Glypho-Fiktion, Teil 2

Bauernverband_SH_logoAuf der Facebookseite des Bauernverbandes Schleswig-Holstein ist folgender Kommentar zum Thema Glyphosat und Muttermilch zu lesen:

Grüner Jubel: Endlich amtliche Muttermilch-Tests auf Glyphosat!

Im Juni 2015 ließen Bündnis 90/Die Grünen 16 Muttermilch-Stichproben auf Glyphosat testen. Die Ergebnisse waren „zunächst“ alarmierend, so die Grünen heute. Nein! Sie waren nicht alarmierend, sie waren falsch. Denn, das geben die Grünen heute selber zu: Es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine Testmethode.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) entwickelte daraufhin Testverfahren für Glyphosat in Muttermilch und untersuchte jetzt 114 Proben. Ergebnis: In keiner Probe wurde Glyphosat oberhalb der Nachweisgrenze gefunden. Noch einmal: In keiner Probe.

Die Grünen „begrüßen, dass das BfR sich dieser Thematik jetzt so ernsthaft angenommen hat“. Es soll sich wie ein Erfolg anhören, ist aber eine Niederlage ersten Ranges, wenn man meint: „Die Politik braucht zuverlässige wissenschaftliche Ergebnisse, auf die sie ihre Entscheidungen stützen kann.“ Das kann ja nur heißen: Und solange es diese nicht gibt, wird munter drauflos politisiert.

Ganz stolz ist man bei den Grünen auf diesen Erfolg: „Unsere Muttermilch-Stichprobe hat dazu geführt, dass die Behörden aktiv geworden sind – und damit ihr Ziel erreicht.“ Nein und nochmals Nein! Das Ziel war ein anderes. Das Verbot von Glyphosat. Und dieses Ziel hat man mit einer fast schon unglaublichen Respektlosigkeit vor der Wissenschaft deutlich verfehlt.

Hat man daraus gelernt, vorsichtiger zu werden? Wissenschaftliche Ergebnisse von Wissenschaftlern auswerten zu lassen? Die Risikoeinschätzung in Zukunft dem BfR zu überlassen? Ach wo, wo kämen wir denn da hin? Und so warnen die Grünen unbelehrt: „Für eine generelle Entwarnung beim Thema Glyphosat im Körper geben die neuen Ergebnisse allerdings keinen Anlass.“

Erst vor kurzem habe eine Untersuchung des Umweltbundesamtes gezeigt, dass der Glyphosatgehalt in Urinproben deutlich zugenommen habe, wenn auch um den Faktor 1.000 niedriger als zulässig. Ob das schlimm ist, wird besser nicht bewertet. Immerhin wird es ja ausgeschieden. Das BfR sagt etwas dazu: Bei sachgerechtem Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln gebe es keine schädigenden Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier.

Fazit: Vergiftet ist vor allem die Diskussion und Grüne Tests haben dazu beigetragen.

15 Gedanken zu „Glypho-Fiktion, Teil 2

  1. Hallo
    Frage an die Praktiker. Welches Präparat? Welche Kultur ? Welcher Monat ? Spritzdruck und Düsenart ist hier üblich ?
    Danke für eine Antwort

    1. Moin Johann,

      Glyphosat ist ein recht alter Wirkstoff, der Patentschutz ist lange angelaufen und es gibt unzählige Nachahmerpräparate.
      Wenn ich das Glyphosat auf meinen Flächen einsetze, dann meistens auf die Getreidestoppel, um dort die schwierig zu bekämpfende Quecke in Schach zu halten. Das sind dann also vorwiegend die Sommermonate.
      Hier gibt es weitere Erläuterungen: http://www.glyphosat.de/glyphosat-grundlagen/wie-wird-glyphosat-eingesetzt
      Warum die Frage, frage ich mich?

