Archiv für den Monat: Juni 2015

Nationale Stillkommission und BfR empfehlen Müttern, weiterhin zu stillen

bfr_logoEs überrascht nicht, dass das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) bezüglich der Glyphosatfunde in Muttermilch heute offiziell Entwarnung gegeben hat. Die sogenannte Studie der Grünen Bundestagsfraktion ist als Instrument zur Panikmache enttarnt- ganz offiziell!

Hier der Wortlaut der gemeinsamen Erklärung von Nationaler Stillkommission und dem BfR:

Veröffentlichte Werte zu Glyphosat in Muttermilch führen zu einer Aufnahme bei Säuglingen, die weit unter dem gesundheitlich abgeleitetem Richtwert liegt

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat am 25. Juni 2015 berichtet, dass ein Labor in 16 Muttermilchproben den Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat gemessen hat, und diese Messungen als „sehr besorgniserregend“ bezeichnet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Nationale Stillkommission schätzen die gemessenen Gehalte von bis zu 0,43 Nanogramm (ng) pro Milliliter (ml) als gesundheitlich unbedenklich ein. Die veröffentlichten Werte würden bei Neugeborenen zu einer Glyphosataufnahme führen, die um einen Faktor von mehr als 4000 niedriger liegt als der in der EU abgeleitete Richtwert, bei dem keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten sind. Darüber hinaus bestehen erhebliche Zweifel an der Methodik des Tests. Die Nationale Stillkommission und das BfR weisen anlässlich von Anrufen besorgter Mütter darauf hin, dass Muttermilch nach wie vor die natürliche und damit beste Nahrung für Säuglinge ist. Mütter sollten sich nicht verunsichern lassen und wie bisher stillen.

Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge. Sie ist gut verdaulich und so zusammengesetzt, dass sie im ersten Lebenshalbjahr den Bedarf an Nährstoffen und Flüssigkeit deckt. Säuglinge, die vier bis sechs Monate lang ausschließlich gestillt wurden, haben ein deutlich geringeres Infektionsrisiko zum Beispiel bei Atemwegsinfekten. Weitere Krankheiten, die bei gestillten Kindern im späteren Leben seltener auftreten können, sind Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2. Die Nationale Stillkommission empfiehlt daher, Säuglinge mindestens bis zum Beginn des fünften Monats ausschließlich zu stillen und auch nach Einführung der Beikost weiter zu stillen, so lange Mutter und Kind mögen.

Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand reichert sich Glyphosat aufgrund seiner physikalisch-chemischen Eigenschaften nicht im Fettgewebe an. Auch in den vorliegenden Tierversuchen ist keine Affinität zum Fettgewebe beobachtet worden und die Ausscheidung in der Milch von Kühen war vernachlässigbar gering.

In Bezug auf die verwendete ELISA-Methode bestehen zudem Zweifel an deren Zuverlässigkeit für die Analyse von Muttermilch. Die dem BfR bekannten ELISA-Tests sind für die Bestimmung von Glyphosat in Wasserproben validiert, eine Eignung für Milch und andere fetthaltige Matrices ist nicht belegt. Es gibt eine Vielzahl von Studien, die keine Hinweise auf eine Anreicherung im Organismus erbracht haben. Aus den dem BfR vorliegenden Informationen geht nicht hervor, ob der Test vorher für alle untersuchten Matrices (Muttermilch, Urin) validiert wurde. Dies ist für eine gültige Aussage erforderlich, da die Bestimmungsgrenzen in den verschiedenen Matrices sehr unterschiedlich sein können. Die veröffentlichten Gehalte in 16 Muttermilchproben lagen in einem relativ engen Bereich zwischen 0,21 und 0,43 ng pro ml. Die empfindlichste in der Überwachung eingesetzte Analysenmethode erlaubt jedoch nur eine Bestimmungsgrenze von 10 ng pro ml. Die berichteten Gehalte in Muttermilch liegen also deutlich darunter und können ohne genaue Aussagen zur verwendeten Analysenmethode nicht beurteilt werden.

