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Greenpeace-Rechtsgutachten

Was mich am meisten ärgert: AbL

Im letzten Blogpost habe ich bereits über das Rechtsgutachten von Greenpeace zur Schweinehaltung berichtet. Hier zeigte ich auf, wie eng Greenpeace anscheinend mit Tierrechtlern bei der Erstellung dieses Gutachtens zusammengearbeitet hat.

Soweit so gut. Gut zu wissen. Ärgert mich aber nicht sonderlich.
Allerdings hat mich diese Pressemitteilung, die bei mir gestern um 10.29 Uhr in mein E-Mail-Postfach ankam, sehr geärgert:

Die AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft) unterstützt das Greenpeace-Rechtsgutachten? Warum? Wie kann man nur so der Mehrzahl der Berufskollegen in den Rücken fallen? Greenpeace-Rechtsgutachten weiterlesen

Weidetierhaltung geht nur ohne Wölfe

Wenn es um die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) geht, dann habe ich bisher nicht mit Kritik gegeizt.

cid_image001_jpg01d23eb7Um so überraschter war ich heute Mittag, als ich folgende Pressemitteilung des AbL Niedersachsen/Bremen e.V. gelesen habe.

Ich stimme mit dem Inhalt weitestgehend überein:

 

Pressemitteilung
AbL: Weidetierhaltung geht nur ohne Wölfe

Angesichts der Bedrohung der Weidetierhaltung durch Wölfe in weiten Teilen Deutschlands fordert der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) von Landes- und Bundespolitik unverzügliche und wirksame Schritte zur Lösung dieses immer drängenderen Problems. Die bereits langandauernde und immer zähere Debatte über Schutzzäune oder Entschädigungen sei offensichtlich völlig ungeeignet, einen wirksamen Schutz für die Weidetiere zu schaffen. Vielmehr stehe man – zumindest in vielen Regionen – vor einer klaren Entscheidung, ob man flächendeckend die Weidetierhaltung opfern wolle – für Wolfsrudel, die hierzulande definitiv keinerlei ökologische Bedeutung hätten und die sich zunehmend auf Nutztiere spezialisierten. Dies sei gerade für bäuerliche Betriebe nicht hinnehmbar, zumal derzeit die agrarpolitische Entscheidung anstehe, ob man Kühe künftig in Stallhaltung auf Maisfuttergrundlage halten wolle oder in Weidehaltung mit dem damit verbundenen Erhalt des Grünlands. Insofern dürfe es bei der „Wolfsdebatte“ nunmehr keine Tabus mehr geben – weder hinsichtlich des Jagdrechts noch hinsichtlich von Artenschutz-Bestimmungen.

Ich hätte die „Maisgrundlage“ jetzt nicht in der PM eingebaut, aber ansonsten kann ich der AbL voll beipflichten.
Donnerwetter denke ich- vielleicht lassen sich ja noch weitere Gemeinsamkeiten feststellen bzw. erarbeiten? Ich würde mich darüber freuen.

Diskussionsveranstaltung in Ostfriesland

Am morgigen Samstagabend findet in Westoverledingen eine Diskussionsveranstaltung zur Preiskrise in der Landwirtschaft statt. Zu Gast wird auch der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer sein. Hier die Einladung zu der Veranstaltung im Wortlaut:

Krise der Landwirtschaft – droht unserer Region ein Strukturbruch?

Die Agenda-21-Gruppe Umweltschutz und Landwirtschaft Westoverledingen, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL und der Milchviehhalterverband BDM laden zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Anlass ist die existenzbedrohende Krise im Milch-, aber auch im Schweinebereich. Diese Einladung richtet sich nicht nur an alle um ihre Existenz kämpfenden Bäuerinnen und Bauern, sondern auch an den Landhandel, Tierärzte, Bankenvertreter, Berater, Verbandsvertreter und die regionalen Politiker. Auch Verbraucher und alle, die sich mit der Landwirtschaft verbunden fühlen, sind herzlich willkommen!

Sie alle und damit der ganze ländliche Raum sind von den Folgen dieser Krise ebenfalls deutlich betroffen. So kann und darf es nicht weitergehen! Gemeinsame Strategien zur Lösung der Krise sind nötig!

