Weidetierhaltung geht nur ohne Wölfe

Wenn es um die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) geht, dann habe ich bisher nicht mit Kritik gegeizt.

cid_image001_jpg01d23eb7Um so überraschter war ich heute Mittag, als ich folgende Pressemitteilung des AbL Niedersachsen/Bremen e.V. gelesen habe.

Ich stimme mit dem Inhalt weitestgehend überein:

 

Pressemitteilung
AbL: Weidetierhaltung geht nur ohne Wölfe

Angesichts der Bedrohung der Weidetierhaltung durch Wölfe in weiten Teilen Deutschlands fordert der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) von Landes- und Bundespolitik unverzügliche und wirksame Schritte zur Lösung dieses immer drängenderen Problems. Die bereits langandauernde und immer zähere Debatte über Schutzzäune oder Entschädigungen sei offensichtlich völlig ungeeignet, einen wirksamen Schutz für die Weidetiere zu schaffen. Vielmehr stehe man – zumindest in vielen Regionen – vor einer klaren Entscheidung, ob man flächendeckend die Weidetierhaltung opfern wolle – für Wolfsrudel, die hierzulande definitiv keinerlei ökologische Bedeutung hätten und die sich zunehmend auf Nutztiere spezialisierten. Dies sei gerade für bäuerliche Betriebe nicht hinnehmbar, zumal derzeit die agrarpolitische Entscheidung anstehe, ob man Kühe künftig in Stallhaltung auf Maisfuttergrundlage halten wolle oder in Weidehaltung mit dem damit verbundenen Erhalt des Grünlands. Insofern dürfe es bei der „Wolfsdebatte“ nunmehr keine Tabus mehr geben – weder hinsichtlich des Jagdrechts noch hinsichtlich von Artenschutz-Bestimmungen.

Ich hätte die „Maisgrundlage“ jetzt nicht in der PM eingebaut, aber ansonsten kann ich der AbL voll beipflichten.
Donnerwetter denke ich- vielleicht lassen sich ja noch weitere Gemeinsamkeiten feststellen bzw. erarbeiten? Ich würde mich darüber freuen.

9 Gedanken zu „Weidetierhaltung geht nur ohne Wölfe

  1. Tja, Bernhard,
    entgegen deinen Vermutungen ist die AbL eben doch eine Bauernvertretung und vertritt Bauerninteressen. Deshalb gehört auch das Thema Futtergrundlage in diese PM, denn eine gesellschaftlich akzeptierte, nachhaltige Milchproduktion findet nun mal in Weidehaltung und mit Gras als Futterbasis statt, und diese gesellschaftlich erwünschte Haltungsform gilt es zu schützen, auch gegen die Bedrohung durch eine allzu blauäugige „Willkommenskultur“ für den Wolf.
    Schöne Grüße
    Ottmar.

  2. Ja, auch ich bin unerwartet positiv überrascht von der Pressemitteilung der AbL, sowie auch der Stellungnahme von Herrn Ilchmann hier.
    Dennoch sollte ergänzend hinzugefügt werden, dass jede Futterproduktion in Deutschland nachhaltig ist, und der weit überwiegende Teil des Futters aus Pflanzen und Nebenprodukten bestehen, die für den menschlichen Verzehr nicht, oder nur mit großem Aufwand, und dann noch eingeschränkt verwertbar wären.
    Solche für den Menschen nicht verwertbare Rohstoffe zu hochwertigen und gesunden Lebensmitteln zu veredeln, ist immer nachhaltig.
    Von der Gesellschaft wurde dieser Sachverhalt erst angezweifelt, als böswillig motivierte Nichtregierungsorganisationen ihr Geschäftsfeld auf Verbrauchertäuschung und Bauernbashing ausgeweitet hatten, und die „großarthige“ Presse bemerkt hat, dass sich mit einfachen Lügen mehr Aufmerksamkeit erwecken lässt, als mit der eher komplizierten Wahrheit.

  3. Ich weiß nicht, wie es woanders ist.. aber vermutlich gleich wie HIER bei mir: Auch bei Nichtweide-Milchviehbetrieben und auch bei dem ein oder anderen Mäster ist Gras die Futtergrundlage. Heu und Silage.. manchmal auch Grünfütterung im Stall. Dass die AbL eine vernünftige Einstellung zur Wolfsproblematik hat, finde ich jetzt nicht so betonenswert.. alles andere wäre nämlich eine Schande und würde ihr die letzten verbliebenen Mitglieder in Scharen davonlaufen lassen. Da hat man halt in den sauren Apfel gebissen und stößt seinen in Berlin mitlaufenden Wolfskuschlerfreunden vor den Kopf. Mit dem völlig dümmlichen Seitenhieb auf den bösen Mais versucht man die Wogen zu glätten und von dem Verdacht abzulenken, vernünftig geworden zu sein.

    1. Wie können denn die letzten verbliebenen Mitglieder in Scharen davonlaufen? Überhaupt ein niveauvoller Beitrag, Herr Böhrer! Schön, wenn man ein festgefügtes Weltbild hat, dann muss man auch nicht so viel nachdenken!