Das BfR hat auf Basis der veröffentlichten Glyphosatgehalte in Muttermilch berechnet, ob gesundheitliche Richtwerte überschritten werden würden. Neugeborene haben – bezogen auf ihr Körpergewicht – im Vergleich zu älteren Kindern den höchsten Flüssigkeitsbedarf von ca. 150 ml pro kg Körpergewicht täglich. Bei Zugrundelegung des höchsten gemessenen Gehaltes ergibt sich für ein ausschließlich gestilltes Neugeborenes eine tägliche Glyphosataufnahme von 0,000065 mg pro kg Körpergewicht. Für die Aufnahme von Rückständen aus Lebensmitteln wurde in der EU eine akzeptierte tägliche Aufnahmemenge (ADI, Acceptable Daily Intake) von 0,3 mg pro kg Körpergewicht abgeleitet, bei der keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten sind. Damit liegt die berechnete Glyphosataufnahme eines Neugeborenen um einen Faktor von mehr als 4000 niedriger als der gesundheitlich abgeleitete Richtwert für eine unbedenkliche Aufnahme. Die Nationale Stillkommssion und das BfR kommen zu dem Ergebnis, dass es wissenschaftlich nicht begründbar ist, bei dieser Größenordnung eine Besorgnis festzustellen, selbst wenn man Neugeborene für empfindlicher hält als im genannten ADI-Wert berücksichtigt.

In der Mitteilung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen wurde außerdem problematisiert, dass in den Muttermilchproben die festgestellten Glyphosatrückstände oberhalb von 0,1 ng pro ml lagen, was dem Trinkwasserhöchstgehalt für Pestizide entspricht. Eine Überschreitung des Trinkwasserhöchstgehaltes, wie dies für Glyphosatfunde aus der Muttermilch angenommen wird, bedeutet nicht, dass ein gesundheitliches Risiko besteht, da der Trinkwasserhöchstgehalt ein Vorsorgewert für alle Pestizide ist und nicht toxikologisch für einzelne Wirkstoffe abgeleitet wird. Für Pestizidrückstände in Babynahrung liegt der maximal zulässige Höchstgehalt bei 10 ng pro Gramm (g) Fertignahrung. Dieser Höchstgehalt liegt somit um etwa hundertfach höher als der zitierte Trinkwasserwert.

Grundsätzlich ist zu gemessenen Gehalten von Fremdstoffen in Muttermilch an dieser Stelle abschließend festzustellen, dass durch den enormen Fortschritt der analytischen Methodik in den letzten 30 Jahren heute fast jede Substanz bei entsprechendem Aufwand auch in Muttermilch nachzuweisen ist. Der alleinige Nachweis kann daher kein ausreichender Grund für eine Besorgnis sein; entscheidend ist in jedem Fall die Höhe der Gehalte, die gesundheitlich zu bewerten ist.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

grafische Darstellung zu Glyphosat-Grenzwerten
grafische Darstellung zu Glyphosat-Grenzwerten

ReBlog: Skandal – Cyanidin in Erbeeren gefunden

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(von bauerwilli.com)

Dieser Artikel stammt von Bauer Willi (bauerwilli.com)

Eine von uns in Auftrag gegebene Studie hat Cyanidin in Erdbeeren nachgewiesenCyanidin gehört nicht zur Gruppe der Cyanide, dessen bekanntester Vertreter das Cyankali ist. Aber es hört sich doch sehr gefährlich an.
Sehen Sie selbst: Hier einige,  natürliche, nachweisbare Inhaltsstoffe der Erdbeeren. ReBlog: Skandal – Cyanidin in Erbeeren gefunden weiterlesen

Ist denn schon Wahlkampf?

Dass Parteien zu Wahlen für sich werben war mir immer bewusst. Auch dass dabei auch Geld in die Hand genommen wird.
Dennoch war ich überrascht, als mir nach Eingabe der Wortkombination „Glyphosat“ und „Studie“ in die Google-Suchmaske eine Werbeanzeige der Grünen Bundestagsfraktion angezeigt wurde.

