Das Tribunal

tribunalAm kommenden Wochenende findet in Den Haag das „Monsanto-Tribunal“ statt. Veranstalter sind diverse Nicht-Regierungs-Organisationen, aber auch Vertreter politischer Parteien werben für diese Veranstaltung.  Der Ort wurde wohl bewusst so gewählt, um eine gedankliche Nähe zum Sitz des Internationalen Gerichtshofes herzustellen.

Hier die Einführung auf der Homepage des Monsanto-Tribunals:

„Für eine wachsende Anzahl von BürgerInnen in der ganzen Welt ist der amerikanische Konzern Monsanto das Symbol für die industrielle Landwirtschaft: eine Produktionsform, welche durch den massiven Einsatz von Chemikalien die Umwelt verpestet, den Verlust der biologischen Vielfalt beschleunigt und massiv zur globalen Erwärmung beiträgt.
Monsanto fördert ein Modell von Industrielandwirtschaft, das weltweit mindestens ein Drittel der anthropogenen Treibhausgasemissionen verursacht. Die industrielle Landwirtschaft ist zu einem grossen Teil verantwortlich für die Abnahme von Bodenfruchtbarkeit und Grundwasserreserven, für Biodiversitätsverlust und Artensterben, sowie weltweit für die Verdrängung von Millionen von Kleinbauern. Mit der Patentierung von Lebewesen und Saatgut bedroht dieses Modell die Ernährungssouveränität von uns allen.“

Wer diese Zeilen aufmerksam liest, erkennt schnell, dass nicht nur Monsanto, sondern generell das Modell der „industriellen Landwirtschaft“ auf der Anklagebank sitzen. Es geht den Veranstaltern also nicht nur um Glyphosat, sondern um die derzeitige Wirtschaftsweise insgesamt.

Renate Künast, ehemalige Landwirtschaftsministerin und Vertreterin der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ bewirbt diese Veranstaltung auf ihrer Facebook-Seite. Auch hier ist an den Begriffen „Monokulturen“, „Gentechnik“ und „Agro-Landwirtschaft“ (Anmerkung: was ist Agro-Landwirtschaft?) klar zu erkennen, dass mit dieser Veranstaltung die Form der Landwirtschaft in Misskredit gebracht werden soll, die von der überwiegenden Zahl der Landwirte heute praktiziert wird. Interessant die Erläuterung, dass es sich beim Monsanto Tribunal um „eine zivilgesellschaftliche Gerichtssimulation“ handelt.

Der Vorwurf an Monsanto lautet „Ökozid“ –  auch in diesem Wort verbirgt sich ein bewusstes Täuschungsmanöver: Die Ähnlichkeit zum Begriff „Genozid“ für Völkermord soll die Geschäftstätigkeit der Agrarkonzerne kriminalisieren.

Hier die Posts von Renate Künast:

29.7.2016: „Das Monsanto-Tribunal braucht unsere Unterstützung. Denn Engagement und Veranstaltungen kosten. #monsanto“snap_kuenast_tribunal
6.10.2016: „Das internationale Monsanto-Tribunal findet ab nächster Woche in Den Haag statt! Monsanto betreibt und fördert ein Modell der industriellen Landwirtschaft, das weltweit zu Umweltverschmutzung, Zerstörung und Hunger führt. Das prangern wir an und erstellen nebenbei noch unsere Vision einer gerechten Zukunft.“
11.10.2016: „Am Wochenende findet das so genannte Monsanto-Tribunal, eine zivilgesellschaftliche Gerichtssimulation in Den Haag statt. Monsanto zerstört mit seiner Agro-Landwirtschaft, Monokulturen und Gen-Technik die Menschenleben und den Planeten.“

Ergänzend sei noch gesagt, dass diese Veranstaltung keine rechtliche Relevanz hat. Es handelt sich um einen reinen Schauprozess, dessen Ausgang, eine „Verurteilung“ von Monsanto, vermutlich schon im Vorfeld feststeht.

Bernhard Barkmann (BlogAgrar)
Susanne Günther (schillipaeppa.net)
Willi Kremer-Schillings bauerwilli.com)
Marcus Holtkötter @BauerHolti (Holtkötter-Agrar.de)

12 Gedanken zu „Das Tribunal

  1. Ich würde sogar noch weiter gehen,als nur den Hersteller vor Gericht zu stellen . Wer z. B.wissentlich Mittel einsetzt ,die 7000 mal giftiger sind wie DDT, Halbwertzeiten von mehreren Jahren haben, nur zu einem kleinen Teil von der Pflanze (Zielobjekt) verbraucht werden ( Rest bleibt in Boden, Wasser, Luft und Lebewesen) und zu den effektivsten Nervengiften gehören ,über den sollte auch ein Trbunal richten.

      1. Wer heute noch Neonikotinoide freisetzt, der ist so abgestumpft, daß er das aushalten muß. Rechtsstaatlichkeit beinhaltet auch das Recht auf Unversehrtheit. Und Meinungsfreiheit gehört zur Demokratie. Warum so dünnhäutig ? Gesinnung ,Vernunft oder Dialog im Duktus. Wo soll denn der Unterschied liegen zwischen Ihnen und mir? Außer daß Sie die Positionen des Landvolk vertreten und ich für die Natur kämpfe.

        1. Dünnhäutig werde ich, wenn undemokratische Paralleljustiz toleriert wird, wenn es einem gerade mal passt. Das Tribunal war/ist eine Hexenjagd. Nix anderes. Dieser totalitäre Ansatz, der immer wieder bei der Ökoszene durchkommt, kann einem Sorgenfalten ins Gesicht treiben….

          1. Ich bin nicht die Ökoszene und derartige Tribunale sind ein adäquates Mittel im Pluralismus, sich gegen die gestalterische Macht einiger Konzerne zu wehren bzw. diese in den Mittelpunkt der öffentlichen Betrachtung zu bringen.

          1. Herr Barkmann , Herr Böhrer, vieleicht treffen wir uns ja mal auf einer dieser Veranstaltungen zum Pestizideinsatz. Den Herrn Hübner habe ich schon mal kennengelernt auf einer Veranstaltung im Frühjahr in Schneverdingen. Und wenn dann auch noch Frau Günther und die Herren Kremer-Schilling und Holtkötter kommen, freue ich mich sehr.

        2. Neo-Nikotin-oide ähneln dem Nikotin, sind aber nicht annähernd so gefährlich.
          Wir sollten das Rauchen in Deutschland verbieten, es tötet die Biene!

    1. „Ich würde sogar noch weiter gehen,als nur den Hersteller vor Gericht zu stellen .“ Und diejenigen, die in den Zulassungsverfahren Sich für die Zulassung der Mittel eingesetzt haben auch? Und diejenigen, die positive Forschungsergebnisse präsentiert haben auch? Und diejenigen Berater, die den Einsatz der Mittel empfohlen haben auch?

    1. Oh nein, Bauer Hubert. Sie betreiben offensichtlich ein anderes Quellenstudium als ich. Ich verwende viel Zeit für dieses Thema,besuche viele überregionale Veranstaltungen, spreche auch mit hochqualifizierten Wissenschaftlern wie Herrn Tennekes persönlich und hoffe, Sie auch damnächst einmal auf einer dieser Veranstaltungen kennenlernen zu können. Auf diesen Veranstaltungen können Sie sich dann gerne am Diskurs beteiligen und Ihr Fachwissen einbringen.

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