FG(A)U: Gentechnikkritiker klären über neue Gentechnologien auf

Graphik FGU
Lobbyisten des Anti Gentechnik-Komplexes unter sich – sponsored by Behörden des Bundes

Für den gesunden Menschenverstand dürfte glasklar sein: Aktuelle Entwicklungen im Bereich neuer Gentechnikverfahren von gentechnikkritischen Nichtregierungsorganisationen (NGO) bzw. Aktivisten abschätzen lassen ist ähnlich sinnentleert wie den Wolf als Hütehund einsetzen. Wo Schäfer sich allerdings umgehend zu Hochzeitsplanern umschulen lassen würden, geben sich Bundesamt für Naturschutz (BfN) sowie Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) tiefenentspannt – und munter Steuergelder aus!

Stein des Anstoßes ist die frisch gegründete Fachstelle Gentechnik und Umwelt (FGU), die über aktuelle Entwicklungen im Bereich Gen- und Biotechnologien (v.a. Genome-Editing) wissenschaftlich begründet aufklären will. Projektgeber ist das BFN mit Mitteln aus dem BMU.

FG(A)U: Hütehund Wolf

Pikant: Mit der Projektdurchführung ist Testbiotech e.V. betraut, eine NGO, die für ihre deftige Skepsis gegenüber Gentechnologien bekannt ist. Ferner existiert ein Beirat, dem Aktivisten durchweg gentechnikkritischer NGO angehören.

Plus: Fachwissen im Sinne einer gründlichen Professionalisierung, sprich Studium, Promotion/Habilitation oder Forschung, ist Mangelware.

Der Mangel an wissenschaftlicher Expertise dürfte also durch eine gehörige Portion Voreingenommenheit ausgeglichen werden. Die Frage ist naheliegend: Wofür bezahlen wir eigentlich Steuergelder? Schwerlich für einen unabhängigen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft.

Dr. Kathrin Naumann vom Agrarbetrieb Groß Grenz in Benitz (bei Schwaan) hat ihre Bedenken  niedergeschrieben und BlogAgrar erlaubt, die Zeilen zu veröffentlichen.

Es gibt wieder etwas Neues: Die „Fachstelle für Gentechnik und Umwelt (FGU)“. Träger ist das Bundesamt für Naturschutz , finanziert wird die FGU vom SPD-geführten Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) aus Mitteln des UFOPLAN. (UFOPLAN: „Die Vorhaben des UFOPLANes sollen Entscheidungsgrundlagen und -hilfen für die Naturschutz- und Umweltpolitik der Bundesregierung liefern.“ Quelle: BMU).

Die FGU soll zukünftig „als eine Art „Clearing-House“ und von der Industrie unabhängige Fachstelle zum Thema „Gentechnik und Umwelt“ agieren und über die Finanzierung aus UFOPLAN-Mitteln dienen die Ergebnisse direkt der Politikberatung.

„Beirat

Die thematischen Schwerpunkte der Fachstelle Gentechnik und Umwelt (FGU) werden von verschiedenen Organisationen festgelegt und begleitet, die ein Interesse an wissenschaftlicher Hintergrund- und Aufklärungsarbeit zu aktuellen Entwicklungen im Bereich der Bio- und Gentechnologie haben.“(Quelle: FGU-Webseite)

Soweit so gut! Gegen objektive, ergebnisoffene und wissenschaftliche Arbeit hat wohl niemand etwas einzuwenden. Schaut man sich jetzt aber die Beiratsmitglieder im Einzelnen an und auf deren Internetseiten um, so kommt man ins Grübeln…..hier ein Auszug:

