giftiger Ökolandbau

vergiftete und scheinheilige Debatte

Ja, der Aufschrei war groß, als öffentlich wurde, dass die designierte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Ökolandwirten in Ausnahmefällen auch den Einsatz herkömmlicher Pflanzenschutzmittel  erlauben wolle.

Hier ein paar Beispiele der großen (reflexartigen) Entrüstung:

Dabei werden im Ökolandbau bereits heute viele Pestizide eingesetzt, die zum Teil sogar giftiger sind als manches Spritzmittel, das in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt wird. Wenn man zuspitzen will „sogar“ giftiger als das berüchtigte Glyphosat. Das verwundert den Experten nicht, denn Glyphosat ist wegen dessen speziellem Wirkungsmechanismus für den Menschen weitgehend unbedenklich.

Bioland spielt die „ohne-Chemie-Karte“, setzt auf Natürlichkeit und bezweifelt meinen Einwand, dass im Ökolandbau eingesetzte Pestizide auch mal giftiger sein können, als moderne Pflanzenschutzmittel der konventionellen Landwirtschaft:

Ich habe nicht Pauschaliert, wie es gerne grüne NGOs machen. Nicht alle Pestizide (= Schädlingsbekämpfungsmittel), die im Ökolandbau Verwendung finden, sind toxischer als die „Chemisch-synthetischen“ Pflanzenschutzmittel.
Aber es sind zumindest einige: Bordeauxbrühe (Brantkalk mit Kupfersulfatlösung vermischt) ist eine sehr altes Pflanzenschutzmittel. Alt bedeutet aber nicht natürlich und schon gar nicht gesund. Auch Schwefelkalk ist uralt und auf jeden Fall toxischer als Glyphosat. Und dann gibt es ja auch noch Pyrethroide

Öko-Pestizide sind in die Jahre gekommen

Insgesamt sind die Pestizide, die im Ökolandbau eingesetzt werden dürfen eher alt, aber lange nicht gesundheitlich unbedenklich. Vielleicht besteht hier doch ein gewisser Forschungsbedarf, damit die Ökofrüchte in ungünstigen Sommern nicht mehr vergammeln müssen und die Ökobauern ein großes finanzielles Risiko weniger haben?

Schluss mit dem „guter Bauer – böser Bauer“-Denken

So ehrlich sollte die Ökobranche ihr eigenes Handeln reflektieren. Schließlich haben die Grünen vorletztes Jahr selber einen ganz ähnlichen Antrag wie Winzertochter Klöckner eingebracht.

Bio-Landwirtschaft ist nicht per se besser als die konventionelle Landwirtschaft und auch nicht unbedingt gesünder! Werden wir jemals auf das gegenseitige Miesmachen verzichten können?


Abschließend noch einmal eine Übersicht über die Giftigkeitverschiedener Stoffe:

Toxikologische Fakten zu verschiedenen Alltagsstoffen und anderen diskutierten Stoffen wie z.B. #glyphosat. #koffein #kakao #backpulver
Toxität ausgewählter Stoffe (c) @flaemingslord

15 Gedanken zu „giftiger Ökolandbau

  1. Herr Barkmann, da Sie ja bereits auf gefühltem Bioniveau arbeiten ,veröffentlichen Sie doch bitte mal ihren gesamtem Pestizideinsatz, Medikamenteneinsatz und Düngerumsatz der letzten Jahre.
    Es wird sich dann auch bestimmt ein Biobetrieb mit Ackerbau,Schweinemast und Bullenmast finden.
    Dann vergleichen wir mal.

    1. Herr Meyer, die stärksten Steigerungen des Pestizideinsatzes in der Landwirschaft in den vergangenen Jahren verzeichnet der Ökoanbau. 2015 waren von den 3423 to Wirkstoff 3073 to im Ökoanbau eingesetzt, das waren fast 9% der Gesamtwirkstoffmenge. In der Realität geht es halt nicht ohne und in der Ideologie wächst nichts. Gerne dürfen sie sich mal informieren was im Ökolandbau alles so eingesetzt wird, z.B. unter http://www.biofa-profi.de

    2. Wo bleibt de Antwort von Herrn Barkmann?
      Mep, Gesamteinsatz ist so (Umweltbundesamt)um die 50000t Wirkstoff,unabhangig von der Qualität des Stoffes selbst.
      Woher beziehen Sie die Zahl für Bio?
      Ich bin seit über 30 Jahren in der Biolandwirtschaft, Bauer und komme viel rum in der Branche.
      Richtig ist ,daß der Bioanbau ein Glaubwürdigkeitproblem bekommt ,wenn er weiter so schlecht kommuniziert.
      Bitte einen Klarnahmen und Berufsangabe,dann können wir gerne weiter diskutieren über die gravierenden Qualitätunterschiede ,bezüglich Medikamente ,Dünger, Tierhaltung und Pestizide etc .
      Im übrigen würde ich mich lieber mit Herrn Barkmann auseinandersetzen,der hier wieder einmal in der Region mit anderen Akteuren gegen Bio und Veränderung polemisiert.
      Es geht doch gar nicht Bio gegen Konv, ,sondern um Fortschritte in der Landwirtschaft.