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Also wirbt hier nicht die Partei, sondern die Fraktion im Bundestag für ihre Anti-Glyphosat-Kampagne. Sehr interessant, das wusste ich bisher nicht, dass auch Fraktionen Werbekampagnen starten.
Regierung, Ministerien- die sind mir schon in Form von Werbung aufgefallen, aber Fraktionen? Ist das eigentlich üblich? Wie wird der Werbeetat mit Geld gespeist?

Offener Brief …

… zur Berichterstattung über die Untersuchung von Bündnis90/Die Grünen zu Glyphosat in der Muttermilch

(c) stallbesuch.de
(c) stallbesuch.de

Mit großer Sorge haben wir die Pressereaktion auf eine von „Bündnis 90/Die Grünen“ in Auftrag gegebene Untersuchung zu Glyphosat in Muttermilch-Proben zur Kenntnis genommen.

In zahlreichen Medien wurden Inhalte und Schlussfolgerungen aus der Pressemitteilung einer politischen Interessengruppe ungeprüft übernommen und nicht angemessen gewichtet.

So werden in der Pressemitteilung die ermittelten Werte mit den Trinkwasser-Grenzwerten verglichen. Diese Grenzwerte sind allerdings pauschaler Natur, gelten für alle Arten von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden. Sie sind nicht geeignet, um daraus eine etwaige Gesundheitsgefährdung abzuleiten (Link).

Ausschlaggebend für die Bewertung der Gesundheitsgefährdung ist die in der EU zulässige Tagesaufnahme, kurz ADI (acceptable daily intake). Diese liegt für Glyphosat bei 0,3 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Ein vier Kilo schwerer Säugling müsste also von der in der Stichprobe am stärksten belasteten Muttermilch mehr als 2777,778 Liter am Tag (!) trinken, um diesen Grenzwert zu überschreiten. Offener Brief … weiterlesen

Reblog: Glyphosatdurstige Säuglinge gesucht!

Landblogger-Icon-rechteckDieser Artikel stammt von Blogger Olaf Henke (LANDBLoGGER):

Der aktuelle Medienhype um angebliche Glyphosatfunde in der Muttermilch US-amerikanischer Mütter zeigt ein weiteres Mal, wie leicht man sich einen Skandal zusammenkonstruieren kann und wie leichtgläubig und unkritisch unsere Medien derartige Themen wie ein Schwamm aufsaugen.

Thilo Spahl vom The European hat sich in diesem Artikel genau mit dieser Thematik beschäftigt und legt eindrucksvoll offen, wie man aus unspektakulären Analysen einen spektakulären Skandal baut, in dem man mit Einheiten, Grenzwerten, eingeschränkten Stichprobeumfängen usw. hantiert.

Quintessenz des amerikanischen Glyphosatfundes: bei sehr durstigen Säuglingen, die etwa 1,6 Mio l (1.600.000 l) Muttermilch am Tag trinken, ist unter Umständen, eventuell, vielleicht ein gesundheitliches Risiko zu erwarten. Reblog: Glyphosatdurstige Säuglinge gesucht! weiterlesen

Clara Rolfes setzte Highlight bei 1. Wirtschaftstag

Clara Rolfes
Clara Rolfes

[ Vom ersten Wirtschaftstag in Cloppenburg war hier im Blog bereits zu lesen. ]

In der Nachbetrachtung der Veranstaltung war dabei nicht der Auftritt von Ministerpräsident Stephan Weil das Highlight, sondern ein Impulsreferat der jungen Bäuerin Clara Rolfes* aus Lastrup, die unmittelbar vor dem Ministerpräsidenten ihren Auftritt hatte.
Das Referat „Alltag auf dem Hof – Netzwerke, Investitionen, Dienstleistungen und Bürokratie“ beeindruckte nicht nur die ca. 400 Zuhörer im Plenum, sondern auch Stephan Weil, der in seinem Vortrag „Zukunft der Veredlungsregion Nordwestdeutschland“ viele spontane Bezüge auf die Ausführungen der Junglandwirtin einbaute.