  4. Wäre nur gut gewesen, wenn der Kollege sich vorher mal über Herdenschutz und auch über das gültige EU-Recht gescheit informiert hätte, dann hätte er halt keine Schwarz-Weissmalerei betrieben. Chance vertan (und das sag ich an dieser Stelle als Hobbylandwirt der seinen Zoll an die Existenz von Habichten und Füchsen 30 Jahre lang gezahlt hat… bis meine Schutzmaßnahmen gescheit funktionierten. Ich würde nicht im Leben darauf kommen deswegen die Ausrottung von Habicht und Fuchs zu fordern. Und die Ausrottung von Wildschweinen wegen der Schäden fordert ja auch keiner, also warum beim Wolf?).

  5. Die Herden durch Zäune schützen, sei zu teuer („einige Zehntausend Euro für meinen Betrieb“), sagt Ilchmann. Im Vergleich zu anderen Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe, etwa in Maschinen, ist das allerdings nicht viel. Aber: Der Wolf habe keinen ökologischen Nutzen, so AbL-Sprecher Niemann. Damit hat er aus AbL-Sicht auch kein Recht auf Artenschutz. (Den Ilchmann „blauäugige Willkommenskultur nennt“ nennt – der Wolf als Asylant…) Die wirtschaftlichen Interessen der Bauern (Zäune zu teuer) haben Vorrang. Aber nicht einmal Jagdverbände und CDU wollen den Wolf im Jagdrecht haben, das haben die Anhörungen im Landtagsausschuss und die Landtagsdebatte dazu gezeigt. Auch das EU-Recht steht dagegen. Und wenn die Bevölkerung gefragt würde, ob sie die Jagd auf den Wolf möchte oder Wolfsmanagement per Schutzeinrichtungen, Schadensersatz und Entnahme von Problemwölfen usw., kann man sich die Antwort leicht ausrechnen. Mit ihrer simplen Anti-Wolf-Kampagne hat nun auch die AbL einen Sargnagel für das Image des Berufsstandes eingeschlagen.

    1. Ich finde es nur normal, wenn eine Interessenvertretung von Bauern auf die Konfliktpotentiale hinweist, die sich für Weidetierhalter durch die Rückkehr des Wolfs ergeben. Und ja, es ist blauäugig, diese Konflikte zu leugnen oder kleinzureden. Vielmehr sollten wir gemeinsam versuchen nach tragfähigen Lösungen zu suchen, und zwar ohne Denk- und Redeverbote. Ansonsten schwelen die ungelösten und sich (durch die steigende Anzahl von Wölfen) stetig verschärfenden Konflikte nämlich weiter und verschärfen den Gegensatz zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Dieser wird von interessierter Seite ohnehin gerne geschürt, um die Bauern von anderen Themen abzulenken.

  6. Natürlich müssen die Bauern – bzw. ihre Organisationen – auf diese Konflikte hinweisen. Aber in diesem Fall verknüpfen sie das mit einer Forderung: Wölfe ins Jagdrecht, und wo Weidehaltung praktiziert wird, sollen sie überhaupt nicht mehr leben dürfen. (Siehe Pressemitteilung AbKL Niedersachsen.) Das liefe in Norddeutschland auf eine Ausrottung hinaus, das dürfte der AbL-Niedersachsen ja auch klar sein. Die andere Möglichkeit, nämlich ein effizientes Wolfsmanagement mit guter finanzieller Ausstattung, wird gar nicht erst zur Diskussion gestellt. Warum nicht?

    Natürlich muss die Gesellschaft, die umweltverträgliche Landwirtschaft und auch einen Lebensraum für den Wolf will, die Landwirte entsprechend unterstützen. Die Landesregierung muss dies natürlich auch umsetzen! Kritik an deren Zögerlichkeit und Kostenvermeidungsstrategien ist voll berechtigt. Aber die Forderung der AbL und Bauernverbände, die auf ein „der Wolf muss weg“ hinausläuft, hat keine Chance auf einen gesellschaftlichen Konsens. Damit stellen beide sich lediglich in die antiökologische Ecke. Und schaden sich damit selbst, ohne die Sache selbst auch nur einen Schritt voranzubringen.

  7. Eine letzte Maßnahme wäre es ja, die Wölfe zu Vegetariern um zu erziehen :-). Etliche Gutmenschen füttern ihre Hunde ja auch schon so. Warum sollte ein Wolf einem Tier hinterher jagen, das flüchten kann, wenn er nur über einen Zaun springen muss und sich im Schlaraffenland wähnt? Ein Wolf mag zu früheren Zeiten hier seine Berechtigung im Ökosystem gehabt haben, aber in einer Kulturlandschaft mit Weidehaltung hat er nichts verloren! Fehlt noch, das der Bär hier auch wieder angesiedelt werden soll. Man hat ja sonst nichts zu fürchten.

    Bauer Bernhard

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