Angstmacherei in Mettingen

Elternbrief der Gesamthauptschule
Elternbrief der Gesamthauptschule

Ende Februar nutzte die Schulleiterin der Josef-Gesamthauptschule in Mettingen (NRW) ihr Amt als Schulleiterin dafür, den Eltern mittels eines Elternbriefes ein vorgefertigtes Einspruchschreiben gegen einen Stallbau in Mettingen auszuhändigen. top agrar berichtete u.a. von diesem Ereignis, das unter

Seite 2 des Elternbriefes
Seite 2 des Elternbriefes

Landwirten sowohl lokal als auch überregional für Aufsehen sorgte.
Aus diesem Brief geht hervor, dass sie sich große Sorgen um die Gesundheit ihrer Schüler macht und verweist dabei auf die Recherche-Ergebnisse von correctiv, die im November letzten Jahres an der äußerst unausgewogenen Berichterstattung der ZEIT beteiligt waren. An dieser Stelle lässt sich mal wieder „bewundern“, wie schlechte und falsche Berichterstattung in vermeintlich seriösen Medien für großes Unwissen bzw. gefährliches Halbwissen und -damit verbunden – Ängste sorgt.

Plakate gegen Massentierhaltung verärgerten die Landwirte (c) http://www.ivz-aktuell.de/
Plakate gegen Massentierhaltung verärgerten die Landwirte
(c) http://www.ivz-aktuell.de/

Gestern fand eine Informationsveranstaltung zu dem Bauvorhaben des örtlichen Landwirts statt. Die Mettinger Wählergemeinschaft (MWG), die FDP und die Grünen luden hierzu ein.
Die Veranstalter wollten über die Gefahren intensiv betriebener Ställe aufklären. Als Referent kam Prof. Dr. Ueberschär, Veterinärpathologe im Ruhestand nach mettingen, als Moderator stellte sich ein Polizist im Ruhestand zur Verfügung.
Der Tenor der Veranstaltung war sehr schnell klar:

Es ging darum, Verunsicherung und Angst zu verbreiten.

Fachwissen, wissenschaftliche Einordnungen traten leider in den Hintergrund, im Vordergrund standen Vermutungen, Behauptungen, Mutmaßungen, Hirngespinste und Unwahrheiten.
Dr. Ueberschär verharrte in seinen Ausführungen lange in vergangenen Zeiten und zeigte Bilder, auf denen seiner Meinung nach tierquälerische Massentierhaltung zu sehen war. Zu den Fotos gab er Erläuterungen, die häufig weit ab jeglicher praktischer Relevanz bzw. einfach nur unwahr waren. So behauptete er beispielsweise, Sauen würden ihr ganzes Leben lang im Kastenstand eingesperrt. Im Anschluss an seine umfangreichen falschen Behauptungen sagte er, dass Menschen, die ihre Tiere so halten, eine kranke Psyche/Seele haben. Unter den anwesenden Gästen waren übrigens auch Landwirte. Gänzlich aus dem Ruder liefen seine Erklärungsversuche beim Thema Antibiotikabehandlung und -resistenz. Prophylaktische, flächendeckende Antibiotikaverabreichungen sind seit 2003 verboten. Das hätte eigentlich auch ein Ruheständler wissen müssen. Mit keinem Wort erwähnte er das engmaschige Kontrollnetz bei der Medikamentenvergabe, das heute über den Betrieben liegt. Beim Antibiotikaverbrauch ist dem Professor dann der Überblick vollends entglitten, seine Ausführungen waren auch für die Zuhörer nicht mehr nachvollziehbar. Von aktuellen Veröffentlichungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) schien er keine Kenntnis zu besitzen. Auch dass nach derzeitigem Kenntnisstand der nutztierassoziierte laMRSA nur äußerst selten zwischen Menschen übertragen wird und dass die Gefahr für andere MRSA auf dem Übertragungsweg Krankenhaus die Wurzel des Problems ist, hat er verschwiegen. Gerade dieser Punkt aber wäre von besonderer Bedeutung gewesen, um den besorgten Eltern ihre (unbegründete) Angst zu nehmen. Der geladene Veterinärexperte schürte diese Angst sogar noch weiter mit seiner Äußerung, „dass wohl erst das erste Kind an MRSA sterben muss, ….“.
Einladungen zu Betriebsbesichtigungen, ausgesprochen durch anwesende Landwirte, wurden leider seitens der Schülervertretung nicht angenommen, „zu groß sei die Angst, einen Stall zu betreten“.