Hier einige Zitate und Passagen ihres Impulsreferates:

„Ich sitze genauso lange im Büro, wie ich im Stall bin. Mir fehlt dadurch die Zeit, mich mal in Ruhe hinzusetzen und mit ruhigem Kopf und spitzem Bleistift neue Ideen zu entwickeln!“

Vor zehn Jahren wurde ich gefragt, ob ich als Frau die schwere Arbeit auf dem Hof überhaupt schaffe. Vor fünf Jahren bekam ich Sprüche wie ´Du siehst ja gar nicht so aus wie Bauer sucht Frau´ und heute fragt man mich, wie ich es denn mit meinem Gewissen vereinbaren kann, täglich meine Tiere zu quälen und die Umwelt zu vergiften.“ Clara Rolfes setzte Highlight bei 1. Wirtschaftstag weiterlesen

Ministerpräsident Weil zu Gast bei der (Land-)Wirtschaft

Cloppenburg (VEL). Gemeinsam für die Zukunft der Region – unter dieser Devise läuteten die Kreislandvolkverbände Emsland, Cloppenburg und Oldenburg zusammen mit den Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammer ihren ersten Wirtschaftstag ein. Ehrengast der Auftaktveranstaltung war Ministerpräsident Stephan Weil.

Diskutierten im voll besetzten Saal über Landwirtschaft und Wirtschaft: Gert Stuke, Hubertus Berges, Moderator Uwe Haring, Stephan Weil, Karl-Heinz Bley und Christian Dreyer (von links). Foto: Knoll, VEL
Diskutierten im voll besetzten Saal über Landwirtschaft und Wirtschaft: Gert Stuke, Hubertus Berges, Moderator Uwe Haring, Stephan Weil, Karl-Heinz Bley und Christian Dreyer (von links).
Foto: Knoll, VEL

Hermann Wester, Präsident des Emsländischen Landvolkes, begrüßte die rund 400 Landwirte und bekräftigte das ungebrochene Interesse gerade der jungen Menschen an der Landwirtschaft. Wester setzt sich daher besonders dafür ein, das Leben im ländlichen Raum zu erhalten. Auch Johann Wimberg, Landrat des Landkreises Cloppenburg, sieht die Stärkung der heimischen Wirtschaft an erster Stelle. Jeder dritte Arbeitsplatz im Kreis Cloppenburg hänge direkt oder indirekt mit der Landwirtschaft zusammen. Clara Rolfes hat nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihren Traumberuf in der Landwirtschaft gefunden. Die 31-Jährige Agraringenieurin aus Lastrup ist die Chefin auf dem Betrieb und schätzt an ihrem Beruf neben der Arbeit mit Tieren und Pflanzen vor allem das Unternehmertum. Immer mehr Bürokratie führe jedoch dazu, dass sie mittlerweile genauso viel am Schreibtisch wie auf dem Trecker sitzt. Dies hemme Innovationen und Ideenreichtum auf den Höfen. Von der Politik wünscht sich die Mutter einer kleinen Tochter mehr Unterstützung, damit auch nachfolgende Generationen Lust auf Landwirtschaft haben.

Dies griff Ministerpräsident Stephan Weil gerne auf, denn Landwirtschaft und Politik hätten ein gemeinsames Interesse daran, verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Landwirte und Landwirtinnen wie Clara Rolfes sollen wieder mit Stolz sagen können „Ich bin niedersächsischer Landwirt“, so Weil. Seiner Ansicht nach sollen Landwirte Respekt für ihre Arbeit erfahren. Dafür müssten sie jedoch offener gegenüber den Wünschen der Gesellschaft sein, denn Landwirten werde heutzutage „nicht mehr automatisch auf die Schulter geklopft“. Weil: „Landwirte sollen selbstbewusst und problembewusst sein.“ Selbstbewusst auf ihre Leistungen für die gesamte Gesellschaft, aber auch problembewusst für die Gründe möglicher Kritik. Ein positives Beispiel sieht er in der Initiative Tierwohl. Denn die Gesellschaft könne nicht nur beste Standards zu günstigsten Preisen verlangen. Er wolle sich dafür einsetzen, dass noch mehr Geld in die Tierwohl-Kasse fließt.