Die Veranstaltung findet statt am

Samstag dem 11. 06. 2016 um 20.00 Uhr

im Rathaussaal Ihrhove, Bahnhofstrasse 18, 26810 Westoverledingen.

Wir diskutieren mit dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer, mit Arnold Krämer, Leiter der Bezirksstelle Emsland der Landwirtschaftskammer und mit Ottmar Ilchmann, Milchbauer und Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Die Diskussionsrunde wird von Arno Ulrichs von der IHK Emden moderiert. Ein Grußwort spricht Eberhard Lüpkes, Bürgermeister von Westoverledingen.

Rückfragen bitte an:

  • Agenda 21-Gruppe Umweltschutz und Landwirtschaft Westoverledingen, Wolfram Höhn, 04961-941824

  • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann, 04967-334

  • Bundesverband dt. Milchviehhalter (BDM), Andrea Sweers, 04954-9556127

unberechtigte Kritik an Agrarscouts

Ich sitze gerade im Zug und fahre nach Berlin. Zur Zeit findet dort die Internationale Grüne Woche statt. Eine Messe, die eine sehr große Vielfalt an Lebensmitteln aus Deutschland und sehr vielen Ländern interessierten Besuchern zeigt. Zum festen Bestandteil dieser Ausstellung gehört auch, dass auf einem sogenannten Erlebnisbauernhof den Verbrauchern die Arbeit auf den Höfen etwas näher gebracht und erklärt werden soll.
fml-Logo-10-100-1000-RZIn diesem Jahr werden keine Funktionäre oder irgendwelche Angelernte die Führungen auf dem Erlebnisbauernhof übernehmen, sondern echte Bäuerinnen und Bauern. Das Projekt dazu heißt „zehn100tausend“ und wurde vom Netzwerk „Forum Moderne Landwirtschaft“ (FORUM) initiiert und gefördert. Mitglieder des FORUMs sind neben dem deutschen Bauernverband und Raiffeisenverband auch viele Unternehmen des vor- und nachgelagertem Bereichs. Für viele also die böse Agrarindustrie.
Nun denn- dieses Projekt stößt auf viel Zustimmung, aber auch auf Skepsis und Ablehnung. Das negative Feedback ist vorwiegend aus den Kreisen der Bioverbände zu vernehmen, die selber nicht Mitglied im FORUM sind und wohl auch nicht sein wollen. unberechtigte Kritik an Agrarscouts weiterlesen

Eckehard Niemann bezieht Stellung

Zu meinem Blogpost „AbL torpediert Bauern-Demo in Hannover“ bittet der Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Eckehard Niemann, um die Veröffentlichung des folgenden Briefes:

Varendorf, den 17.9.2015

Sehr geehrter Herr Barkmann,

abl_LogoIn Ihrem „blog agrar“ behaupten Sie, ich hätte „die Lehrer der Berufsschule Northeim gewarnt, ihren Schülern die Teilnahme an der Landvolk-Demo zu ermöglichen“. Diese Behauptung ist falsch: Nachdem sich mehrere Ausbildende wegen eines angeblichen „Ausfalls des Berufsschulunterrichts in Northeim für die Teilnahme an der Landvolk-Demo“ bei uns gemeldet hatten, habe ich bei der Schule angerufen, um mich zu erkundigen, ob das zutreffe und ob Schüler quasi zum Mitfahren gedrängt würden. Einen Disput gab es dabei bei der Frage, ob es die Pflicht des Berufsstandes und auch der Schule sei, diese Demo zu fördern. Verwundert war ich auch darüber, dass man mir nicht sagen wollte, wer denn den Bus / die Busse gechartert habe, die am Freitag vor der Schule warten sollten. Eckehard Niemann bezieht Stellung weiterlesen

AbL torpediert Bauern-Demo in Hannover

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) torpediert die morgige Bauerndemo in Hannover und spielt gleichzeitig mit Minister Meyer Doppelpass.

Darüber hatte ich in einem Nebensatz schon hier berichtet.