Der Referent Prof. Dr. Ueberschär muss sich an dieser Stelle den Vorwurf gefallen lassen, dass er die Chance eines weiterführenden Dialoges vereitelt hat.

An einem konstruktiven Dialog haben die Veranstalter offensichtlich aber auch kein Interesse. Das Ziel einer Informationsveranstaltung sollte die Information der besorgten Bürger sein. Doch davon konnte keine Rede sein. Man hätte für Pro- und Contra ein ausgewogenes Podium präsentieren können. Das ist leider ausgeblieben. So kann man durchaus davon sprechen, dass Grüne, FDP und MWG aus Mettingen bewusst die Ängste in der Bevölkerung schüren möchte.

netzfrauen_mettingen_stall_schuleDer Streit in Mettingen, aus Ausnutzen der Position der Schulleiterin sorgt dafür, dass mittlerweile bundesweit auf diese Auseinandersetzung geschaut wird.
Die Fakten-resistenten Netzfrauen beziehen eindeutig Stellung pro Schulleiterin und skandalisieren die Vorwürfe der Bauern.
Was in Mettingen meiner Meinung nach wirklich bitter nötig ist, ist nicht die Verhärtung der Fronten, sondern zuerst eine wirklich gründliche Aufklärung um die Gefahren und dann eine sachliche Auseinandersetzung beider Seiten mit diesem Thema.
Ich wünsche den Mettingern, dass sie diese Zerreißprobe bestehen und zukünftige Konflikte um die Landwirtschaft im fairen Dialog gelöst werden können!

Ich bedanke mich für die Augenzeugenberichte von Nadine Henke und Marcus Holtkötter, ohne die ich nicht so ausführlich von der gestrigen Veranstaltung berichten könnte. Beide sind übrigens u.a. Initiatoren von FragdenLandwirt.de.

8 Gedanken zu „Angstmacherei in Mettingen

  1. Na das ist ja mal ein Empfehlungsschreiben für Prof. Dr. Ueberschär in Richtung BUND. Ach, was sag ich: PETA. Denken Sie groß!

    Fakten interessieren niemanden mehr.

  2. Komisch echt komisch das wir noch überlebende Landwirte haben die nicht mal mit MRSA infiziert sind! MRSA ist ein krankehauskeim! Alles Idioten oder was ich bin so wütend besonders über dumme Schüler und noch dümmere Schulleitung!ich Zweifel an der Kompetenz!

    1. angesichts der permanenten Wiederholung dieser ganzen Un- bzw. Halbwahrheiten auf allen Kanälen, muss man fast schon Verständnis dafür haben, dass Ottonormalverbraucher so denkt! Wer will es ihm verübeln.
      Allerdings finde ich das Verhalten der Leute, die nur ideologisch und falsch „informieren“ bzw. „zuspitzen“ niederträchtig. Es gibt sehr viele, die trotz besseren Wissens gegen die moderne Landwirtschaft feuern!

  3. Sehr geehrte Frau Kötter-von-Bargen,

    auch mir ist seit längerem bekannt, dass der Betrieb Borchelt sich um einen Ferkelstall erweitern möchte. Dass in der Bevölkerung Bauvorhaben seitens Landwirten aus diversen Ängsten/Befürchtungen zunehmend kritisch gesehen werden, ist mir als Landwirtschaftsstudent auch nicht entgangen.

    Ebenfalls ist mir sehr wohl bewusst, dass wir, zum Glück, in einem Land leben, in dem jeder seine freie Meinung äußern darf.

    Auch wenn seit einiger Zeit Naturschutzverbände und Tierschutzvereine immer wieder vom Verbandsklagerecht Gebrauch machen und somit Genehmigungen von Stallbauten wieder zunichtemachen, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen, ist das eine Sache. Wenn Sie sich im privaten Umfeld zu diesem Thema auslassen, ist das ebenfalls Ihr Recht auf freie Meinungsäußerung! Wenn sie allerdings als Schulleitung, wohlwissend um ihre Macht als Multiplikator, Ihr Amt missbrauchen um eigene Interessen durchzusetzen ist das ein Skandal! Abgesehen davon, dass im kürzlich erschienen Elternbrief der Name des Landwirtes öffentlich gemacht und damit die Diffamierung der gesamten Familie in Kauf genommen wird, wird mit falschen, unsachlichen Argumenten versucht, die Eltern ihrer Schüler auf Ihre Seite zu ziehen.