Gert Stuke, Präsident des Niedersächsischen Handwerkstages, fand klare Worte: „Wir brauchen in Deutschland keine Agrarwende, sondern eine Verbraucherwende.“ Für Christian Dreyer, Geschäftsführer der Amazonen-Werke, liegt die Zukunft in der Technik. Mit immer präziserer Technologie beispielsweise in der Düngerausbringung lasse sich die Qualität deutlich steigern und somit auch die Verbraucherakzeptanz. Hubertus Berges, Vorsitzender des Landvolks Cloppenburg, ist von den Anschuldigungen gegen die Landwirtschaft schlichtweg „genervt“. Seiner Meinung nach muss der scheinbare Widerspruch zwischen intensiv und nachhaltig aufgelöst werden: „Die moderne Landwirtschaft kann beides, und ist zudem noch höchst effizient“, so Berges.

meine Mail an den Deutschlandfunk

In einer Stunde geht´s los. Dann Beginnt die Live-Sendung „Heißt Mastbetrieb immer Tierquälerei?“ auf dem Hof Seeger. (Link zum DLF-Livestream)

Snapshot von deutschlandfunk.de
Snapshot von deutschlandfunk.de

Ich habe der Redaktion folgende Mail geschrieben und hoffe, dass ich mich noch in die Sendung einbringen kann (aufmerksamer Zuhörer bin auf jeden Fall):

Sehr geehrtes Team vom DLF,

ich bin Landwirt und auch Schweinehalter aus dem Emsland. Zur Sendung möchte ich folgendes sagen:

Ich bin kein Tierquäler, muss aber mit Tierhaltung Geld verdienen. Wir sind drei Generationen, die auf unseren fast 500 Jahre altem Hof mit und von der Tierhaltung leben.

Ganz viele Besucher, die sich die Ställe von innen ansehen, haben durchaus Verständnis für die Haltungsform. Deshalb müssen immer mehr Landwirte sich und ihre Ställe öffnen!

Natürlich geht mehr Tierwohl, aber das kostet Geld. Am besten wäre es, der Verbraucher zahlt das gerne und freiwillig über den Markt. Aktuell finanziert sich die Initiative Tierwohl aus Geldern des Lebensmitteleinzelhandels- die zweitbeste Lösung in meinen Augen.

Wenn gesetzliche Vorgaben verschärft werden sollen, dann müssen vorher Lösungen da sein, ansonsten droht eine Abwanderung ins kostengünstigere Ausland, womit nicht dem Bauern, nicht dem Tier und auch nicht dem Verbraucher gedient wäre.

Ich vermisse die Anerkennung durch Politik und NGOs für die Anstrengungen und Fortschritte bei vielen Problemfeldern wie Antibiotikaverabreichung, Gülleausbringung und dem Tierwohl. Es wird stattdessen allzu gerne pauschal auf die Landwirtschaft eingedroschen. 

Das lässt viele Landwirte verzweifeln und macht auch wütend. Wir Landwirte dürfen uns nicht aus der Mitte der Gesellschaft verdrängen lassen!

———

Ich werde den Vormittag im Büro verbringen und wäre so auch telefonisch erreichbar sofern sie ein Interesse an einem telefonischen Beitrag von mir haben.

MfG Bernhard Barkmann

 

Heißt Mastbetrieb immer Tierquälerei?

deutschlandfunk_logoProgrammtipp:
Deutschlandfunk, Sendung Länderzeit
Thema: Massentierhaltung, am Mittwoch, 17. Juni´15  um 10:10 Uhr mit dem Titel:

Heißt Mastbetrieb immer Tierquälerei?

Schweinezüchter wehren sich gegen Vorwürfe von Tierschützern

Die Radiosendung wird live aus dem südhessischem Otzberg (Odenwald) übertragen. Die Schweinehalter Kathrin und Peter Seeger öffnen für diese Sendung ihren Hof. Weitere Gäste sind Felix zu Löwenstein, Dr. Jörg Altemeier, Martina Feldmayer und Dr. Kirsten Tönnies. Moderator wird Jürgen Wiebicke sein.

