun? Wer hat denn, um das Klima zu schützen, die sehr vorteilhaften Regelungen für Biogasanlagen gewollt? Hier den Landwirten die Schuld zu geben, ist zu billig. Schuldig sind die blinden grünen Klimaeiferer in den Parteien und Ministerien. Sie rufen jetzt scheinheilig „haltet den Dieb“, dabei haben sie die Gesetze, nach denen die Landwirte handelten, gewollt und gemacht. Die Landwirte, insbesondere die Biogasbetreiber, haben sich auf diese Gesetze verlassen, ja sie haben gedacht, mit Biogas hätten sie auf 20 Jahre eine Preis- und Einkommensgarantie, hätten „Vertrauensschutz“ nach diesen grünen Gesetzen. Weit gefehlt, wie die Tierhalter schon lange, spüren jetzt die Biogasbetreiber die Allmacht und Willkür des Gesetzgebers, der zwar nicht mit direkten Verboten oder Gesetzesbrüchen kommt, aber dazu hat er vielerlei Verordnung und Vorschriften, die alle mit kleinen Schräubchen Produktionsbedingungen verändern und Kosten treiben, bis die Landwirte entweder aufgeben oder immer unrentabler werden. So bekommt man Ställe und Biogasanalgen elegant weg, ganz ohne direkte Verbote und verklagbare Gesetzesverstöße. Die Biogasbetriebe waren davon ausgegangen, dass sie mit dem Staat als einzigen Kunden aus der Preistreiberei von Lidl, Aldi & Co raus wären. Nun müssen sie sehen, dass sich Vater Staat zwar an seine Garantiepreise zu Lasten der Stromkunden hält, aber Ihnen immer mehr und kostenträchtiger in ihre Produktionsweise selbst eingreift. Immer grad so viel, dass keine große, auffällige Pleitewelle kommt, aber mache Anlage gehört schon nicht mehr dem, der sie füttert und mal durchkalkuliert hat. Die, die früher über die Biogasanlagen als Klimaschutzprojekte jubelten, haben nämliche die Seiten gewechselt. Die Un-Verlässlichkeit der Gesetzgebung ist System geworden, um alle unerwünschten, z.Z. gesetzlich möglichen, Investitionen zu stoppen. Ist das die Zukunft des Wirtschaftsstandortes: Unsicherheit, Marktlenkung, Einspeisevorränge, Subventionslenkung, Kampagnen, Ökoplanziele, Sozialpläne für die Opfer, Staatsstellen für die Kontrollflut, staatliche Öko-Oberaufsicht über den gesamten Lebensbereich, Ökomoral hat immer recht, Ausgrenzung und Lächerlichmachung aller Nicht-Follower, Malso-Malso-Gesetzgebung? Wer will da noch investieren? Wer will sich vor Bürokraten für jede Handlung verantworten, als ob er unter Bewährung stünde? Ziel erreicht? Die Ökologisierung nähert sich methodisch der Zwangs-Kollektivierung in der DDR an, wieder mit den Medien und FDJ-Trupps (heute NGO-Trupps) als Hilfsinstrumenten zur Überzeugung der Dummen?

Nur wenn es dem Image schadet, wird auf Fakes und Hysterie verzichtet, sonst als nützlich erachtet

Was kann man nun tun, um mehr Ehrlichkeit und Anstand staatlicher Stellen mit der Öffentlichkeit und den Landwirten zu bewirken? Man kann z.B. auf die Schlechtigkeiten in dem Bericht hinweisen, vielleicht kommt ja was davon in die Presse und erst das bewirkt eine bessere Moral bei der Veröffentlichung, für alle. Alle regen sich über die Fake-News des neuen US-Präsidenten auf, dass der die nicht korrigiert. Nun, diese Fake-News gibt es bei uns seit dem Erfolg der Waldsterbenskampagne ständig, frei nach dem Motto der taz dazu: „Hysterie hilft“! Gipfel der Hysterie sind wohl Spekulationen in der Braunschweiger City, ob das Nitrat dort wohl, entgegen jeder Schwerkraft und der Nitrat-Abbauprozesse, aus den spärlichen Gülle-Ställen des hier ganz weit entlegenen Umlandes stammt, sich mirakulös im Grundwasser der City sogar noch irgendwie konzentriert hat, oder doch aus undichten Kanalrohren.
Hat sich schon mal jemand gefragt, warum die Brunnen nicht mitten in den Städten, meilenweit entfernt von jeder Gülle, stehen?