    Wäre ich ein Elternteil einer Ihrer Schützlinge und hätte von der Materie der angeblichen Todeskeime keinen Schimmer, wäre ich sofort bereit, unter den bereits fertig ausformulierten und adressierten Antrag nur noch meinen „Kaiser-Wilhelm“ drunter zu setzen und abzuschicken. Dieses unsachliche „BILD-Zeitungsniveau“ hätte ich von einer Pädagogin in Ihrer Stellung nicht erwartet! (Dennoch ein geschicktes rhetorisches Mittel, die unschuldigen Kinder vorzuschieben)

    Wenn diese MRSA-Keime wirklich so tödlich wären, würde es schon längst keine intensive Tierhaltung mehr geben, weil ja alle Bauern dran gestorben sind.

    Aber weil ich im Antrag ja nur meinen Namen eintragen muss um Teil Ihrer Beschwerdewelle zu werden, fällt mir auch nicht auf, dass der angegebene Link https://mrsa.correctiv.org/ ‪#‎fakt‬ zweifelsfrei nicht auf die Tierhaltung als

    Sündenbock abzielt!! Da macht der Titel schon einiges her, aber wer mit Sinn und Sachverstand liest, merkt schnell, dass Sie sich damit Ihr eigenes Loch graben.

    Einige Beispiele:

    „7.500 bis 15.000 Menschen sterben laut Bundesgesundheitsministerium in Deutschland jedes Jahr an Infektionen im Krankenhaus.“ – Und wie viele im Schweinestall? Wenn diese Keime wirklich so tödlich wären, würde jeder Landwirt mit einer auch noch so kleinen Verletzung verenden! Dem ist meines Wissens bis dato nicht so.

    „Besonders gefährdet sind Personen, die häufig stationär behandelt werden, die pflegebedürftig sind, häufig Antibiotika nehmen, liegende Katheter, chronische Wunden oder Brandverletzungen haben.“ – Klassischer Querschnitt über die auf dem Schulhof spielenden Kinder. *Achtung: Ironie!!*

    „Es gibt zwei Dinge, die es den Keimen überhaupt nur ermöglichen, sich einzunisten in unserer Mitte, sich zu verbreiten, immer mehr Menschen zu töten. Nummer eins: Zu viel Antibiotika. Nummer zwei: Mangelnde Hygiene.

    Starten wir mit den Medikamenten. Der Mechanismus ist einfach. Von Natur aus trägt jedes Lebewesen bei einer Infektion auch einige resistente Krankheitserreger in sich. Sie entstehen zufällig, durch natürliche Mutationen. Werden Antibiotika verabreicht, sind diese resistenten Keime plötzlich gegenüber ihren nicht mutierten Verwandten im Vorteil. Je häufiger Antibiotika verabreicht, je sorgloser sie eingenommen werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass resistente Keime sich vermehren und verbreiten können. Dann sind die Medikamente wirkungslos.

    Deshalb ist es so wichtig, dass Antibiotika nur extrem gezielt vergeben werden. Dass Ärzte verpflichtet werden, ein Antibiogramm zu machen, bevor sie die Medikamente verschreiben. Um zu testen, auf was der Patient reagiert. Dass überwacht und eingetragen wird, welcher Patient welches Antibiotikum für welches Problem bekommt. Ein Antibiotikapass, wie beim Impfen, nur halt für Antibiotika. Und dass zentral erfasst wird, wo wie viele Antibiotika für was verschrieben werden. Um den Einsatz zu optimieren, zu drosseln. All das gibt es bislang nicht.“

    „„Sie sehen zu, wie ein Mensch elend leidet. Und Sie können nichts tun, gar nichts.“ Gerd-Ludwig Meyer betreibt mit Ärztekollegen eine Dialysepraxis. Er erzählt von der alten Dame, deren Harnwegentzündung im Laufe der Behandlung nicht besser wurde, sondern schlimmer.

    Meyer verschrieb das erste Antibiotikum – keine Wirkung. Er verordnete das zweite Antibiotikum, das dritte, das vierte, das fünfte: Gentamicin. Tetracyclin. Ciprofloxacin. Amoxicillin. Insgesamt waren es zwanzig. Keines half. Nach schrecklichen Tagen der Qual musste die alte Dame sterben.“

    –Warum wird denn kein Antibiogramm erstellt? Versuch und Irrtum funktionieren weder in der Veterinär- noch in der Humanmedizin. Wenn weiterhin so sorglos mit den Antibiotika seitens der Ärzte umgegangen wird, bekommen wir das Problem nicht in den Griff!