Vorstellung der Gäste:

Peter und Kathrin Seeger im Gespräch mit Verbrauchern
Peter und Kathrin Seeger im Gespräch mit Verbrauchern

Peter und Kathrin Seeger betreiben eine eigene Schweinezucht. Nach einem Stalleinbruch von Stallbaugegnern und daraus folgende negative Berichterstattung entschlossen sie sich zur Offensive. Seitdem bieten sie Interessierten die Möglichkeit, ihre Ställe von innen zu sehen. Seither haben viele hundert Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre Ställe von innen live erleben können. Kathrin Seeger ist zudem Initiatorin des Schweinemobils und auch Mitbegründerin der Informationsplatform „Frag den Landwirt„.

Foto von bauerwilli.com
Foto von bauerwilli.com

Dr. Felix zu Löwenstein ist Landwirt und Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Vorstandsmitglied im Forschungsinstitut für biologischen Landbau und auch als Buchautor bekannt. Die Bücher „FOOD CRASH: Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr und „Es ist genug da. Für alle.: Wenn wir den Hunger bekämpfen, nicht die Natur“ stammen aus seiner Feder.

Dr. Jörg Altemeier ist Tierschutzbeauftragter der Firma Tönnies und wird der Sendung aus Bielefeld zugeschaltet.

Martina Feldmayer ist agrarpolitische Sprecherin der Grünen im hessischen Landtag, in dem bekanntlich eine Schwarz-Grüne-Koaltion regiert.

Dr. Kirsten Tönnies ist Tierärztin und Mitglied im Tierärztlichen Forum für verantwortbare Landwirtschaft.

Außerdem rundet Lara Stein von der TiHo Gießen die Runde ab. Sie ist angehende Fachtierärztin Schwein.

Wie immer an den Vormittagen im Deutschlandfunk sind auch zu dieser Sendung die Meinungen und Anregungen der Hörer gefragt. Jeder kann sich über die Hörertelefonnummer 00800 – 4464 4464, per Mail: laenderzeit@deutschlandfunk.de oder bei Facebook in diese Sendung einmischen.

 

Totgespritzt

Zum Thema Glyphosat habe ich bisher wenig in meinem Blog berichtet. Dabei steht das Herbizid ständig in der Kritik und wird von vielen Umwelt- und Naturschützern sehr kritisch beäugt. Mein Eindruck ist, dass der Wirkstoff Glyphosat zu einem Synonym und Symbol für moderne Landwirtschaft geworden ist- genauso wie der kupierte Ringelschwanz des Schweins für die sogenannte Massentierhaltung steht.
Das Glyphosat wurde von Monsanto erfunden und Monsanto ist wiederum das Synonym für die grüne Gentechnik, die von breiten Schichten geradezu verteufelt wird.

Nur so ist es zu verstehen, wie scheinbar seriöse Wissenschaftler scheinbar seriöse Studien veröffentlichen können und diesen pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen in scheinbar seriösen Zeitschriften in der Rubrik „Wissenschaft“ eine breite Bühne eingeräumt wird.