Aber es geht weiter:
So wurden Lehrer der Berufsschule Northeim vom Pressesprecher der AbL, Eckehard Niemann, telefonisch gewarnt, ihren Schülern die Teilnahme an der Landvolk-Demo zu ermöglichen. Aber im Hintergrund müssen noch viel mehr Drähte geglüht haben, denn außerdem meldeten sich das niedersächsische Kultus- und Landwirtschaftsministerium bei den Lehrkräften.
Ich habe dazu einen tweet abgesetzt:


Wenn das nicht ein Eingriff in das Recht der Versammlungsfreiheit ist, dann ist es zumindest ein schlechter Stil. Das macht mich traurig und ärgert mich gleichzeitig!

Die AbL zeigt sich also unsolidarisch gegenüber der übergroßen Mehrheit der niedersächsischen Bauern. Aber wie stark ist die AbL eigentlich?

Achim Hübner* hat sich dazu Gedanken gemacht:

Beachtlich…

Foto: Swen Pförtner +++ swenpfoertner.com
Foto: Swen Pförtner +++ swenpfoertner.com

17.09.2015 Aufgrund unseres Demonstrationsaufrufs für morgen meldet sich die AbL zu Wort und ruft offen zur Spaltung des Berufsstandes auf. Selten sind die erheblichen Unterschiede so deutlich geworden. Der Bauernverband bekennt sich zum Markt, die AbL fordert staatliche Eingriffe.

Bemerkenswert ist dabei wieder einmal die Reaktion unseres Ministers: Hier übergibt die AbL ein Positionspapier, das im eigenen (!) Gutachten zum Thema Milchmengenregulierung wissenschaftlich als nicht wirksam bezeichnet wird, an den Minister. Extra Termin, Foto, Bericht, das ganze Programm läuft an (Bericht s.o.)

Zur Einordnung:

Die AbL nennt selbst leider keine Zahlen zur Mitgliederstärke. Niedersachsenweit werden (inoffiziell) immer wieder ca. 300 Mitglieder genannt. Beim Landvolkverband sprechen wir niedersachsenweit von ca 80.000 Mitgliedern, im Landvolkverband Göttingen mit dem Stichtag heute genau 1.506 Mitglieder.  Für uns ist das auch kein Geheimnis, sondern gelebte Transparenz.

In Relation gesetzt:

Würde man die AbL Mitgliederzahlen auf unseren Kreislandvolkverband runterbrechen, so hätten wir folgendes Bild:
Landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen ca. 40.000 Betriebe, AbL Mitglieder ca. 300, das sind (zu deren Gunsten unterstellt alles wirtschaftende Mitglieder) 0,75 % der Betriebe.
Für unser Landvolk in Göttingen würde das bedeuten, dass wir im Landkreis ca. 6 Landwirte und 6 ehemalige Landwirte zu vertreten hätten……
Na immerhin!

Im Kern bleibt festzuhalten, das die Teilung des Berufsstandes dazu führt, das wir selbst gegeneinander ausgespielt werden!


* Achim Hübner ist Agraringenieur und Geschäftsführer des Landvolks in Göttingen

AbL übergibt Forderungspapier an Minister Meyer

Morgen werden tausende im Landvolkverband organisierte Landwirte in Hannover gegen die Politik der niedersächsischen Landesregierung demonstrieren.

Bereits heute nahm Landwirtschaftsminister Meyer ein Positionspapier der konkurrierenden Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) entgegen.
Dazu möchte ich folgende Pressemeldung der AbL veröffentlichen und den Lesern zur Diskussion stellen:

Für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft – Bauern übergeben Forderungspapier an Minister Meyer

(Foto: AbL)
(Foto: AbL)

