Rot-Grün-Gelb

Rot-Grün-Gelb

Gestern hat die künftige Ampel-Koalition ihren Koalitionsvertrag vorgestellt und bekannt gegeben, welche Partei welche Ministerien „bekommt“.

Nun gehen schon seit einigen Tagen Ministerienslisten in den Sozialen Medien rum und die Agrarbubble beteiligt sich am Diskutieren darüber, wie es uns wohl in den nächsten vier Jahren ergehen wird.

Grünes Landwirtschaftsministerium

Mein Erstaunen darüber, welche Aussagen zur Landwirtschaft im Koalitionsvertrag getroffen wurden und dass die Grünen das Landwirtschaftsministerium besetzen, hält sich in Grenzen.
Warum?

  • Die SPD hat schon lange das Interesse an Agrarpolitik verloren und Till Backhaus ist ein hier ein einsamer Einzelkämpfer.
  • Die FDP ist erstens nur drittstärkste Kraft in dieser Koalition und hat sich laut Hauptstadtjournalisten in vielen Punkten durchgesetzt. Dafür hat man dann bei der Agrarpolitik nachgegeben. Nicht verwunderlich. So läuft Politik.

Natürlich verteidigen die FDP-AgrarpolitikerInnen den Koalitionsvertrag und stellen die Punkte, die man durchgesetzt hat, nach vorne. Aber wäre es nicht besser, ehrlich zu sein? Ist es heutzutage nicht mehr kommunikationsfähig, dass man sich hier nicht durchsetzen konnte? 

Unzufrieden mit bisheriger Agrarpolitik

Ich war alles andere als zufrieden mit der Agrarpolitik der letzten 16 Jahre. Aber die undifferenzierte Kritik an zuletzt Julia Klöckner fand ich nicht richtig. Die Union hatte ja keine absolute Mehrheit und in einer Koalition muss man Kompromisse eingehen. Leider viel zu oft im Bereich der Landwirtschaft. Noch dazu war das SPD-geführte Umweltministerium alles andere als kompromissfähig. Ich hätte mir hier öfters ein Machtwort der Kanzlerin gewünscht. Aber die Prioritäten waren hier anscheinend nicht im Agrarsektor angesiedelt.

Wollte die FDP das Landwirtschaftsministerium gar nicht?

Darum kommt es mir auch sehr plausibel vor, dass die FDP gar keine Lust hatte auf das Landwirtschaftsministerium. Warum sollte die FDP hier „die Klöckner machen“ und Koalitionsvereinbarungen, die uns LandwirtInnen oftmals nicht geschmeckt hätten, durchsetzen? Da kann man nur verlieren.

Wo geht die Reise für mich hin?

Ich persönlich, mit meinem Ferkelerzeugerbetrieb, mit meinen 40 Jahren, bin grad in einer Art Schwebezustand. Wie es weiter geht mit meinem Hof, ist mir nicht mehr so klar, wie noch vor ein paar Jahren. Ich bin noch jung genug, etwas völlig anderes zu machen und die Nutztierhaltungsverordnung gibt mir die nötigen Jahre, um mir klar zu werden, wo die Reise hin geht. Ich liebe meinen Beruf und ich liebe meine Sauen, aber wer weiß, vielleicht tut sich in den nächsten Jahren etwas anderes auf, was mir ähnlich viel Spaß macht. Darum lass ich mich gerade in mein gefühltes Federbett fallen und lass vier Jahre rot-grün-gelb auf mich zukommen. 

Entspannt

Ganz ehrlich, auch mit dem sehr entspannenden Gedanken, dass man keine Entscheidungen von einem unionsgeführten Landwirtschaftsministerium mehr verteidigen muss. Noch immer muss ich an das Gespräch mit der damaligen Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner denken, wo sie uns Bauernvertretern erklärt hat, dass sie das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration auf den Weg bringen muss, weil die EU das vorgibt. Was wurden in 16 Jahren nicht Fehler gemacht! Was wurden Chancen links liegen lassen! Was hätte man nicht alles anpacken können, als man eine gelb-schwarze Bundesregierung mit einer Mehrheit im Bundesrat hatte! Nichts hat man angepackt. Man hatte keine Vision, keinen Plan und kein Konzept für die Zukunft.

CSU nervt

Und nun dröhnt mir das Gejammere der CSU in Bayern schon in den Ohren, die sich jetzt schon in der Rolle der Opposition gefallen, die ja gerne was weiß ich alles für uns Bauern und Bäuerinnen tuen würde, wenn es da nicht diese böse Ampel in Berlin gäbe. Ganz ehrlich: Mich nervt das jetzt schon, und die neue Regierung ist noch gar nicht im Amt. Wenn das nicht zu Poltikverdruss führt, was dann?

Wagen wir es!

Ich wünsche mir, dass alle, die in Deutschland etwas mit Landwirtschaftspoltik am Hut haben, mit vollem Einsatz für uns ihre politische Arbeit tun. Ganz einfach. Und ich spreche gerne mit Politikern von rot, grün und gelb, wenn es gilt, Probleme zu lösen und meine Praktikermeinung einzubringen.

Wagen wir es! 

Gerhard Langreiter

Jahrgang 1981, verheiratet, 2 Kinder, seit 2001 Ferkelerzeugung mit 170 Zuchtsauen und Ferkel bis 30 kg. Ca. 30 ha inkl. Pachtfläche und Wiesen in Bewirtschaftung, 7,5 ha Wald.

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