Beiratsmitglieder

  1. Gen-ethisches Netzwerk e.V.: „Unter anderem engagieren wir uns dafür: den Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut in Deutschland und global zu verhindern…“ (Quelle: https://www.gen-ethisches-netzwerk.de/ueber-uns)
  2. BUND Naturschutz Bayer e.v.: „Agro-Gentechnik ist überflüssig und risikoreich. Der Bund Naturschutz und das „Bündnis Bayern für Gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft“ beziehen Position für ein gentechnikfreies Bayern.“ (Quelle: https://www.bund-naturschutz.de/gentechnik.html)
  3. AbL e.V. : „Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft setzt sich ein für: das Recht, heute, morgen und in Zukunft, gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft betreiben zu können – sowohl für die konventionell als auch für die ökologisch wirtschaften­den Betriebe“ (Quelle: https://www.abl-ev.de/themen/gentechnikfrei/)
  4. Save our Seeds: „Save Our Seeds organisiert die jährliche Konferenz der Gentechnikfreien Regionen Europas, die Herausgabe des Informationsdienst Gentechnik, die Aktion Bantam-Mais, ist aktiv in der Lobbyarbeit und bei der Vernetzung von Aktivitäten, v.a. auf EU-Ebene.“ (Quelle: https://www.saveourseeds.org/ueber-uns.html)
  5. IG Saatgut Interessengemeinschaft gentechnikfreies Saatgut: „Wir fordern 1. Den Stopp des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen….“ (Quelle: http://www.gentechnikfreie-saat.org/ueber-uns.html)

Zahlreiche Fragen liegen nah!

  • Warum sind im Beirat der FGU nur Anti-Gentechnik Organisationen vertreten?
  • Wie kann dieser Beirat objektiv arbeiten?
  • Was ist von den Ergebnissen der Fachstelle zu erwarten?
  • Wird hier mit Steuergeldern NGO-Lobbyarbeit unterstützt?
  • Wo findet sich die wissenschaftliche Instanz in diesem Fachbeirat?
  • Warum wird die FGU von der gentechnologiefeindlichen NGO Testbiotech geleitet?

Unprofessionelles Handeln

Ganz unabhängig vom Thema: Bundesamt und Bundesministerium agieren hier höchst zweifelhaft und für mich absolut unprofessionell.

Die FGU soll der Bundesregierung Entscheidungshilfen für die politische Arbeit im Bereich der Gentechnik liefern. Schon bei der Besetzung des Beirates wurde anscheinend dafür Sorge getragen, dass eine gentechnikfeindliche (und hier geht es auch um neue Methoden, wie die CRISPR-Technik) Politik gemacht wird.

Good bye Wissenschaftsstandort Deutschland! War schön mit dir!

SPD – was soll das?

SPD Netzwerk Agrar- und Ernährungswirtschaft

Elisabeth Aßmann

Soweit Dr. Naumann.

Dem wäre nicht mehr viel hinzuzufügen. Außer vielleicht ein Blick auf Testbiotech e.V. Diesen Part übernehme ich.

Testbiotech

Die projektdurchführende Einrichtung Testbiotech e.V. ist eine NGO, die sich selbst als „Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie“ tituliert. Auf ihrer Webseite stellt sie sich mit folgenden Worten vor:

„Welche Folgen hat der Einsatz der Gentechnik für Mensch und Umwelt? Testbiotech klärt über die Risiken auf und setzt kritische Akzente. Wir stellen von der Gentechnik-Industrie unabhängige, wissenschaftliche Expertise bereit und helfen so, die Entscheidungskompetenz von Politik und Gesellschaft zu stärken.“

 Wissenschaft – wo?

Einziges Teammitglied der NGO mit wissenschaftlicher Expertise ist die promovierte Naturwissenschaftlerin Dr. Ruth Tippe (Promotion am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin). Ihrer Vita zufolge hat Dr. Tippe die gentechnikkritische Gen-ethische Stiftung (s.o.) gegründet. Die akademischen Abschlüsse der anderen Teammitglieder sind wie folgt: Dr. med. vet., Dipl. agr., Dr. phil. sowie ein M.A. (Fachgebiet nicht genannt).

Testbiotech bekennt sich zur kritischen Haltung gegenüber dem Einsatz von Gentechnik. Aufschlussreich ist in diesem Kontext auch die Sichtung von Google-Einträgen zur NGO. Zudem befindet sich in ihren Reihen nur eine einzige Person mit wissenschaftlicher Expertise, die aus ihrer kritischen Einstellung gegenüber der Gentechnik keinen Hehl macht. Wie es bei den Aktivisten daher um „unabhängige“ „wissenschaftliche“ Expertise bestellt ist, kann man sich leicht ausmalen.

