empörte Reaktionen auf Radiowort von Erzbischof

Radiowort des Berliner Erzbischofs beleidigt Tierhalter

Der Berliner Erzbischof hat zur grünen Woche ein Radiowort verfasst, das die Ehre vieler Bauern zutiefst verletzt hat. Die Reaktionen der Landwirte, die von dieser diffamierenden Predigt gehört haben, reichen von Resignation über Empörung bis zum Kirchenaustritt.
Marianne Albersmeier ist heute auf der grünen Woche als Agrarscout im Einsatz und lädt den Erzbischof zum Dialog ein. Dem möchte ich mich anschließen, ich bin morgen in der Halle des Erlebnisbauernhofes (Halle 3.2) als Agrarscout im Einsatz und freue mich auf einen kritischen Dialog.


Hier der offene Brief von Marianne:

Sehr geehrter Erzbischof Dr. Heiner Koch,

mir fehlen schlichtweg die Worte, um auszudrücken, was ich beim Lesen Ihrer Radioworte empfunden habe und noch empfinde. Womit haben die Bauern so einen Rundumschlag verdient?

Marianne und Klaus Albersmeier stellen ihr KA-Rondell vor

Wir sind Landwirte im Lippetal, beackern 120 Hektar Land und haben einen Schweinemastbetrieb mit 5000 Plätzen. Gerade eben sind wir mit einem Innovationspreis für unsere selbst entwickelte Tränke ausgezeichnet worden. Diese Tränke vereint tiergerechtes Saufen aus offener Fläche mit jeder Menge Spielmöglichkeiten für Schweine in einem.
Tag für Tag sieben Tage die Woche kümmern wir uns zusammen mit vier Mitarbeitern um das Wohl unserer Tiere. Es ist unglaublich, da von unsäglichem Leid an der Kreatur zu sprechen und das wir das einzig und allein aus Profitgier tun.
Da mir aufgrund Ihres Rundumschlages wie gesagt die Worte fehlen, uns und unsere Arbeit zu beschreiben, laden wir Sie ein. Wenn Sie einmal erleben möchten, wie es bei uns und sicher auch bei vielen anderen Berufskollegen zugeht, sind sie bei uns in Hüttinghausen herzlich willkommen.
Und Sie dürfen uns all ihre Fragen persönlich stellen. Uns ist es lieber, Sie reden mit uns und berichten dann im Radio, als einfach nur oberflächlich mit negativen Halbwissen über uns.
Falls Ihnen der Weg bis ins Lippetal zu weit ist, morgen (Dienstag) stehe ich als Agrarscout mit neun Berufskollegen auf dem Erlebnisbauernhof auf der IGW am Schweinemobil jedem interessierten Besucher Rede und Antwort, wie es bei uns auf dem Hof aussieht und wie wir Landwirte unsere Tiere und das Land behandeln. Da bin ich auch für Sie zu sprechen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch
Klaus und Marianne Albersmeier (Homepage)


weitere Reaktionen zum Radiowort:

10 Gedanken zu „empörte Reaktionen auf Radiowort von Erzbischof

  1. Was hat der Herr Koch denn nun gesagt,
    -Freiwilligkeit und Premiumsiegel ein richtiger Schritt in die Zukunft .Das könnten Sie doch als Lob verstehen für Ihre Bemühungen.
    – Die grüne Woche ist eine geschönte Scheinwelt. Völlig richtig.
    – Kreatur am Fliesband. Ein Blick in Schlachtfabrik, Stalleinrichtung Futterungtechnik etc drängt diesen Eindruck auf.
    – Billiglöhne und moderne Sklaverei werden von einer Vielzahl von Beobachtern Festgestellt.
    – Grundwasserprobleme ,will das wirklich noch jemand leugnen ?
    -Die meisten Schweine sehen nie die Sonne . Auch richtig !
    – Oft ist der Profit der Antrieb, Auch richtig, denn sonst würde ja jeder bei einem auskömmlichen Gewinn eine Grenze ziehen, damit auch andere ein auskömmliches Familieneinkommen haben können.
    Eine große Tierhaltung ( Wo auch immer im Einzelfall die Grenzen sein mögen ) muß noch nicht per se eine Katastrophe für das einzelne Tier sein. Da irrt Herr Koch vieleicht, aber als Diffamierung würde ich das nicht bezeichnen ,sondern als subjektive Bewertung.
    Als Kirchenmann, in der Tradition der Schöpfungsbewahrung stehend ,wäre es eine Unterlassungssünde gewesen, NICHT eine derartige Predigt zu halten zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Was jetzt noch fehlt ist eine Capitulare, die sein eigenes wohlhabendes Wirtschaftsunternehmen Kirche auch zwingt, die Produkte zu kaufen und zu verwenden, die seinen Forderungen entsprechen.

      1. Das Wesen des Dialoges ist Rede und Gegenrede, auch wenn einem die Inhalte nicht gefallen! So stellt man nicht die Dialogfähigkeit in Frage, wie Sie das jetzt versuchen.