    „Eine weitere Möglichkeit, die Superkeime einzudämmen: In Holland wird ausnahmslos jeder Patient bei der Aufnahme ins Krankenhaus auf multiresistente Erreger gescreent. Auch deshalb gibt es dort so gut wie keine MRSA-Patienten mehr.“ –Das passt ja gar nicht ins Bild der verrufenen Massentierhaltung. Ein Land, indem die Tierhaltung noch intensiver praktiziert wird als in DE, und dass praktisch ohne MRSA? Da ist die Variable in der Rechnung wohl doch eine andere, oder?

    Ich bin gespannt, wann Sie mit Trillerpfeife und Pappschild auf das nächst beste Krankenhaus stürmen… ob sich da auch so leicht Mitstreiter finden lassen? Ich glaube kaum… und ich könnte Zeile um Zeile so weitermachen. Aber gehen wir der Sache mit dem Nitrat mal genauer auf den Grund:

    Ich weiß nicht genau, woher Sie die Behauptung nehmen, die Grenzwerte seien um das Dreifache des zulässigen Nitratgehaltes überschritten? Fakt ist, dass in den Zeiträumen 1992- 1994 und 2008-2010 die Grenzwertüberschreitungen um gut 15% zurückgegangen sind, Tendenz sinkend.

    Quelle: http://www.bmel.de/…/Klima-und-Umwe…/Nitratbericht-2012.pdf…

    „[…]Erhöhte Nitratwerte wurden nicht nur in Regionen mit hoher Viehdichte gefunden. Auch in Regionen mit sehr geringer Viehdichte entdeckten die Wissenschaftler erhöhte Nitratwerte im Wasser. Die Messungen wurden

    übrigens oberflächennah durchgeführt. Dort ist naturgemäß mehr Nitrat gespeichert. In Tiefen von 25 Metern, aus denen übrigens das Trinkwasser gefördert wird, wiesen wiederrum nur 3,3% der Proben erhöhte Grenzwerte auf. Diese Grundwasserquellen werden nicht mehr zur Trinkwassergewinnung genutzt.

    Gut zu wissen: Vor einigen Jahrzehnten wurde lange nicht so bewusst mit organischen und mineralischen Düngemitteln umgegangen. Die Landwirte haben umgedacht und so sinken die Nitratgehalte im Wasser stetig. Es wird effizienter und bedarfsgerechter gedüngt. Während des Winters werden Zwischenfrüchte angepflanzt, die vermindern, dass Nährstoffen durch Niederschlag ausgewaschen werden. Vielmehr binden Zwischenfrüchte die Nährstoffe und machen sie für die danach gesäten Pflanzen verfügbar. Zudem muss jeder Landwirt die Verbringung und den Verbleib der Gülle genau dokumentieren. Mittlerweile gibt es auch eine rege Nachfrage von Ackerbauern aus Regionen mit wenig Tierhaltung, die den wertvollen Wirtschaftsdünger Gülle für ihre Flächen nachfragen und einsetzen.“

    Quellen:

    KECKL, G (2014): Gespensterdebatten um das Nitrat im Grundwasser. Dokumentation vom 23.2.2014 NLWKN (2014):http://www.nlwkn.niedersachsen.de/…/nitratgehalte-38698.html. (Zugriff am 09.11.2014)

    Massentierhaltung-aufgedeckt.de (Zugriff am 20.03.15)

    Zum Thema Verkehrssicherheit brauche ich ja eigentlich auch nicht mehr sagen, als dass ich selbst einmal Schüler der KvG Realschule war und die örtlichen Gegebenheiten also bestens kenne. Mir will beim besten Willen nicht in den Schädel, weshalb die Sicherheit der Kinder in Gefahr ist, wenn der Schulhof doch ringsum umbaut ist und mindestens 50m von der betroffenen Straße entfernt liegt? Außerdem ist zu diesem Zweck bereits eine Baustraße errichtet worden, um den LKW-Verkehr über Nordhausen umzuleiten.

    Dieser Brief hat in den letzten 24 Stunden große Aufregung und Unmut in den Sozialen Medien hervorgerufen. Nicht nur bei Landwirten und Landwirtschaftsstudenten, sondern auch der Fachpresse ist dieses Verhalten äußerst sauer aufgestoßen.

    Ich würde mich, auch im Namen aller Berufskollegen, sehr freuen, wenn Sie diese unhaltbaren Thesen ihrerseits wiederlegen und wir am Montag den 23.03.15 auf der „Infoveranstaltung“ noch einmal intensiv über dieses Thema sprechen können.

    Hochachtungsvoll,

    Markus Storck

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