Fazit

Die FGU ist (analog zu Testbiotech) um einen unabhängigen, wissenschaftlichen Anstrich bemüht. Allerdings reicht ein flotter Blick, und der Putz bröckelt. Der Verdacht steht daher im Raum, dass gleich zwei Einrichtungen des Bundes Aktivisten die Gelegenheit geben, ihre Anti-Gentechnik-Agenda in Politik und Öffentlichkeit breit zu streuen.

Dafür bezahlen wir Steuergelder? Da finanziere ich doch lieber Wolfsschulen, die dem Wolf in einem Abwasch Benimm und Hütefertigkeiten beibringen. Die Rechnung dürfte eher aufgehen.

20 Gedanken zu „FG(A)U: Gentechnikkritiker klären über neue Gentechnologien auf

  1. BMU, BfN, UBA mit zahlreichen Fachstellen und Untergremien: ein Ökosumpf der Mrd € völlig sinnlos verschlingt und Deutschland lahm legt.

  2. Oh, wieder Gähntechnik! Die will niemand von unseren Kunden, also sollten wir uns nicht mir ihr beschäftigen. Kostet wertvolle Zeit, in der man die wirklich relevanten Themen in Angriff nehmen könnte. Aber das hat hier ja Methode…

    1. Ich lasse mir noch immer nicht vorschreiben, welche Themen ich anfasse, Herr Ilchmann.

      Die ABL wenigstens fand es übrigens so spannend, dass sie Beiratsmitglied geworden ist.

      Betten Sie Ihr müdes Haupt zur Ruhe. Gute Nacht!

  3. Hier die Position des Handels zu den neuen gentechnischen Verfahren:

    „Lebensmittel mit „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung hätten sich als wichtiger Qualitätsstandard auf dem europäischen Markt etabliert, argumentieren die Handelsunternehmen. Diesen Status sehen die Unterzeichner gefährdet, sollten die neuen gentechnischen Verfahren und ihre Produkte unreguliert und nicht wahrnehmbar für Hersteller, Händler und Verbraucher auf den Markt kommen, zitiert die Lebensmittelpraxis weiter. Die Kommission müsse deshalb „auf eine klare, unmissverständliche rechtliche Regelung der Verfahren der Neuen Gentechnik hinarbeiten, die die Produkte daraus rückverfolgbar und erkennbar macht“, heißt es in dem Schreiben.“

    Topagrar.com – Lesen Sie mehr auf: https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-LEH-verlangt-EU-Vorgabe-zur-Gentechnikkennzeichnung-9395350.html

    Das meine ich, wenn ich sage, die Beschäftigung mit dem Thema grüne Gentechnik sei Zeitverschwendung. Die Kunden wollen sie nicht, der Handel nimmt sie nicht, wozu also solche Produkte erzeugen? Welches Interesse haben wir als Bauern daran? Wir sollten im Gegenteil darauf achten, dass die Gentechnikfreiheit erhalten bleibt, die mittlerweile ein Alleinstellungsmerkmal der europäischen Landwirtschaft ist. Aus genau diesem Grund ist die AbL auch Beiratsmitglied, Frau Anneliese.

    1. Es gibt sehr viele Gründe. Einer wäre, Pflanzen gegen die Folgen des Klimawandels widerstandsfähig zu machen. Wissenschaftlich betrachtet spricht null gegen die herkömmliche Gentechnik und null gegen Genome Editing.

      Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Einsatz von GVO in der Medizin gang und gäbe ist, ist der Widerstand geradezu absurd. GVO-Insulin spritzen, aber nicht essen?

      Aber letzten Endes haben Sie natürlich Recht, zumindest wenn man den Ist-Zustand betrachtet. Die Bauern hierzulande haben es nicht nötig, aus verschiedenen Gründen nicht. Im Moment können wir uns als eine der reichsten Volkswirtschaften des Landes den Luxus leisten, auf Gentechnologien zu verzichten. Wir können schließlich importieren.

      Und da wird es schlimm. Für die Entwicklungs- und Schwellenländer wäre der Einsatz von Gentechnologien ein Segen. Vielfach können sie aber nicht davon profitieren. Grund: Das Unbehagen der satten Westens hindert sie, indem auf Handelsebene Druck ausgeübt wird. Indem unsere NGO vor Ort für jede Menge Desinformation sorgen.