    2. Moin Herr Barkmann,

      alle Veröffentlichungegen der Bfr haben eine Prämisse, nämlich sachgerechte Verwendung und reiner Wirkstoff. ( siehe Text oben) Deshalb bitte einfach mal als Diskussionsgrundlage eine typische Anwendung skizzieren. Auch ich finde es sehr befremdlich, wenn die „Grünen “ Beweise mit schwacher Grundlage in die Welt blasen. Nichtsdestotrotz war das jetzt ein Auftragsgutachten des Bfr mit der konstruierten Zielsetzung, sicherlich korrekt in der Bfr – genormten wissenschaftlichen Anwendung, aber einseitig zielorientiert. Für die Bfr geht es hier um Sein oder Nichtsein . Daher setzen sie all ihre Ressourcen in Bewegung. Würde die andere Seite über die gleichen Mittel verfügen , wäre ich mal gespannt auf das Ergebnis. Daher mal zurück zum realen Einsatz in der Landwirtschaft. Ich möchte die Gefahr der Verharmlosung des Pestizideinsatzes thematisieren. Also Quecke nach Getreide und vieleicht noch eine andere typische Anwendung , für die Glyphosat nötig oder üblich ist.

    3. Hallo Herr Markus Holtkötter,
      Sie sind doch sonst auch nicht bange in Ihren Kommentaren. Könnte ich ein Praxisbeispiel von Glyphosateinsatz auf Ihrem Hof bekommen.

  2. Guten Abend Herr Meyer,
    ja gerne. Nur haben wir in den letzten Jahren Glyphosat nur auf Teilflächen eingesetzt. In den letzten beiden Jahren überhaupt nicht.
    Der letzte nennenswerte Einsatz war zu Umbruch von ausgewinterter Gerste vor einigen Jahren. Da wurde dann anschließend Mais in Mulchsaat angebaut.
    Ansonsten setzen wir Glyphosat nur bei starker verunkrautung (zB Quecke) nur auf Teilflächen ein. Soll heißen es wird nicht die komplette Fläche behandelt sondern nur Nester.
    Fall Sie noch Fragen haben immer her damit.

    1. Hallo und danke ,
      warum wird dann soviel Aufstand ( Hunger und Ertragsrückgänge ) gemacht um einen Wirkstoff der offensichtlich nur selten benötig wird ? Ich beobachte regelmäßig die Komplettbehandlung ganzer Flächen im oldenburger Münsterland. Sind die Landwirte in Westfalen da sensibler?
      Schulte to Brinke verglich neulich Glyphosat mit Kaffee. Machen sie mit mir den Praxistest ,ich trinke Kaffee – Sie eines der Vielen einschlägigen Präparate.?

      1. jetzt wird´s aber unsachlich- Boulevard-Niveau, noch nicht einmal das !!.
        Glyphosat ist ein Pflanzenschutzmittel und kein Lebensmittel. Ich würde auch keine kupferhaltigen, für die öko-Landwirtschaft zugelassene Präparate trinken.

        1. Hallo lieber Unbekannter,

          Herr Schulte to Brinke ist einer der höchsten Bauernvertreter Niedersachsens. Sie bescheinigen ihm ein unsachliches Boulevardniveau. Danke.
          Ich habe die Sache nur auf den Punkt gebracht. Ich glaube Herr Holtkötter hat mehr Humor als Sie. Die vermeintlich ‚unsachliche‘ Frage bezog sich auch auf die beherzte und offene Aufforderung, Fragen zu stellen: „Falls Sie noch Fragen haben immer her damit“.

          Wenn Sie über Kupfer diskutieren möchten, können wir das gerne machen. Nur geht es in diesem Beitrag um Glyphosat und um die Verharmlosung des Einsatzes, welche sich mitunter in populistischen Aussagen wie die von mir ironisierte von Herrn Schulte to Brinke und anderer verbirgt.
          Sie versuchen hier gerade mir einen unsachlichen Dialogstil anzuhängen, offenbaren jedoch in ihrer Eingangsformulierung, dass sie allgemeingültige Konversationsmaximen entweder nicht berücksichten oder selbst nicht beherrschen. Aus diesem Grunde gehört es heute auch in den Kommentarfunktionen einiger Fachzeitschriften zum guten Stil, Kommentare mit echtem Namen abzugeben.