      2. Lieber Kollege Barkmann, der Eintritt in einen Dialog bedeutet nicht eine Anwartschaft auf einen Kompromiß oder eine sonstiges Entgegenkommen per se. Dialog ist auch kein Basar in dem verhandelt werden muß, sondern ein Austausch von Meinungen.
        Die katholische Kirche war entscheidend am Aufbau des Silicon Valley des Agrobusiness in unserer Region beteiligt und da ist es zwingend erforderlich ,daß die Kirche jetzt ihren uralten ethischen Diskurs über die Wertigkeit des Mitgeschöpfes Tier wieder aufnimmt. Auch würde ich mir eine öffentliche Beteiligung des regionalen Bistums und Einrichtungen wie z. B. Vhs Oesede wünschen.
        Herr Barkmann welches Detail der Ausführungen des Erzbischofes Koch oder meines Kommentares gefällt Ihnen denn nicht?
        Und Kolleg Bauer Bauer,eine Mindestrespekt im Dialog sollte schon darin bestehen, seinen Namen zu nennen.

        1. Grundwasserprobleme? Koch benutzt das Wort „Verseuchen“. Messen sind vielleicht insgesamt eine „Scheinwelt“, oder?
          Worum geht es?
          Probleme zu beseitigen? Dann bin ich dabei.
          Doch geht es dem Kirchenmenschen darum? Ich behaupte Nein. Denn wer mit solchen übertriebenen Pauschalverurteilungen auf einen ganzen Berufsstand einhaut, dem ist an einem zielorientierten Dialog nicht gelegen.
          Wir können die Landwirtschaft in Deutschland zum großen Teil abwickeln, ganz ausrotten wird man sie nicht. Es werden ein paar Direktvermarkter, Idealisten und wenige wirklich große Discounterlieferanten übrig bleiben.
          Danach wird es möglicherweise auch wieder bessere Nitratwerte, mehr Natur und weniger Agrarhandel geben. Aber ist es das was wir wollen?
          Ich nicht: Ich möchte die unheimlich hohe Wertschöpfung in den ländlichen Regionen (wie z.B. das Emsland) erhalten. Dadurch ist der ländliche Raum stark. Das macht die Dörfer lebenswert. Nicht irgendwelche idealistische Traumschlösser. Es ist noch nicht so lange her, dass im Emsland 20% Arbeitslosigkeit vorherrschte.
          Wir brauchen keine Agrarwende, wir müssen die heutige, effiziente Landwirtschaft weiter entwickeln und nicht abwickeln. Und gleichzeitig müssen wir die Probleme, die wir haben auch angehen. Dazu muss man die Landwirte mitnehmen. Dadurch dass man einen ganzen Berufsstand beschimpft und verunglimpft, wird man immer gegen die Landwirte arbeiten. Auch deshalb behaupte ich, dass ein Dialog nicht erwünscht ist seitens des Erzbischofs und aktuell seitens des Umweltministeriums.
          Wir in Deutschland werden sicherlich auch in mittelfristiger Zukunft immer volle Regale vorfinden. Lebensmittel made in Germany wird es weniger geben. Ausländische Produzenten stehen in den Startlöchern- sie werden liebend gerne den deutschen Markt bedienen.

        2. und zu den anonymen Kommentatoren: Da gibt es einige hier im Blog. Ich selber habe noch vor 7 bis 8 Jahren anonym im Internet kommentiert. Deshalb kann ich es nachvollziehen, wenn jemand nicht mit Klarnamen kommentiert.
          Allerdings ist das auch nur die zweitbeste Lösung.
          Zum Kommentar selber: Er hat doch 100%ig Recht mit seiner Aussage, oder?

  2. Herr Johann Meyer schreibt: „Billiglöhne und moderne Sklaverei werden von einer Vielzahl von Beobachtern Festgestellt.“
    Meinen Sie vielleicht damit die Millionen von Fernsehzuschauern, die regelmäßig mit Skandalbildern (deren Ursprung nicht selten mehr als fragwürdig ist) upgedatet werden?
    ein wirksames Gegenmittel zur weit verbreiteten „Uninformiertheit“ ist sicherlich Offenheit und Transparenz- und genau hier sind die Tierhalter gefordert, ihren Nachbarn zu zeigen, was hinter den Stallmauern geschieht: ein respektvoller Umgang mit dem „Mitgeschöpf“.
    Herr Meyer, an Sie die Einladung: besuchen Sie uns im Norden Bayerns und machen sich ein eigenes Bild von landwirtschaftlicher Tierhaltung!

    1. http://www.nwzonline.de/vechta/praelat-kossen-wechselt-nach-lengerich_a_31,1,1754940430.html

      Herr Fries, da ist schon mal eine Quelle und in diesem Zusammenhang gibt es viele Stimmen. Daran können Sie auch gleich feststellen wie hier in der Region jede unliebsame Stimme bekämpft wird. Kommen Sie doch zu mir ,ich zeige Ihnen wer bei Danisch Crown und anderen arbeitet und wie sie leben. Übrigens bin ich Landwirtschaftsmeister und arbeite seit 40 Jahren in der Landwirtschaft und beobachte mit Bedauern wie ein Hof nach dem anderen dicht macht. Ich weiß, daß Bauern respektvoll und fürsorglich Tiere halten können, aber ich bekämpfe ein krankes Selbstverständnis von Landwirtschaft das nur Wachsen kennt und von Teilen nichts wissen will. Der Allmendegedanke hat auch unsere Höfe hier im Norden stark gemacht. Hier im Norden ist der Hofgedanke dem Business untergeordnet und zockende Bauernfunktionäre fordern einen hohen Blutzoll und Bauernopfer.

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