Hannover, 16.09.2015: Bäuerinnen und Bauern und Delegierte des Agrar­bünd­nis Niedersachsen konfrontierten heute Landwirtschafts­minister Meyer vor der Hannoverschen Marktkirche mit einem Forderungspapier: „Politik für eine vielfältige, faire, bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft in Niedersachsen. Für wirtschaftliche Perspektiven im Bündnis mit der Gesellschaft.“ Sie machten auf die dramatische Lage bei Milchvieh- und Schweinehaltern angesichts des massiven Preisverfalls aufmerksam. Landwirtschaftsminister Meyer forderten sie auf, sich auf der bevorstehenden Bund-Länder-Agrarministerkonferenz Ende September in Fulda u.a. für eine Mengenreduktionsstrategie im Milch- und Fleischbereich einzusetzen, um die Märkte wieder in Ordnung zu bringen. Die Landesregierung solle sich für eine Qualitäts- statt Exportoffensive stark machen, um bäuerliche Strukturen zu erhalten. Niedersachsen müsse zusammen mit den anderen Ländern vor allem Bundesagrarminister Schmidt Paroli bieten. Denn dessen Politik sei allein auf weiter steigende Exporte der Molkerei- und Schlachtkonzerne zu Billigpreisen ausgerichtet und forciert den Strukturwandel. Das bedrohe die bäuerlichen Betriebe finanziell und verschärfe die Konflikte mit der Gesellschaft noch, anstatt einer gemeinsamen Lösung im Interesse aller näher zu kommen, so die Sprecher. AbL übergibt Forderungspapier an Minister Meyer weiterlesen

Milchquote läuft aus

Hendrik Lübben
Hendrik Lübben, Facebook-Foto

Aus aktuellem Anlass zum Ende der Milchquote hat Hendrik Lübben seinen Bericht über den Bauerntag 2007 in Bamberg aus seinem Archiv herausgesucht. Auf diesem Bauerntag hat sich der Deutsche Bauernverband, nach einer umfangreichen Diskussion bis hinunter auf die Kreislandvolkebene, mehrheitlich für die Forderung zum Auslaufen der Milchquote am 31.03.2015 entschlossen.

Bauerntag 2007

Bericht von Hendrik Lübben*

Auf Einladung vom Kreislandvolk Wesermarsch habe ich als Delegierter am Bauerntag teilgenommen.
Der Bauerntag begann am Mittwochabend mit einem ökumenischen Gottesdienst in dem Bamberger Dom. Anschließend wurden die Delegierten in kleinen Gruppen von Stadtführern auf eine kleine Tour durch das schöne, historische Bamberg geführt. Die Stadtführung endete für die Niedersachsen und den Brandenburger in der Gaststätte Greifenklau. Dort nahm der Abend im Biergarten bei einem herzhaften, bayrischen Abendessen und dem hauseigenen Bier ein gemütliches Ende.
Am nächsten Morgen fand der erste Teil der Hauptversammlung in der Konzerthalle von Bamberg statt. Der Bundespräsident Köhler zollte große Anerkennung für die Leistungen der deutschen Bauern und ihrer Familien. Ein besonderes Zitat des Bundespräsidenten: „Die Zuversicht der Landwirte, vor allem auch der jungen Landwirte, imponiert mir.Milchquote läuft aus weiterlesen

Die Kapitulation der Wissenschaft vor dem grünen Mainstream?

bmel_gutachten_2015Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik (WBA) hat dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) ein Gutachten zur Nutztierhaltung überreicht. Der Titel des Papiers lautet „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ und der Inhalt ist brisant, denn die deutsche Nutztierhaltung sei in wesentlichen Teilen nicht zukunftsfähig.

Sabine Leopold, Redakteurin des Fachmagazins agrarmanager kommentierte bereits gestern dazu:

logo_agrarmanager_claim_80Um die bessere Verbraucherakzeptanz geht es darin vor allem. Und – so hoffte man im Vorfeld – um eine Versachlichung der Diskussion.
 
Letzteres ist, vorsichtig formuliert, nur sehr bedingt gelungen. In seinem Bericht bestätigt der Beirat zwar einerseits, dass die landwirtschaftliche Nutztierhaltung ein wichtiger und hoch effizienter Sektor der deutschen Wirtschaft sei, der zudem inzwischen äußerst ressourcenschonend arbeite. Zugleich aber sieht die Expertenkommission erhebliche Mängel in Tier- und Umweltschutzfragen. Für diese empfehlen die Unterzeichner unter anderem zeitnah folgende Maßnahmen:
  • Zugang aller Nutztiere zu verschiedenen Klimazonen (vorzugsweise Außenklima),
  • Angebot von Einrichtungen, Stoffen und Reizen zur artgemäßen Beschäftigung, Nahrungsaufnahme und Körperpflege,
  • Angebot von ausreichend Platz,
  • Verzicht auf Amputationen,
  • deutlich reduzierter Arzneimitteleinsatz,
  • verbesserter Bildungs-, Kenntnis- und Motivationsstand der im Tierbereich arbeitenden Personen und
  • eine stärkere Berücksichtigung funktionaler Merkmale in der Zucht.
 