          1. Hallo lieber Unbekannter,

            ich habe noch einen Link für Sie zur gefälligen Kenntnisnahme. Wenn Sie einmal zum Retweet vom 21.02 scrollen zum Thema Kaffee und Pestiziden. Da freue ich mich schon auf ihren Kommentar über boulevardeske Aussagen:
            https://twitter.com/BlogAgrar.
            Diese Kampagne, die im Moment läuft, z. B. von der sich selbst als rechtslibertär bezeichnenden ‚Achse des Guten‘ (das Problem mit den Achsenmächten hatten wir doch schon mal …) zu dem auch der Autor des besagten Zitates gehört, in der der Pestizideinsatz bagatellisiert und verharmlost wird.
            Allein der Titel dieses Forum-Themas ‚Glypho-Fiktion‘ beinhaltet eine eindeutige Bewertung des Umstands, dass große Teile der Bevölkerung sich mittlerweile Sorgen machen um einen unreflektierten Pestizideinsatz. Das Thema Pestizide und Glyphosat ist zu komplex, als dass man es mit ein paar polemischen Schlagwörtern vom Feld kehren könnte. Sogar der Herr Solecki vom BfR macht ausdrücklich darauf aufmerksam, dass er nur den reinen Wirkstoff beurteilt und nicht die ca. 750 verschiedenen Handelspräparate mit Glyphosat und deren tatsächliche Anwendung in Städten, Kommunen und auf Bauernhöfen. Wie ist angesichts dieser Sachlage Ihre Beurteilungsgrundlage?

          2. Ist damit ein Retweet von mir gemeint? Ich weiß nun nixcht genau, welchen tweet sie meinen.

            Die Bewertung des BfR ist doch eindeutig. Glyphosat wird seit zig Jahren eingesetzt und dort, wo es vernünftig angewendet wird, gibt es auch keine Probleme. Die Anwendung hier in Deutschland unterscheidet sich deutlich vom Umgang mit Glyphosat im Ausland.

            Das BfR hält in der Tat die Netzmittel, die in den verschiedenen Glyphosatpräparaten stecken, für „gefährlicher“ als das Glyphosat selber…

        1. Hallo Herr Meyer,

          ja die Kampagnen-Industrie rollt und die Medien stürzen sich auf den vermeintlichen Skandal. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung hat das Umweltinstitut sehr gut gewählt. Von der Seite her, machen die verschiedenen NGO ihre Sache sehr gut. Der Erfolg wird hier in Euros gemessen.
          Ich finde es sehr beachtlich, wie die NGOs das Thema Glyphosat so zum Titelthema anheizen konnten. Nur leider wurde das stets mit sehr unsachlichen Kampagnen erreicht und letztlich die herkömmliche Landwirtschaft diffamiert. Ich erinnere das an das „Flugzeug-Video“ des BUND und die getürkte „Studie“ der Grünen zur Muttermilch des letzten Jahres. Von diesen Vorwürfen ist letztlich nicht übrig geblieben, die Grünen wurden als Lügner enttarnt und doch hat sich die negative Nachricht bei vielen in der Bevölkerung verfestigt.
          Von den aktuellen Werten (sofern sie denn korrekt ermittelt wurden) geht nach einer einfachen Überschlagsrechnung nicht ansatzweise eine Gefahr für den deutschen Biertrinker aus. Ich hoffe, dass wenigstens einige Medienvertreter auf die Idee kommen und mal einen kleinen Dreisatz anwenden….
          Letztlich wird das „Glyphosat“ für einen perfiden Stellvertreterkrieg missbraucht… wenn jetzt Ökoverbände / Ökobauern meinen, sich damit profilieren zu können, dann kann ich nur warnen. Mit der selben Unsachlichkeit können auch spezielle Ökoprodukte ins Visier geraten.

          1. Die BUND-Sache mit den Säuglingen war nicht angemessen, ganz klar. Die Muttermilchstudie war eine Auftragsarbeit für den Meinungsmarkt, auf dem sich ja auch die andere Seite mit ähnlichen Aktionen beteiligt. Das sind die Marktgesetze. Nach der Tierwohldiskussion wird die längst überfällige Pestiziddiskussion kommen, mit der meiner Meinung nach weiter die Agrarwende Richtung Öko eingeleitet wird. Und wenn das BfR schon bei Glyphosat derart in die Kritik gerät und große Schwächen im Zulassungssystem offenbart ,wie wird das denn bei den wirklich dramatischen Problemfeldern sein ? Das wird aber sicher nicht das Ende der konventionellen Landwirtschaft sein. Und im übrigen schadet ein kritischer Dialog der ökologischen Landwirtschaft nicht so sehr und macht diesen zukunftsfähiger. Eine bäuerliche Mentalität die unseren Raum in das Silicon Valley des Agrarbusiness verwandeln konnte, bietet auch hervorragende Möglichkeiten konventionelle Denkmuster und Handlungskonzepte zu verändern.

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