  4. Das liegt an Bildungsdefiziten der Bevölkerungsmehrheit: In einer Umfrage waren sich lediglich 41% sicher, dass auch nicht gentechnisch veränderte Nahrungsmittel Gene enthalten. Und die Anwendung von Crispr-Technologien um Genveränderungen zu erzielen, die man durch Züchtung genauso, nur langsamer erzielen würde, ist etwas ganz Anderes als z. B. Roundup-ready-Pflanzen. Als Fachpersonal ist man zur Aufklärung verpflichtet: Wenn ein Patient mit Krebs in der Apotheke bloß ein homöopathisches Präparat will, muss der Apotheker auch abraten. Da die Vertreter des Beirates moderner Technologie generell ablehnend gegenüber stehen, ist es auch eine grundsätzliche Frage, da jeder Landwirt auf Technologie angewiesen ist.

    1. Wollen Sie die Bevölkerung erziehen, Herr Meyer? Und vergleichen Sie allen Ernstes Menschen die Gentechnik ablehnen mit Krebspatienten? Nehmen Sie doch bitte die sehr eindeutige Positionierung des Handels in dem von mir verlinkten Artikel zur Kenntnis! Wer soll denn die mit Hilfe von Crispr-Technologie erzeugten Produkte abnehmen, wenn der deutsche Handel sie nicht will?

      1. Die Bevölkerung ist in Sachen (grüner) Gentechnik doch bereits auf breiter Front erzogen worden. Die Ablehnung fußt dabei auf Vorstellungen und Vorurteilen, die wissenschaftlich nicht zu halten sind.
        Und ich bin der Meinung, dass wir diese Technologie nicht aus den Augen verlieren dürfen, weil hier große Chancen verborgen sind.
        Wie schön wären heute Wassermangel-tolerante Sorten, oder Pflanzen, die kaum noch krank werden? Kartoffeln ohne Phytophtora- das wäre für mich absolut Öko, weil hier keine Fungizide und auch keine Kupferpräparate ausgebracht werden müssten.

        1. Ja, das wäre alles schön, aber was hat denn die Gentechnik-Industrie in Wirklichkeit bisher zustande gebracht außer Roundup-Ready-Pflanzen? Es wird nie eine Pflanze geben, die ohne Wasser wächst, das sind größtenteils leere Versprechungen.
          Die Einordnung der Gentechnik-Befürworter als Vertreter von Wissenschaftlichkeit und der Gentechnik-Gegner als unwissenschaftlich beruht im Übrigen auf einem Vorurteil, so schwarz-weiß ist die Situation nicht.
          Meiner Meinung nach überwiegen die Risiken die Chancen bei weitem, warten wir doch mal den Ausgang des riesigen Freilandexperiments ab, das sich die USA mit dem nahezu flächendeckenden Gentechnikeinsatz schon seit Jahren leisten!

  5. Zum Glück kommt der Europäische Gerichtshof zu einer ähnlichen Einschätzung der neuen Gentechnik-Verfahren wie die „unwissenschaftlichen “ Kritiker:

    Vorsorge statt Profit
    Bauern erleichtert über EuGH Gentechnik-Urteil
    Neue Gentechnik-Verfahren sind als Gentechnik zu regulieren

    In einer ersten Stellungnahme zum heutigen EuGH-Urteil sagt Martin Schulz, Bauer aus dem Wendland und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL):
    „Mit großer Erleichterung nehmen europäische Bäuerinnen und Bauern das heutige EuGH-Urteil, das auch die neuen Gentechnik-Verfahren betrifft, zur Kenntnis. Wir haben uns – egal ob konventionell oder biologisch wirtschaftend – einen großen Wettbewerbsvorteil und das Vertrauen der BürgerInnen erobert, dadurch, dass wir auf die gentechnikfreie Erzeugung ¬setzen und uns dafür in unseren Regionen stark machen. Dies wollen wir nicht durch neue Gentechnik-Verfahren aufs Spiel setzen. Dem ist der EuGH in seinem aktuellen Urteil gefolgt und betont, dass die mit dem Einsatz der neuen Gentechnik-Verfahren verbundenen Risiken vergleichbar seien mit denen der alten Gentechnik-Verfahren. Würden die neuen Techniken nicht als Gentechnik reguliert, würde dies dem Vorsorgeprinzip zuwiderlaufen, so der EuGH. Damit stärkt er das Vorsorgeprinzip und stellt es klar vor die Profitinteressen der Gentechnik-Konzerne. Die neuen Gentechnik-Verfahren versprechen enorme Profite, die sich v.a. die Konzerne schon jetzt durch Patentanmeldungen sichern. Schutz für Gesundheit, Umwelt und die gentechnikfreie Lebensmittelerzeugung müssen aber Vorrang haben. Die AbL fordert die EU-Kommission und die Bundesregierung auf, dem EuGH zu folgen und die neuen Gentechnik-Verfahren, wie CRISPR & Co, klar als Gentechnik einzustufen und zu regulieren. Die Bundesregierung hat sicher zu stellen, dass auch ihre Behörden sich daran halten.“