Stimmen zum Gutachten

Unschwer zu erraten, dass dieses Gutachten eine Welle von Reaktionen losgetreten hat.
Am schnellsten waren die Grünen. Bereits am Vormittag erklärt Fraktionschef Anton Hofreiter in einer Pressemitteilung genüsslich, die „Politik der Massentierhaltung und Tierfabriken“ sei nun „amtlich“ gescheitert.
Später ergänzt Agrarsprecher Friedrich Ostendorff (Zitat: „Da kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen“), die Auflistung entspräche nahezu exakt den grünen Forderungen an eine Agrarwende. Und vergisst dabei zu erwähnen, dass das Schriftstück nach erster Sichtung der 78-seitigen Kurzfassung auch in Hinsicht auf den Mangel an praktikablen Lösungen deutliche Parallelen zum grünen Parteiprogramm aufweist. Zwar stellt der Beirat die Vorschläge unter einen gewissen Finanzierungsvorbehalt und fordert zum Beispiel eine deutliche Umschichtung der Prämierung tierwohlfördernder Maßnahmen in die 2. Säule, erklärt aber gleichzeitig ziemlich nonchalant, man müsse nur die Bereitschaft der Verbraucher, für mehr Tierschutz auch mehr zu zahlen, richtig kanalisieren. Zwar gebe es bislang wenig belastbare Fakten zum Verbraucherverhalten bei Tierschutz-Preisaufschlägen, dennoch ließen „die vorliegenden Verbraucherstudien auf eine beachtliche Zielgruppe für Produkte aus tierfreundlicherer Haltung schließen.“ Klingt ein wenig nach Kaffeesatzleserei, deren Fehlinterpretation im Zweifel der Produzent bezahlt.
 
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert in Person ihres Bundesvorsitzenden Martin Schulz – wiedermal – ein sofortiges Verbot großer Tierhaltungsbetriebe und übersieht dabei geflissentlich, dass das Gutachten sich gar nicht auf Bestandsgrößen bezieht und keine Tierzahloberzahlen empfiehlt. Zwar werden ausreichende personelle Kapazitäten zur Tierbetreuung gefordert, zugleich merkt der Bericht jedoch an, dass die Kosten für eine verbesserte Tiergerechtheit alle Betriebsgrößen vor eine schwierige Aufgabe stellen und gerade kleine Familienbetriebe im strukturschwachen ländlichen Raum hier schnell an ihre Grenzen stoßen könnten. Thema, verfehlt, liebe AbL, aber auch das ist nichts Neues.
 
Der Deutsche Bauernverband schließlich kritisiert mit deutlichen Worten die Kurzsichtigkeit mancher Forderungen im Gutachten im Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Landwirtschaft. DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken: „Die Empfehlungen der Wissenschaftler sind in Anbetracht der Konsequenzen für die Nutztierhaltung, die Bauernfamilien und für den ländlichen Raum unverantwortlich leichtfertig.“ Besonders kritisch sieht Krüsken dabei die viel zu optimistische Einschätzung der Nachfrage bei steigenden Preisen durch höhere Standards und die generelle Unterschätzung der entstehenden Kosten: „Diese Rechnung unterschlägt unter anderem die volkswirtschaftlichen Kosten durch die Entwertung von Investitionen und die Abwanderung der Wertschöpfung aus der Tierhaltung.“
 

Wunschliste mit wenig Praxisrelevanz

Alles in allem wirkt das Gutachten ein bisschen wie eine Wunschliste, die vor allem das Gespür für die richtige Reihenfolge vermissen lässt. Einfach mal davon auszugehen, dass die veranschlagten Mehrkosten vor allem durch moderat steigende (und vom Verbraucher problemlos akzeptierte) Endproduktpreise schon wieder reinzuholen seien, verschiebt das Risiko nahezu ausschließlich in Richtung der Landwirte.
 