Hinweis, späte Ehre für den trickreichen BUND-Auslöser der „Schwarzwald stirbt“ – Hysterie: https://www.facebook.com/MMiersch/posts/1219024108194651:0

Es folgen einige Karten zum Text:

Landschaftszustand Ende des 18. jahrhunderts in Niedersachsen

 

13 Gedanken zu „Nitrat: gute & böse Fakes?

  1. Wo und wann und wie gefroren oder oberflächlich angetaut war der Boden? Sicherlich ist es besser, exakt zum Vegetationsbeginn auf die Felder zu fahren, aber leider hält sich die Befahrbarkeit der Felder nicht exakt an den Vegetationsbeginn, der auch regional anders ist und eben nur theoretisch „exakt“. Das Gesetz sieht formal für das Datum vor, Düngeverordnung – DüV § 4 , Abs. (5) „Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff, ausgenommen Festmist ohne Geflügelkot, dürfen zu den nachfolgend genannten Zeiten nicht aufgebracht werden: 1. auf Ackerland vom 1. November bis 31. Januar“. Anne Zuzmann vom Vorstand des Nabu in Bad Münder hat Anfang Februar 2017 einen Landwirt bei der Land­wirtschaftskammer (in Bayern wäre das das Landwirtschaftsamt) über die ihrer Auffassung nach viel zu frühe Gülleausbringung angezeigt. Sie sieht die Gülleausbrin­gung grundsätzlich kritisch, insbesondere aber zu einer Zeit, ·in der noch Frost im Boden ist. Nach dem Gespräch wurden zwei Kontrolleure der Kammer an den Acker zwischen Hameln und dem
    Friederikenstift entsandt – Ergebnis: Der Landwirt hatte sich an die bestehenden Re­
    gelungen gehalten, der Acker sei bei der Ausbringung ausreichend aufgetaut gewe-
    sen (Quelle: DEWEZET 15.2.2017 Seite 23). Niemand kann von der Ferne beurteilen, wie gefroren oder tagsüber aufgetaut und damit prinzipiell aufnahme- und festhaltefähig ein Feld irgendwo in Deutschland ist. Das ist oben im Harz ganz anders als auf der Sonnenseite des Deisters. An Gesetze muß und darf man sich halten, auch andere. Allerdings bin ich der Meinung, wer anderen oder dem Staat unnütze Kosten verursacht, hat diese selbstverständlich und problemlos zu ersetzen, falls es ohne Grund war. Sonst wird hier das Ordnungsrecht zur Schikane und „Sozialfälle“ können sich auf Staatskosten alles erlauben. Die Rechtsgüter sind abzuwägen und im Interesse der Allgemeinheit auszuwiegen. Grüße: Georg Keckl

    1. Die Nährstoffverordnungen basieren ja mehr auf politischem Lobbyismus denn auf ökologischem und ökonomischem Sinn . Sie sind auch wohl eher als Verschmutzungsrechte zu bewerten.Da Prüfungen der Kammer auch immer Ermessensangelegenheiten sind, passiert da auch nichts,weil der Landwirt ja „legale“ Verschmutzungsrechte in Anspruch nimmt. Zu einem so frühen Zeitpunkt Nährstoffe auszubringen ist unsinnig ,ob Frost,angetaut oder wie auch immer, wenn die erheblichen Frühjahrsniederschläge bei niedrigen Temparaturen zu erwarten sind.Bei wassergesättigten Bodenzuständen ist je nach Bodenart die Haltefähigkeit doch eher begrenzt.Wichtige Ressourcen dem System uber die Wasserdynamik oder Luft zu entziehen und Schädigungen der Ökosysteme zu provozieren, sollte nicht zum Berufsbild des Bauern gehören.
      Bei meiner Meisterausbildung ( vor 2000 ) wurde das auch so von den Ausbildern gesehen.Warum die gleichen Sachverständigen der Kammer das jetzt im politischen und verbandlichen Corpsgeist heute anders sehen, erschließt sich mir nicht.
      Sie beschreiben als Statistiker Durchschnittsmodelle , die mit der Praxis auf den Feldern teilweise nichts zu tun haben und liefern den Bauern eine Generalabsolution, um weiter so fortfahren zu können.
      Alle Landkreisverwaltungen, selbst die Agrobusiness-freundlichsten wie CLP, EL und VEC sehen dringenden Handlungsbedarf. Es ist eine signifikante Anzahl von Grundwasserkörpern betroffen, wobei es m.E. nicht auf die Anzahl der Messbrunnen ankommt oder eine wie auch immer geartete mediale Präsentation.
      http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-bersenbrueck/artikel/847980/experten-diskutieren-in-kettenkamp-ueber-nitrat-im-trinkwasser#gallery&0&0&847980