      1. Es geht hier um Fakten, die haben mit Klarnamen nichts zu tun. Wenn Sie faktenbasiert argumentieren würden, wüssten Sie dass man von den ca 50000 to Gesamtwirkstoff den Anteil der inerten Gase abziehen muss. Die Zahlen für den Ökolandbau werden seit 2004 offiziell ausgewiesen, man muss halt richtig recherchieren! Es geht nicht um Bio gegen Konvi, es geht darum, die Menschen nicht anzulügen!

        1. Es reicht völlig aus ,wenn wir uns über die offiziellen Zahlen unterhalten,oder gehen Sie davon aus ,daß das Umweltbundesamt die Menschen anlügt?
          Namen sind wichtig für Menschen die sich ein neutrales Bild machen wollen.
          Das ist eine Grundvorausetzung beim Quellenstudium und Bewertung für interessierte Menschen.
          Das BfR greift auch immer wieder auf Fakten zurück, die nur ein Teil der Zusammenhänge präsentieren.
          Also wo ist das Problem mit Ihrem Namen?

          1. Woher soll ich wissen, ob Sie wirklich Meyer heissen (so heisst ja fast jeder), ist aber auch nicht wichtig. Mit meinem Namen habe ich keinerlei Probleme.
            „wenn wir uns über die offiziellen Zahlen unterhalten,oder gehen Sie davon aus ,daß das Umweltbundesamt die Menschen anlügt?“ Ja, definitiv unterschlägt und das UBA die Zahlen, die ich genannt habe.

          2. Mek,Sie betreiben hier eine pseudofaktische,pseudowissenschaftliche Haarspalterei ,verwenden Begrifflichkeiten wie“ belügen“ und sind auch noch feige.
            Erbärmlich!
            Beziehen Sie Ihre Bildung von und auf Blogger -und Lobbyistentreffen?
            Johann Meyer 49637 Menslage

          3. Genau wegen Kommentaren mit dem Niveau des Ihrigen verzichte ich gerne auf Klarnamen, schliesslich habe ich Familie.

            Die Begrifflichkeit des „anlügens“ haben Sie benutzt, nicht ich. Da Sie offensichtlich nicht in der Lage sind, selbst zu recherchieren, hier der Link, den Sie eigentlich nicht verdient haben, aber dafür alle anderen Mitleser. Dann wird hoffentlich auch für Sie klar, das man möglichst Primär- und nicht Sekundärquellen verwenden sollte.
            https://www.bvl.bund.de/DE/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/02_ZulassungPSM/03_PSMInlandsabsatzExport/psm_PSMInlandsabsatzExport_node.html

        2. Beim Durchscrollen der Komentare sehe ich gerade, dass ich tatsächlich „anlügen“ als erster benutzt habe. Das ändert an der Sache jedoch nichts.

          1. Es ging hier um die Begrifflichkeit “ Giftiger Ökolandbau“von Herrn Barkmann.
            In diesem Kontext sind ihre „Primärquellen“ nebensächlich,weil sie nicht die Intention des Urhebers widerspiegelt.
            Glauben Sie wirklich, daß Sie oder Ihre Familie wegen dieser Inhalte hier in Gefahr sind?
            Das ist heute wohl eine Attitüde ,die die eigene Meinung gegenüber anderen hervorheben soll, aber nichts über Inhalt und Erfahrung aussagt.
            Von meiner Seite wars das jetzt mit ihnen.Hat mich gefreut.
            Mal sehen ob Herr Barkmann stumm bleibt?

      2. Ich finde die Anregung sehr gut, meinen Pestizideinsatz offenzulegen.
        Werde ich laufend hier im Blog machen.
        Zur Zeit friert es. Aber bereits im März könnten erste Pflanzenschutzmaßnahmen nötig werden.
        Bei den Winterkulturen werde ich die Herbstbehandlungen zusätzlich anführen. Kein Problem dabei. 😉
        zu den 50000t: dort sind auch die inerten Gase mit aufgeführt, oder?
        Ich möchte nicht gegen BIO polemisieren. Mir geht nur die ständige Profilierung der Ökobranche auf Kosten der herkömmlich wirtschaftenden Landwirte auf dem Zeiger!

        1. Dann machen wir einen richtigen Schulbauernhof, Medikamente Futterkreisläufe Stallhaltung etc bitte dann auch berücksichtigen.
          Wie ist das eigentlich weitergegangen mit dem Schriftwechsel Bioland?

  2. „giftiger Ökolandbau“, „vergiftete und scheinheilige Debatte“, mit solchen Formulierungen machst du Front gegen den Ökolandbau, Bernhard, und dann kommt zum Schluss von dir der Spruch:
    „Werden wir jemals auf das gegenseitige Miesmachen verzichten können?“
    Tut mir leid, sowas kann ich nicht mehr ernst nehmen! Du widersprichst dir ja selbst im eigenen Text!

    1. Ich habe ein Problem damit, wenn aus Reihen der Ökobranche immer wieder undifferenzierte Vorwürfe gegen die herkömmlichen Landwirte gerichtet werden.
      In diesem Blogpost habe ich einfach mal den Spieß umgedreht und die fachlich richtig festgestellt, dass „es im Ökolandbau giftigere Pestizide als in der konventionellen Landwirtschaf gibt“ . Die Überschrift spitzt diese Aussage zu.
      Ich möchte nicht Front gegen den Ökolandbau machen. Nur wenn wenn nach dem Motto „guter Bauer (öko) – böser Bauer (konvi)“ Argumentiert wird, dann weise ich gerne auf die Fakten hin.

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