Zudem übergeht der Expertenbeirat mehrfach, dass die von ihm unterbreiteten Vorschläge bereits umgesetzt werden, nur eben in verträglichem Tempo. Das Antibiotika-Monitoring zeigt erste Wirkung (www.qs-blog.de/2015/02/antibiotikamonitoring-betriebsvergleiche-geben-orientierung/). Bodengestaltung, Klimaverbesserung, Platzangebot, Beschäftigungsmaterial – in all diese Bereiche haben deutsche Tierhalter in den letzten Jahren investiert, nicht selten an der Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten. Und das Postulat einer verstärkten Konzentration auf funktionelle Merkmale in der Nutztierzucht rennt bei den meisten Züchtern auch längst offene Türen ein.
 
Einen besonders unangenehmen Beigeschmack allerdings hinterlässt die Forderung nach besserer Bildung, Qualifikation und Motivation der Tierbetreuer. Zum weit überwiegenden Teil trifft diese Feststellung Menschen, die sich mit Leidenschaft um ihre Tiere bemühen, sich regelmäßig weiterbilden (nicht selten in Kursen, die wenig mit dem Tierwohl, dafür aber viel mit Bürokratie zu tun haben) und in vielen Fällen 24 Stunden am Tag für ihre Herden bereitstehen. Eine derartig pauschale Forderung dürfte also viele engagierte Tierhalter bitter treffen.
Auch hier scheinen die Empfehlungen noch erheblichen Nachbesserungsbedarf zu haben, wenn sie die Diskussion um Strukturen, Tierwohl und Verantwortung nicht noch weiter anheizen sollen.

Soweit die Einschätzung und Einordnung von Sabine Leopold.

Ich bin der Meinung, dass wir die beste Tierhaltung aller Zeiten haben. Sie ist von ihren Standards her auch weltweit führend. Mit ihr produzieren wir Landwirte so sichere und gesunde Lebensmittel wie nie zuvor! Auch der Tierwohlfrage stellen wir uns! Daher kann ich es nicht nachvollziehen, dass der WBA sich nun anscheinend dem grünen Mainstream unterwirft.
Die Folge wäre ein Einbruch der Tierhaltung in Deutschland. Die Tierhalter dürften sich nun alle größte Sorgen um ihre Zukunft machen.

Ich frage mich: Sind wir nur noch Spielball der Agrarpolitik, die sich nicht mehr an wissenschaftlicher Logik orientieren muss?

Die deutsche Tierhaltung hat es geschafft, mit hohen Standards bei Haltungsbedingungen und beim Umweltschutz international wettbewerbsfähig zu sein. Diese Leistung wird nicht (mehr) anerkannt und das ist für mich wie ein Schlag ins Gesicht!

Die Abhängigkeit von staatlichen Subventionen wird künftig riesig sein- das mag vielleicht ein paar Jahre gut gehen. Nur wie lange? Bis der deutschen Gesellschaft die Landwirtschaftlichen Subventionen zu hoch erscheinen angesichts dann eingebrochener Produktionsmengen und steigender Abhängigkeit aus dem Ausland? Dann wird es wohl wieder Bestrebungen geben, die Landwirtschaft vor Ort wettbewerbsfähig zu machen?