    1. Nach der roten und weißen Gentechnik wird irgendwann auch die grüne Gentechnik in Deutschland Einzug erhalten. Die Frage: wie lange dauert das?
      Die Grünen diskutieren ja selber bereits über die Notwendigleit, diese Technik weiter zu dämonoisieren.
      Gerade die Genschere ist ein recht einfaches und kostengünstiges Verfahren, das vielen kleinen Startups eine Chance gegeben hätte, in die von Konzernen bestimmten Märkte einzudringen. Mehr Vielfalt beim Saatgut wäre möglich gewesen.
      Nun, also weiter diese Politik, die letztlich die absoluten Big Player in ihren Märkten schützt. Das finde ich wirklich bedenklich. Und bedenklich auch, dass die Wissenschaft und Forschung nicht hier im Lande gute Bedingungen vorfindet und Ideologie Vorfahrt hat.
      Viele, die jetzt jubeln, beteiligen sich am March of Science. Welch eine hochnäsige Doppelzüngigkeit.

      1. In dem Urteil ging es darum, wie Ausnahmevorschriften auszulegen sind, welche die Mutagenese vom Anwendungsbereich der strengen Gentechnikvorschriften ausnehmen. Maßgebend für die Auslegung ist der Wortlaut, die Regelungssystematik und die Zielsetzung des Normgebers (teleologische Auslegung).

        Die Mutagenese-Ausnahmeklausel zielte bei Erlass der Gentechnikrichtlinie auf die bereits seit vielen Jahren durch Radioaktivität und Chemikalien induzierte Mutagenese. Crispr wurde da noch nicht angewendet.

        Gegenstand einer seriösen Urteilskritik kann also nur sein, ob Normen fehlerfrei und zweckmäßig angewendet wurden. Ich habe noch keine Zeit gehabt, mir ein Urteil darüber zu bilden, ob das der Fall ist.

        Auch wenn ich mir persönlich einen liberalen Umgang mit Crispr wünsche, erscheint mir die Auslegung des Gerichts doch vertretbar. Was ein Gericht jedenfalls nicht darf: Politik machen. Auch dann nicht, wenn die Richterinnen und Richter in Bezug auf die Materie – weil sie sich gerade mit ihr befassen – momentan schlauer sind, als viele andere Bürger. Wenn die Politik Crispr liberalisieren will, kann sie sich jederzeit darum kümmern.

        Leider berichten Medien oft so, als gebe es die Gewaltenteilung nicht. Gerichte sind nicht dazu da, Fehlentscheidungen des Gesetzgebers zu korrigieren oder von der Realität überholte Normen extra legem „auszulegen“. Fehlentscheidungen des Gesetzgebers korrigieren und Gesetze anpassen kann nur der Gesetzgeber selbst (außer bei Verfassungswidrigkeit).

  6. Das Urteil ist paradox, was will man erreichen, das festzementieren der Evolution, ist ab sofort jede auch zufällige (kann man ja kaum nachweisen) Genveränderung aus vorsorglichen Verbraucherschutz kennzeichnungspflichtig?? Kommt die Renaissance des Lyssenkoismus? Zuchtverfahren nach infinty Monkey Theorem? Die Politik wird sich an Gesetzes änderungen heranwagen müssen, für Ökopatriotismus ist in einem modernen fortschrittlichen Europa kein Platz… https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-07/crispr-gentechnik-europaeischer-gerichtshof-urteil-kommentar

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