      1. Keine Frage, wir Landwirte können uns bei der Düngung verbessern. Mit der neuen Düngeverordnung wird es eine große Herausforderung, weiter sicher hohe Erträge zu erzielen. Das ist jedenfalls weiterhin mein Ziel im Ackerbau.
        Dabei möchte ich düngen und nicht verschmutzen!
        Seit Einführung der „170kg N aus organischen Düngern“-Grenze haben wir die Erträge und damit die Entzüge deutlich gesteigert. Bei quasi gleicher Düngermenge. Die Stickstoffbilanz ist stetig verbessert worden und hatte zur Folge, dass die Nitratwerte kontinuierlich fielen. Dann gabe es vor ein paar Jahren der politisch gewollte Biogarboom, der dazu führte, dass der fallende Trend stagnierte und regional auch zu steigenden Werten führte.
        Bis vor Kurzem (September 16) postulierten viele Grüne, Umweltbundesamt und NGOs das Märchen von immer weiter steigenden Nitratwerten, an denen die Auswüchse der Massentierhaltung Schuld seien. Die Tagesschau brachte diese FakeNews sogar in den 20Uhr-Nachrichten und garnierte oben drauf auch noch „Grundwasserverseuchung“. Gegen diese Hexenjagd habe ich immer gekämpft!
        Und nun, wo sich dieses Fakenews sich nicht mehr so ungestraft verbreitet werden kann, wird wieder an anderer Stelle getrickst! Jetzt heißt es, dass in Niedersachsen über 50% der Messstellen über 50mg liegen. Und Schuld ist natürlich wieder die Massentierhaltung! Dass hier einigen Landwirten die Hutschnur hoch geht, sollte doch verständlich sein, oder?
        Wenn die Politik sich solcher Manipulation bedient, um eine Berufsgruppe an den Pranger zu stellen und ihre ideologischen Wunschvorstellungen durch die Hintertür zu realisieren, dann erzeugt das logischer Weise eine gewaltige ablehnende Haltung seitens der Bauern. Ich und die allermeisten Kollegen von mir haben keinerlei Vertrauen in die Politik der Grünen. Der Politikstil der Grünen basiert auf Populismus, Pranger & Fakenews und ist in diesem Sinne keinen Deut besser als die Politik eines Präsidenten Trump.

        1. Die landwirtschaftlichen Fachzeitschriften stehen voll von kritischen Berichten zum Düngereinsatz, geschrieben von eher konservativen Autoren, die weder den Grünen nahestehen ,noch irgendwelche ideologischen Absichten haben ,sondern um die Reputation eines ganzen Berufsstandes besorgt sind. Warum Landwirte immer hohe und noch höhere Erträge erreichen müssen , liegt wohl auch in historisch traumatischen Erfahrungen begründet. Der Hunger aber wird in Zukunft vor allem durch regional geschlossene Kreisläufe in Grenzen gehalten und nicht durch lokale Mengensteigerungen. Richtig ist ,daß die Grünen ihre politischen Chancen wieder bei ihren Wurzel suchen und finden, da sind sie leider wieder einmal stategische Opportunisten. Aber der Meyer in Niedersachsen gibt kleinen bodenständigen bäuerlichen Höfen, ob bio oder konv. eine reelle Überlebenschance, auch durch die Verlagerung von Subventionen.

  2. Ich gehe davon aus, dass die „Pseudo-Gutmenschenfraktionen“ diesem Bericht nichts entgegen zu setzen haben. Wenn´s fachlich wird, ist Schweigen angesagt bzgl. Landwirtschaft. Solche Wahrheiten kommen beim Bürger nicht an, weil sich die breiten Medien verweigern.