Artikel vom Spiegel 24/2015
Artikel vom Spiegel 24/2015

So im Spiegel in der Ausgabe 24/2015. Susanne Günther* hat sich eingehend mit den vielen Vorwürfen und falschen Tatsachen im Spiegel-Artikel beschäftigt und folgenden Leserbrief an den Spiegel geschrieben, der zusätzlich auch in ihrem neuen Blog veröffentlicht wurde:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin enttäuscht, dass Sie die Forschungsergebnisse der genannten Wissenschaftler nicht für den Leser einordnen und gewichten. Prof. Dr. Monika Krüger stellt die Vermutung auf, dass Glyphosat für das Krankheitsbild des sogenannten Chronischen Botulismus bei Rindern verantwortlich ist. Sie steht mit dieser Hypothese in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft alleine da. Eine große öffentlich finanzierte Studie über Botulismus konnte den Zusammenhang nicht bestätigen: LINK-Botulismus. Krügers Hypothese erklärt auch nicht, dass sich die Botulismus-Fälle in Niedersachsen und Schleswig-Holstein häufen. Denn Futtermittel, die pflanzliche Produkte enthalten, die irgendwann mit Glyphosat in Kontakt gekommen sind, werden bundesweit gleichermaßen gefüttert. Gleiches gilt übrigens für die Gesundheitsprobleme bei den Kühen von Bauer Voss oder die missgebildeten Ferkel von Schweinehalter Pedersen. Sojaextraktionsschrot gehört zur Standarddiät tragender Sauen. Missbildungen müssten dann überall vorkommen, ist aber nicht so. Die Genetik und Schimmelpilze im Futter könnten genauso gut Ursache sein. Es wird nicht klar, warum ausgerechnet Glyphosat für die Gesundheitsprobleme bei den Kühen und Schweinen verantwortlich sein soll. Wenn man sich ansieht, auf wie viele Stoffe die Futtermittel in Deutschland amtlich untersucht werden (LINK), findet man Dutzende anderer Chemikalien oder Pilzgifte, die grundsätzlich auch als Übeltäter in Frage kommen.

Einer Studie von Frau Prof. Dr. Krüger über Milchkühe in Dänemark werden zudem methodische Mängel (z.B. fehlende Kontrollgruppe) nachgesagt. Hierzu gibt es eine Stellungnahme vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR): BfR-LINK. Gerne zitiert Frau Prof. Dr. Krüger auch Namen wie „Huber“, „Séralini“, „Carrasco“ und „Paganelli“. Das sind alles erklärte Glyphosat-Gegner, die mit einer Studie nach der anderen scheinbar endgültig die Schädlichkeit des Wirkstoffs beweisen wollen. Ihnen stehen allerdings Tausende von Arbeiten gegenüber, die ihren Generalverdacht nicht bestätigen können. Ach ja, die sind ja alle von Monsanto bezahlt … Glauben Sie im Ernst, dass man wissenschaftlichen Konsens kaufen kann? Immerhin schaffen es die Glyphosat-Gegner spielend leicht ins Fernsehen oder in die Presse, und zwar eigentlich ohne wirklich wissenschaftlich Bahnbrechendes geleistet zu haben. Séralini wird auch nicht nur „kritisiert“, mein Eindruck ist, er wird in der Fachwelt gar nicht mehr ernst genommen: So wird die in Ihrem Text ausführlich beschriebene Fütterungsstudie an Ratten von deutschen Statistikern in drei Absätzen einfach weggewischt: http://www.rwi-essen.de/unstatistik/11/. Der Vollständigkeit halber: Sikkation mit Glyphosat einfach nur zur Ernteerleichterung ist in Deutschland nicht mehr zulässig, siehe: LINK.

Und noch ein Gedanke: Eventuell haben die großen Konzerne gar kein Interesse daran, den Wirkstoff Glyphosat weiter im Portfolio anzubieten: Die Patente sind lange abgelaufen, die Preise niedrig (günstiges Generika-Glyphosat aus China dominiert den Markt), Zeit für Innovation! Ein Verbot oder eine Anwendungseinschränkung von Glyphosat würde den großen Agrarchemiekonzernen nur in die Hände spielen. Eventuell könnte sich DER SPIEGEL mal mit dieser Facette des Themas auseinander setzen, alles andere habe ich eigentlich schon im Fernsehen gesehen.

schillipaeppa*Susanne Günther, Jahrgang 1972, studierte Philosophie im Ruhrgebiet und landete nach einigen Station als Redakteurin in der Privatwirtschaft (SMA, Bertelmann, Lycos) auf einem nordhessischen Familienbetrieb. Seit dem Februar diesen Jahres bloggt sie unter schillipaeppa.net. Anlass war die zunehmende Zensur ihrer unbequemen, nicht dem grünen Mainstream angepassten Kommentare.