In dem immer ideologischer werdenden Streit um die Ausrichtung der Agrarpolitik hätte ich mir die Wissenschaft als Begleiter der Landwirtschaft gewünscht. Kritisch und fachlich fundiert! Aber leider: Die Wissenschaft in Form der WBA streicht nun auch die Segel (nachdem schon kaum eine Partei mehr offen zur modernen Landwirtschaft stehen will). Ich finde, das ist ein Armutszeugnis für die Agrarwissenschaft, für die Wissenschaft allgemein und auch für Deutschland! Denn von freiem Unternehmertum, flankiert von auf wissenschaftlicher Basis stehenden politischen Maßnahmen, kann spätestens jetzt nicht mehr die Rede sein!
Ich hätte mir gewünscht, dass die Wissenschaft ihren Teil dazu beiträgt, der Bevölkerung zu erklären, wie groß die Einwirkungen auf das Grundwasser, auf Keimbelastungen usw. wirklich sind und wie sicher und gesund unsere Lebensmittel im Gegensatz zu früher sind. Aber das fand in der Vergangenheit kaum statt und kann wohl auch nicht mehr von den im WBA organisierten Professoren erwartet werden.  An die Öffentlichkeit traute sich bisher kaum ein Wissenschaftler, der nicht von diversen NGOs später „gesteinigt“ werden wollte. Und nun die völlige Kapitulation? Ich bin ehrlich gesagt fassungslos!

Ich denke in Generationen und möchte meinem Sohn einen soliden Betrieb übergeben können. Die Herren Professoren sind anscheinend gut besoldet und müssen sich nicht um ihre eigene Zukunft Sorgen machen. Aber möglicherweise sind für bzw. deren Institute künftig sogar mehr staatliche Forschungsaufträge zu erwarten?

Weitere Informationen:

FAZ: Gutachter fordern radikale Wende in der Tierhaltung
FAZ: Wie glücklich muss ein Schwein sein?
Bayrischer Bauernverband: Pauschale Diffamierung statt realistischer Weiterentwicklungsimpulse
Bauernverband Schleswig-Holstein: Was sich die Elite der Agrarwissenschaft von uns Bauern wünscht
Deutscher Bauernverband: Export der Nutztierhaltung ist keine Lösung für Landwirtschaft und Tierschutz
Stallbesuch.de: Vergleich der Empfehlungen des WBA von 2005 und 2015
das Gutachten im .pdf-Format zum Download: Kurzfassung, Zusammenfassung, komplett

Dialog: Es wurde miteinander geredet

johannes_schlömann_schuleGestern trafen sich in der Katholischen Landvolkhochschule Oesede Vertreter der konkurrierenden Demonstrationen von „Wir haben es satt“ und „#WIRmachenEuchSATT„. Der Leiter des Hauses, Johannes Buß, moderierte die durchaus konstruktiven Gespräche und Diskussionen an diesem Vor- und Nachmittag.

Landforum der KLVHS Oesede
Landforum der KLVHS Oesede

Über die Gesprächsinhalte wurde Stillschweigen vereinbart. Dieses möchte ich respektieren, kann aber sicherlich schon sagen, dass der Dialog weiter gehen wird. In unterschiedlicher Zusammensetzung und an anderen Orten werden wir uns sehr wahrscheinlich häufiger wiedersehen und die Diskussion fortführen.

Ich bedanke mich zum Schluss noch einmal für die Einladung der WHES-Vertreter und die kompetente Moderation durch Johannes Buß!

Nadine Henke (FdL), Ulrich Jasper (AbL), Tilo Wilhelm (KLVHS), Gabriele Mörixmann (Landvolk Melle), Johannes Buß (KLVHS), Georg Janßen (AbL), Ottmar Ilchmann (AbL), Marcus Holtkötter (FdL), Bernhard Barkmann (BlogAgrar), Stephie Strohdrees (Bioland-Bäuerin), Felix Prinz zu Löwenstein (BÖLW, Misereor), Thomas Ostendorf (FdL), Jochen Fritz (meine Landwirtschaft), Andreas Brinker (KLVHS)
vlnr.: Nadine Henke (FdL), Ulrich Jasper (AbL), Tilo Wilhelm (KLVHS), Gabriele Mörixmann (Landvolk Melle), Johannes Buß (KLVHS), Georg Janßen (AbL), Ottmar Ilchmann (AbL), Marcus Holtkötter (FdL), Bernhard Barkmann (BlogAgrar), Stephie Strohdrees (Bioland-Bäuerin), Felix Prinz zu Löwenstein (BÖLW, Misereor), Thomas Ostendorf (FdL), Jochen Fritz (meine Landwirtschaft), Andreas Brinker (KLVHS)

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