  3. „Die Nährstoffverordnungen basieren ja mehr auf politischem Lobbyismus denn auf ökologischem und ökonomischem Sinn.“ So geht das nicht! Wir sind keine Bannrepublik, in der sich Reiche Gesetze bei korrupten Volksvertretern bestellen. Anzunehmen, die Gesetze wären vom der Bauernverband-Lobby o.a. geschrieben worden, ist schlimmer als mache Außen-Sprüche, kann nicht noch gut an sie erinnern und erkenne sie auch heute. Die Gesetze werden eingebracht und jeder, auch jede Interessenvertretung (besser Interessentenvertretung, es kann ja nicht jeder das alles überblicken), kann dann was zu sagen. Die Kammerleute sind Beamte, da hat zuerst die Annahme zu gelten, dass die sich an Gesetze halten und nicht an Parteitagsbeschlüsse oder anderen Schleimspuren, wie wir das in der Geschichte schon mehrmals hatten. Mitspracherechte bei Getzesvorhaben nutzen alle und das ist gut so, das hat so zu sein oder was soll sonst für ein „Führungsmodell“ gelten? Heraus kommt dann das, was im Kräfteverhälnis akuell möglich ist mancher ist nach Jahren froh, dass er damals nicht alles durchgebracht hat oder bedauert, dass er so viel durchgebracht hat. Anzunehmen, es gibt ein Richtig und ein Falsch eine eine Seite weiß es und die andere nicht, traf ganz selten zu. Glück hat der Staat im Mittel, wenn es die Mitte wird. Zum Ausbringzeitpunkt: Es gibt Felder, da kann man im Frühjahr nur sicher rein, wenn Frost drin ist und später ist es Glückssache. Der Winter war relativ trocken. Dass ich gerade keine Durchschnitsmodelle beschrieben habe, kann jeder lesen. Grüße: gk

  4. Welchen Sinn sollte es wohl machen, dass die Landesregierung gefakte Zahlen vorlegt. Das Anlastungsverfahren der EU läuft und kommt uns teuer zu stehen. Mit 830.000 € Strafzahlungen von der Bundesregierung pro Tag wird gerechnet. Mit dem Geld könnte man viel für Landwirte im Wasserschutz tun. Der Verbraucher und Steuerzahler versteht es nicht mehr und die neue Runde der EU-Agrarförderung wird zunehmend unter dem Motto geführt :“Öffentliches Geld für öffentliche Güter!“ Dialog wäre jetzt dringend angesagt, um für die Landwirtschaft neue Wege zu eröffnen. In die Zukunft blicken, dass ist jetzt wichtig.

    1. Welchen Sinn macht es für grüne Politiker mit Fakes zu arbeiten: Ängste schüren, die unbegründet sind, um Menschen zu „erziehen“, damit sie sich vegan ernähren; damit sie bei der nächsten Wahl wiedergewählt werden; damit sie uns mit noch schärferen Gesetzen überziehen können, damit ihre Klientel durch die gesetzlich geschaffenen Naturräume spazieren können, wo vorher nach weltweit höchsten Standards Landwirtschaft betrieben wurde, damit man Landwirte öffentlich diskriminiert und so umsonst an deren Flächen kommt (5 Meter-Streifen, Naturschutz, FFH, usw., usw.), weil sich keiner mehr traut unsere Landwirtschaft zu verteidigen.

    2. Übrigens heute in den Nachrichten das Wahlprogramm der Grünen: Kohlekraftwerke abschalten, Massentierhaltung abschaffen und Vermögenssteuer für Superreiche einführen. Bei der Energiewende haben sie sich schon alle „selbstverwirklicht“ und die Wettbewerbsfähigkeit ausgeschaltet, d.h. energieintensive Industrie usw. passiert nur noch im Ausland, die Produkte werden dann importiert. Bei der Vermögenssteuer der Superreichen setzen sie auf die bewährte Neiddebatte, da sich keiner selbst für superreich hält, Wahlprogramm der Linken kopiert. „Massentierhaltung“ ist eine gebräuchliches Wort geworden, obwohl sich kein normaler Bürger auskennt und nur den Quatsch der Grünen nachplappert. So werden wir „sturmreif“ geschossen. Selbstkritik, wie bei der massiven „alternativlosen“ Biogasförderung findet man allerdings nicht. Wohlfühlpolitik eben, die wenig mit der realen Welt zu tun hat und ein inszeniertes Feindbild, dass genau auf die grüne Ideologie zugeschnitten ist.

        1. Gut gekontert, Ottmar. Ich halte viel von Selbstkritik. Das wird natürlich in der Öffentlichkeit allgemein negativ ausgelegt. Vor allem bei Politik im Wahlkampfmodus. Behauptest Du ernsthaft, es wird nicht mit manipulierten, gelenkten Wahrheiten (Fakes) gearbeitet?

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